Meine kleine Schwester

GeschichteFreundschaft, Tragödie / P16
Chavez John Henry Tunstall Josiah Doc Scurlock Lawrence Murphy Richard Dick Brewer William Bonney / Billy the Kid
13.09.2014
13.09.2014
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„Oh man Dick, nicht schon wieder dieses Dosenfutter! Das macht nicht satt, ehrlich!“



„Hör auf zu meckern und iss, sonst wirst du Essen für die Geier!“

Angewidert öffnete ich das Blechmonster.
Ich könnte schwören, dass ich mir jetzt schon mindestens vier male an dem Rand dieses verpeilten Deckels meinen Finger aufgeschlitzt hatte natürlich unbeabsichtigt.
Und dass ging mir alles tierisch auf die Nerven.
Ich meine, Dosen Futter war was für Hund und Katz, aber nicht für ein abgehärtetes Cowgirl wie mich.
Seufzend strich ich mir eine meiner goldblonden Haarsträhnen hinter mein Ohr und setzte meinen Kastanienbraunen Hut wieder auf meinen Kopf.
Die Mittagssonne war genau in der Mitte am Himmel angekommen und prahlte mit ihren wirklich übertriebenen wärmenden Strahlen mitten auf uns herab, wobei weder ich noch mein mir gegenüber sitzender Bruder einen Schatten warfen.
Zum verrückt werden, mein Kopf war schon wieder am glühen und ich konnte kaum richtig denken und dass machte mich schier verrückt.
Aber nicht nur die gähnende Hitze und dieses ekelhafte Dosenfutter, was mich bis zum Kotz-Reiz anwiderte, machten mir zu schaffen.
Nein, auch meine Beine fühlten sich an wie Blei aus einer Winchester.
Beide hatte ich von mir getreckt und fühlte das Pochen meines Herz durch meine kompletten Adern pulsieren.
So ein Dreck, und daran war nur dieser verdammte Mistkerl schuld.
Ihr wisst schon von wem ich rede, von diesem verdammten Lawrence Murphy, dem alten Sack mit den grauen Schnauzer.
Eigentlich hatte mein Bruder Dick eine Zeit lang für ihn gearbeitet, aber aus politischen Gründen, und auch ein wenig wegen meiner Wenigkeit, haben wir uns aus Lincoln aufgemacht und wanderten nun schon genau 7 Tage lang am nicht endenden Missouri entlang Richtung Westen.
Tja, auch das Leben im wilden Westen ist nicht gerade ein Zucker schlecken, nä?
Zu doof, dass wir nicht mal die Zeit hatten uns eine Kutsche oder zwei Pferde besorgen zu können.
Aber ich konnte schon vor mir sehen, wie die Kojoten Dick und mir das Fleisch von den Knochen fraßen, wenn wir hier doch mal elendig verrecken sollten.
Sei’s die Hitze, die uns umlegt, oder Murphy’s bescheuerte Bande aus Kopfgeld-Jägern, die uns schon sicher auf den Versen zu sein schien.
Zum Teufel mit dieser Welt…
Irgendwie spürte ich stechende Blicke, aber nicht in meinem Nacken.
Eher weiter vorne streng auf meinen Bauch gerichtet, der schon seid einer halben Stunde es gewagt hatte, regelmäßig in ungleichmäßigen Abständen zu Knurren und unangenehm zu blubbern.
Mein Bruder hatte sich neben mich gesetzt und seine Hände griffen nach meiner Dose, um sie mir mit bloßen Händen öffnen zu können.

Als er seine Stärke mal wieder unter Beweis gestellt hatte, gab er mir den Inhalt in meine kleine Schüssel und sah mich mit dunklen, zu Schlitzen verengten Augen an:



„Wenn du nichts isst, wirst du irgendwann zusammenbrechen und ich werde dich nicht den ganzen Weg nach Westen tragen können, ich werde auch immer älter!“



Ich verdrehte genervt die Augen und kratzte mir meinen Mosquito-Stich an meinem rechten Ellbogen, verflixte Scheiße juckte der heftig.
Wette um meinen Kopf, dass meine gesamte untere Hälfte meines Arms eine rote Spur meiner langen Fingernägel hinterließ.
Während ich mit Kratzen beschäftigt war, hatte Dick seine Handschuhe ausgezogen und nahm eine der Dosenfutter-Bohnen, um sie mir an die Lippen zu drücken.
Oh mein Gott, wie ich es hasste wenn er mich wie ein kleines Kind behandelte:



„Ey Richard, ich kann auch alleine essen!“, giftete ich ihn mit schräg gelegten Kopf an, um ihn mustern zu können.


Er war ein ganzes Stück größer als ich.
Ganze zwei Köpfe, na gut er war ja auch mein großer Bruder, wobei er sich immer ziemlich im seiner Rolle aufspielen konnte.
Wir saßen beide auf einen einfachen flache Stein, um uns herum wuchs viel an Gräsern und Sträuchern, was natürlich klar war weil wir an einem Fluss reisten .
Blöd war nur dass das Wasser so verdreckt und schlammig war, dass es uns überhaupt nicht möglich war daraus zu trinken, aber sei es drum: 
Wir ständen darüber.
Ist immerhin besser, als uns tagelang durch eine Steppe schleppen zu müssen.
Der Gedanke daran ließ mich schon fast das Bewusst sein verlieren.
Diese Hitze machte es einen auch nicht wirklich einfach.
Und ich sage aus eigener Erfahrung, dass es in der Prärie so zum Kotzen war.
Überall vertrocknetes Gestrüpp, hier und da mal eine Herde wilder Bisons, und sonst so gut wie nichts.
Einst hatten hier die stolzen Stämme der einheimischen gehaust, wir nannten sie Indianer.
Aber jetzt waren sie teilweise in Reservaten und ähnliches untergebracht, damit sie nicht den Menschen der ‚neuen Kultur‘ mit ihrer im Wege standen.
Und auch da fiel mir eine menge an Punkten ein, die ich gegen diesen schnauzbärtigen Murphy knallen konnte.
Am liebsten würde ich sie ihm mit Hilfe eines Revolvers immer wieder in seinen fetten Wanz jagen und zusehen, wie er mit einer Ladung durch den Mund elendig daran erstickt.
Oje, wenn Dick wüsste, wie vulgär manchmal meine Gedanken abschweiften, wäre er sicherlich geschockt, aber immerhin war ich nicht die Einzige, die diesen verdammten Murphy zu hassen vermochte.
Seine dunkle Augenbraue, die ihm ein wirklich ernsten Ausdruck verlieh, zog er hoch um mich wieder streng mustern zu können.
Gott bewahre, was er jetzt von mir wollte:



„Wenn du endlich mal vernünftig essen würdest, müsste ich dich auch nicht wie ein Kind behandeln. Also nehme dich jetzt mal zusammen und iss’ die Bohnen. Wir haben gegen Abend schon fast die nächste Stadt erreicht, wer weiß, und dann können wir uns in einer Herberge gemütlich machen. Aber ich mache bestimmt nicht bei deiner Fastenzeit mit,vergiss es, und jetzt mach deinen Mund auf Mädchen!“



„Ich geb’s auf. Weißt du eigentlich wie DICK-köpfig du bist? Ich bin schon 16, ich kann über mich selbst bestimmen! Das wusstest du wohl nicht, hab ich recht?“



Ich sah wie seine Augen sich zu diesem Blick verengten.
Dieser Ich-bin-dein-großer-Bruder-und-du-machst-was-ich-dir-sage-Blick und da bleibt mir natürlich nichts anderes übrig, als mir dieses zermanschte Zeug hinunter zu würgen.
Als ich mir das erste Bisschen in den Mund steckte, brannte es auf meiner Zunge.

Dass war ja scheiß verdorrt und kalt.
Ich bereue es, dass ich mit dem Verzehren so lange gewartet habe….





 Ja so war dass damals, uns so machten sie sich von Lincoln auf hinauf in den Westen den Missouri entlang immer weiter.
Ihr Weg sollte sie zu einer Ranch bringen, der Ranch vom herzensguten John Henry Tunstall, der Beide ohne Murren zu sich aufnahm in seine kleine Bande.
Außer ihnen waren dort noch drei weitere Jungs:
Der Poet Josiah Scurlock, von allen nur genannt Doc, der mexikanische Ureinwohner und Indianer Chavez, der etwas ängstliche Charlie Bowdre der seine Zukunft bis ins kleinste Detail plante und für den seine Fäuste sprachen und Dirty Steve Stevens, dessen Mund immer mit einer Menge an Kautabak gefüllt war.
Dort lernten sie viel über den Westen, über das Leben und weitere Dinge.
Während Richard mit den anderen Jungs den Umgang mit dem Revolver lernte, verbrachte seine Schwester viel Zeit mit Chavez.
Der Indianer brachte ihr eine Menge bei an seiner Kultur, an Tänzen, Spuren lesen und weitere Dinge.
Auch mit John verstand sie sich gut und fuhr oft mit ihm und Doc nach Lincoln, um die Lebensmittel zu besorgen, die sie brauchten und auch ein wenig für ihren eigenen Spaß.
Aber so schön es dort war, so unschön war es ganz woanders.
Gerade jetzt wo sie und Richard sich die Zeit mit einer Menge ‚Spaß‘ vertrieben, so rannten am Abend zwei andere um ihr Leben ….
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