Wofür?

GedichtDrama, Schmerz/Trost / P16
19.09.2014
19.09.2014
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Wofür?

Wofür wartete sie eigentlich noch?
Diese Person würde nie auftauchen.
Sie musste erst etwas begreifen.
Es war ein Teufelskreis.
Er kam, wenn sie begriff – und sie begriff, sobald er da war.

Das Warten und Hoffen und Wünschen und Bangen hatte keinen Sinn.
Niemand konnte erfüllen, was sie brauchte.
Ihre Ansprüche waren viel zu groß.

Er musste perfekt sein, wäre er es nicht, würde sie ihn verletzen.

Sie wusste all dies und doch träumte sie davon.
Von diesen Armen, die sie vergessen ließen.
Von dieser Person, die ihr Ruhe und Kraft gab.

Wofür kämpfte sie sich durch jede Minute ihres Lebens?

Wofür all das?


Wofür diese Qualen, wofür diese Wut, wofür auf etwas hoffen, das nie eintreffen würde?

Wofür ihr Herz immer wieder provisorisch flicken, bis zum nächsten Augenblick, in dem es in tausend Teile zersprang?

Wofür Worte schreiben, die ihn sowieso nie erreichen würden?

Sie wusste, dass es diese Person nicht geben konnte.
Und sie würde alles zerstören, geriete sie an den Falschen.

All die Ratschläge, all die ach so gut gemeinten Vorschläge, die sie immer nur wieder in Rage brachten, würden nichts ändern.
Da könnte ein Seelenklempner sich die Zähne dran ausbeißen. Sie würde bleiben wie sie war.
Sie würde dieses Monster bleiben, dass ihr die Kraft zu leben. Sie würde sperrig und bissig und verletzend sein, während das kleine Kind in ihrem Herzen sich hinter diesem Monster versteckte und schrie und weinte.

Niemand konnte dieses verknotete Wesen je verstehen, das wusste sie.

Vergebens träumte sie einen Traum, der schon längst geplatzt war.




…. doch, wenn sie war, wie sie war – war es ihr überhaupt erlaubt, diesen Traum zu träumen?
War es ihr erlaubt... überhaupt da zu sein?


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FullmoonShadow, 18.09.2014