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Liebe lügt nicht (Mekaku City Actors/Kagerou Projekt)

von Lanthir
OneshotLiebesgeschichte / P12 / Gen
13.09.2014
13.09.2014
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13.09.2014 952
 
Kano schlenderte durch den warmen Sommerregen und pfiff fröhlich vor sich hin. Eigentlich hasste er Regen, doch er belog sich selbst und daher sagte er immer zu jedem, er liebte Regen. Kido schimpfte dann immer mit ihm und sagte, er solle nicht lügen.
Kido...
Als er an sie dachte zogen sich seine Mundwinkel unwillkürlich nach unten. Wie viele Lügen hatte er ihr wohl schon aufgetischt, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken? Wie oft hatte er sich fröhlich gegeben, obwohl er sich am liebsten in ein dunkles Loch verkrochen hätte?
Lügen fiel ihm aber nun mal viel leichter als echte Gefühle zu zeigen und es eignete sich sehr gut, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Jahrelang hatte er sich so durch die Welt geschlagen ohne an seiner Lebensweise zu zweifeln. Doch nachdem Ayano gestorben war, hatte Kano sich verändert. Selbst er hatte es erst nicht gemerkt, doch irgendwann musste er der Wahrheit ins Auge sehen.
Er blieb stehen und schaute zu den grauen Wolken empor. Der Regen fiel ihm ins Gesicht, tropfte in seine blonden Haare, lief über seine Stirn, rann ihm in den Mund.
Kido kannte ihn gut und Kano war bewusst, dass sie ihn schon lange durchschaut hatte. Vielleicht erkannte sie seine Lügen schon immer.
Er ging weiter und wich ein paar Leuten, die ihm entgegen kamen, geschickt aus.
Er fragte sich, ob Kido wohl nach ihm suchte, immerhin war es schon spät und es wurde dunkel. Hatte er jemals etwas zu ihr gesagt, das nicht gelogen war? Er wusste es nicht. Vielleicht sollte er sich ändern, wenn auch nur für sie. Immerhin hatte sie immer ein Auge auf ihn gehabt, auch wenn sie und Kano sich oft neckten. Doch Kano gefiel das. Vielleicht nicht gerade ihre Faust, die so oft in seinem Magen oder sonstigen Körperteilen landete. Es war vielmehr, wie sie ihn wahrnahm. Er hatte bei ihr immer das Gefühl, er bräuchte bei ihr nicht zu lügen, denn sie würde es eh durchschauen.
Er zog sich seine schwarze Kapuze über den Kopf und jaulte erstaunt auf, als er in eine Pfütze stapfte und diese seinen Stiefel durchweichte.
Was war Kido für ihn? Was empfand sie für ihn? Oder noch besser: Was empfand Kano für sie? Es war anders als das, was er für Ayano empfunden hatte, aber keinesfalls schlechter. Ayano war immer wie eine Schwester für ihn gewesen. Aber war Kido das nicht auch? Nein, es war anders.
Wenn er bei Kido war, dann... Dann war er er.
Wie konnte er es am besten in Worte fassen? Ging das überhaupt? Vielleicht konnte Kido ihm weiterhelfen.
Gerade, als er durch die vom immer noch anwährenden Regen feuchte Luft zu ihr rennen wollte, stieß er mit jemanden zusammen.
"Entschuldigung...", sagte er, doch als er bemerkte, in wen er da gelaufen war, stockte er kurz.
Es war Kido. Sie hatte einen dunkelgrünen Regenschirm dabei und hielt ihn den beiden über den Kopf. Ihre Sneaker waren völlig durchnässt und der untere Teil ihrer Hosenbeine war es ebenfalls.
"Was machst du denn hier?", wollte er von ihr wissen.
Sie reichte ihm den Regenschirm und erwiderte: "Es ist schon spät und Mary war schon ganz besorgt, weil du noch nicht wieder da warst. Was machst du hier überhaupt, du Idiot?"
Kano grinste, ging auf sie zu und nahm sie so stürmisch in den Arm, dass ihr der Schirm aus der Hand fiel.
"W-was machst du denn, Kano?"
"Kido, es tut mir leid, dass ich dich immer angelogen habe. Und darum will ich es wieder gut machen, indem ich jetzt etwas zu dir sage, was ich wirklich ernst meine."
Der Regen prasselte auf dir beiden nieder und durchnässte auch den Rest ihrer Kleidung. Kano konnte durch Kidos nassen Pullover ihre Körperwärme fühlen und ihr Haar roch auch intensiver.
"Kido, ich liebe dich."
Sie sagte nichts und kurz hörte Kano nichts anderes außer den Regen und seinen eigenen Herzschlag.
Seit Ewigkeiten hatte er etwas gesagt, das nicht gelogen war. Ob Kido das bemerkt hatte? Oder ob es schon zu spät war und alles was er sagte, wie eine Lüge klang?
"Kano...", begann Kido. "Du lügst mich gerade nicht an oder?"
"Nein."
Kidos Faust landete in Kanos Magen, wenn auch nicht mit voller Kraft.
Er stöhnte auf und sagte: "Wofür war das denn?"
Er blickte in Kidos Augen und sah darin Tränen funkeln. Als sie ihre Wangen hinunterliefen, vermischten sie sich mit dem Regen.
"Das war dafür, dass du so lange dafür gebraucht hast", sagte sie.
Das war das erste mal seit Ayanos Tod, dass er Kido weinen sah.
Er ging einen Schritt auf sie zu und nahm sie erneut in den Arm.
"Es tut mir leid", flüsterte er, als sie ihre Arme um ihn schlang.
"Das ist gelogen", erwiderte sie schluchzend und Kano lachte.
Lange standen sie dort so im Regen. Keiner von beiden wusste, wie lange genau, doch das war in diesem Moment egal. Der Regenschirm, der auf der Erde lag, war gefüllt mit Regen. Aber auch das war egal.
Kano wusste nicht, ob er es schaffen würde, nicht mehr zu lügen. Doch was er ganz genau wusste war, das er Kido liebte und es für sie versuchen würde.
"Hey Kido?"
"Hm?", gab sie leise von sich.
"Ich werde aufhören zu lügen, wenn du aufhörst, mich zu schlagen, okay?"
Er löste sich von ihr und blickte ihr in die Augen.
"Ja, okay", sagte sie.
Kano schmunzelte und sagte: "Das war gelogen, oder?"
Lachend wischte sie sich die Tränen vom Gesicht.
"Ja, war es."
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