Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Whaf if...

von Andoblade
GeschichteAllgemein / P16
21.09.2014
21.09.2014
1
2.597
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
21.09.2014 2.597
 
Es war ein düsterer Wintermorgen im Februar und die Wolken am Himmel waren grau. Arisu blickte von ihrem Bett aus durch die Fensterscheibe auf die dunklen Wolken. Es würde bald regnen. Gerade an diesem Tag, aber vielleicht war es besser so. So würden ihre Tränen, sowie die, der Anderen, nicht so sehr bemerkt werden. Sie blickte auf die Uhr und bemerkte, dass sie die Zahlen der Digitaluhr kaum erkennen konnte. Sie seufze leise und wischte sich die Tränen aus den Augen und sah, dass es 8 Uhr morgens war. Sie war wieder weinend aus einem Traum erwacht. Einem Traum, in dem es um Ando ging. Schon der Gedanke an ihn ließ ihren Magen sich zusammen ziehen. Sie schluckte einen aufkeimenden Tränenschwall herunter und stand langsam auf. Sie sah sich um. Sie blickte auf das Bett, welches für sie allein viel zu groß gewesen war. Sie und Ando hatten es sich zum Einzug in die Wohnung gekauft. Wie so vieles in dieser Wohnung, die ihr und ihrem Verlobten gehörte. Deswegen erinnerte sie fast alles an den Braunhaarigen, der nun nicht mehr da war. Sie griff nach einem Handtuch und verschwand unter der Dusche. Nach etwa einer halben Stunde kam sie fertig geduscht aus dem Bad und griff sich die schon raus gelegten schwarzen Sachen und zog sich an. Als sie fertig war, blickte sie erneut auf die Uhr und es war nun etwa 9 Uhr. In einer halben Stunde würde sie an der Kapelle auf die Anderen treffen. Sie blickte sich noch einmal schnell um und verließ die Wohnung. Unten angekommen warteten auch schon ihr älterer Bruder und ihre jüngere Schwester im Wagen. Sie stieg ein und wurde mit einem kurzen Blick ihres Bruders empfangen. Die Schwarzhaarige blickte vom Beifahrersitz nach hinten zu ihrer Schwester. Diese wirkte leicht abwesend und Arisu hakte nicht weiter nach.

An der Kapelle standen schon einige Menschen. Kaito und Shin Yamada die Brüder von Ando standen gemeinsam am Eingang der Kapelle. Sie sahen sehr mitgenommen aus und blickten beide etwas auf den Boden. Nicht weit entfernt von ihnen stand eine weitere kleine Gruppe, bestehend aus drei Jungen und zwei Mädchen. Eines der Mädchen lief eine Träne über die Wange. Sie wurde von ihrem besten Freund Ryo getröstet. Das andere Mädchen, welches die kleine Schwester des ersten Mädchens war, stand dort mit verschränkten Armen und wirkte traurig und wütend zugleich. Die anderen beiden Jungen hatten braunes Haar, wie Ryo und wirkten beide etwas geknickt. Es waren Ryo’s beste Freunde Kazu und Davis. Leider fehlte Ando, der genauso als bester Freund dazu gezählt hatte. Sie hatten gemeinsam so viel erlebt und nun kam es zu diesem Tag. Ein blaues Auto hielt am Parkplatz und es begann langsam zu regnen. Aus dem blauen Wagen stiegen vier weitere in schwarz gekleidete Personen. Zum einen, der blauhaarige Jesse Anderson mit Azusa. Dazu waren noch Ritsu und Mio bei ihnen. Die drei Mädchen schienen ihre Tränen zurückhalten zu müssen. Nur Jesse wirkte einigermaßen gefasst. Die Vier gesellten sich zu der Gruppe und eine Limousine hielt auf dem Parkplatz. Der Chauffeur stieg aus und öffnete die hinterste Tür. Aus der Limousine stieg ein blondes Mädchen. Sie ging schnell zu ihren Freundinnen und konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. „Mugi-senpai“, murmelte Azusa leise und umarmte diese. Nun stießen noch zwei weitere Personen zur Gruppe. Einer davon war Kai und er zog Tsumugi, nachdem Azusa diese losließ, zu sich und legte ihr schweigend einen Arm um die Schulter. Neben Kai stand sein Kindheitsfreund Ray. Sie alle waren gut befreundet und schienen jetzt mehr zusammen zu rücken, durch dieses Ereignis. Nun hörten sie hinter sich eine Stimme, die etwas fluchte. Sie drehten sich um und sahen Yui auf sie zulaufen. Sie schien zu glauben, dass sie zu spät kam und stolperte ihren Weg zu den Anderen. Doch bevor sie wirklich zu Boden fiel, wurde sie aufgefangen. Auf der einen Seite hielt sie ein weißhaariges Mädchen und auf der anderen, ein Schwarzhaariges, sodass Yui nicht fiel. „Danke Hiyori, Mato…“, sagte Yui leise und wurde etwas rot, da ihr das wohl etwas peinlich war. „Wir wollen doch nicht, dass du diese schönen Sachen dreckig machst“, sagte Mato und grinste für eine Sekunde. Hinter den dreien standen, ein Rothaariger und eine weitere Schwarzhaarige. Sie waren gemeinsam hier angekommen. Axel und Tamara traten aus dem Schatten der drei und gemeinsam gingen sie auf die Gruppe zu. Während die Gruppe sich zusammengestellt hatte, waren Chazz, Tyranno und noch ein Junge mit dunklen Haaren zu Kaito und Shin gegangen. Die meisten kannten sich durch denselben Verein in den sie gegangen waren, als sie jung waren. Heute spielten sie in verschiedenen Vereinen, aber das hielt sie nicht davon ab Freunde von Ando gewesen zu sein.

Nun waren alle versammelt, bis auf Arisu und ihre Geschwister, die auch endlich ankamen. Sie stiegen langsam aus und gesellten sich zu der Gruppe. Arisu ging auf direktem Wege zu Kaito und Shin. Die beiden umarmten sie und blickten sie ernst an. „Meinst du, dass du das schaffst?“, fragte Kaito ernst. Arisu nickte kurz. „Ich muss. Ich könnte es mir niemals verzeihen, wenn ich das hier jetzt nicht durchziehe!“, sagte sie leise und man hörte ihr an, wie schwer es für sie war. Nun kamen auch die anderen dazu und sie betraten alle die Kapelle. Als sie ihre Plätze eingenommen hatten, erblickten sie vor sich die Urne und ein Bild von Ando neben dem Pfarrer, der gleich noch etwas sagen würde. Doch das Bild im Trikot seiner Lieblingsmannschaft, in der er, seit er klein war, spielen wollte und nach hartem Arbeiten auch endlich konnte, weckte Erinnerungen an diesen verheißungswürdigen Tag. Den 13ten Januar. Sie hatten ein Testspiel gegen Ende der Winterpause, gegen einen viel kleineren Verein gespielt. Alles lief gut. Ryo und Ando, die eigentlich Konkurrenten waren, für die Spielmacherposition, harmonierten unglaublich gut und spielten nur zu zweit die ganze gegnerische Mannschaft schwindelig, aber das wurde Ando zum Verhängnis. Nachdem er das 13:0 schoss und zum Jubeln zur Eckfahne lief, kam ein wütender Fan des gegnerischen Vereins auf den Platz gelaufen und es sah zuerst nur so aus, als würde er ihn schlagen, doch als Ando dann blutend zu Boden ging, konnte man das Messer in der Hand des wütenden Fans sehen. Ando lag mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden und sein weißes Auswärtstrikot färbte sich allmälig rot. Der wütende Fan wurde von Spielern beider Mannschaften zu Boden gerungen, entwaffnet und die Sanitäter rannten so schnell sie konnten auf den Platz, legten Ando auf die Trage und brachten ihn weg. Währenddessen wurde der Krankenwagen geholt, Arisu war von der Tribüne gestürmt und war bei dem stark blutenden Ando angekommen. Das Spiel wurde abgebrochen, da es den Spielern nicht zuzumuten war, so weiter zu spielen. Der Krankenwagen kam und Arisu fuhr mit dem Sanitätern und Ando so schnell es ging ins Krankenhaus. Immer wieder versuchte Ando seiner Verlobten klar zu machen, dass alles gut werden würde, doch auch er selbst wusste, dass er nicht mehr lange hatte. Arisu war aufgelöst und die Tränen flossen nur noch von ihrem Kinn auf das Trikot, welches sie in die Hand bekommen hatte, da die Blutung gestoppt werden musste. Im Krankenhaus angekommen, hatte Arisu noch etwa fünf Minuten mit Ando. Wohl wissend, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, sagte er ihr, wie sehr er sie liebte. „Das, das wird wieder...sag mir das, wenn es dir wieder besser geht, okay?“, flehte die Schwarzhaarige unter Tränen. „Es tut mir leid, doch das wird nicht gehen“, antwortete er nur schwach, hustete etwas Blut aus und wusste, dass es jetzt zu Ende ging. Er sah ihr noch einmal tief in ihre dunkelblauen Augen, während das Leben aus seinen langsam entwich.  Arisu, die die ganze Zeit über Ando’s Hand hielt, wollte es nicht wahr haben. „Geh nicht! Ando bitte...An...“, schluchzte sie verzweifelt auf, doch ihr Verlobter konnte nicht mehr darauf antworten. Die Ärzte drückten Arisu schnell zur Seite und bemerkten, dass es zu spät war. Er hatte schon auf dem Weg ins Krankenhaus zu viel Blut verloren. Das Mädchen stieß mit dem Rücken gegen die Wand und glitt daran herunter. Sie war viel zu traumatisiert, um irgendetwas tun zu können. Es dauerte einige Sekunden bis ihr Gehirn verstand, was passiert war. Sie verschränkte die Arme über dem Kopf, krallte sich in ihre Zöpfe, der kurzen Haare und begann ihre Trauer heraus zu schreien.

Jeder der Anwesenden hörte dem Pfarrer zu, als er über Ando sprach. Alle bis auf Arisu. Sie war so sehr in Gedanken versunken, dass sie das meiste nicht mitbekam. Als sie langsam wieder klar denken konnte, bemerkte sie, dass ihr Gesicht nass war und ihr die Tränen nur so über das Gesicht rannen. „…und er war ein gütiger Mensch, der niemals einen Groll gegen jemanden hegte…“, hörte Arisu heraus und nickte schwach. Ando war nicht nachtragend und auch nie irgendwie groß wütend auf jemanden gewesen. Wenn er diesen Messerangriff überlebt hätte, wäre er selbst dem Angreifer nicht böse gewesen. So war Ando einfach und das hatte sie an ihm immer so gemocht. Das war natürlich nicht alles was sie toll an ihm fand. Es waren die unzähligen keinen Sachen, die sie so an ihm geliebt hatte und sie merkte, wie ihre Schwester, die nicht so viel Zeit mit Ando verbracht hatte, auch begann zu weinen. Arisu schluckte kurz und trotz, dass sie weinte, legte sie den Arm um ihre Schwester und wollte sie trösten. Nicht nur Arisu und Mai waren am weinen, auch über Shin’s Gesicht liefen Tränen. Für ihn war Ando der Größte gewesen. Weiter hinten in den Reihen waren auch Maki, Mio, Tsumugi, Azusa, Mato, Yui und Jesse am Tränen vergießen. Anderen liefen nur vereinzelt einige Tränen über die Wangen. Arisu war viel zu sehr mit sich selbst und mit dem Trösten ihrer Schwester beschäftigt, um weiter dem Pfarrer zuzuhören, der irgendwie davon redete, dass Ando’s Seele seinen Frieden gefunden habe. Die ganze Rede dauerte noch etwa eine Viertelstunde. Als der Pfarrer die Anwesenden dann bat ihm zu folgen, erhoben die Anwesenden sich von ihren Stühlen. Der Pfarrer und der Urnenträger gingen voran, über den Friedhof zum Grab, in dem Ando begraben werden sollte.

Auf dem Weg dorthin brachen einige erneut in Tränen aus. Es war für alle nicht schön einen so jungen Menschen zu Grabe zu tragen. Er hatte mit seinen 25 Jahren noch sein ganzes Leben vor sich gehabt. Jetzt war es einmal so gekommen und sie mussten es tun. Die Trauernden bestanden nur aus seinen Brüdern und seinen Freunden, da seine Eltern schon verstorben waren und sie sonst keinen Kontakt zu anderen Familienmitgliedern hatten. Kaito und Shin hatten zwar Verwandtschaft eingeladen, doch diese meldeten sich kurz vorher und sagten ab. Der Weg bis zum Grab war nicht lang und so waren sie in etwa fünf Minuten dort. Die Urne wurde hinunter in das Grab gelassen und alle stellten sich in einer Reihe auf. Kaito ging als Erster zum Grab und blickte in den Himmel. Genau in dieser Sekunde begann es stark zu regnen und die Tränen der Trauenden vermischten sich mit dem Regen. Kaito blieb neben dem Grab stehen und blickte auf die Reihe. Als nächstes war Shin an dran seine letzte Ehre zu erweisen. Dieser hielt eine Karte in der Hand. Es war eine Karte auf der ein Fußballer von früher abgebildet war. Es war Ando’s Vorbild gewesen und deswegen hatte er sie immer aufbewahrt. Shin ließ sie ins Grab fallen. „Damit du sie immer bei dir hast…“, sagte er und ihm liefen auch Tränen über die Wangen. Arisu war an der Reihe und Shin stellte sich neben Kaito. Sie griff in ihre Tasche und hatte einen kleinen Ball in der Hand. „Damit du deine Leidenschaft auch nach dem Tod weiterlebst“, flüsterte sie und ließ den Ball ins Grab fallen. Nun waren die anderen dran. Alle sprachen noch einige Worte an Ando gerichtet und gingen dann weiter. Als aller letztes, kam nun Ryo an das Grab heran und griff in seine Hosentasche. Er blickte auf das was er heraus holte. Es war ein Bild von der Jungendmannschaft in der Ando und die Anderen gespielt hatte. „Wir sind im Geiste immer bei dir…“, sagte er ernst und ließ das Bild ins Grab fallen. „…sei einfach da, wenn wir das Zeitliche segnen müssen und wir spielen da, wo wir hinkommen, weiter….“, fügte er nur noch hinzu und ihm liefen nun das erste Mal Tränen über das Gesicht. Das hatte noch niemand bei ihm gesehen. Ryo war immer der Sunnyboy, der immer nur grinste und nie über seine schlechte Laune im Inneren etwas verriet und nun tropften die Tränen von seinem Kinn hinab. Die Beerdigung ging zu Ende und die Gruppe verließ langsam den Friedhof. Sie trafen sich noch bei Kaito und Shin zuhause, aber die Stimmung war so gedrückt, dass es kaum Gespräche gab.

Es waren drei Jahre vergangen. Das Grab von Ando war immer gut gepflegt, da Arisu spätestens alle drei Tage bei ihm war. Sie stand stundenlang allein am Grab und erzählte Ando alles was passiert war. „Ich habe heute das Siegtor geschossen. Wir haben das letzte Spiel gewonnen und sind damit aufgestiegen. Zweitligameister. So wie du zu deinen besten Zeiten. Ich freue mich darauf endlich in der Ersten spielen zu können. Das was du nicht konntest, werde ich für dich tun und dir alle Ehre machen Ando! Und vergiss nicht, dass ich bald wieder komme. Ich liebe dich…“, beendete sie ihren Monolog. Sie stand noch lange schweigend am Grab und blickte auf den Grabstein. Auf diesem war sein Gesicht eingraviert. Sie hatten keine Kosten gescheut und haben das Beste für Ando genommen. Irgendwann bemerkte sie, wie jemand neben sie trat. Es waren zwei weitere Mädchen. Das erste umarmte sie sofort. „Mai…?“, sagte Arisu überrascht. Sie hatte nicht erwartet ihre Schwester hier anzutreffen. „Ich wusste, dass du hier bist…“, flüsterte die Kleine mit dem violetten Haaren. Die Andere war älter und größer. „Hallo Arisu…“, sagte sie leise und rückte ihr weißes Tuch am Kopf zurecht. Dabei wehten ihre orangenen Haare im Wind. „Maki…“, flüsterte Arisu leise. Maki war mit Arisu nun schon im zweiten Jahr zusammen in einer Mannschaft. Sie hatte sich vorgenommen, mit ihrer Schwester Rika, Arisu etwas zu unterstützen, da sie wusste, wie schwer der Verlust von Ando für die Rothaarige war. Die roten Strähnen im Haar wurden zu ganz roten Haaren, da Ando ihr einmal vorgeschlagen hatte, das mal zu versuchen, kurz vor seinem letzten Spiel. Für ihn trug sie ihre Haare sogar länger, da sie wusste, dass er unglaublich gern längeres und rotes Haar an ihr gesehen hätte. „Ich habe die Kleine getroffen und sie wollte Ando mal wieder besuchen, sagte sie und hat mich überredet heute nach dem anstrengendem Spiel doch noch her zu kommen“, sagte Maki grinsend. „Danke. Aber du hast die Meisterschaft für uns festgehalten Maki. Du bist die beste Torhüterin, die ich kenne!“, merkte Arisu leise an. „Und du bist die beste Spielmacherin und dazu noch Topscorerin dieser Saison. Du machst ihm alle Ehre. Er wäre so stolz auf dich!“, antwortete Maki ruhig und blickte auf die Gravur. „Wir können ihn nicht zurückholen, doch wir können unser Bestes geben. Und er wacht über uns, von da wo er ist…wo auch immer das ist“, sagte die Kleine schnell. Arisu grinste breit und nickte. „Du hast recht. Und ich werde für ihn immer bis an meine Grenzen und noch weiter gehen!“, sagte die Rothaarige, blickte in Richtung Himmel und hatte ein Grinsen auf dem Gesicht. Denn wo auch immer Ando nun war, er würde auf sie warten und natürlich auch stolz auf das sein, was sie sich erarbeitet hatte.
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast