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Ein Moment der Unachtsamkeit

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P12 / Gen
Ed Lane Julianna "Jules" Callaghan Mike "Spike" Scarletti Sam Braddock Sergeant Gregory Parker
23.09.2014
07.01.2015
6
8.803
1
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23.09.2014 884
 
„Team 1, das gesuchte Fahrzeug fährt auf der Dundas Street West Richtung Toronto.“

„Okay Winnie. Verstanden“, antwortet Ed ihr, während er konzertiert auf die Straße vor sich schaut.
Einige Sekunden später vernimmt er Spikes Stimme: „Sam und ich sind am nächsten dran. Wir sind kurz vor der Zufahrtsstraße der Dundas Street.“
„Na schön. Ihr beide hängt euch an ihn ran.“
Augenblicklich beschleunigt Sam und nimmt die Auffahrt auf die Dundas Street.
„Leah und Jules. Ihr fahrt einfach weiter geradeaus und versucht ihn mit uns einzukesseln“, fährt Ed weiter fort.
„Verstanden!“, kommt es unisono von den beiden Frauen.

~°~

Sam fährt noch nicht lange auf der Dundas Street, da reißt Spike plötzlich seinen rechten Arm nach oben und deutet auf einen unauffälligen roten Ford Fiesta, welcher zwei Autos vor ihnen fährt.
„Dort ist er!“
Bestätigend nickt Sam.
„Okay, ich sehe ihn.“
Schnell schert er aus und überholt den ersten Wagen um den Abstand zwischen sich und dem Fluchtauto zu verringern. Doch scheinbar hat der Verfolgte die Aktion mitbekommen, denn nach einigen Metern biegt er urplötzlich nach rechts in eine kleine Seitenstraße.
„Ed! Er ist jetzt in die Home Smith Park Road gefahren. Er hat offenbar mitbekommen, dass wir wieder an ihm dran sind und ihn verfolgen“, berichtet Spike.
„Ich bleib weiter an ihm dran“, teilt Sam dem Rest des Teams mit entschlossener Stimme mit.
Sofort bekommt Spike zu spüren, was "ich bleib an ihm dran" bedeutet. Sam biegt, ohne auch nur daran zu denken die Geschwindigkeit ein wenig zu drosseln, nach rechts in die Straße ab und Spike muss sich festhalten, um nicht gegen die Scheibe geschleudert zu werden. Er befürchtet schon fast, dass die Reifen abheben und der schwere Koloss wie ein gefällter Baum zur Seite kippt, doch zu seiner großen Erleichterung verhindert die Schwerkraft, dass es so weit kommt. Er hat gerade einmal Zeit einen kurzen, kritischen Seitenblick zu Sam zu werfen, bevor der das Gaspedal wieder voll durchdrückt. Spike glaubt ein schelmisches Zucken von Sams Mundwinkel wahrzunehmen. Lächelnd richtet er seinen Blick wieder auf die asphaltierte Straße, welche nun vor ihnen liegt. Das einzige weitere Auto weit und breit ist der rote Ford, der so schnell fährt, das man meinen könnte der Teufel ist hinter ihm her.
„Na schön! Leah. Fahr rüber zur Old Mill Road. Wir treffen uns dort und werden ihn abfangen“, weist Ed sie an. „Jetzt entkommt er uns nicht mehr.“
Im Gegensatz zu dem Fahrer des Fords weiß Ed, dass man die Home Smith Park Road nur auf eine Weise verlassen kann, wenn man nicht umdrehen will. Die einzige Straße, welche die Straße schneidet, ist eben jene Old Mill Road, auf die der verfolgte Wagen genau in diesem Moment zusteuert.

~°~

Grell blitzt der schwarze Lack des SUVs in den hellen Strahlen der Sonne auf. Die Pappeln und Ahorne, welche die rechte Seite der Straße begrenzen, ziehen rasant an den Fenstern vorbei. Jetzt im Herbst erstrahlen sie in leuchtendem Rot und Orange, fast als würde der Wald in Flammen stehen. Links von der Straße fließt der Humber River rauschend Richtung Ontariosee. Unter der gekräuselten Wasseroberfläche bewegen sich die schmalen Schatten von Forellen und Lachsen blitzartig durch das kühle Nass. Alles lädt dazu ein anzuhalten, die Umgebung zu genießen und die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres in sich aufzunehmen. Doch das SRU-Team hat keine Zeit sich mit der Schönheit des Tages zu beschäftigen. Immerhin heißt es einen flüchtigen Bankräuber einzufangen.
„Wir stehen jetzt am Ende der Straße. An uns kommt er definitiv nicht vorbei“, verkündet Ed bestimmt.
„Okay! Der Ford müsste in drei Minute bei euch auftauchen, wenn nicht sogar schon eher. Der hat einen Affenzahn drauf!“, bemerkt Spike leicht amüsiert. „Dann könnt ihr ihn …“ Doch was sie können, erfahren die Anderen nicht mehr. Das Einzige, was sie durch die Headsets hören, ist Spikes lauter Warnruf, bevor es laut rumst und am anderen Ende der Leitung Funkstille herrscht.

~°~

Spike hatte sie nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen. Eine bunte und verschwommene Bewegung zwischen den Bäumen. Als er schnell den Kopf dreht und sein Gehirn realisiert was er da vor sich hat, ist es schon fast zu spät um zu reagieren.
„Sam! Pass auf!“
Durch seine schnellen Reflexe, tritt Sam sofort auf die Bremse und reißt das Lenkrad automatisch nach links, in der Hoffnung das Schlimmste zu verhindern. Seine Gedanken gelten dabei dem Mädchen, welches ohne nach links zu schauen auf die Straße gerannt ist. Mitten in ihre rasante Verfolgungsjagd hinein.

Was als Nächstes geschieht dauert nur Millisekunden, doch für Sam fühlt es sich wie eine halbe Ewigkeit an. Der Wagen gerät ins Schlingern und die Reifen beginnt haltlos über den Asphalt zu rutschen, sodass sich der ganze Wagen einmal um 180 Grad dreht. Allerdings hat das schwarze Ungetüm so viel Schwung, dass es noch weiter rutscht und schließlich die flache Böschung runter schlittert. Sams Kopf stößt dabei schmerzhaft gegen die Scheibe. Benommen von der heftigen Kollision schließt er kurz die Augen. Als er sie wieder aufschlägt, sieht er etwas Braun-grünes auf sich zurasen. Ein plötzlicher Stopp schleudert ihn hart in seinen Sicherheitsgurt und nimmt ihm für kurze Zeit die Fähigkeit zu Atmen. Das Geräusch quietschenden Metalls und klirrender Fensterscheiben brennt sich unauslöschlich in sein Gedächtnis.
Bevor ihn die Dunkelheit einlullt, hört er Jules aufgelöste Stimme in seinem Ohr, die verzweifelt seinen Namen ruft.
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