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I need your blood

von Headache
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Gwen Stacy Harry Osborn May Parker Norman Osborn Peter Parker / Spiderman
10.09.2014
24.07.2015
4
14.204
2
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
10.09.2014 3.418
 
Hey!
Wir freuen uns das ihr diese FF geöffnet habt. Dies ist eine Partner-FF von Liete und twin2ovesJ. Wir hoffen wir können euch damit genauso viel Freude bereiten wie uns!^^
Dies ist wie schon in der Kurzbeschreibung erwähnt eine Gesichte zu den Filmen "The Amazing Spider-Man".
Und damit, viel Spaß beim lesen! :)



1. Wish for Normality

Schon seit Stunden saß ich nun in dem großzügig geschnittenen Wohnzimmer des Hauses, in dem ich aufgewachsen war, hatte mit starrem Blick aus dem Fenster beobachtet, wie die Sonne über New York unterging und wie die Welt um mich herum dunkler wurde. Normalerweise entspannte mich das ungemein. Ich liebte es meine Gedanken schweifen zu lassen, liebte es mich von ihnen treiben zu lassen, wo auch immer sie mich hinführten, auch wenn sie nicht oft erfreuliche Richtungen einschlugen, so waren sie wenigstens frei gewesen. Es gab niemanden der mich für meine Gedankengänge verurteilen könnte, außer mir selbst und das war ein Gefühl, das mir außerordentlich gefiel.

Nicht so an diesem Abend. Meine Gedanken drehten sich im Kreis - immer um die gleichen Themen.

Was hatte sich mein Vater nur dabei gedacht? Wie kam er auf die Idee, dass ich, Harry, scharf darauf gewesen war der CEO von Oscorp zu werden?

Zusammen mit den Gedanken daran, was mein Vater in seinen letzten Stunden seines ach so glorreichen Lebens getan hatte, schlichen sich auch die Bilder an seinen furchtbaren Anblick in meinen Kopf.

Diese schuppige, vor Trockenheit aufgesprungene, rissige, graue, fast grünlich verfärbte Haut, diese zu regelrechten Krallen verkrüppelten Hände, Finger und Fingernägel, dieser widerliche Gestank nach Tod, Krankheit und Verwesung, der aus jeder seiner Poren zu quellen schien, diese fürchterlich raue, belegte Stimme.

In meiner Kehle hatte sich ein fester Klumpen des Ekels und der Angst festgesetzt. Ich schluckte schwer. Immerhin hatte ich einen Teil seiner Gene und es bestand eine sehr gute Chance, dass ich auch diesen Teil mitgeerbt hatte.

Ich musste unbedingt aufhören darüber nachzudenken! Aber womit sollte ich mich ablenken? Mit dem Unternehmen, dass ich geerbt hatte und der Verantwortung dafür?

Ich hörte mich selbst tief seufzen, wie schon ungezählte Male zuvor. Damit schloss sich der Kreis den meine Gedanken beschrieben und alles begann wieder von vorne. Ich merkte, wie langsam die Kopfschmerzen wieder einsetzten, die mich schon durch die letzten Tage begleitet hatten. Ich wandte meine Augen von dem nun dunklen, sternenklaren Himmel ab und ließ den Kopf erschöpft nach hinten, auf die weiche Stuhllehne sinken.

‚Fuck…‘

Ich war doch sonst nie gut genug für diese Firma gewesen und jetzt das…

Ich spürte, wie sich erneut eine Welle der Wut in mir breit machte und versuchte mit einem weiteren Schluck Scotch dagegen anzukämpfen.

Nun saß ich hier, in diesem riesigen Raum, hatte das Studium kaum beendet, und war verantwortlich für ein milliardenschweres Unternehmen.

‚Na herzlichen Glückwunsch‘

Wieder drängte sich der Gedanke an die morgige Besprechung in den Vordergrund - die erste als CEO von Oscorp. Und da war auch wieder die Nervosität, die ich ebenfalls mit dem Scotch zu bändigen versuchte. Ich machte mir keine Illusionen. Die unterschwellige Angst  wegen des Meetings hatte mich schon seit Tagen fest im Griff. Ich spürte sie an meinem rasenden Herz, an meinen ständig kalten, feuchten Händen, daran, dass ich kaum schlief und wenn dann nur mit mehr als nur unangenehmen Träumen und an dem fehlenden Hungergefühl. Ich hatte nur Durst – Durst nach diesem ekelhaften Scotch.

Ich war alles andere als glücklich darüber ab jetzt für Oscorp verantwortlich zu sein, und trotzdem wollte ich das Unternehmen nicht gegen den nächsten Baum fahren lassen. Immerhin hatte mein Vater Oscorp mehr als alles andere geliebt. Vielleicht war es genau das, was mein Vater von mir geglaubt hatte - dass ich wieder versagte. Für ihn wäre es doch nur eine weitere aus der langen Reihe von Enttäuschungen gewesen, die sein Sohn ihm bereitete.

Ich konnte ein verächtliches Schnauben nicht unterdrücken und schüttelte leicht den Kopf. Das hätte Erwartungen und sogar Interesse vorausgesetzt. Es ist wahrscheinlicher, dass er mich einfach nur als Figur an die Spitze der Firma gesetzt hatte, um den Schein zu wahren. Wie hätte es auch ausgesehen, wenn irgendein Angestellter anstelle des eigenen Sohns die Leitung übernommen hätte?

Ich trank den letzten Schluck Scotch und stellte das leere Glas auf dem gläsernen Tisch ab. Das laute Geräusch durchzuckte die bis eben noch vollkommene Stille.

‚Den Schein wahren…‘

Norman Osborn, der alleinerziehende Vater, der gleichzeitig ein so erfolgreiches Unternehmen, wie Oscorp quasi aus dem Nichts aufgebaut hatte.

‚Ist er nicht unglaublich gewesen?‘ Ich versuchte gar nicht erst den Sarkasmus zu unterdrücken der in mir wütete.

Er hatte natürlich nur an mich gedacht, als er mich vor acht Jahren, aus heiterem Himmel und ohne Erklärung, nach England in das Internat geschickt hatte.

Er hatte sicher nur das Beste für seinen Sohn gewollt, als er der Sekretärin aufgetragen hatte, ihm zum vergangenen Geburtstag eine Flasche Scotch zu schicken mit einer Karte, in der stand: „Mit freundlichen Grüßen, Norman Osborn“. Und der Satz war nicht einmal von ihm selbst geschrieben worden.

Und ganz sicher wollte er nur das Beste für seinen geliebten Sohn, als er ihn abgeschoben hatte, wie eine lästig gewordene Angewohnheit.

Mein Blick fiel auf das leere Glas. Dieses Getränk schmeckte mir nicht einmal, und doch gewöhnte ich mich daran, nachdem ich den Scotch, den ich geschenkt bekommen hatte, immer öfter kaufte.

Es hatte mir das Gefühl gegeben meinem Vater näher zu sein. Es war wirklich unfassbar, wie dumm ich war, dass in meinem Kopf derartige Gedanken entstanden waren und dass ich nach allem, was mein Vater mir vorenthalten und genommen hatte, ich immer noch so sehr nach seiner Aufmerksamkeit gegiert hatte. Es war einfach erbärmlich und das wusste ich ganz genau.
Unbewusst streckte ich meine Hand in die Richtung der geöffneten Flasche aus, die auf dem Tisch gleich neben meinem Glas stand. Doch ich fing mich wieder, ballte die Hand zur Faust und wandte den Blick ab. Es war nicht der richtige Moment - nicht die richtige Nacht um mich zu betrinken. Immerhin wollte und musste ich morgen einen beeindruckenden Auftritt hinlegen. Ich wollte diesem Team von Heuchlern keine Schwäche zeigen, die mich lieber heute als morgen zurück im Exil sehen wollte.

Ich stand auf und ging durch den Raum zur Treppe, die zu meinem Zimmer führte. Obwohl dies das Haus war in dem ich aufgewachsen war, fühlte es sich nicht anders an, als in einem Hotel zu übernachten. Der Wunsch in eben einem dieser Hotels zu sein, durchflutete mich.

Ich wollte nicht hier sein. In diesem Haus, in dem, trotz seines Todes, in jedem Winkel die Präsenz meines Vaters zu spüren war. Ich wollte weit weg sein. Fern der Verantwortung, der ich mich, wenn ich ehrlich war, nicht gewachsen fühlte und nicht stellen wollte. Fern all der schlechten Kindheitserinnerungen, die ich mit diesem Haus verband. Dieses Haus, das so leer, dunkel und voller Enttäuschungen war.

Es erinnerte mich an den bitteren Unterton in der Stimme meines Vaters, wenn er mit mir gesprochen hatte oder wenn er mit anderen Leuten über mich sprach. Nur wenige von ihnen schienen ihn bemerkt zu haben. Anders als ich. Ich hatte ihn jedes Mal gehört – jedes einzelne verdammte Mal. Genau wie ich den enttäuschten – fast verachtenden Blick auf mir gespürt hatte, als meinem Vater klar wurde, dass ich nie seinen Anforderungen entsprechen würde. Und er hatte gewusst, was er mir damit antat. Schlimmer noch - genau dieses Gefühl der Erniedrigung war es, das er erreichen wollte. Er hatte mir zeigen wollen, dass ich lediglich in diesem Haus geduldet wurde, weil wir die gleichen Gene hatten.

Die Gene, die mir jetzt mehr denn je zu Last wurden. Ich biss mir auf die Unterlippe und schüttelte leicht den Kopf, um nicht wieder von vorne anzufangen.

Immerhin waren nicht alle meine Kindheitserinnerungen schlecht gewesen.  Und trotzdem senkte ich meinen Blick auf die einzelnen Stufen und zwang mich auch diese Erinnerungen von mir zu schieben. Auch wenn sie nicht so drückend und düster waren, so würden sie genau das gleiche dumpfe Gefühl und bitteren Nachgeschmack hinterlassen auf den ich ganz gut verzichten konnte.

Ich gelangte endlich an mein Zimmer, öffnete die Tür und trat ein. Wie alles in diesem Haus, war es sehr großzügig geschnitten, mit einem Bad und allem Luxus, den man sich nur wünschen konnte. Die Möbel waren die gleichen, wie vor acht Jahren. Nicht, dass die Einrichtung irgendwie angepasst werden musste. Nein, alles war passend für einen Mann wie mich. Es ist nie wirklich ein Kinderzimmer gewesen, eher ein Gästezimmer, in dem übernachten konnte wer wollte, es hätte zu jedem gepasst.

Ich durchschritt das Zimmer und ließ mich erschöpft, mit dem Gesicht voran auf mein weiches Bett fallen. Ich drehte den Kopf zur Seite und mein Blick fiel auf das Foto, das auf dem Nachttisch stand. Im selben Augenblick wünschte ich mir, dass ich meine Augen einfach geschlossen gelassen hätte.

Ich hatte es damals, als ich gehen musste, mit Absicht hier stehen gelassen. Denn hätte ich es mitgenommen, hätte ich Peter nur noch mehr vermisst. Mit umso größerer Wucht überrollten mich jetzt die Erinnerungen, die ich mit diesem Foto verband.

Es zeigte mich selbst, als ich ungefähr zehn Jahre alt gewesen war. Neben mir stand ein brünetter Junge, der genauso groß war wie ich selbst. Die Haare des Jungen standen in alle Richtung ab, als ob er nach dem Aufstehen direkt zu mir gekommen war, ohne sich die Haare zu kämmen. Und wahrscheinlich ist es genau so gewesen. Beide Jungen strahlten, der Dunkelhaarige mehr als ich selbst. Ich spürte, wie sich meine Lippen bei dem Anblick zu einem sanften Lächeln verzogen. Schon damals hatte mich das breite Grinsen meines besten Freundes jedes Mal angesteckt.

Die Arme hatten wir jeweils um die Schulter des anderen geschlungen. In mir regte sich ein Gefühl, das ich lange nicht empfunden hatte. Ich musste schlucken, als ich mein eigenes, glückliches Gesicht sah.

‚Gott, ist das lange her.‘

Wie von selbst fuhren meine schlanken Finger durch meine Haare. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie dunkel sie über die Jahre geworden waren. Ich musterte meine blauen Augen, die auf diesem Foto gar nicht so eiskalt wirkten, wie man mir immer vorwarf.

Hatte ich überhaupt noch Ähnlichkeit mit dem Jungen auf diesem Bild?

Ich wusste genau, wem ich mein damaliges Glück zu verdanken hatte. Es war Peter Parker gewesen, der mich so hatte gucken lassen, der die Kälte von mir fern hielt. Nur bei ihm hatte ich es geschafft meine ernste und abweisende Art abzulegen. Nur zusammen mit meinem besten Freund hatte ich es geschafft wirklich Kind zu sein. Mit Peter war alles anders gewesen – besonders.

Ich erinnerte mich daran, dass das der Grund gewesen war, warum ich anfangs nichts mit Peter hatte zu tun haben wollen. Denn auch für seinen Vater war Peter etwas ganz besonderes gewesen. Genau so, wie es sein muss, zwischen Vater und Sohn.

Ich wusste noch ganz genau, wie mein Vater mit Mr. Parker und seinem Sohn Peter, der sich halb hinter dessen Beine versteckte, vor ihm gestanden hatte. Mr. Parker hatte mich angelächelt und mir gesagt, dass er Peter mitgebracht hatte, damit ich nicht den ganzen Tag allein bleiben musste.

Ich hatte verwundert die Stirn gerunzelt. Ich war nicht allein gewesen, immerhin war Lisa, das Hausmädchen, da gewesen. Trotzdem hatte ich genickt und mich brav bedankt. Ich hatte Mr. Parker immer gemocht, weil wenigstens er mich gelegentlich angelächelt hatte. Ich hatte bei ihm nie das Gefühl ihn enttäuscht zu haben oder ihm überhaupt irgendetwas beweisen oder mich für etwas rechtfertigen zu müssen.

Mein Vater hatte während dessen nur stumm gewartet, hatte mich mit seinem missbilligenden Blick angestarrt, den ich jedoch nicht erwidert hatte. Ich musste meinen Vater schon damals nicht mehr ansehen um zu wissen, was für einen Blick er auf mich gelegt hatte.

Peters Vater hatte mir aufmunternd auf die Schulter geklopft und sich dann zu seinem Sohn umgedreht. Hatte er den Blick meines Vaters vielleicht auch bemerkt? Hatte er die Kälte gespürt, die mein Vater mir entgegenbrachte? Hatte er gesehen wie sehr ich unter der Art meines Vaters zu leiden hatte? Hatte er es vielleicht schon früher gesehen, wenigstens ein kleines bisschen Mitleid empfunden und deswegen Peter mitgebracht? Um mir zu helfen?

So viele Fragen schossen mir nun durch den Kopf, doch Antworten würde ich keine bekommen.
Peter schien, der Vorstellung, den Tag mit mir zu verbringen, genauso misstrauisch gegenüber gestanden zu haben, wie ich selbst.

Ich hatte beobachtet wie Mr. Parker sich von seinem Sohn verabschiedete und ihm versprach so schnell wie möglich wieder da zu sein. Mein Blick war kurz zu meinem eigenen Vater gehuscht, der mich gar nicht beachtete, sondern den Blick ebenfalls auf Peter gerichtet hatte.

Ich konnte das Gefühl, das mich damals bei diesem Anblick überkam, nicht richtig zuordnen. Den Wunsch danach auch so beachtet zu werden, die Wut darüber, dass mein Vater mich so anders behandelte. Womit hatte dieser Junge es verdient, von seinem Vater mit solch liebevollen Blicken bedacht zu werden? Und womit hatte ich es verdient nicht auch so angeguckt zu werden, sondern nur mit dieser immerwährenden Verachtung? Ich hatte mir doch solche Mühe gegeben meinem Vater zu gefallen. Erst später erkannte ich, dass es pure, beißende Eifersucht war, ein Gefühl, das mich nie wieder loslassen würde.

Ich erinnerte mich, wie die Wut in mir aufgestiegen war, wie ich die kleinen Hände zu Fäusten geballt  und dann den Blick auf Peter gerichtet hatte, der mit großen, braunen Augen zu seinem Vater hochgesehen und immer wieder  genickt hatte.

Ich hatte solche Kinder verabscheut - hatte die Kinder, die von ihren Eltern geliebt wurden, gehasst, weil ich selbst nie das Gefühl hatte, dass mein Vater mich liebte oder haben wollte. Ich hatte mir nichts sehnlicher gewünscht, als von meinem Vater einmal Anerkennung zu bekommen, für etwas, das ich getan hatte, aber nichts schien gut genug gewesen zu sein. Und dann waren da solche Kinder wie Peter, deren Vater stolz auf sie war, ohne dass sie etwas dafür tun mussten. Denn ihre Väter liebten sie einfach so.

Später, als Peter von seinen Eltern verlassen wurde, schlug meine Eifersucht, die ich trotz unserer Freundschaft immer noch empfunden hatte, in Mitleid um und in ein Gefühl der noch tieferen Verbundenheit - Verbundenheit durch den Schmerz fehlender richtiger Eltern.

Am Ende des Tages musste ich gestehen, dass es mir Spaß gemacht hatte ihn mit Peter zu verbringen. Immer noch wütend über das, was passiert war, hatte ich Peter den ganzen Tag getriezt. Aber Peter hatte es mir nicht übel genommen, hatte sein Lächeln nie verloren und aus allem einen großen Spaß gemacht. So dass aus meinen zunächst bissigen Worten mehr und mehr Witze und Spiele geworden waren. Der Tag hatte uns beiden sehr gefallen und mit seinem nie endenden Lächeln sagte Peter, dass er bald wieder kommen würde.

Das hatte mich dann doch überrascht. Ich hatte nie viele Freunde gehabt und nur Peter war mir ein wirklicher Freund gewesen. Schon in der Vorschule war es lediglich meinem Namen zu verdanken gewesen, dass ich von den anderen Kindern nicht geärgert wurde – oder schlimmeres. Mit Sicherheit waren es die Eltern, die ihre Kinder dazu angehalten hatten zu versuchen sich mit mir anzufreunden. Egal ob Vorschule oder auf dem Internat, so eine Verbindung wäre für die Familien in jeder Hinsicht ein Segen gewesen. Doch es hatte nie funktioniert. Ich wollte solche falschen Freunde nicht, weshalb ich auch nie auch nur daran gedacht hatte, einen von ihnen zu mir einzuladen.

Das war meine erste, wohl immer unvergessliche, Begegnung mit Peter gewesen.
Und es blieb lange nicht bei dieser einen. Wir trafen uns immer häufiger, unsere Freundschaft wuchs und schon bald konnte sich keiner von uns vorstellen einen Tag ohneeinander zu verbringen.

Schon nach Monaten war Peter wie ein Bruder für mich geworden. Es machte mir so viel Spaß und tat mir so gut mit ihm Zeit zu verbringen. Er hatte mich akzeptiert und geschätzt so wie ich war. So wie es zwischen Brüdern sein muss – wie in einer Familie.

Es war ein langer, wunderbarer Weg gewesen für uns beide. Nicht nur voller Höhen, aber grade die Tiefen und deren Überwindung, hatte uns noch mehr zusammengeschweißt. Es war ein schönes Gefühl gewesen, zu wissen, dass es jemanden gab, zu dem ich gehen und dem ich vertrauen konnte. Jemanden von dem ich gewusst hatte, dass er mich nie - niemals verraten würde.

Und dann, ganz plötzlich, war alles vorbei. Mein Vater schickte mich auf ein Internat in England und zerstörte zum zweiten Mal meine Kindheit.

Für einen Moment schloss ich meine Augen. Ich musste schwer schlucken und versuchte den Kloß, der sich in meiner Kehle gebildet hatte und die Tränen in meinen Augen zu verdrängen. Ich blickte hinauf zur dunklen Zimmerdecke.

Warum hatte ich dieses Foto so lange betrachtet?

Ich kniff die Augen zusammen und biss mir fest auf die Unterlippe. Ich würde nicht weinen, auf gar keinen Fall würde eine dieser Tränen über meine Wange laufen.

Das war lächerlich!

Ich hatte Peter ewig nicht gesehen, ich wusste nicht mal ob der Peter, den ich kannte überhaupt noch existierte, oder ob er genauso verschwunden war, wie mein jüngeres Ich auf dem Bild. Ich wusste nicht einmal, ob ich Peter je wiedersehen würde, auch wenn ich jetzt wieder in New York war. Das hieß gar nichts. Ich entließ zittrig die Luft, die sich in meinen Lungen gestaut hatte und öffnete meine immer noch glasigen Augen.

Ich hatte Peter verlassen müssen - ein weiteres Gefühl, dass ich nie vergessen würde. Es hatte sich angefühlt, als würde mir jemand die Luft zum Atmen nehmen, als würde mich jemand unter die Wasseroberfläche drücken und mich sinken lassen wie ein Stein.

Ich würde nie vergessen wie entsetzt Peter mich angestarrt hatte, als ich ihm sagte, dass ich gehen musste. Würde nie vergessen, wie Peter mich an sich gedrückt hatte, so fest, als ob das reichen würde mich bei sich zu behalten. Und dann hatte ich die warmen Tränen in meiner Halsbeuge gespürt und auch in meinen Augen hatten sich welche gesammelten und waren mir die Wangen hinuntergelaufen.

Eine altbekannte Welle des Schmerzes brach über mich herein, als sich die Bilder des verzweifelten Peters in meine Gedanken einzubrennen schienen.

Ich hatte es gehasst, wenn Peter weinte, das letzte Mal hatte er richtig geweint, als seine Eltern ihn ohne jegliche Erklärung verlassen hatten. Ich hasste es so sehr. Ich hatte mit Tränen nie umgehen können, schon gar nicht mit Peters. Und Peter hatte einfach nicht traurig sein dürfen! Er war immer mein glücklicher Peter gewesen und niemand hatte das Recht gehabt ihn traurig zu machen. Als seine Eltern ihn verlassen hatten, hatte ich Peter versprochen, dass wir für immer zusammen bleiben würden, dass er mich niemals verlieren würde und nun hatte ich gehen müssen. Mit jeder Träne die über Peters Wangen gekullert waren, war der Hass auf meinen Vater immer mehr gestiegen. Und auch das Versprechen, sich so oft wie möglich E-Mails zu schreiben und zu telefonieren, hatte uns Beide nicht wirklich beruhigen können.

Doch Peter hatte trotz der Tränenspuren tapfer genickt und versucht zu lächeln. Zwar hatte das Lächeln seine Augen nicht erreicht, doch hatte ich ihn dafür noch umso mehr geliebt. Einfach weil er versucht hatte mich davon zu überzeugen, dass alles gut werden würde und ich mir keine Sorgen um ihn machen sollte.

Ich schluckte erneut schwer. Meine Augen brannten von dem Versuch die Tränen zurückzudrängen, mir war übel, ich spürte wie die Adern in meiner Schläfe pochten, ich hatte rasende Kopfschmerzen bekommen, meine Hände zitterten unmerklich. Ich verkrampfte sie in der Bettdecke um es nicht länger ertragen zu müssen.

Wie hatte ich die darauf folgenden acht Jahre nur überstanden?

Ich wollte nicht daran zurückdenken. Doch ich konnte die Erinnerungen, die auf mich einströmten nicht aufhalten. Es war so mühselig gewesen jede Erinnerung von Peter so weit wie möglich von mir zu schieben, nachdem die Mails ausblieben und auch die versprochenen Telefonate weniger wurden. Es war so unglaublich schwer gewesen Peter aus meinem Leben zu verbannen. Aber ich hatte gewusst, dass ich es tun musste, weil an ihn zu denken noch schlimmer gewesen war.

Ich stand auf, um in das benachbarte Badezimmer zu gehen, doch mir wurde schlagartig schwindlig. Sterne begannen vor meinen Augen zu tanzen. Mein Kreislauf spielte komplett verrückt und doch schaffte ich es irgendwie in das Badezimmer zu taumeln und mir kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen.




Hey!^^
Das war das erste Kapitel zu 'Be my Redemption'.
Wir hoffen es hat euch gefallen ... wir haben nämlich wirklich lange daran herumgefeilt.
Wir würden uns sehr über eure Meinungen freuen und hoffen das ihr beim nächsten Kapitel wieder dabei seid.
Bye!♥
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