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Ein etwas anderer Geburtstag

von -bamboo
GeschichteAllgemein / P12 / MaleSlash
Bilbo Beutlin Thorin Eichenschild
22.09.2014
22.09.2014
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22.09.2014 1.848
 
Bilbo hat am 22. September nach Auenland Zeitrechnung Geburtstag. Frodo auch, doch dieser Oneshot gilt meinem geliebten Hobbit Bilbo.
Zwar ist der 22. September in Auenland Zeitrechnung in unserem Kalender der 14. September, doch ich gehe jetzt einfach mal nach auenländischer Zeitrechnung =)

-

Um ihn herum war Feuer.
Heiße Flammen, gnadenlos.
Sie brannten sich in seinen Nacken und fraßen sich in sein Haar.
Wollten sich nach vorne in sein Gesicht tasten. Vernichteten in Sekunden seine weiche Haut.
Sie trafen seine Ohren.
Schreiend fiel er, fiel in einen Haufen aus kühlen Gold.
Sein Schrei ging in dem Brüllen des Drachens unter.



Um seinen mit dicken Verbänden umschlungenen Nacken spannten sich bleiche Finger.
Die widerlich spitzen Nägel schoben sich unter die Lagen und berührten die wunde, verbrannte Haut.
Er schrie auf.
Azogs gnadenloser Griff ließ schwarze Punkte vor seinen Augen tanzen.
Er wollte doch nur Thorin retten...
„Tharb.“, brüllte Azog in sein verbundenes Ohr. Er hörte es nur dumpf.
Aber er hörte es.
Sein Kopf wurde nach hinten gerissen.
Er riss seine Augen auf und sah aus dem Augenwinkel Thorin, der sich aufrappelte.
Der Zwerg schien irgendetwas zu schreien.
Rief er ihn?
Er hörte ihn nicht.
Azogs bleicher Körper drückte sich gegen seinen geschundenen Körper. Der Ork richtete ihn so aus, dass er Thorin anschauen konnte.
Und Thorin ihn.
Thorins Mund bewegte sich beständig. Er schien verzweifelt.
Zurückgehalten wurde er, konnte seinem Hobbit nicht helfen.
Doch es war besser so, Azog wurde von mächtigen Orks und Wargen beschützt. Thorin hätte keine Chance.
Ein brutal wirkender Ork mit Peitsche und unzähligen Folterinstrumenten trat vor ihn.
Er tröpfelte irgendeine Flüssigkeit auf seine dicken Handschuhe.
Dann hob der die Hände und ließ die kleinen Tropfen genau in Bilbos Augen tropfen.
Schreiend wollte er sich in seine brennenden Augen greifen.
Doch er wurde festgehalten.
Sein Sichtfeld färbte sich furchtbar rot, dann weiß.
Dann schwarz.

~

„Bilbo.“
Die Stimme war dumpf an seinem Ohr, kam ihm aber sofort bekannt vor. Lächelnd drehte er seinen Kopf zu dem Besitzer der Stimme und zuckte zusammen, als seine Nase die des Sprechers berührte.
Auch zuckte er zusammen, als eine Hand unerwartet auf seinen Rücken legte.
Als sich Lippen an sein Ohr legten, zuckte er nicht zusammen. Der warme Atem an der Ohrspitze hatte ihn vorgewarnt.

„Mein Bilbo.“, brummte die dumpfe Stimme direkt in sein Ohr und die Vibration schickte einen Schauder über seinen Rücken.
Der Hobbit tastete sich blind nach vorne und lehnte sich an die Brust von Thorin.
Sein Thorin.

Nach dem Vorfall mit dem Drachen und dem Vorfall während der Schlacht hatte sich Thorin unglaublich rührend um den Hobbit gekümmert. Aber man konnte gar nicht anders, denn der kleine Hobbit musste einem nach dem, was er durchgemacht hatte, einfach nur ans Herz wachsen.
Smaug hatte Bilbo damals überrascht, nicht lange gefackelt und dem Armen den halben Rücken verbrannt.

Bilbo war mit zerfetzten, wunden Rücken und blutenden Ohren zurück zu den Zwergen gekommen. Sie konnten mit Salben und Verbänden viel retten, doch er schien sein Gehör verloren zu haben.
Dwalin hatte damals noch gesagt, dass der Hobbit Glück gehabt hatte, nicht in den Augen getroffen worden zu sein.

Als Menschen und Elben kamen, hatte Thorin sie förmlich angebettelt, irgendetwas für Bilbo tun zu können. Ihm war jeder Hass und jede Fehde egal gewesen, ihm war nur der Hobbit wichtig.
Er hatte ihnen Gold angeboten, ihnen Freundschaft und Bündnisse angeboten. Die Elben waren erstaunt, doch sie konnten die tiefe Zuneigung für Bilbo in dem Zwerg erkennen. Sie hatten verstanden, wie sehr sie Thorin erzürnen würden, wenn sie Bilbo nicht helfen würden, und sie hatten zugesagt.
Sie konnten sein Gehör fast nicht retten, sie konnten nur einen kleinen Teil wiederherstellen.
So konnte Bilbo wieder hören, aber nur, wenn man ihm direkt ins Ohr sprechen würde.

Dann kam aber die Schlacht.
Thorin hatte Bilbo gezwungen, im Berg zu bleiben, doch der Hobbit war hinter ihnen her geschlichen.
Er hatte Thorins Leben gerettet, als er Bolg die Achillessehne zerschnitt und Thorin ihn dann köpfen konnte. Wenn Bilbo nicht gewesen wäre, hätte Bolg sein Schwert durch Thorins Nacken fahren lassen.
Bilbo hatte Azog nur einen kleinen Kratzer zufügen können, bevor der bleiche Riese ihn hochgehoben hatte.
Bilbos Augenlicht wurde ihm genommen, als ihm Säure in die Augen getröpfelt worden war.
Beorn hatte Azog umgebracht und den Hobbit gerettet, doch selbst die Elben konnten kaum noch etwas für Bilbos Augen tun.

Die sonst so lebhaften Augen des Hobbits waren nun trüb und milchig, glänzten aber hin und wieder noch und zeugten von Leben.
Seine Ohren waren trotz der Verbrennungen nicht vernarbt, auch sein Rücken hatte keinen Narben abbekommen. Die elbische Heilkunst war schon ein Wunder für sich.

Thorin legte einen Finger unter Bilbos Kinn und hob es sanft an, nur um dann seine Lippen auf die des Hobbits zu legen.
Bilbo seufzte in den Kuss hinein. Mit unsicheren Bewegungen suchte er den Nacken des Zwerges und hielt sich daran fest.
„Na na na, nicht so hektisch, Kleiner.“, grollte Thorin liebevoll in sein Ohr, als er den Kuss löste.

Nach der Schlacht war Bilbo blind und fast taub. Er war für nichts mehr zu Nutze und brauchte bei jeder Kleinigkeit Hilfe. So oder so brauchte er eine Beschäftigung, denn er konnte gar nichts mehr. Nicht mehr Lesen, nicht mehr Zeichnen, nicht mehr Schreiben.
Man musste ihm Geschichten erzählen oder vorlesen. Man musste ihm helfen, sich wieder an das Laufen zu gewöhnen, da er durch das fehlende Gehör Gleichgewichtsprobleme hatte.
Thorin hatte ihm liebend gerne geholfen. Dáin hatte seine Arbeit als König übernommen, während Thorin Bilbo betreute.
Die beiden Männer waren sich näher gekommen und hatten sich endlich eingestehen können, dass sie ineinander verliebt waren.

Nun war beinahe ein Jahr vergangen.
Es war der 21. September in Auenland Zeitrechnung.

Thorin hob den Hobbit vom Bett und setzte ihn vorsichtig auf dem Boden ab.
Instinktiv griff Bilbo nach seiner Hand. Ob man es wollte oder nicht, man musste Bilbo führen.
Grinsend erinnerte sich Thorin daran, wie Dwalin ihm letztens mit ziemlich nervösen Gesichtsausdruck entgegen gekommen war, den zierlichen Hobbit an der Hand führend. Es war ein Bild für die Götter gewesen.
Ähnlich war es mit Dís gewesen. Sie war eigentlich eine harte Zwergin, eine Kämpferin, in etwa wie Dwalin. Doch bei Kindern schmilzt ihr Herz jedes Mal, und Bilbo ist für sie ein drittes Kind, ihr Schützling. So oft wie möglich sucht sie die Gesellschaft ihres 'geliebten Bilbos'.
Wenn sie mit ihrer groben, von Kämpfen gegerbten Hand nach der weichen, kleinen Hand des Hobbits griff, sah es immer süß aus.

„Thorin, wohin gehen wir?“, fragte Bilbo mit der unsicheren Stimme, die er seit dem Drachenvorfall hatte. Er hörte seine eigene Stimme durch das dünne Gehör nur noch sehr schwach und deshalb hatte sich ihr Ton verändert. Es war eigentlich kein gravierender Unterschied vorhanden, doch diese zittrige Unsicherheit war immer in der Stimme vorhanden.
„Nur zum Kamin, mein Kleiner.“, sagte Thorin in Bilbos Ohr, nachdem er sich heruntergebeugt hatte.
Der Griff des Hobbits um seine Hand festigte sich und ein schmales, aber ehrliches Lächeln legte sich auf das Gesicht des kleinen Hobbits.

Vor dem Kamin zog Thorin Bilbo auf seinen Schoß und Bilbo kuschelte sich an seine Brust.
Er sog den Geruch des Zwerges tief ein. Seit er seinen Augen und Ohren nicht mehr trauen konnte, hatte er sich auf Geruchs- und Tastsinn verlassen müssen.
Und deshalb war der Geruch des Zwerges noch intensiver in seiner Nase geworden. Bilbo würde den Geruch unter dem Geruch aller Zwerge der ehemaligen Gemeinschaft erkennen können.
Manchmal nannten ihn die Zwerge der Gemeinschaft auch liebevoll den Spürhund.

Dieser Kosename hatte auch eine Geschichte, die unter den Zwergen Erebors ihre Runden gemacht hatte. Die Zwerge Erebors kannten den Hobbit, den Hobbit unter dem Berge und ihr Held. Sie liebten Bilbo und liebten Geschichten von dem kleinen Lockenkopf.

Die Geschichte um den Kosenamen ist aber noch die bekannteste Geschichte von Bilbo und Thorin.
Es war nicht lang nach der Schlacht gewesen, die meisten Zwerge waren geheilt und Bilbo hatte sich langsam an den Verlust seiner Sicht und an den Verlust seines Gehörs gewöhnt. Er hatte gelernt, besseren Gebrauch seiner Nase und seines Tastsinns zu machen. Auch sein Gleichgewicht konnte er relativ gut halten.
Es war ein langweiliger Tag für Bilbo gewesen, er hatte Laufübungen gemacht und sehnte sich unglaublich nach Thorin, der seinen Pflichten als König nachging. Er hatte mit Ori die Toten dokumentiert, mit Balin und Dáin den Wiederaufbau des Erebors geplant und hatte die schwachen Freundschaften mit Menschen und Elben gestärkt.
Bilbo wollte Thorin suchen, mit ihm reden oder einfach nur seine Anwesenheit genießen. Zu dem damaligen Zeitpunkt waren sie noch nicht so weit gewesen, dass sie einfache Berührungen oder Küsse ausgetauscht hatten. Es war eine einfache, innige Freundschaft, die aber schnell mehr als nur Freundschaft geworden war.

Bilbo hatte an einem von Thorins Hemden gerochen. Schon damals hatte er das Zimmer des Königs bewohnt und hatte dann natürlich Zugang zu dem Schrank des noch nicht offiziell gekrönten Königs. Bis er den Schrank gefunden hatte, war etwas Zeit vergangen, doch er hatte es geschafft und den geliebten Geruch des Zwerges praktisch inhaliert, bevor er sich auf den Weg gemacht hatte, Thorin zu suchen.
Er hatte sich auf seine Nase und auf die Zwerge verlassen. Fremde Zwerge, die ihn natürlich kannten und ihm auf sein raues 'Thorin?' geantwortet hatten.
Schließlich hatte er den Zwerg in dem Thronsaal gefunden, wo er scheinbar mit Balin und Dáin diskutiert hatte. In der so offenen Halle war der Geruch des Zwerges doch stark vertreten gewesen und Bilbo hatte sich direkt wohl gefühlt.

Die Zwerge hatten die Geschichte natürlich etwas übertrieben. Bilbo hätte Thorin nie finden können, wenn er nicht die fremden Zwerge gefragt hätte, in die er eingerannt hatte. Allein von dem Geruch hätte er ihn nie finden können.
Er war kein Hund und er hatte auch nicht seine Nase auf den Boden gerichtet, um Geruchsspuren besser wahrzunehmen.
Trotzdem erhielt er den Namen Spürhund. Und er hatte nichts dagegen.

Mit den Erinnerungen an diese Geschichte döste Bilbo auf Thorins Schoß ein.
Die Wärme des Kamins schläferte ihn ein und er konnte einfach nicht anders als ein Nickerchen zu halten.
Thorin schien auch nichts dagegen zu haben.

Er wusste nicht, wie viel später es war, als er aufwachte. Thorin bewegte sich leicht unter ihm und schien ihn auf eine sanfte Art und Weise aufwecken zu wollen.
„Thorin? Wie spät ist es?“, brummte der Hobbit, der seine Stimme selber nur wie durch Wasser hörte.
„Kurz nach Mitternacht am 22. September nach Auenland Zeitrechnung.“, verkündete der Zwerg an seinem Ohr und Bilbo zuckte zusammen.
22. September...sein Geburtstag!

„Alles Gute zum Geburtstag, Bilbo!“, schrie Fílis bekannte Stimme in sein Ohr.
Der Hobbit lachte leise und wollte sich glücklich an Thorin kuscheln, doch etwas landete in seinem Gesicht. Es war weich, bedeckte sein ganzes Gesicht und klebte höllisch.
Erschrocken quiekte er und leckte sich seine Lippen.
Es schmeckte süß.

Hatte Fíli ihm etwa einen Kuchen ins Gesicht geworfen?

Thorins wohltuendes Lachen erklang an seinem Ohr.

„Alles Gute zum Geburtstag, mein kleiner Hobbit.“, kicherte Thorin dunkel in sein Ohr und küsste ihm Kuchencreme von der Nasenspitze.
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