Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
Alle Kapitel
148 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
09.09.2014 1.852
 
Point of view: Yin

Eher abwesend ließ ich meine Schulter ein wenig kreisen, bevor ich mich daran machte meinen Koffer zu packen. Ich hatte das Angebot einer Gastfamilie dankend angenommen, da die Rakuzan High ziemlich weit weg war und ich mir kein Bahnticket leisten konnte.
Und ich außerdem keine Lust hatte verdammte fünfeinhalb Stunden von Tokio nach Kyoto zu fahren.
Jeden Tag.

Ich wusste nicht, ob ich aufgeregt war oder nicht.
Ich würde ein halbes Jahr von all den Menschen getrennt sein, die ich mochte.
Gut, dass meine Eltern in Alaska die Kosten für meine Wohnung übernahmen. Sie jetzt aufzugeben wäre fatal für mich.
Ich seufzte, als ich in der Tür stand, den Koffer in der Hand haltend. Es war kalt draußen geworden, also hatte ich einen Schal umgebunden, ein Pullover reichte mir jedoch, da ich kalte Temperaturen gewöhnt war.
Ich sah mich noch ein letztes Mal um, ehe ich die Tür zu zog und diese abschloss, nur um sie dann ein halbes Jahr lang nicht mehr zu öffnen.

Die Schule hatte mir das Bahnticket nach Kyoto bezahlt, wofür ich eigentlich ziemlich dankbar war.
Ich stieg in den Zug und stellte mich auf eine lange und langweilige Fahrt ein.
Am Bahnhof traf ich vorher noch  Meiko und Alex, die nach Akita, in die andere Richtung mussten.
„Wie lange müsst ihr fahren?“, fragte ich und zückte mein Handy, da ich grade eine Nachricht bekommen hatte.
„Siebeneinhalb Stunden“, grummelte Alex, die sanft von Meiko angestupst worden war.
„Mach dir nichts draus, so schlimm ist das nun auch wieder nicht“, ich grinste. Meiko war immer so positiv.
„Aber wir werden uns lange nicht sehen“, ich stimmte Meiko zu, denn den gleichen Gedankengang hatte ich ja auch gehabt, als ich noch in meiner Tür gestanden und mit mir selbst gehadert hatte.
„Das wird schon“, auch ich versuchte positiv zu denken. Ich entdeckte nämlich meinen in den Bahnhof einfahrenden Zug. Langsam wurde ich nervös.
„Wir sehen uns im Winter Cup, Mädels“, grinste ich, als ich Anstalten machte mich in Bewegung zu setzen. Meiko winkte und Alex nickte. „Mach mir keine Schande“, murmelte sie noch und ich nickte.

Sash:
„Verkack nicht. Und mach keinen Scheiß.
Ich warne dich.“                     08:00

Wie nett von Sasha mir durch die Blume zu sagen, dass ich heile ankommen und mir Mühe geben soll. Ich grinste in mich hinein und setzte meine Kopfhörer auf um mir die Fahrt ein wenig zu erleichtern.
Ich sah aus dem Fenster und dachte an meine beiden Huskys Nala und Sheila, die ich bei meiner lieben Vermieterin unterbringen musste. Sie liebte diese Hunde, weswegen es kein Problem für sie war die beiden bei sich aufzunehmen. Sie war eine wirklich liebe, alte Frau.
Dann dachte ich an mein Basketballteam, welches ich ziemlich vermissen würde.
Und während ich mir den Kopf darüber zerbrach wie ich es am Besten anstellte in das Basketballteam der Rakuzan High aufgenommen zu werden, da schlossen sich meine Augen eigentlich schon von ganz allein.

Und ich wachte erst auf, als ich von der Schaffnerin geweckt wurde.
„Junges Fräulein, wir sind an der Endstation, würden Sie bitte aussteigen?“
Ich fuhr hoch und sah mich um. Keiner saß mehr im Zug.
Also zerrte ich meinen Koffer von der Ablage und stürzte aus dem Zug auf den Bahnsteig.
Es war zwei Uhr am Nachmittag und ich hatte die Anweisung bekommen nach Ankunft am Bahnsteig zur Rakuzan zu gehen um dann alles weitere absprechen zu können.
Ich streckte mich ausgiebig, schnappte mir meinen Koffer und zog ihn hinter mir her.
Ich musste einmal mit dem Bus fahren, doch das war weniger schlimm.

Die Schule war riesig und ganz anders als die Shinri High. Sie war modern und sah aus wie grade erst gebaut. In diesem Moment war es mir peinlich Schülerin meiner Schule zu sein.
Ich repräsentierte eine Ruine.
Es schien noch Unterricht zu sein, denn es liefen nur sehr wenige Schüler durch die Gänge.
Ich fand mich eigentlich gar nicht zurecht, weswegen ich mich durchfragen musste.
Eine Schülerin war so nett mir den Weg zum Direktorat zu zeigen und als ich angekommen war klopfte ich leise an der Tür des Direktors.
„Herein“, ertönte eine tiefe Stimme und ich öffnete die Tür, trat durch sie hindurch und schloss sie dann wieder hinter mir.
„Guten Tag, ich bin Yin Snow von der Shinri High“, stellte ich mich vor und der Direktor stand auf um mich zu begrüßen.
„Hallo Yin“, sagte er freundlich lächelnd, was sich positiv auf mich auswirkte. Prompt entspannte ich mich ein wenig.
„Ich bin Shoichi Koguro, der Direktor der Rakuzan. Ich  freue mich dich hier begrüßen zu dürfen.“

Ich unterhielt mich ein wenig mit ihm. Er zeigte mir die Schule, erklärte mir das eine oder andere und sagte, dass sich auch eine Familie gemeldet hatte, die sich bereit erklärt hatte als Gastfamilie für mich zu fungieren.
„Möchtest du einem Club beitreten, Yin?“, fragte der Direktor, als wir an einem der mehreren Sportplätze vorbei gingen, die sich auf dem Schulgelände befanden. Meinen Koffer zog ich noch immer hinter mir her.
„Ich würde mir gern den Basketballclub ansehen“, grinste ich den größeren Mann an, der jetzt stehen blieb.
Er musterte mich und ich konnte die Vorurteile über meine Größe jetzt schon hören. Auch wenn er sie nicht aussprach, sein Blick sprach Bände und ich lächelte.
„Meine Größe spielt keine Rolle, glauben Sie mir“,sagte ich wahrheitsgemäß und er nickte nach einer Weile.
„Das Training fängt jetzt an, du kannst es dir ansehen, wenn du willst. Ich zeige dir den Weg“, er setzte sich in Bewegung und ich folgte ihm. War es echt schon  so spät?
„Der Kapitän dieser Mannschaft wird dich auch mit zu sich nach Hause nehmen, seine Familie freut sich schon auf dich“, ich nickte und mir wurde etwas mulmig.
Ich hatte keinerlei Auskünfte über die Besatzung des Teams eingeholt, doch ich hatte einige Gerüchte über es gehört. Auch was den Kapitän betraf. Mit ihm war wohl nicht gut Kirschen essen, doch ich würde nicht vorurteilsvoll an diese Sache heran gehen.

„Die ist ja riesig“, staunte ich, als wir vor dem Eingang zur Sporthalle standen. „Ja, die Schule ist ja auch groß“, lachte der Direktor und setzte seinen Weg weiter fort. Er hielt mir die Tür auf und schon umfing mich der vertraute Geruch einer Sporthalle. Ich vernahm das Geräusch von quietschenden Sohlen, Basketbällen die auf den Hallenboden prallten um wieder hoch zu springen und junge Männer, die sich etwas zu riefen.
Das Training war also bereits in vollem Gange.
„So, hört mal!“, der Direktor hob die Stimme und ich zuckte kurz zusammen. Die Spieler hielten inne.
„Das hier ist unsere Austauschschülerin von der Shinri High, seid nett zu ihr“, der Direktor gab mir einen leichten Klaps auf den Rücken, was mich zwei Schritte nach vorne machen ließ.
„Ich bin Yin Snow“, stellte ich mir vor und verbeugte mich leicht.
„Und was willst du hier?“, ein älterer Mann, scheinbar der Trainer der Mannschaft, musterte mich von oben bis unten.
„Mir das Training ansehen“, ich stemmte die Hände in die Hüften. Mann, war der unfreundlich. Ich hasste Unfreundlichkeit.
„Die Tribüne ist da vorne“, mit einer Kopfbewegung deutete er auf eben diese.
„Danke, ich finde allein dorthin“, trotzig drehte ich mich um und schnappte mir meinen Koffer.
Eine Hand legte sich auf meine Schulter und ich fuhr herum.
Ich starrte in verschiedenfarbige Augen und einem Grinsen, das ich irgendwie nicht zuordnen konnte. Es war eine Mischung aus Fröhlichkeit, Herausforderung, sah aber auch siegessicher aus.
„Ich bin Seijuro Akashi, freut mich“, das Grinsen war einer eher ausdruckslosen Miene gewichen und ich nickte ihm zu. „Ebenfalls“, entgegnete ich knapp.
Das war also der Kapitän der Mannschaft. Und dessen Familie nahm mich auf. Mir graute es jetzt schon.
Doch ich würde es durchziehen.

„Möchtest du mitspielen?“, erkundigte sich Akashi und ich ließ meinen Koffer stehen. „Deswegen bin ich hier“, herausfordernd grinste ich ihn an.
„Zieh dich um, wir warten auf dich“, er nickte in Richtung Umkleidekabine. Ich nahm meine Sporttasche und wollte in einem der Räume verschwinden, da traf mich ein Stoffbündel am Kopf. Ich fuhr herum und hob es vom Boden auf. „Zieh das an“, sagte Akashi und ich faltete es auseinander. Ein Trikot von der Rakuzan Basketballmannschaft.
Ich nickte und verschwand in der Kabine.
Ich brauchte keine Fünf Minuten um mich umzuziehen. Ich war ein wenig nervös. Es würde sich zeigen, ob sich unser hartes Training auszahlen würde oder nicht.
Merkwürdigerweise passte mir das Trikot auch noch und ich fragte mich wieso Akashi überhaupt ein Trikot dabei hatte, das so klein war.
Aber ich verwarf den Gedanken, als ich über den neu riechenden, weißen Stoff strich und dann raus in die Halle trat.
„Welche Position?“, fragte mich der Trainer und ich blitzte ihn an. „Small Forward“, fauchte ich und durfte mich dann auch schon aufstellen, nachdem ich ein paar Runden gelaufen war.
„Wollen wir uns nicht erst einmal absprechen?“, fragte der Center und ich verdrehte die Augen. „Brauchen wir nicht“, winkte ich ab. Ich war es gewohnt vorauszusehen, was meine Teamkameraden als nächstes tun werden, also beherrschte ich diese Technik, wie die anderen, ziemlich gut.

Der Trainer pfiff das Spiel an, warf den Ball hoch in die Luft und ich stürmte los, als unser Center ihn nicht zu fassen bekam.
Unser Gegnerisches Team wollte einen Pass ausführen, doch er konnte nicht. Er hielt den Ball schon längst nicht mehr in den Händen, lief weiter, dribbelte, ohne zu merken, dass er schon lange nicht mehr im Ballbesitz war.
Ich hatte ihn gestealt und passte grade zu unserem Power Forward, der den Ball durch den Ring warf.
„Wie...“, ich ging an dem gegnerischen Small Forward vorbei, rollte meine rechte Schulter und ließ ihn einfach stehen.
Akashi spielte nicht mit. Er schien mich zu analysieren.
Dauernd hörte ich die Spieler, selbst aus meinem Team, Dinge wie
„Wo kam sie jetzt her“
„Wie macht sie das“
„Das ist nicht normal“, sagen.
Ich war es gewohnt.

Ich grinste siegessicher.
Nach dem zweiten Viertel lag mein Team vorne und ich setzte mich auf die Bank, nahm mir einen herumliegenden Ball und ließ ihn auf meiner Fingerspitze rotieren.
„Melting Snowflake“, hörte ich Akashi sagen und ich grinste ohne ihn anzusehen.
„Du wusstest, wer ich bin“, ich fuhr mit den Fingerkuppen meiner freien Hand sachte über meine Bemalung im Gesicht, die in meinem Stamm zur Tradition gehörte.
„Informationsbeschaffung ist das Wichtigste, meine Liebe“, ich nickte.
„Dein erster Eindruck?“, fragte ich und stand auf.
„Dein Potenzial ist genauso riesig wie das deiner Mitspieler“, knurrte Akashi und mit einem selbstgefälligen Grinsen warf ich den Ball kurz hoch in die Luft, fing ihn wieder, verschwand vor Akashis Augen, die sich in diesem Moment unweigerlich weiteten und tauchte hinter dem Center wieder auf um den Ball in Akashis Richtung zu katapultieren.
Dies geschah in einer unglaublich knappen Zeitspanne, Akashi schaffte es nicht zu reagieren und der Ball prallte mit voller Wucht gegen die Wand hinter Akashi, dicht neben seinem Gesicht.

„Ich weiß“, bestätigte ich seinen ersten Eindruck von mir, drehte mich um und ging wieder auf das Spielfeld um den Kapitän mit meiner Provokation und den Gedanken über mich und sein verdammtes Glück mich dabei zu haben allein zu lassen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast