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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
01.02.2015 1.901
 
<<Point of view: Meiko Kitazono>>

<<Wahrhaft glücklich zu preisen ist, wer sich richtig einzuschätzen weiss und auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem bedacht ist, was er erwerben und dem, was er brauchen kann.>>

<<Mittwoch, 19 November 2014 (Noch Fünf Tage bis zum Winter Cup) >>

Die Anderen würden im Winter Cup sicher Augen machen wenn sie sahen, dass ich unheimliche Fortschritte gemacht hatte. Natürlich war es immer noch schwer für mich eine Treppe hoch und runter zu gehen, mal davon abgesehen, dass ich immer noch wie am Spieß vor mich hin schrie und wie ein Sack voll Espenlaub zitterte, wenn Atsushi mich hoch hob.
Das Einzige, was mir jetzt nicht mehr so schwer fiel war das Springen, wenn ich einen Wurf machte. Ich war überrascht, dass es dabei sogar einfacher für mich war den Ball von mir zu stoßen und ich hatte sichtlich Spaß dabei den Ball wieder und wieder im Netz zu versenken.
Meine Trefferrate hatte sich sogar ein wenig verbessert. Alles in allem: ich hatte sichtlich mehr Spaß am Sport bekommen. Und wenn jetzt das wirklich blöde Asthma nicht mehr wäre, wäre es wohl beinahe perfekt.
„Vielleicht kannst du noch höher springen, Mei-chin“, Atsushi saß auf dem Basketballplatz hinter mir, machte sich über eine Tüte Chips her und sah mir zu, wie ich immer und immer wieder den Ball in den Korb warf, ihn wieder zurück holte nur um ihn dann wieder zu werfen.
Wir hatten heute kein Training, die Trainerin hatte etwas Wichtiges zu erledigen, aber sie meinte, dass wir uns so kurz vor dem Winter Cup auch ruhig ausruhen sollten. Sich jetzt zu überarbeiten wäre vollkommen sinnlos, aber eigentlich wusste sie genau so gut wie jeder von uns, dass wohl niemand in der Mannschaft mehr still halten konnte. Na ja. Außer Atsushi vielleicht, der ja hinter mir im Schneidersitz saß und gefühlt tonnenweise Chips in sich hinein beförderte.
Jedem – außer Atsushi – von uns kribbelte es in den Fingern, wir wollten nach Tokio, in diese Halle, wollten den anderen Mannschaften gegenüber stehen, wollten ihnen feindselige Blicke zuwerfen und ihnen versichern, dass wir gewinnen würden. Wir wollten von ihnen mit Respekt angesehen werden, wollten als Sieger aus dem Turnier hervor gehen, hoch erhobenen Hauptes um dann mit Stolz zurück blicken zu können und sich darüber freuen, was man geleistet hat.
Das wollten wir, das wollte ich.
Natürlich wollte ich dies auch mit meinem Team erleben. Mit dem Shinri Team. Ich wollte die schwarz-pinken Trikots auf dem Feld sehen, meine Kameraden, die wie schwarze Pfeile an mir vorbei flitzten. Ich wollte zwischen ihnen auf der Bank sitzen um mir von Yuu das weitere Vorgehen anhören, ich wollte Sash gähnen hören, während sie Yuu beleidigt, wollte Yin sehen, die ihre Hände knetete, weil sie so nervös war, Sayuri, die schon vorher begann irgendwelche Berechnungen aufzustellen, Cat, die gebannt auf das Feld sah und mit den Beinen wackelte, weil sie endlich laufen wollte, Erwin, der sich Blickduelle mit den Gegnern lieferte um sie einzuschüchtern, Alex, die nur darauf wartete eingewechselt zu werden um sich auspowern zu können und Takaya, die beinahe alle Knochen ihres Körpers einmal knacken lies – so kam es mir jedenfalls vor – um sich zu lockern.
Ich wollte den Winter Cup mit ihnen erleben, wahrscheinlich würde es mir nicht möglich sein mit meiner ganzen Mannschaft an diesem Turnier teil zu nehmen.

<<Wenn es dem Dummen geglückt, dann sieht man in ihm den Gescheiten,- und wenn das Glück ihn verlässt, gilt der Gescheite für dumm.>>

Ich warf daneben und Atsushi legte den Kopf schief. „Denkst du wieder zu viel nach, Mei-chin?“, fragte Atsushi und ich schüttelte den Kopf ohne mich umzudrehen. Ich hob den Ball auf und hielt ihn in den Händen, drehte ihn ein paar Mal um seine eigene Achse. „Alles gut, Atsushi“, ich drehte mich letztendlich zu ihm um und lächelte ein aufgesetztes Lächeln in der Hoffnung er würde es mir abnehmen.
Skeptisch musterte er mich, erhob sich daraufhin aber und ließ mich einfach so stehen. „Hey, warte mal“, rief ich und eilte hinter ihm her, hatte mich noch immer nicht daran gewöhnt mein Schritttempo zu erhöhen um mit ihm mithalten zu können. Meine Fresse, seine Beine waren aber auch monströs lang, darüber ließ es sich einfach nicht streiten. „Wohin gehst du denn jetzt?“, fragte ich und zupfte an seinem Ärmel. „Ich dachte du trainierst mal ein wenig mit mir“, er seufzte.
„Aka-chin sagte, dass ich bis zum Inter-High nicht mehr viel trainieren muss“, ich hob die Brauen. „Ach, und was Aka-chin sagt, dass ist Gesetz, ja?“, ich betonte den Namen des Jungen extra und setzte ihn mit meinen Zeigefingern in Anführungszeichen. Mir fiel beinahe die Kinnlade runter, als Atsushi daraufhin auch noch nickte. „So ziemlich“, er begann an einem Lolli zu lutschen, steckte sich das runde Teil am Ende des weißen Stils in den Mund. Eben genannter, weißer Stil bewegte sich mal nach rechts und mal nach links. Ich hingegen stopfte meine Hände in meine Jackentasche. „Pf“, machte ich und rümpfte die Nase. „Der soll mir mal über den Weg laufen, der bekommt echt was zu hören“, Atsushi sah mich unbeeindruckt an. Sein Blick ruhte kühl auf mir, doch ich glaubte eine kleine Regung darin gesehen zu haben, die mir sagen wollte 'tu es lieber nicht'. Und genau diese Worte sprach der lilahaarige Riese nun auch aus.
„Tu es lieber nicht, Mei-chin“, er kaute auf dem Lolli herum. Es knackte dabei fürchterlich. Sollte er sich doch die Zähne kaputt machen.
„Ach, und wieso?“, ich verschränkte die Arme. Atsushi redete von diesem 'Aka-chin' als wäre dieser eine Gottheit oder so etwas in der Art.
„Er würde dich vielleicht am nächstbesten Baum aufknüpfen, wenn ihm deine Nase nicht gefällt“, ich zuckte leicht zusammen und hielt mir besagte Nase. Was war der denn für ein Typ?
„Wer ist'n der Typ, Atsushi?“, mir fröstelte es ein wenig.
„Aka-chin war Captain bei uns an der Teiko“, erklärte der Center neben mir, während ich versuchte mit ihm Schritt zu halten. „Was Aka-chin sagt wird nicht in Frage gestellt. Aka-chin hat immer recht. Er ist klug, strategisch begabt, Geschäftsmann und er selbst kälter als das Klima in der Antarktis. Man macht also lieber das, was er einem aufträgt und wenn er sagt 'spring aus dem Fenster' dann ist die einzige Frage, die du noch stellen darfst 'Aus welchem Stock'“
Ich zog meine Jacke enger um mich und erschauderte. Was war das für ein Kerl?
„Und gegen den müssen wir spielen?“, fragte ich und sah stur geradeaus auf den Bürgersteig. „Keine Ahnung“, seine Stimme, monoton wie immer, zeigte keine Regung. Manchmal wurde ich aus diesem Menschen einfach nicht schlau. Doch ich glaubte, dass es genau das war, was mich so an ihm faszinierte. Dieses Unvorhersehbare, das wechselhafte Verhalten seinerseits.
„Aber dann beschütze ich dich, Mei-chin“, er legte mir eine Hand auf den Kopf und tätschelte diesen ohne mich anzusehen. Dieses Mal war er derjenige, der einfach nur stur geradeaus auf den Asphalt stierte, seinen Lolli im Mund hin und her drehend und ich kicherte und nickte. „Danke, Atsushi“, es machte mich glücklich, wenn er so etwas sagte. Sehr glücklich.

<<Wenn man einen Riesen sieht, so untersuche man erst den Stand der Sonne und gebe acht, ob es nicht der Schatten eines Pygmäen ist.>>

<<Donnerstag, 20 November 2014 (Noch Vier Tage bis zum Winter Cup)>>

Donnerstag. Montag rückte schon in greifbare Nähe und ich wäre am Liebsten aufgesprungen, hätte den langweiligen Unterricht verlassen um in die Sporthalle zu stürmen. Trainieren. Mehr wollte ich nicht. Ich wollte Körbe werfen und mir die Seele aus dem Leib rennen. Wenn nur dieses Asthma nicht wäre.
Ich verfluchte mich grade innerlich, als der Lehrer mich ansprach. Ich fuhr kurz zusammen. Wieso erwischte er mich eigentlich grundsätzlich in Momenten, in welchen ich unachtsam war? Wahrscheinlich hatten Lehrer einen angeborenen Riecher für solche Dinge und nun verfluchte ich nicht mehr mich und meine Gesundheit, sondern so ziemlich jeden Mathematiklehrer auf dieser Welt. Wie war das noch mal? Man durfte nicht durch Null teilen, weil sonst jedes Mal ein Mathelehrer auf dieser Welt stirbt?
Am Ende der Stunde waren Vorder- und Rückseite meines Aufgabenblattes vollgeschrieben, der Lehrer aber stand immer noch putzmunter vor uns, packte seelenruhig seine Sachen zusammen und verließ den Raum, fröhlich vor sich hin pfeifend und erfreute sich leider noch immer bester Gesundheit. Entweder hatte ich nicht genug durch Null geteilt oder aber Mathelehrer, die einem mit dieser Drohung eintrichtern wollten, dass man niemals durch Null teilte, verbreiteten bloß Lügen. Und die dummen Schüler glaubten auch noch an das, was einem die Lehrer vorsetzten. Egal was es war. Lehrer hatten grundsätzlich recht. Ich begann diesen Fakt in Frage zu stellen und vergaß, dass wir uns in der Mittagspause mit dem Basketballteam treffen wollten.
„Komm, Meiko“, Alex tippte mich sachte an und ging voran, ich sprang auf, stolperte hinter meiner Teamkollegin her und zusammen holten wir zu Atsushi und Himuro auf, die ebenfalls auf den Weg zur Sporthalle waren.
„Was meint ihr ist der Grund für dieses Treffen“, Himuro verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und sah zu Alex, die seinem Blick auswich, die Schultern hob und wieder fallen ließ und sonst eigentlich vor sich hin schwieg. Ob das jetzt gut oder schlecht war vermochte ich nicht einzuschätzen, schließlich befand ich mich hinter meiner Freundin und Himuro, der sich grade durch sein schwarzes Haar fuhr, was wiederum dafür sorgte, dass eine ganze Handvoll Mädchen in theatralisches Seufzen ausbrach. Er war einfach ein Frauenmagnet, daran gab es nichts zu rütteln.
Das konnte man von Atsushi eher weniger behaupten, doch das war wieder etwas, was mir so sehr an ihm gefiel. Tja, ich hatte ihn eben ganz für mich allein. Ich grinste vor mich hin und als ich bemerkte, was ich da gerade gedacht hatte, nahmen meine Wangen eine sehr gesunde Farbe an. Ich schlug mir die Hand vor den Mund und stierte auf Alex' Hinterkopf, der plötzlich irgendwie unheimlich interessant war.
„Mei-chin“, ich zuckte kurz zusammen. „Alles in Ordnung?“, ich nickte hastig. Viel zu hastig und Atsushi beugte sich im Gehen ein Stück zu mir herunter um mir an die Stirn zu fassen. „Du bist warm. Hast du Fieber?“, ich schüttelte ziemlich energisch den Kopf. „N-Nein. Alles in Ordnung, Atsushi. Mir geht’s gut, ehrlich“, brabbelte ich vor mich hin und Alex wandte sich kurz zu mir um, warf mir einen wissenden, aber auch vielsagenden Blick zu und irgendwie wusste ich in diesem Moment gar nicht wohin mit mir und dem beschissenen Gefühlschaos, dass dieser riesige Center da ständig in mir verursachte.

<<Es muss die Sonne wechseln mit dem Regen, der Tag mit der Nacht, wo ein rechtes Gedeihen sein soll: die Abwechslung ist das wahre erzieherische Lebenselement.>>




Nachwort:
Hallo, meine Lieben Cookies.
Erst einmal entschuldigt mal wieder meine Abstinenz.
Krankheit. Arbeit und dann auch noch Renovieren. Kommt irgendwie viel dazwischen. Dann noch Prüfungen. Ich geh am Stock. Aber nun, mit viel Verspätung und doch irgendwie vor gezogen etwas von der liebreizenden Meiko und ihrem Atsushi :3
Ich hoffe, dass es gefallen hat und ich danke euch fuer so viele Empfehlungen, dem einen oder anderen dazugekommenen Favoriteneintrag und die vielen Views. DANKE euch, meine lieben <3
xx ~Sasha
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