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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
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Point of view: Catherina Monsoir

<< Viele gehen fahrlässig mit ihrer wichtigsten menschlichen Ressource um, der Aufmerksamkeit. Denn Aufmerksamkeit ist der Rohstoff der Liebe, die Basis körperlicher Selbstregulation, die Quelle jeder Magie und die Währung jener Wirtschaftsordnung, die in der so genannten Informationsgesellschaft zur Geltung kommt: Wer seine Aufmerksamkeit beherrscht, steuert die Wirklichkeit.>>

<< Samstag, 22. November 2014 (Noch 2 Tage bis zum Winter Cup)>>

„Catty, komm' jetz' Essen“, mein kleiner Bruder stand in meiner Tür, hielt sich an der Türklinke fest, sodass ich befürchtete, dass sie sich lösen würde um meinem Bruder einen Sturz auf den Hintern zu bescheren. Zu meinem Glück – ein heulender, kleiner Bruder war die Hölle auf Erden – blieb dies jedoch aus, sodass ich beruhigt nicken und mich weiterhin ankleiden konnte. „Komme sofort“, sagte ich gewohnt monoton und machte eine wegwerfende Handbewegung um meinem Bruder zu signalisieren, dass er sich aus meinem Zimmer zu entfernen hatte.
Ich starrte mich im Spiegel an, holte einmal tief Luft und atmete diese sehr langsam wieder aus. Noch zwei Tage bis zum Winter Cup. In zwei Tagen würde ich den anderen Mädels auf dem Feld gegenüber stehen um mit ihnen um den Sieg zu ringen.
Der Sieg bedeutete so viel. Vor allem für die Seirin High. Sie bedeutete Aufstieg, Respekt und Erhabenheit und genau das wollte ich Taigas Mannschaft bescheren. Sieg, Triumph, den Rausch des gewonnenen Finales, den Winter Cup... Und die harte Arbeit danach, die sie tätigen mussten um ihr Level halten und sich steigern zu können. Ich grinste in mich hinein, während ich mir einen Pullover über zog und dann mein Zimmer verließ um mich hinunter in die Küche zu begeben.
Dort angekommen stockte ich kurz, hielt im Türrahmen inne und betrachtete die Szenerie, die sich mir bot.
Taiga saß auf einem Stuhl, in Sportkleidung gekleidet, spielte mit meinem kleinen Bruder, der auf seinem Schoß herum sprang wie ein Irrer und dabei laut und fröhlich quietschte. Taiga grinste von einem Ohr zum Anderen und nahm den Kleinen in den Schwitzkasten, als er mich entdeckte.
„Der Kleine hat mal 'ne ordentliche Abreibung verdient, Kitty“, lachte er und mein Bruder quietschte weiterhin vergnügt, strampelte sich frei und versteckte sich kichernd und giggelnd hinter meinen Beinen. Ich fuhr ihm sachte durch sein strubbeliges Haar, meine Mundwinkel zuckten amüsiert und ich ließ mich neben Taiga auf meinem Stuhl nieder.
„Was machst du schon hier?“, fragte ich, als nun alle wieder zur Ruhe gekommen waren. Ich begann damit mein Frühstück zu mir zu nehmen, welches Taiga mir zubereitet hatte. Er war ein wunderbarer Koch und ich liebte ihn dafür.
„Wollte dich abholen, dachte, wir gehen zusammen zum Training“, er zuckte mit den Schultern. Ich sah verwundert auf die Uhr. Es war erst neun Uhr am Morgen, das Training sollte erst um 13 Uhr beginnen. Ich sah etwas verwirrt zwischen der Uhr und dem Power Forward hin und her und er zuckte erneut die Schultern. „Wollte noch Zeit mit dir verbringen“, murmelte er vor sich hin, zog die Schultern ein wenig an und wenn mein Bruder nicht hier gewesen wäre, hätte ich ihn am Liebsten angesprungen und sein Gesicht mit tausend Küssen übersät – auch, wenn solch ein Verhalten absolut nicht zu mir passte, dennoch war seine Reaktion so unheimlich niedlich gewesen, dass ich dem Drang nur schwer widerstehen konnte –

Nach dem Frühstück, dessen Rest Taiga in sich hinein geschaufelt hatte – ich hätte schwören können, dass er mir Absicht viel zu viel gemacht hatte, er war ja froh über jede Gelegenheit etwas zu Essen abstauben zu können – verließen wir das Haus, in dem ich mit meiner Familie wohnte, mein Bruder, welcher von Taiga mit einem High Five und einem 'Tschau, Kumpel' verabschiedet wurde, krabbelte die Treppe nach oben ins Schlafzimmer meiner Eltern, welche beide noch immer schliefen, da sie die letzten Tage lange gearbeitet hatten, um sich zu ihnen ins Bett zu kuscheln. Doch wie ich ihn kannte, würde er sich 2 Minuten zu ihnen gesellen, dann damit beginnen sich hin und her zu wälzen und würde dann meine Eltern dazu bringen aufzustehen um sie den lieben, langen Tag auf Trab halten zu können. Sie taten mir wirklich leid und am Liebsten hätte ich den Kurzen mitgenommen, doch ich konnte und wollte einfach nicht riskieren, dass er auf Feld lief, während wir in einem Trainingsspiel waren. Denn das würde ich meinem kleinen Bruder wirklich zutrauen.
Also beließ ich es dabei und folgte Taiga, welcher mit mir in Richtung Bahn-Station marschierte. Noch immer hatte ich mich nicht wirklich an sein Schritttempo gewöhnt, machte er doch bestimmt doppelt so große Schritte wie meine Wenigkeit und ich hatte Mühe mit ihm mithalten zu können.
„Taiga“, murmelte ich und zupfte an seinem Ärmel. „Nicht so schnell“, er zuckte kurzweilig zusammen, sah mich an, als hätte er absolut nicht mit mir gerechnet und dann weiteten sich seine Augen.
„Hast du allein trainiert?“, ich zuckte mit den Schultern. Nun. Vielleicht hatte ich das getan. Nein. Ich hatte allein trainiert. Wieso auch nicht? War ja schließlich mein gutes Recht.
„Ja“, sagte ich dann und sah ihm in die Augen. Er sah mich verwirrt an. „Du hast mich grade echt erschreckt“, gab er zu und ich runzelte die Stirn. Wie war das denn möglich? Seit wir jede freie Minute, die wir übrig hatten, miteinander verbrachten, war es mir schier unmöglich ihn noch zu überraschen. Er wusste immer, wo ich mich grade befand, spürte immer meine Präsenz, als wäre ich ein Teil von ihm. Wieso also jetzt?
Ich zuckte mit den Schultern und musste mir ein Grinsen verkneifen. „Umso besser“, gab ich zu und harkte mich bei ihm unter, um sein Tempo besser kontrollieren zu können und um einfach nur seine Nähe spüren zu können.

<< Zu wenig Zuwendung oder zu viel Aufmerksamkeit
verursachen Charakterirritierungen und Lebensangst >>


Zusammen stiegen wir in die S-Bahn, fuhren damit in Richtung Innenstadt und stiegen dort auch aus. Der große Elefant im Porzellanladen ergriff meine Hand um mich in dem Getümmel, welches hier stets herrschte, nicht zu verlieren und dirigierte uns beide heil aus der Station hinein in die Stadt. Ein weiterer Vorteil dafür einen Freund zu haben, der den Rest der Gesellschaft um mindestens einen Kopf überragte.
Er dirigierte mich ohne ein weiteres Wort durch die Straßen, an zahllosen Geschäften vorbei, in denen ich gerne einkehren wollen würde um dort ein wenig zu stöbern und schlussendlich in ein Schuhgeschäft, wo er mich in die Abteilung für Sportschuhe schleifte.
Meine Augen weiteten sich kurzweilig. „Wir sind hier, weil?“, fragte ich zögernd und er grinste stolz sein typisches Grinsen. „Ich gesehen habe, dass deine Schuhe total im Arsch sind?“, entgegnete er, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt neue Schuhe mit seiner Freundin zu kaufen.  Ich ließ meine Mundwinkel in die Höhe schießen und grinste den Hünen an, glücklich darüber, dass er so aufmerksam war und Dinge bemerkte, bevor ich überhaupt Notiz von ihnen machte.
Also probierte ich die verschiedensten Schuhe an, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit, die Taiga geduldig aussaß und mir dabei half ein passendes Exemplar zu finden, ein paar Schuhe gefunden hatten, die mir besonders gut gefallen hatten. Sie sahen aus wie die von Taiga, nur in kleiner und ich beschloss diese Schuhe zu kaufen. Vielleicht würde es uns ja Glück bringen und Kagami schüttelte den Kopf darüber, dass ich an so einen abergläubischen Mist festzuhalten schien, legte seine große Hand auf meinem Kopf ab und wuschelte mir durch mein Haar, sodass es zum Schluss in alle Richtungen ab stand.
„Hey“, beschwerte ich mich, darum bemüht etwas vorwurfsvoller als monoton zu klingen und ich fand, dass mir dies auch ziemlich gut gelungen war, als er sich umdrehte und sich daran machte mein Haar wieder in seine Ausgangsposition zu bringen. Zufrieden nickte er, als er sein Werk betrachtete und zusammen verließen wir das Geschäft um noch etwas Essen zu gehen, da der Herr wieder einmal ein kleines Hüngerchen zu verspüren schien.
Den Kopf über ihn schüttelnd folgte ich ihm, während er durch die Straßen schlenderte und überlegte auf was er denn genau Hunger hatte.

Ich betrachtete die an uns vorbei laufenden Pärchen, welche Hand in Hand nebeneinander her gingen, sich verliebt ansahen und sich Liebesgeständnisse zuhauf gaben. Ich schmunzelte.
Ich konnte mich noch sehr gut daran zurück erinnern, dass auch ich einmal in solch einer Beziehung hatte sein wollen. Ich hatte auch einen Freund gewollt, der mich so nahm wie ich war, der mir tausend Mal am Tag seine Liebe gestand. Ich hatte mich gefragt, ob es jemanden geben würde, der sich mit einem langweiligen Mädchen wie mir abgeben wollte, der auf meine monotone Stimmlage keinen Deut gab und ob ich jemals dazu in der Lage sein würde etwas Liebe zu erfahren, die nicht aus familiären Kreisen kam.
Ich sah von einem uns entgegenkommenden Pärchen zu Taiga, welcher fieberhaft zu überlegen schien welches Ambiente er denn nun betreten sollte, bevor er am Hungertod starb und ich schmunzelte erneut in mich hinein.
Ich hatte etwas Besseres gefunden als alles, was ich mir bisher in den Tagträumereien während der Unterrichtszeit hatte erträumen können.  
Ich hatte jemanden gefunden, den es nicht juckte, ob meine Stimmlage monoton war oder nicht, der mich auf Händen trug, der mich unterstützte und mich auffing, wenn ich fiel. Der zu mir stand, egal wie unbeholfen er im Umgang mit Mädchen war, er tat doch immer das Richtige. Wahrscheinlich war es mehr Instinkt, nach dem er handelte, konnte ich nun auch von Glück reden, dass wir die gleichen Interessen besaßen, somit hatte er es nicht so schwer es mir vollkommen recht zu machen.
Ich kuschelte mich an seinen Arm und er blieb kurz stehen, sah zu mir herunter und kratzte sich am Hinterkopf. „Ist was?“, fragte er und war sichtlich verwirrt, doch ich schüttelte nur den Kopf. Ich war in diesem Moment einfach nur glücklich.
Als Taiga sich dann endlich entschieden hatte, war ich überrascht. Er nahm mich bei der Hand, schleifte mich in Richtung Schule und ich sah beinahe verzweifelt auf die Uhr, hatten wir doch noch über eine Stunde Zeit bis zum Training. Doch als wir das 'Lokal' seiner Wahl betraten, grinste er mich an und schob mich durch die Tür des Fast Food Restaurants. „Ich hab' dich hier umgerannt, weißt du noch?“ er grinste von einem Ohr zum Anderen und ich nickte, als ich mich hinter ihm in die Schlange der Wartenden einreihte.
„Als wäre es gestern gewesen“, gab ich zurück und ließ die Zeit mit Taiga Revue passieren. Es war noch nicht lange her, seid wir uns kennen gelernt hatten, doch es kam mir so vor, als würden wir uns schon eine Ewigkeit kennen.

<< Du und ich - wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen. >>

Wir saßen uns gegenüber, aßen unsere Burger und ich hörte Taiga zu, der während des Essens sprach und ich war immer wieder fasziniert davon, wie Multi tasking fähig er doch war. Essen und Sprechen und das auch noch verständlich, war wahrlich eine Kunst für sich. Gut, ich war jetzt auch nicht sonderlich erpicht darauf diese Fähigkeit auch zu erlernen, doch das stand ja jetzt nicht zur Debatte.
Nach dem Essen – Taiga hatte so viel zu sich genommen, dass es eigentlich für die ganze Mannschaft gereicht hätte und ich fragte mich, woher er das ganze Geld dafür nahm – machten wir uns auf den Weg zur Schule, um für den vor der Tür stehenden Winter Cup ein letztes Mal zu trainieren.
„Wo wart ihr denn?“, Hyuuga stemmte seine Hände in die Hüften, als Taiga und ich als letztes am Treffpunkt angekommen waren. „In der Stadt“, Taiga deutete mit seinem Daumen hinter sich. „Sie hat mit Kuroko letztes Mal keine Schuhe bekommen, also bin ich mit ihr los“, die anderen sahen zwischen uns beiden hin und her und nickten dann resignierend, drehten sich um und verschwanden in der Kabine.
Ich selbst zog mich an einem anderen Ort um, um dann, mit meinen neuen Schuhen wohlgemerkt, ebenfalls in der Halle aufzuschlagen.
Riko stellte uns das Programm für heute vor und betonte noch einmal, dass wir heute alles geben sollten, da es das letzte Training sein würde, ehe der Ernst des Lebens beginnen würde. Beim 'letzten Training' sah sie Taiga, welcher sich neben mir positioniert hatte, eindringlich an. Nun, wie ich den Power Forward und mich kannte, würden wir beide sowieso morgen miteinander trainieren. Ich sah ihn verschwörerisch an und er grinste mir zustimmend zu, ehe wir uns an das Aufwärmen und Einlaufen begaben.
„Catherina Monsoir“, Riko winkte mich heran, als ich gerade auf sie zu gelaufen kam und ich kam vor ihr zum Stehen. „Was kann ich für dich tun, Coach?“, sagte ich und keuchte ein wenig. Ich war wohl ein wenig zu schnell gelaufen. Ich sollte nicht versuchen mit Taiga mit zu halten. Das war einfach nichts für mich und meine kürzeren Beine.
„Was auch immer zwischen dir und Kagami ist“, sie zwinkerte mir verschwörerisch zu und ich bemühte mich weiterhin um eine ausdruckslose Mine. War es wirklich so offensichtlich?
„Lass dich davon nicht aus der Bahn bringen und versuche nicht den Trottel von seiner Arbeit abzuhalten“, sie verschränkte ihre Arme vor ihrer doch eher flachen Brust. „Ich will euch garantiert nichts böses, aber du weisst, worum es uns allen geht, oder?“, ich nickte. „Der Sieg“, entgegnete ich wahrheitsgemäß und der junge  Coach nickte. „Wir wollen den Sieg, du sollst uns dabei helfen. Dafür bist du hier und dafür habe ich dich mit in die Startaufstellung geholt. Halte dein Versprechen und wir werden dich auf Händen tragen“, ich nickte und machte mich dann wieder daran meine Runden zu beenden.
Ich wollte nicht auf Händen getragen werden. Ich wollte Siegen um den Menschen glücklich zu machen, den ich am heutigen Tage zu meinem festen Freund erklärt hatte.

<<Du kannst deine Augen schließen, wenn du etwas nicht sehen willst, aber du kannst nicht dein Herz verschließen, wenn du etwas nicht fühlen willst.>>

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