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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
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02.07.2015 2.093
 


Point of view: Sayuri Laelius

<<Wir werden geformt und gestaltet durch das, was wir lieben.>>

<< Freitag, 21. November 2014 (Noch Drei Tage bis zum Winter Cup)>>

Nur noch Drei Tage. Auch wenn ich nicht als Stammspielerin fungierte, war ich unglaublich nervös. Ich hatte viel damit zu tun gehabt die Bewegungsabläufe der Jungs und von Takaya zu analysieren und zu verbessern, sie effizienter zu machen. Mein Gehirn war auf Hochtouren gelaufen und ich hoffte inständig, dass sich diese Arbeit auch bezahlt machen würde. Ich war gespannt, wie ein Flitzebogen, was uns die nahe Zukunft bringen würde, fühlte mich aber auch gleichzeitig wie eine verdammte Verräterin. So war ich doch, durch den Austausch, dazu gezwungen gewesen den Jungs der Kaijo-High alles darzulegen, was ich über die Shinri-Spieler wusste, sodass sie Strategien entwickelt hatten, die die Stärken und Schwächen meiner eigentlichen Mannschaftskameraden mit einbrachten. Ein Glück, dass ich nicht wusste, inwieweit sie sich verbessert hatten, denn auch ihre Fortschritte hätte ich den anderen mitteilen müssen. Meine Unwissenheit trug demnach zur Linderung meines schlechten Gewissens bei und sorgte dafür, dass ich ruhig schlafen konnte, mehr oder weniger...

Unser heutiges Training lag in den letzten Zügen, die Jungs und Takaya liefen grade noch ein paar Runden und dehnten sich anschließend, nur um sich dann im Halbkreis um mich herum zu versammeln. Das heutige Training hatte ich übernommen, Takeuchi Sensei hatte etwas wichtiges zu erledigen und befand meine Kenntnisse als ausreichend um diese Mannschaft am heutigen Tage zu coachen.
„Also“, ich räusperte mich, sah auf meine Kladde und schritt die Reihe der Basketballer ab.
„Ich habe in der letzten Zeit viel beobachtet“, begann ich und musterte jeden einzelnen Spieler.
„Ich habe analysiert, Hypothesen aufgestellt Nasenbluten und Kopfschmerzen für euch in Kauf genommen. Ich habe meine eigene Mannschaft an euch verraten und das schlechte Gewissen frisst mir ein verdammtes Loch in meinen Bauch. Ich verlange also von euch, dass ihr am Montag da raus geht und beweist, dass die Kaijo-High etwas Besonderes ist, dass ihr eine Mannschaft seid, für die sich dieser Verrat gelohnt hat, dass sich all das hier ausbezahlt hat. Ich verlange von euch, dass ihr mir zeigt, dass ich nicht umsonst für euch über Scherben gegangen bin und es weiterhin tun werde“, streng schritt ich weiterhin umher.
„Moriyama“, ich tippte ihm mit dem Zeigefinger auf die Brust um meinen Worten Nachdruck verleihen zu können.
„Du hast dich und deinen unberechenbaren, unorthodoxen Wurf sehr gut verbessert. Mach weiter so und du wirst in naher Zukunft noch die eine oder andere Wurftechnik entwickeln. Nicht mehr hier, bei uns, nicht im Winter Cup, aber vielleicht im Basketball-Team der Universität deiner Wahl. Nimm dir das Ganze ein bisschen mehr zu Herzen, spiele für dich und dein Team, nicht für irgendwelche Mädchen, die sowieso nur auf Erfolg stehen und euch links liegen lassen, sobald ihr verliert...“, ich seufzte und schritt weiter zum Nächsten.
„Hayakawa“, auch ihm tippte ich auf die Brust.
„Du bist zu laut und bekommst deine Zähne einfach nicht auseinander. Wenn du in Rage bist, verstehe ich kein Wort von dem, was du sagst. Aber du bist gut, hast gute Ausdauer bekommen, deine Rebounds sind phänomenal, deine Werte siedeln sich eher im oberen Bereich an. Mach weiter so und du wirst einer der ganz großen Spieler werden“, ich nickte ihm aufmunternd zu und schritt weiterhin die Reihen ab.
„Kasamatsu-senpai“, ich hatte größten Respekt vor diesem Mann, der dort vor mir stand, ernst drein blickte, die Aura eines wahren Kapitäns besaß.
„Du bist ein Profi, gehst alles professionell wie möglich an. Du besitzt die nötige Ruhe, das Talent zur Motivation, die Technik. Du bist ein Kapitän, den es zu schätzen gilt. Ich lüge nicht, das weißt du genau und ich zolle dir großen Respekt. Du hast keine sonderlich großen, speziellen Fähigkeiten, doch das, was du hast, weißt du umzusetzen und deine mentale Stärke überragt die der anderen“, ich legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich respektiere dich sehr, Kapitän“, ich schenkte ihm ein warmes Lächeln, mit welchem der Kapitän scheinbar nicht viel anzufangen wusste. Seine Wangen färbten sich leicht rötlich, sein Blick wanderte an mir vorbei.
„Rede, wenn du reden willst. Friss nicht alles in dich hinein und übernimm dich nicht“, murmelte ich ihm zu und wandte mich dann von ihm ab, da ich wusste, dass ich von ihm keine Antwort erhalten würde.
Ein erneuter Blick auf mein Klemmbrett und ich stiefelte hinüber zu unserem Wunderkind.
„Kise“, ich fixierte ihn. „Sayuri-cchi“, er winkte mir und kratzte sich dann am Hinterkopf, kicherte dümmlich und ich seufzte, ehe ich den Kopf über ihn schüttelte.
„Deine Fähigkeiten muss ich dir nicht erläutern. Du hast dich stark verbessert und du bist kurz davor die perfekte Kopie herstellen zu können“, ich sah noch einmal auf mein Klemmbrett und kniff dann die Augen zusammen. „Denk nicht immer, du könntest alles im Alleingang bewältigen. Auch ein Spieler der Generation der Wunder ist nicht dazu in der Lage allein aufs Feld zu marschieren um dort den großen Macker zu markieren“, ich tippte ihm mehrmals gegen die Brust.
„Du hast ein Team, auf welches du dich verlassen kannst. Behalte das immer im Hinterkopf“, ich wandte mich von ihm ab.
„Kobori“, ich stellte mich vor dem Center auf. „Auch deine Fähigkeiten siedeln sich im oberen Bereich an. Ich habe an dir und deinen Fähigkeiten nichts auszusetzen. Trainiere weiterhin so hart und auch du wirst es zu sehr viel bringen“, Takaya stand direkt neben dem Center, ich stellte mich vor sie.
„Kaya“, ich lächelte sie an und sie schmunzelte. „Dass du gut bist, muss ich dir nicht sagen“, ich zuckte mit den Schultern. „Dass du dir deine Kraft einteilen solltest weißt du schon, dass ich deine Sprungkraft beneide ebenfalls. Nehme leichte Korrekturen vor und du stolzierst an die Spitze der Basketballfrauen“, ich verschränkte meine Arme vor meiner Brust und klemmte mein Klemmbrett zwischen Brust und Armen ein, betrachtete die Mannschaft.
„Ihr seid gut so wie ihr seid. Am Montag geht ihr da raus und treten den anderen Wunderkindern und meinen Teammitgliedern in ihre Ärsche. Ihr seid die blaue Elite, Spieler der Königsklasse. Zeigt denen, dass ihr die Besten seid“, ich nickte. „Wegtreten!“, entließ ich sie und scheuchte sie aus der Halle.

<<Man muß nur ein Wesen recht von Grund auf lieben, dann kommen einem alle anderen liebenswürdig vor.>>

„Welche bewegende Rede“, Kise verschränkte auf dem Heimweg die Arme hinter seinem Kopf und ich stopfte meine Hände in meine Manteltaschen. Es war einfach saukalt und ich schnaubte.
„Man muss das Team dann doch schon motivieren, findest du nicht?“, giftete ich ungewollt und abwehrend hob er die Hände. „Hey, was ist los, Sayuri-cchi“, versuchte er mich zu beruhigen und tätschelte meinen Kopf. „Ich schüttelte diesen leicht und seufzte erneut. „Ich bin nur nervös, mehr nicht“, verwundert betrachtete das blonde Model mich, doch ehe er etwas entgegnen konnte, wurden wir auch schon von Fangirls umringt, welche mich mir nichts dir nichts aus ihrem Kreis beförderten um an Kise herumfuchteln zu können. Verärgert darüber murmelte ich willkürlich Beschimpfungen vor mich hin und stapfte in Richtung Haus der Kises.
Doch als ich an einem Basketballcourt vorbei schlenderte, zog dieser meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Ich betrat ihn, da er menschenleer war, stellte meine Sporttasche ab, nahm dort meinen Basketball heraus und ließ diesen ein paar Mal ticken.
Es war nach wie vor ein wunderbares Gefühl zu spielen. Egal, ob ich gut oder mittelmäßig war. Ich war der Kapitän der Mannschaft der Shinri-High, ich war die Analytikerin, so etwas wie die Zentrale des Teams. Ich liebte es mich zu verausgaben, mir mit den anderen die Seele bis zum Kotzen aus dem Leib zu rennen. Bei dem Gedanken daran verzogen sich meine Lippen zu einem Lächeln. Noch einmal ließ ich den Ball ticken um ihn dann auf gut Glück auf den Korb zu zu werfen. Überraschenderweise traf ich diesen auch und ich lief los, um den Ball wieder zurück zu holen. Ich fühlte über seine raue Oberfläche, ließ ihn auf den Boden ticken, fing ihn wieder auf, warf ich erneut und traf zum wiederholten Male.
Überrascht über mich selbst nahm ich den Ball ein weiteres Mal wieder auf und wiederholte die Prozedur noch das eine oder andere Mal.

Einige  Zeit später vernahm ich ein Klatschen hinter mir. Ich fuhr herum, war um ehrlich zu sein ein wenig erschrocken darüber. Dass mir allem Anschein nach jemand zugesehen hatte. Doch als ich feststellte, dass dieser Jemand lediglich Kise gewesen war, entspannte ich mich wieder. „Ach“, ich atmete erleichtert aus und drehte mich wieder zum Korb um, setzte zum Wurf an. „du bist es nur“, ich stieß den Ball von mir weg, warf dieses Mal aber daneben.
„Ich weiß nicht, ob ich das als Kompliment oder als Beleidigung sehen soll, Sayuri-cchi“, schmollte der Small Forward und gesellte sich zu mir.
Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht einmal selbst, ob ich es positiv oder negativ meinte.
„Wahrscheinlich eher doch als Kompliment“, gab ich zurück. Dass ich mich in seiner Gegenwart entspannen konnte, war doch längst nichts Neues mehr, weswegen ich dieses Thema nun auf sich beruhen ließ.
„Lass uns ein one on one spielen“, er stellte sich mir gegenüber und nahm Haltung an, seine Augen begannen zu leuchten. Ich schnaubte. „Wie schön, dass du davon ausgehst, dass ich deiner Aufforderung nachkomme“, ich schenkte ihm mein falschestes Grinsen und versuchte dann mich an ihm vorbei zu mogeln, was mir nicht sonderlich gut gelang, da er schlicht und ergreifend um Längen besser war als ich es je sein würde. Klang nach einem harten Urteil, war aber die nackte Wahrheit, war Tatsache, war Fakt. Und unumstößlich.
Mit einer Leichtigkeit, die beinahe erschreckend war, knöpfte er mir den Ball ab und marschierte auf meinen Korb zu, was ich – beinahe – verzweifelt zu verhindern versuchte. Also überholte ich ihn grade eben noch so, ehe er absprang und mich, die unter dem Korb stand, im wahrsten Sinne des Wortes einfach so umpflügte. Er semmelte mich um, sodass ich auf schmerzhafte Art und Weise auf dem Rücken zu liegen kam. Ich keuchte kurz auf, als ich den Schmerz am Hinterkopf verspürte und noch einmal, als ich ein seltsames Gewicht auf meinem Gesamten Körper wahr nahm. Kise war ins Straucheln geraten, als mich umgewemmst hatte und war auf mir zu liegen gekommen. Seine Hände, welche er rechts und links neben meinem Kopf platziert hatte, hatten ihn grade noch so daran gehindert mir eine schmerzhafte Kopfnuss zu verpassen.
„Hey“, machte ich und machte Anstalten ihn weg zu schieben, was mir allerdings nicht gelang. Er packte meine Handgelenke und tackerte sie über meinem Kopf mit nur einer Hand zusammen. Was zur Hölle tat er denn da?
Und ehe ich es mich versah hatte er mit seiner freien Hand mein Kinn erfasst und seine Lippen auf meine gelegt.
Erschrocken darüber wollte ich aufspringen und davon rennen, was mir aber aufgrund des Kräfteverhältnisses nicht gelingen wollte. Ergeben gab ich mich dem Kuss also hin. Sein Gewicht lag schwer, aber nicht unangenehm oder erdrückend auf mir, seine Wärme so angenehm und im vollkommenen Gegensatz zu der Kälte des Bodens, welcher mit meinem Rücken in Kontakt stand, stehend. Der süße Druck seiner Lippen auf meinen.... Mir wurde beinahe schwindelig. Mein Herz raste, mein Blut rauschte in meinen Ohren. Ich war aufgeregt, alles kribbelte...

<<Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein;
Langen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt,
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.>>


Als er sich von mir löste, half er mir wortlos auf die Beine. Er setzte zum Sprechen an, doch ich ließ ihm keine Zeit. Mir nichts dir nichts ließ ich meine Handfläche auf seine Wange nieder sausen, drehte mich auf dem Absatz um und sah zu, dass ich verschwand. Schleunigst .
Als ich den Basketballcourt verließ ließ ich alles noch einmal Revue passieren. Meine Lippen kribbelte, ich erinnerte mich an das, was ich während des Kusses verspürt hatte. Sachte fuhr ich mit meinen Fingerspitzen über meine Lippen, realisierte, dass mein Handeln falsch gewesen war und machte auf dem Absatz kehrt, stapfte auf das heiß begehrte Model zu, welches ich einfach so hatte stehen lassen.
„Sayuri-cchi, ich“, setzte er zu Sprechen an, sein Gesichts zierte ein leidiger Ausdruck, seine Wange war stark gerötet. Ich stellte mich vor ihn, drückte ihm einen entschuldigenden, sanften Kuss auf die lädierte Wange auf, dann einen federleichten auf seine Lippen, lief dann hochrot an und trat schnellstens den Heimweg an.  

<<Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand,
und wie wäre der möglich ohne Liebe!>>

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