Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
Alle Kapitel
148 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
09.09.2014 2.062
 
Point of view: Yin Snow

<<Allen Moden gemeinsam ist die Beobachtung, dass ihre ersten und ihre letzten Vertreter komisch sind>>

<<Montag, 17. November 2014 (Noch 7 Tage bis zum Winter Cup)>>

Ich starrte ihn durch den Spiegel an und fragte mich ob er das, was er grade gesagt hatte auch ernst meinte, oder ob er mich schlicht und ergreifend verarschen wollte.
„Mit links?“, fragte ich um sicherzugehen, dass ich mich nicht verhört hatte. „Sicher?“,Er sah mich an als hätte ich ihn gefragt was 1+1 ergibt.
Selbst durch den Spiegel war sein Blick stechend und durchdringend, ich blinzelte irritiert. „Sicher“, vergewisserte Akashi mir und hob eine Braue. Ich unterdrückte es leer zu schlucken. Ich hatte – den heutigen Tag ausgeschlossen – nur noch knapp eine Woche lang Zeit. Wie wollte er – nein, ich – das bitte bewerkstelligen?
„Ja“, ich lachte ironisch auf. „Dann trainiere ich einfach von Morgens bis Abends und werde mit links genauso gut wie mit rechts. Kein Thema“, ich schnaubte und wandte mich ab. Meine Schulter schmerzte und ich zuckte kurz zusammen, doch ich ignorierte den Schmerz weitestgehend.
Dann folgte ich Akashi nach unten. „Überlasse das einfach mir, Yin“, ich hörte, dass er grinsen musste und ich seufzte. „Klar, der Emperor himself macht das schon“, meine Stimme triefte vor Sarkasmus, doch ich fürchtete, dass mir keine andere Wahl blieb als es wirklich ihm zu überlassen und setzte mich nach dem Frühstück in dem sündhaft teuren Kleid in das Auto und begleitete Rakuzans Kapitän zu seinem Kongress.

Es war unglaublich langweilig und ich merkte schnell, dass dies hier echt nicht meine Welt war. Empfangen wurden die am Kongress teilnehmenden Herrschaften mit einem 'Gläschen' Sekt, welches ich wohlwollend ablehnte und beherzt nach einem Glas Orangensaft griff. Ich meine, wenn man sich schon betrinken wollte, ja, dann schon richtig.
„Gutes Kind“, lobte Akashi mich leise und mit dem Glas an den Lippen sah ich ihn aus den Augenwinkeln aus an. „Mhm“, machte ich und setzte dann das Glas wieder ab, da ich jemanden entdeckte, der mir sehr wohl bekannt vorkam.
Ich raste Akashi hinterher, schlug ihm im Vorbeigehen mit einem meiner Handschuhe, das dieser erstens einfach so vor gerannt war, wo ich doch so schnell verloren gehen konnte und zweitens Erwin einen merkwürdigen Blick zu warf.
„Ja, ja, du Wunderkind. Renn' mal nicht so vor“, grinste ich scheinheilig, ging auf Erwin zu und nahm ihn beherzt in den Arm. Es tat gut jemanden zu sehen, der nicht so abgedreht war wie die Menschen in meinem momentanen Umfeld.
„Na, Snowflake?“, lächelte der Schwarzhaarige mich an und sah zu mir herunter. Kritisch beäugte er das rote Tape auf meiner Schmerzenden Schulter, welches wirklich gar nicht auffällig war. Nein, ehrlich nicht.
„Wer war das?“, er kniff die Augen zusammen und ich packte ihn um ihn, etwas abseits von unseren Begleitpersonen, aufklären zu können.
„Akashi war das“, murmelte ich und Erwins Mine verfinsterte sich. „Aber nur aus Versehen“, beeilte ich mich zu sagen und hob abwehrend die Hände, was ich jedoch sogleich bereute. Ein stechender Schmerz fuhr durch meine Schulter und ich zuckte zusammen.
„Aus Versehen“, Erwin nickte und schnaubte. „Schon klar“, ich nickte heftig. „Doch“, beharrte ich auf meinen Standpunkt. „Er hat mich aus Versehen gefoult, als er meinen Wurf blocken wollte und ich bin daraufhin auf meine Schulter gefallen.“
Erwin machte Anstalten zu Akashi zu gehen, doch ich hielt den Power Forward der Shinri High fest, sah trotzig zu ihm auf. „Das hätte einem von euch ebenso gut passieren können, Sunny“, doch Erwin schüttelte den Kopf. „Hätte es nicht“, sagte er nur und ich wusste, dass er damit recht hatte.
Schließlich harmonierte unser Team so gut miteinander auf dem Feld, spielten, trotz Präzision, Schnelligkeit und Aggressivität mancher Spieler, so umsichtig, dass so etwas gar nicht passieren konnte.
„Du magst den Kerl also, ja?“, riss Erwin mich aus meinen Gedanken und ich nickte. „Er ist zwar komisch, weiß einfach alles und ein Arschloch, aber ja, irgendwie schon“, Erwin verzog seinen Mund zu einem breiten Grinsen. „Also Sasha“, kicherte er und ich umklammerte mein Glas um nicht laut los zu lachen. „So ungefähr“, prustete ich und Erwin winkte ab. „Ich wusste, dass du ein Faible für schräge Typen hast“, grinste er weiterhin. Ich schlug ihm gegen den Oberarm. „Selber“, lachte ich und deutete mit einem kaum merklichen Kopfnicken in Richtung Akashi, bei dem ein junger, gutaussehender Mann mit grünem Haar stand.

„Neuer Verehrer?“, ich stieß Erwin mit dem Ellenbogen in die Seite und wippte mit den Augenbrauen und schnell riss dieser abwehrend die Arme nach oben und wedelte mit seinen Händen vor meinem Gesicht herum.
„Um Himmels Willen, nein“, Erwin legte einen Finger an seine Wange. „Obwohl ich ihn ja doch schon ziemlich...“, er suchte nach dem richtigen Wort. „..beeindruckend finde“, er schnippte mit den Fingern. „Schade eigentlich, er ist doch schon ziemlich attraktiv“, ich nickte. Recht hatte er.
„Und überhaupt“, der Power Forward stemmte die Hände in die Hüften. „Was heißt hier 'Neuer'?“, er formte mit seinen Fingern die Anführungszeichen in der Luft. Dann deutete er mit einem Kopfnicken in Richtung Akashi. „Was ist denn überhaupt mit dir? Außer dass du den Typen magst“, er zuckte amüsiert mit einer Augenbraue, als ich mich gleich ein wenig kleiner machte. „Wer ist er denn überhaupt, Snowflake?“, ich räusperte mich. „Akashi Seijuro“, erwiderte ich. „Seines Zeichens Unternehmer, Kapitän der Rakuzan High Basketballmannschaft, Mitglied der Generation der Wunder, Emperor höchstselbst und...“, ich tippte mit meinem Zeigefinger auf meine Wange, auf welcher sich meine blaue Schneeflockenbemalung befand. „...außerdem noch mein Schicksal“, beendete ich meine Ausführungen über das Ausnahmetalent Akashi Seijuro und hob dann die Arme nur um sie dann wieder fallen zu lassen. „Hah?“, machte Erwin. „Also ein richtig guter Fang, ja?“, er nahm mir mein Glas aus der Hand und trank es in einem Zug leer, stellte es dann auf irgendeinen Tisch. „Scheint 'ne mordsmäßige Präsenz zu besitzen, dieser Akashi“, stellte er fest und ich nickte. „Alles hört auf sein Kommando“, pflichtete ich ihm bei.
„Selbst Midorima macht einen angespannten Eindruck“, heimlich beobachtete ich Akashi und den Grünhaarigen, welcher grade unnötigerweise seine Brille zurecht rückte. Moment.
Verband er sich etwa die Finger seiner Linken Hand? Ich verzog das Gesicht. Was war der denn für ein Vogel? Und Erwin sagte zu mir, ich hätte ein Faible für schräge Typen?
„Seine Stimme klingt unheimlich“, dieses Mal war es an Erwin das Gesicht zu verziehen. „Man gewöhnt sich dran“, ich zuckte vorsichtig mit den Schultern. „Und alles springt, wenn er es befiehlt?“, skeptisch schielte er zu dem Rothaarigen herüber, der so eine gute Beobachtungsgabe besaß, dass er längst bemerkt haben MUSSTE, dass wir über ihn redeten. Ich nickte und machte Anstalten zu unseren Begleitungen zurück zu gehen.
„Joar“, ich schlug ihm sanft scherzhaft mit dem Handrücken gegen den Bauch und zwinkerte. „Ich aber nicht“, Erwin unterdrückte schallendes Gelächter und zwinkerte ebenfalls. „Dann zeig' mal, was du so drauf hast, Yin Snow“, gluckste der Schweizer und ich rieb mir innerlich die Hände.  Ich würde Erwins Liebhaber – wenn er es denn war – schon zeigen, wie man mit einem Akashi Seijuro umzugehen hatte.

„Auch wieder da, ja?“, ich lächelte den Basketballer der Rakuzan zuckersüß an. „Eifersüchtig?“, säuselte ich scheinheilig und und der Rothaarige verschränkte die Arme vor seiner Brust, schüttelte den Kopf über mich. „Irgendwann stoße ich dich aus Versehen aus dem offenen Fenster, Yin Snow“, sagte er leise und bedrohlich und eine Gänsehaut überkam mich, welche ich aber geflissentlich überging. Ich schlug mir theatralisch entsetzt die Hand vor den Mund.
„Akashi-sama!“, wieder betonte ich das Suffix deutlichst. „Wie könnt ihr nur?“, ich sah, dass Erwins grünhaarige Begleitung – ich hatte seinen Namen schon wieder vergessen – die Augenbrauen hob, während Erwin sich den Handrücken vor den Mund hielt unf hinein biss um nicht los zu prusten.
„Lass das Betonen des Suffix'“, befahl Akashi, doch ich legte einen Finger an meine Unterlippe und tat so, als wäre ich unendlich traurig. „Aber das ist doch extra nur für dich“, maulte ich und Akashis Mundwinkel zuckten unmerklich. Dann bot er mir seinen Arm an, nachdem er einen Blick auf die Uhr geworfen hatte.
„Das wird ein Nachspiel haben. Snow-sama“, er lächelte mich scheinheilig an und ich hakte mich bei ihm unter, lächelte zurück und deutete dann mit meinem Blick auf meine in rotem Tape eingepackte Schulter. „Ich weiß“, stellte ich klar, ehe ich mich von ihm mitziehen ließ.
Er führte mich in einen überdimensional großen Saal, in dem gefühlt sieben Millionen Stühle hintereinander in langen Reihen aufgestellt worden waren.
Ich ließ mich von Akashi auf einen dieser – zugegebenermaßen wirklich bequemen – Stühle drücken und sogleich sah ich mich um. „Mh“, machte ich. „Riesig ist dieses Räumchen ja echt mal nicht, ne?“, Akashi schnaubte amüsiert. „Bitte unterlasst den Gebrauch von Sarkasmus in solchen Situationen, Snow-sama“, er setzte sich neben mich. „Aber ja, du hast recht. Wahrscheinlich haben die Veranstalter einen Hang zur Untertreibung“, ich lächelte als ich bemerkte, dass Akashi soeben versucht hatte einen Scherz zu machen.  Dann nahm ich ihm Block und Stift aus der Hand, Utensilien, die ich in meiner Handtasche hatte verstauen müssen, und schrieb etwas in großen, leserlichen Druckbuchstaben darauf. Natürlich auf Englisch, da dieser Kongress hier ja international war.
„Haben die hier mal Tesafilm?“, ich sah mich erneut um. „Was ist das?“, fragte Akashi und beugte sich zu mir herüber. „Ein Schild, das die Veranstalter hier an die Tür hängen können. Wir passen hier doch niemals alle rein“, erklärte ich vollkommen ernst, während Akashi laut die Aufschrift meines Schildes vorlas.
„Wegen Überfüllung geschlossen – geschlossene Gesellschaft“

Im Endeffekt hatte ich sogar recht behalten. Ein Viertel – wenn es denn überhaupt ein Viertel war, in Mathe war ich ja noch nie eine sonderlich große Leuchte gewesen – der Stühle war gar nicht erst besetzt.
Vorne stand ein alter Mann auf einem Podium, hielt eine kleine Fernbedienung in der Hand, rückte sich, wie Erwins Begleitung, dauernd seine Brille zurecht und hatte beim Englisch sprechen einen echt nervigen Akzent, und hielt einen Vortrag über effiziente Firmenführung, wovon ich so oder so nichts verstand, weil ich sowieso nicht zuhörte.
Ich sah rüber zu Akashi, der sich ab und an etwas notierte, doch es waren stets nur ein paar Worte, mit denen ich so oder so nichts anfangen konnte.
Ich horchte auf, als der Typ auf dem Podium Akashi darum bat doch auch ein paar Worte an das Plenum zu richten, bezogen auf effizienten und ökonomischen Umgang mit Firmenbudget.
Selbstsicher wie immer schritt der Rothaarige langsam und bedächtig durch den Mittelgang und ich verdrehte die Augen. Doch ich musste ein Kichern unterdrücken, als der Mann vor mir zusammenzuckte, als Akashi zu sprechen begann.
Ich staunte nicht schlecht über seine Englischkenntnisse und sah beeindruckt zu, wie sich die anderen Unternehmensführer einige von Akashis Worten notierten. Seine Stimme war schneidend, bestimmend wie immer und brachte die Männer und Frauen im Saal dazu ihm bei allem was er sagte recht zu geben. Obwohl ich stark bezweifelte, dass Akashi Seijuro jemals etwas von sich geben würde, das nicht korrekt war.
„Hast die ja ganz schön in deinen Bann gezogen, hm?“,  flüsterte ich ihm zu, nachdem er durch den Mittelgang zu seinem Platz zurück geschwebt war, an den beinahe ehrfürchtig dreinblickenden Geschäftsführern vorbei und ich fragte mich noch immer, wie um alles in der Welt Akashi es anstellte, dass alle Welt ihn wie einen Gott behandelte und diese immens große Welle an Respekt nicht einmal vor älteren Menschen Halt zu machen schien, obwohl man meinen müsste, dass diese eigentlich viel mehr Erfahrung als der grade mal 16 Jährige Schüler haben müssten. Doch irgendwie wusste Akashi immer alles.
„Natürlich“, er schlug ein Bein über das Andere und lehnte sich ein wenig in seinem Stuhl zurück.
„Gut“, nickte ich. Es war noch immer bedächtig still in diesem Raum, noch traute sich niemand etwas zu sagen. Akashis Präsenz und sein Auftreten waren einfach überragend gewesen und irgendwie staunte selbst ich noch darüber.
Irgendwie war ich grade froh darüber, dass ich seine Begleitung war...
„mich nämlich nicht“, grinste ich.
„Ich hab nämlich kein Wort von  dem verstanden, was du da gesagt hast und es lag nicht an der Sprache“, zog ich ihn auf und er deutete mit seinem Daumen nur eines der offen stehenden Fenster, um mich an seine Drohung zu erinnern.

<<Die Erfahrung nützt immer, aber nur für die Zeit, die man noch vor sich hat.>>
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast