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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
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Dieses Kapitel
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04.01.2015 2.256
 
Point of view: Erwin Sebastian von Basel

<<Lege Wert auf gute Gesellschaft, auch wenn du allein bist.>>

<<Montag, 17. November 2014 (Noch 7 Tage bis zum Winter Cup)>>

Midorima und ich widmeten uns wieder einander, nachdem Yin und dieser unheimliche, arrogante Kerl von dannen gezogen waren.
„Deine Freundin traut sich ganz schön was zu“, bemerkte der Shooter neben mir ziemlich beiläufig und schob seine Brille zurecht. ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Sie ist tough“, meinte ich nur und fügte im Stillen nur ein ‚Was bleibt ihr anderes übrig‘ hinzu.
Dass die kleine Weißhaarige das Ganze so gelassen nehmen konnte, konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, hatte ihre Schulter doch mächtigen Schaden davon getragen. Denn so schlimm, wie es jetzt war, war es noch nie gewesen.
„Wie ist dieser Akashi sonst so?“, ich fixierte den Rücken des jungen Rothaarigen, der ebenfalls Geschäftsmann zu sein schien und nun mit Yin an der Seite den Konferenzraum betrat, in welchem gleich ein Vortrag stattfinden werden würde, den auch ich mir mit allergrößtem Vergnügen rein ziehen durfte. Ja, genau. Vergnügen.  Nicht.
„Egozentrisch, Eigensinnig, Stur, Rechthaberisch, Herrisch..“, mit jedem Wort hoben sich meine Augenbrauen mehr. Yin tat mir leid. Sehr leid.
Aber sie würde sich schon durch setzen, dass hatte sie mir grade deutlichst vermittelt. Und Akashi selbst auch. Vermutlich musste ich mir also keine Gedanken machen.
Ich nahm mein Handy aus meiner Tasche und sendete ein Foto von mir an Sasha, um ihr zu zeigen, wo ich mich hier befand. Darunter schrieb ich: Viel zu unnötig, was mach‘ ich denn nun?
Die Antwort kam postwendend.
‚Stirb‘
ich lachte kurz auf und steckte nach einem schnell eingetippten und abgesendeten ’Selber‘ mein Handy wieder ein um mit Midorima zusammen in den viel zu großen Saal zu treten, in dem wir uns einen stinklangweiligen Vortrag geben mussten, in welchem auch Akashi Seijuro seinen Auftritt hatte. Und erst während dieses Vortrages fiel mir auf, wie weitreichend sein Einfluss doch war und wie sehr er sich Respekt verschafft hatte.
Natürlich war mir sein Name geläufig gewesen, war er immerhin auch ein Geschäftsmann wie ich, doch mit ihm gemeinsame Sache hatte ich bisher niemals gemacht und ehrlich gesagt hatte ich es auch nicht vor. Jedermann hatte großen Respekt vor ihm. So sehr, dass es verdammt noch mal mucksmäuschenstill in diesem fucking viel zu großen Saal war und ja, verdammt, auch ich hatte Respekt vor ihm.
Ich wollte nicht mit Yin tauschen und bewunderte sie dafür, dass sie sich bei ihm mehr oder weniger durchsetzte.
„Deine Freundin?“, nickte Midorima in die Richtung, in die Yin verschwunden war und ich schmunzelte amüsiert. War ihm eigentlich bewusst, dass es schon das Zweite Mal war, dass er fragte, ob meine Freundinnen meine festen Freundinnen waren. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und legte meinen Kopf leicht schief.
„Wenn es dich beruhigt, Midorima-kun“, sagte ich und wandte mich zum Gehen „Mein Interesse liegt nicht beim weiblichen Geschlecht“, somit ging ich voran. Wenn Midorima Shintarou ein absolut intolerantes Arschloch war, würde dieser Junge sich jetzt umdrehen und zur Tür hinaus spaziere um nie mehr ein Wort mit mir wechseln zu müssen. Denn das taten die Meisten. Sie erfuhren, dass ich homosexuell war und waren dann auch schon über alle Berge.
Sollte er aber genau das Gegenteil sein, würde er mir hinterher gehen um mich entweder auszufragen oder es schweigend hinzunehmen, was bei seinem Fall wohl eher eintreffen würde.
Ich konnte nicht einmal sagen mit was ich eher rechnen würde. Wahrscheinlich würde Variante eins eintreten, aber das war dann nichts neues mehr für mich und somit wäre Midorima Shintarou nur ein weiterer, intoleranter Mensch in meinem Leben, den es zu ignorieren galt. Damit kannte ich mich mittlerweise sehr gut aus und deswegen dürfte es mir keine Probleme mehr bereiten.
Zu meiner Überraschung ließ sich der Grünhaarige Shooter auf den Platz neben mir sinken und deutete auf den Mann vorne auf dem Podest. „Worüber soll der Vortrag noch einmal gehalten werden?“, fragte er unberührt und ich antwortete ihm wahrheitsgemäß, darauf achtend mir meine Überraschung nicht anmerken zu lassen.

<<Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit andern Augen zu sehen.>>

Der Vortrag war wirklich langweilig, irgendwann hatte ich mit der mich überkommenden Müdigkeit zu kämpfen gehabt und ich war froh, als wir endlich entlassen wurden. Ich sprang auf und stürzte aus dem Raum um an die frische Luft zu kommen.
„So spielt das Leben“, Midorima trat zu mir nach draußen und ich sah ihn aus den Augenwinkeln heraus an, schätzte ihn ab und sah weg, als ich bemerkte, dass er das Selbe wie ich tat.
„Scheinbar“, entgegnete ich verzögert und schweigend standen wir hier draußen, sahen auf die Stadt hinunter und genossen die Stille. Sie war nicht unangenehm. Für mich jedenfalls nicht.
„Von Basel“, wurde ich laut und freudig begrüßt und als ich mich umdrehte erkannte ich denjenigen, der auf mich zu stürmte als einen Sohn eines Geschäftspartners meiner Großmutter, die ich hier auf diesem Kongress ja vertrat.
„Meine Güte“, Shinji-kun legte einen Arm um mich und wippte mit den Augenbrauen. „Wir haben uns ja ewig nicht gesehen“, säuselte er und ich nickte gequält. Denn das wir uns nicht gesehen hatten war für mich wirklich nicht weiter tragisch gewesen.
„Hah, wie schade“, trauerte ich und der Sarkasmus, den ich versprühte, war beinahe greifbar.
„Wir sollten unsere jetzige, gemeinsame Zeit nutzen und verschwinden, Erwin“, Shinji-kun war mir ziemlich nahe gekommen und um ehrlich zu sein wusste ich, der sonst immer wusste, was er tun sollte und was nicht, nicht, was ich machen sollte.
„Oi“, Shinji-kun wurde gepackt und ich prompt herum gerissen. „Lass ihn“, Midorima hatte mich bei der Hand genommen. „Wir gehen jetzt, bevor dieser unterbelichtete Kerl dich in die nächste Ecke zerrt und sonst was mit dir anstellt“, mit diesen Worten zerrte der Shooter der Shuutoku High mich wieder in den Saal, in dem Yin mit einem Glas Orangensaft auf mich zu stolziert kam. Im Schlepptau hatte die den amüsiert vor sich hin schnaubenden Akashi, der sie so sehr fixierte, dass es mir beinahe eiskalt den Rücken runter lief.
„Orangensaft?“, Yin hielt mir das Glas hin, welches ich dankend annahm und in einem Zug herunter stürzte. „Ich wusste, ich tu dir damit was Gutes, von Basel“, die Weißhaarige stemmte die Hände in die Hüften und schlug dann Midorima mit dem Handrücken gegen den Bauch, wie sie es vorhin bei Akashi auch getan hatte.
„Und du“, mit einer nickenden Kopfbewegung gab sie dem Grünhaarigen zu verstehen, das er gemeint war.
„Pass' mal besser auf Erwin auf, wenn so etwas ist“, befahl sie ihm. Wenn es um die Sicherheit ihrer Freunde ging, war Yin nicht zu Scherzen aufgelegt.
Midorima schob seine Brille zurecht. „Bitte?“, funkelte er sie aus seinen grünen Augen aus an. Scheinbar mochte er Befehlstöne nicht sonderlich, wenn sie an ihn gerichtet waren.
„Hast mich schon verstanden“, entgegnete das Mädchen aus Alaska und nahm mich bei der Hand um mich kurz weg zu ziehen. „Alles hat seine Gründe, Grünschopf. Tu es einfach“, sagte sie noch, ehe sie den beiden Wunderkindern den Rücken zu kehrte und mich hinter sich her zog.
„Oi, Yin“, maulte ich und blieb stehen.
„Ich kann auf mich selbst aufpassen“, murrte ich. Schließlich war ich ein beinahe erwachsener, nicht grade klein gewachsener Kerl. „Hat für mich eher nach Ratlosigkeit ausgesehen, von Basel“, ich verdrehte die Augen. „Tu nicht so, als wärst du Sash“, ich knuffte ihr in die Seite und sie kicherte. „Stimmt“, gab sie mir recht. „Liegt mir echt nicht, oder?“, amüsiert schüttelte ich den Kopf und als das nächste Lied angestimmt wurde, zog ich sie einfach auf die Tanzfläche, die im Übrigen wirklich gut gefüllt war und tanzte Walzer mit der Weißhaarigen Basketballerin.
Natürlich wusste ich, dass sie recht gehabt hatte mit ihrer Aussage. Auch ich brauchte mal Hilfe und um ehrlich zu sein war ich froh, dass Midorima grade da gewesen war um mir zu helfen.
Ich schüttelte leicht den Kopf um die Bilder aus meiner Vergangenheit los zu werden, denn diese hatten wirklich jetzt nichts vor meinem inneren Auge zu suchen.

<<Was in den Menschen hinein strömt, färbt ihn positiv oder negativ, verbreitet Harmonie oder zeichnet destruktive Linien, ein Leben lang werden wir schöner oder leider auch mausgrauer.>>

„Schau mal“, kicherte Yin und deutete mit den Augen auf Akashi und Midorima, die mit vor der Brust verschränkten Armen da standen und zu uns herüber sahen, als würden sie jemanden auffressen wollen. Zumindest Akashi sah aus, als würde er jemanden sezieren wollen. Mindestens.
„Ai, ai, ai, was seh' ich da“, schüttelte Yin amüsiert den Kopf und ich hob die Braue. „Ein verliebtes Ehepaar?“, Yin lachte und schlug mir gegen den Oberarm. „Als ob“, griente sie und beugte sich ein wenig zu mir nach vorn.
„Da ist mindestens eine Person ganz schön eifersüchtig“, ich sah dieses Mal wirklich echt auffällig zu den Beiden, Midorima wandte seinen Blick sofort ab, Akashi sah mich an, als hätte ich ihm etwas wichtiges gestohlen. Vorwurfsvoll, drohend, anklagend.
„Meinst du Akashi?“, ich deutete leicht mit dem Kopf in die Richtung der Beiden. Sie zuckte mit den Schultern. „Und wenn schon“, dabei zuckte sie ein wenig zusammen. Ihre Schulter schien wirklich stark zu schmerzen.
„Ich meine den Mooskopf“, ich hob wieder die Braue.
„Was ist das denn für ein Spitzname?“, fragte ich amüsiert und sie grinste.
„Der sieht jedenfalls ziemlich eifersüchtig aus. Sicher, dass er nicht auch irgendwie vom anderen Ufer ist und den Mädchen auf der anderen Seite nicht einmal zu winkt?“, ich überlegte.
„Wenn ich mich recht entsinne...“, murmelte ich und konzentrierte mich eher weniger auf die Tanzschritte, die zum Glück schon Routine waren. „... hat er in der ganzen Zeit, die ich ihn jetzt kenne, kein einziges Mädchen auch nur angesehen“, ich sah Yin in die Augen.
Die Musik verstummte und Yin und ich lösten unsere Tanzhaltung auf. Sie machte auf dem Absatz kehrt und hob die Hand zum Abschied. „Halt dich ran, von Basel“, sagte sie und ließ mich auf der Tanzfläche stehen um zu Akashi zurück zu gehen. Und erneut erinnerte sie mich an Sasha.

<<Des Menschen grösster Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen lässt>>

Diese musste ich erst einmal am Abend telefonisch kontaktieren.
„Ich bin nicht da“, wurde ich begrüßt, nachdem es eine ganze Weile lang getutet hatte.
„Oh, wie freundlich, Frozen“, säuselte ich in den Hörer und meine beste Freundin seufzte genervt. „Erschieß mich, Sunny. Ehrlich“, murrte Sasha und ich hob die Brauen. „Stress?“, ich schnaubte. „Für den Winter Cup nehm ich's in Kauf“, ich lachte. „Wohl oder Übel, ne?“, sie brummelte zustimmend vor sich hin.
„Was kann ich für dich tun?“, fragte sie nach einer Weile und dieses Mal war es an mir theatralisch zu seufzen.
„Ich bin verwirrt“, sie schnaubte. „Das kommt des Öfteren vor“, entgegnete sie tonlos und ich lachte kurz auf. „Spinnerin“, gab ich zurück, was sie unkommentiert ließ.
„Midorima“, gab ich ihr als Schlagwort und wieder herrschte eine Weile lang Stille.
„Frage ihn doch“, ich verdrehte die Augen. Ich wusste, dass sie wusste, was ich meinte, weswegen sie vorhin eine kleine Denkpause eingelegt hatte.
„Mehr nicht?“, hakte ich nach und sie stöhnte auf. „Was erwartest du?“, ich zuckte mit den Schultern, obwohl ich wusste, dass sie es nicht sehen konnte. Sie hatte recht.
„Außerdem ist es logisch. Wie willst du es sonst heraus finden?“, ich drehte mich in meinem Bett vom Rücken auf die Seite und nahm eine Embryostellung ein. Meine nackten Füße steckte ich unter meine Bettdecke, da diese langsam aber sicher kalt wurden.
„Deine Antwort fällt dir nicht vom Himmel, von Basel. Du musst dich schon selbst darum kümmern“, ich maulte vor mich hin, da ich ehrlich gesagt keine Lust auf patzige und besserwisserische Antworten seitens Midorima hatte, aber wenn ich herausfinden wollte, an welchem Ufer er sich befand – in sexuellem Sinne wohlgemerkt – musste ich ihn wohl oder übel mit diesem Thema konfrontieren.
„Mach' du das“, maulte ich und fuhr mir durch mein verwuscheltes Haar.
„Erwin-sama“, sie betonte das Suffix extra, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich ein begehrter, junger Mann war, der doch wohl wissen würde, was er wollte und was nicht und der sich auch holte, was er wollte. Wie sonst auch.
„..du weißt, wie das endet“, ich nickte zustimmend. Stimmt. Lieber ließ ich sie das nicht machen. Sie wäre mir wohl keine große Hilfe und Midorima würde danach mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit einen großen Bogen um mich machen. Sashas ruppige und raue Art, die sie meist sehr unfreundlich wirken ließ, würden sich nicht besonders begünstigend auf den Shooter auswirken, weswegen ich wohl oder übel doch selbst ran musste.
„Wünsch mir Glück“, seufzte ich und sie schnaubte.
„Vergeig' es nicht“, befahl sie mir. „Und lass es nicht schleifen“, ich nickte wieder.
Sie hatte recht, ich durfte es nicht schleifen lassen. Wer wusste schon, was für eine Chance mir vielleicht entgehen würde, würde ich ihn nicht darauf ansprechen?

<<Die Rose ist ohne warum; sie blüht, weil sie blüht, sie Achtet nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie sieht.>>


Hallo meine lieben Cookies,
zum schoenen Sonntag gibt es auch wieder Mal was von unserem liebsten Erwin-sama zu lesen...
Nun, die beiden scheinen ja jetzt auf Tuchfuehlung zu gehen und was ist mit Erwins Vergangenheit?
Nun, ich will euch nicht mit ollen Nachwoertern nerven.
Schoenen Sonntag euch
<3
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