Kein Weg zu weit…

von - Leela -
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Eddie GB Jake Tracy
15.09.2014
15.09.2014
1
1880
 
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Anm. d. Aut.:
Ursprünglich war diese Geschichte vorgesehen für den Wettbewerb »Bis ans Ende der Welt«; allerdings gestaltete sich die Geschichte so komplex, daß sie als OneShot nicht mehr umzusetzen war. Hier ist das Resultat einer Geschichte »inspired by« dem wundernbaren Wettbewerb von Lou alias Traumtänzerin.

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Erinnerungen

Im Büro des Ghostkommandos war Hausputz angesagt. Jake hatte sich den Staubsauger geschnappt und summte in Gedanken vor sich hin, während er voller Elan den Raum saugte.
      Eddy kümmerte sich derweil mit einem Staubwedel um die Regale, befreite Bücher und diverse andere Dinge sorgfältig von Schmutz und Staub und brachte die Shock Clock zum Lachen, als er sie mit dem Wedel abstaubte. Als er bei einem hübschen Pferd aus dunkelblauem Glas angekommen war, hielt er einen Moment inne und betrachtete es einen Augenblick versonnen.
      Jake bemerkte es bei seinem Tun und schmunzelte. Er wußte, wieviel seinem Partner dieses Pferd bedeutete – auch wenn Eddy sich Pferde lieber aus der Ferne ansah, da er deutlichen Respekt vor diesen großen Tieren hatte. Dieses Pferd jedoch war etwas besonderes. Es hatte seiner Großmutter gehört, die sich auf einer Ranch um die Pferde gekümmert hatte. Sarah Spenser hatte Pferde geliebt, und Eddy hatte seine Großmutter geliebt. Dieses alte Erbstück war alles, was ihm von ihr geblieben war.
      Majestätisch stand das Pferd auf den Hinterhufen und streckte die Vorderhufe wiehernd in den Himmel. Es war eine wunderschöne Arbeit. Eddy hatte schon davor gestanden, als er noch ein kleiner Junge gewesen war, und seine Großmutter besucht hatte. Sarah hatte es nie vergessen. Das war auch der Grund, warum er das Pferd bekommen hatte, nachdem sie gestorben war. Ja, dieses Pferd war etwas besonderes… Eddy atmete leicht durch, dann löste er sich davon und ging in die Küche, um den Staubwedel an seinen Platz zurückzubringen.
      Erst jetzt bemerkte Jake, daß er selbst ebenfalls in der Arbeit innegehalten hatte und war ein bißchen froh darum, daß sein Partner es nicht gemerkt hatte. Schnell besann er sich darauf, mit dem Staubsaugen fortzufahren. Er nutzte die Gelegenheit, gleich den Bereich zu saugen, den Eddy mit dem Staubwedel gerade fertigbekommen hatte.
      Eddy kam gerade mit einem Wischlappen dazu, als Jake versehentlich gegen ein Regal stieß. Beide hielten erschrocken den Atem an, als das Inventar gefährlich in’s Schwanken geriet. Die Schwingung erfaßte auch noch das nächste Regalelement, so daß sogar die große Lampe, die darauf stand, zu kippen drohte. Der große Blonde biß die Zähne zusammen und zog scharf die Luft ein. Eine stille Sekunde lang hielt die Welt den Atem an. Dann beruhigte sich die Lage wieder, ohne daß etwas dramatisches passiert war. Eddy, und vor allem Jake, atmeten auf.
      „Das ist ja noch mal gutgegangen!“ kommentierte Jake erleichtert, drehte sich um, um weiterzusaugen, und erwischte in der Bewegung noch die Glasskulptur, die in dem Regal schräg hinter ihm gestanden hatte. Sie kippte aus dem Fach und zersprang mit einem lauten Klirren am Boden.
      Das unaufhaltsame Geräusch wurde durch bedrückende Stille ersetzt. Jake hatte die Hände vor’s Gesicht geschlagen und starrte mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen auf das Desaster, während Eddy förmlich erstarrt dastand.
      „Eddy! Das tut mir leid!“ brachte Jake in einem Hauchen hervor.
      Doch von Eddy kam keine Reaktion. Er sah nur wie in der Bewegung eingefroren mit geschockter Miene auf das Szenario. Einen Augenblick, in dem Jake ihn voller Schuldbewußtsein ansah, war er sich nicht sicher, ob sein Partner überhaupt schon realisiert hatte, was passiert war. Dann ging Eddy in genau dem gleichen apathischen Modus in die Knie und schickte sich wie mechanisch an, die Scherben aufzuheben.
      Alarmiert lief Jake zu ihm herüber, kniete sich zu ihm und faßte ihn bei den Handgelenken, um ihn daran zu hindern. „Du tust dir noch weh.“ sagte er, noch eine Spur sanfter, als er ohnehin beabsichtigt hatte. Das hatte er nicht vermeiden können, da er sich selbst gerade schrecklich fühlte. „Eddy, es tut mir so leid…“ wiederholte er und merkte, wie ihm die Stimme wegbrach.
      Eddy sagte noch immer nichts und starrte nur bestürzt vor sich auf die Scherben. Jake war sich sicher, ihm war nach weinen zumute. Die Trauer in den braunen Augen seines Partners sprach für sich.
      Der Blick ging dem jungen Teamführer durch und durch und zerschlug ihm das Fundament, und das auch schon ohne daß er sich so schuldig fühlte. „Ich wünschte, ich könnte das irgendwie wieder gutmachen.“ brachte er mit gebrochener Stimme hervor.
      Eddy schaute noch immer apathisch auf die Überreste. „Das ist schon okay…“
      Jake schüttelte den Kopf. „Nein, das ist nicht okay. Ich sehe doch, daß du traurig bist. Das habe ich nicht gewollt!“
      „Es ist ja auch meine Schuld.“ erwiderte Eddy monoton. „Ich hätte es ja auch in mein Zimmer stellen können, statt hier in’s Büro.“
      Jake schüttelte den Kopf. „Hör auf, die Schuld bei dir zu suchen. Ich habe den Mist gebaut!“
      Eddy atmete durch und sah ihn das erste Mal direkt an. „So etwas passiert, Jake. Es ist ärgerlich, aber nicht zu ändern. Mach’ dir keinen Kopf darum.“ Damit stand er auf und ging in sein Zimmer.
      Jake sah ihm nach und hätte heulen können. Er wußte doch, wieviel Eddy das Pferd bedeutet hatte. Daß Eddy ihm sein Mißgeschick verzieh, machte die Sache nicht einfacher. Egal, ob er sauer auf ihn war oder nicht, er war geknickt, und das war es, was Jake nicht aushielt. ‚Er hätte Grund, auf mich wütend zu sein.’ dachte er deprimiert und wußte nicht, welche Variante schlimmer war: Wenn sein Kumpel richtig wütend auf ihn gewesen wäre, oder dieses Verständnis, daß Jake nicht einmal selbst für sich aufbringen konnte, in diesem Augenblick. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Wenn es wenigstens nicht Eddy gewesen wäre, sein bester Freund seit Kindertagen, der ihm mehr bedeutete als sein eigenes Leben…
      Als sein Blick in Gedanken verloren auf den Scherben ruhte, kam ihm plötzlich ein Gedanke. Mit einem Mal erwachte er aus seiner Lethargie, und rasch suchte sein Blick nach dem Fuß der Statue. Vielleicht hatte er Glück und konnte etwas über die Herkunft der Skulptur herausfinden. Und vielleicht, ja, mit ein bißchen Glück, vielleicht fand er die gleiche Statue ja noch mal…
      Vorsichtig durchsuchte er die Scherben. Und tatsächlich fand er ein größeres Stück, das den Sturz recht gut überlebt hatte: Das massive Fundament, auf dem das Pferd gestanden hatte. Ihn schauderte, als er die abgebrochenen Überreste der Hinterbeine auf der kleinen Plattform sah und war froh, daß Eddy es nicht gesehen hatte. Dafür drehte er jetzt schnell das Fundstück um. Die glatte Unterfläche war paradoxerweise mit vier rutschfesten Pads ausgestattet, die Jake förmlich verhöhnten; doch was viel wichtiger war, sie war auch versehen mit einer Gravur. Sein Herz schlug unwillkürlich eine Nuance schneller. Schnell schrieb er sich die Daten auf einen Notizzettel. Anschließend kehrte er die Scherben zusammen und verstaute sie in einem Plastikbeutel. Möglicherweise brauchte er die Bruchstücke noch zum identifizieren…

Beim Mittagessen war Eddy unnatürlich still. Auch wenn er Jake nicht böse war, er war noch immer geknickt, und das konnte er auch nicht verbergen.
      Dem jungen Teamführer schlug die Stimmung seines Freundes auf’s Gemüt. Mittlerweile hatte der hochgewachsene, blonde Mann recherchiert, das Ergebnis hatte ihm jedoch nicht viel Mut gemacht. Die Firma, die diese Figuren hergestellt hatte, existierte schon lange nicht mehr, und von den einzelnen Figuren waren nicht viele hergestellt worden. Das hatte er über einen kleinen Antiquitätenladen herausgefunden, den er zwischenzeitlich mit den wenigen Informationen, die er hatte ermitteln können, aufgesucht hatte; mehr hatte der Inhaber ihm aber auch nicht an die Hand geben können.
      Tracy hatte mittlerweile auch schon von dem Unglück erfahren und sich besondere Mühe beim Kochen gegeben, um die beiden Jungs aufzuheitern; so ganz wollte sich der Erfolg jedoch nicht einstellen.
      Jake versuchte, Eddys Blick einzufangen, doch es gelang ihm nicht, da der Brünette konsequent lustlos auf sein Essen starrte. Um seine Aufmerksamkeit zu erregen, strich Jake ihm in einer tröstenden Geste über die Hand, versuchte sorgenvoll, seinen Blick zu erhaschen und bemühte sich um ein tröstendes, aufmunterndes Lächeln, das ihm nur halb gelang.
      Eddy erwiderte ebenfalls ein Lächeln, das gezwungen wirkte. Keiner von ihnen sprach ein Wort.
      Der schlanke Teamchef seufzte leicht, niedergeschlagen, und widmete sich wieder seinem Essen. Es tat ihm so leid, vor allem, weil Tracy sich tatsächlich selbst übertroffen hatte, und nun waren weder er, noch Eddy überhaupt in der Lage, das zu würdigen. Mittlerweile war auch schon der Gorilla von der gedrückten Stimmung erfaßt, und so konnte Jake es sich zumindest nicht nehmen lassen zu sagen: „Du hast ganz großartig gekocht, Tracy!“
      So ganz munterte das Kompliment den Gorilla in dieser Situation nicht mehr auf, doch ein kleines stolzes Lächeln brachte er zustande. Der Rest der Mahlzeit verlief in gedrücktem Schweigen.
      Nach dem Essen wartete Jake, bis Eddy sich in sein Zimmer zurückgezogen hatte. Er hatte seinem Kameraden extra nicht gesagt, was er noch vorhatte, wußte er doch selber nicht, wieviel Hoffnung er in seine Idee setzen konnte. Wenn es gelang, dann wäre es eine gelungene Überraschung. Wenn nicht, dann hatte er seinem Partner zumindest keine falschen Hoffnungen gemacht. Er zog Tracy beiseite und erklärte leise: „Falls Eddy fragt, ich bin bei Futura, okay? Ich wollte heute eigentlich sowieso zu ihr. Sie weiß schon Bescheid.“
      „Oki Doki!“ Tracy nickte.
      „Danke, Großer!“ Jake klopfte Tracy kameradschaftlich auf die Schulter und lief dann los zur Garage, mit einer Mischung aus Hoffnung und Angst im Herzen. Wenig später saß er erneut hinter dem Steuer des Ghostbuggies. „Flugmodus, GB. Wir fliegen zu Madame Why!“
      „Oh, zu Madame! Wie schön!“ freute sich GB. „Wir waren lange nicht mehr da. Kommen die anderen nicht mit?“
      „Nein, wir fliegen allein. Ich brauche ihre Hilfe.“
      „Oh. Naja. Ohne den dicken Gorilla am Steuer wird das ein richtig schöner Ausflug!“
      Jake kommentierte es nicht. Dafür hatte er gerade zu viele andere Sorgen.
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