Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
Alle Kapitel
148 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
09.09.2014 2.034
 
Point of view: Yumi

Ich lehnte mich mit vor der Brust verschränkten Armen gegen die kühle Wand der Sporthalle. Von innen sah sie eher weniger heruntergekommen aus und erinnerte nicht daran, dass der Rest der Schule eher einer Ruine glich als einer Studieneinrichtung.
Ich beobachtete meine Neulinge, die sich gegen meine Stammspieler behaupten mussten.
Ich brauchte keinen Notizblock um mir aufzuschreiben wer welches Potenzial besaß.
Schon nach dem ersten Viertel hechelten sie, liefen auf dem Zahnfleisch und waren so demotiviert und niedergeschlagen, dass ich sie am Liebsten hochkant aus der Halle geworfen hätte.
Sasha hatte schon keine Lust mehr, wollte, dass ich für sie spielte, was mal so gar nicht in die Tüte kam.
Ich stapfte zu den neuen Mädchen, die auch noch die allerletzten Tropfen Wasser aus ihren Flaschen saugen wollten.
Ich baute mich vor ihnen auf.
„Hört mal, ihr Versager. Wo glaubt ihr euch hier zu befinden, auf dem Spielplatz der Kindertagesstätte oder was?!“, herrschte ich sie an und eine nach der anderen zuckte zusammen.
„Wir sind hier um Basketball zu spielen, verdammt noch mal. Wenn ihr geglaubt habt wir würden es euch hier einfach machen, dann habt ihr euch gewaltig in den Finger geschnitten. Wenn ihr meint, dass das hier schon hart ist, dann geht gefälligst in den Theater Club, denn meine Spieler haben sich im ersten Viertel grade verdammt noch mal erst aufgewärmt!“
Irgendwie war ich wütend.
„Überlegt euch, wieso ihr Basketball spielt, dann reden wir weiter. Jetzt Marsch mit euren Ärschen auf das verdammte Feld und wehe euch ihr gebt nicht alles was ihr habt. Dann setzt es was.“

Und somit drehte ich mich um und ging meiner Wege. Vorbei an meinen Stammspielern, gab Sasha einen Klaps auf den Hinterkopf, was diese mit einem Knurren quittierte.
„Man, wenn du Coach bist, bist du immer so gesprächig“, grinste Meiko, die aufstand um sich aufs Feld zu begeben.
„Fresse, Shooting Guard und jetzt spiel“, murrte ich und setzte mich auf die Bank um das Spiel zu verfolgen.
„Wie Liebreizend sie schon wieder ist, unsere Kleine“, kicherte Sayuri und Meiko stimmte ihr grinsend zu.
Ich schüttelte den Kopf, stellte mich zwischen Erwin und der Neuen auf, die den einzigen Jungen im Team ehrfürchtig ansah. Ich pfiff das Spiel an und warf den Ball so hoch wie ich konnte.
Natürlich war Erwin derjenige, der als erstes an ihn heran kam.

Ich setzte mich auf die Bank zu Alex.
„Wenn Meiko schon vorher nicht mehr kann, gehst du“, sagte ich ohne sie anzusehen und aus dem Augenwinkel sah ich, dass sie nickte.
Ich hatte es nicht sagen müssen, sie wusste es so oder so.

Sayuri passte den Ball hoch über den Köpfen der Anderen zu Erwin, der ihn mühelos auffing und ihn dann im Netz versenkte. Ich schüttelte den Kopf erneut.
Die Neuen waren vor ein paar Wochen hier her gekommen und hatten schon das eine oder andere Training mitgemacht.
Die Wintersaison stand vor der Tür und wir würden uns die Spiele des Winter Cups wahrscheinlich ansehen. Vielleicht konnten wir noch ein wenig von den Jungs, die gegeneinander spielten, lernen.
Doch diese Mädchen hier hätten wissen müssen, auf was sie sich eingelassen hatten, als sie uns  beigetreten waren.
Nun, ich muss hinzufügen, dass viele von meinen Stammspielern, inklusive mir, ebenfalls erst seid dem Anfang des Jahres dabei waren, da wir allesamt Erstklässler waren.
Bis auf Sayuri, die schon Zweitklässler und somit eigentlich mein Senpai war.
Doch das interessierte mich herzlich wenig.
Und Cat.
Catherine Monsoir aus Frankreich, die im steten Wechsel mit Yin als Small Forward stand.
Diese hatte die ganze letzte Woche damit verbracht krank im Bett zu liegen.
Heute hatte sie zum Training kommen wollen. War aber nicht erschienen. Unpünktlichkeit. Hasste. Ich.
Zurück zum Thema: in dieser kurzen Zeit hatten wir das Team auf Vordermann gebracht, ich hatte mir den Trainerposten unter den Nagel gerissen und ich hatte ein solides und anständiges Team aufgestellt, welches voll von Naturtalenten war.
Doch dieser Neuzugang hier, der jetzt schon zwei Wochen mit dabei war und jeden Tag das Training mit absolviert hatte, hatte sich noch immer nicht verbessert.
Sie waren nicht ausdauernder geworden, konnten noch immer nicht gut werfen und koordinierten sich unheimlich schlecht. Sie liefen ziellos umher, brüllten sich an, wenn sie – mal wieder- den Ball verloren und fingen beinahe an zu heulen, wenn die Stammspieler mal wieder einen Punkt machten.
Es war das zweite Viertel und es stand 65 zu 3. Die Drei Punkte hatten meine Spieler die Anderen absichtlich machen lassen. Als Motivationshilfe. Sayuri hatte ihnen auch noch dabei geholfen, ohne dass sie es bemerkt hatten.
Doch es hatte nicht geholfen.

Neben mir stand Alex auf und Meiko kam auf mich zu gelaufen. Ich schnappte mir ihr Asthmaspray aus der Tasche und warf es ihr zu. Sie setzte sich fiepsend und nach Atem ringend neben mich und ich kniff die Augenbrauen zusammen.
Sie hatte sich nicht großartig anstrengen müssen und war doch noch gar nicht so lange im Spiel. Was war heute los?
Doch ich sagte nichts dazu. Sie wusste um ihre Krankheit und konnte sehr gut damit leben, wusste, wie sie sie zu händeln hatte.  
Kaum war Alex im Spiel kam sie auch schon an den Ball.
Der 'Blind Guardian' empfing dankend den Pass von ihrem Kapitän und warf ihn hoch – und weit. Weit abseits der Dreierlinie und ich hob beinahe amüsiert die Augenbrauen.
Da sie aus der Drehung geworfen hatte, hatte sie den Ball mit nur einer Hand geworfen.
Sie traf.
Sie hatte sich schon wieder verbessert.
Wie all die Anderen auch.
Yin klopfte ihr auf die Schulter und grinste das andere Mädchen aus Alaska an. Yins Bemalung im Gesicht, die zu ihrer Kultur gehörte, funkelte kurz im Licht der Deckenbeleuchtung.

„Excusez-moi, ich war beim Direktor wegen Di-“ weiter kam die Französin nicht, denn ich hatte ihr ein Bein gestellt, ohne dass sie es bemerkt hatte. Nun lag sie neben mir, mit dem Gesicht zur Erde.
„Aua, manno!“, nörgelte Cat und rieb sich die Stirn.
„Pünktlichkeit“, murrte ich und deutete auf die Bank. Sie setzte sich. Ich riss ihr das Schreiben aus der Hand, welches wohl der Grund für ihr Fehlen war.
„Ah, der Austausch“, nickte ich und gab ihr den Zettel wieder zurück, verfolgte weiterhin das Spiel, das eigentlich gar keines mehr war. Sasha war gelangweilt, Alex war gelangweilt, Erwin schäkerte schon mit Sayuri und Yin passte den Ball schon gar nicht mehr so zielgenau wie sonst. Sie hatten keine Lust mehr.
Ich stand also auf, steckte meine Trillerpfeife zwischen meine Zähne und pfiff das Spiel ab.
102 zu 3 für die Stammspieler. Am Ende des zweiten Viertels.

Die Spieler setzten sich vor mich im Halbkreis auf den Boden und tranken etwas.
Ich stemmte die Hände in die Hüften.
„Ich kann meine Stammspieler verstehen“, murmelte ich bedrohlich.
„Wenn mein Gegner nicht mit voller Seele dabei ist und nicht alles gibt, was er hat, dann hätte ich auch keine Lust mehr. Was zum Teufel wollt ihr eigentlich hier?Habt ihr überhaupt Ahnung von diesem Spiel?“, herrschte ich die Mädchen an, diese zuckten zusammen.
Sasha reichte mir ein Stück Schokolade. Sie kaute ebenfalls. Wie immer.
„Wir spielen halt, weil es interessant aussieht“, sagte die Eine.
„Ja, und weil Erwin-sama so süß ist“, kicherte die Nächste.
Das durfte doch nicht wahr sein. Ich verdrehte die Augen, atmete einmal tief ein und aus und zeigte dann mit dem Finger aus die Tür.
Ich sagte nichts dazu. Ich wartete, bis die Weiber verschwunden waren und vollkommene Stille herrschte.
Dann setzte ich mich ebenfalls auf den Boden, lehnte mich bei Sasha an und nahm dankend das nächste Stück Schokolade an.
Nervennahrung.
„Weil Erwin-sama so süß aussieht“, äffte ich die Eine nach und betonte das '-sama' ganz besonders.
„Sei mal nicht so, auch ich darf Fans haben“, stemmte der Homosexuelle Basketballspieler die Hände in die Hüften und tat echt auf Schwuchtel.
Er war Homosexuell und er stand dazu. Doch er benahm sich nicht wie eine Typische Tunte. Nein, im Gegenteil. Und das schätzte ich an ihm. Aber das wusste er nicht.

„Macht ihr jetzt bei dem Austauschprojekt mit?“, wechselte Cat das Thema und Sayuri nickte.
„Ist doch voll interessant“, Yin stimmte ihr nickend zu. Selbst Sasha nahm teil.
„Wieso nimmst du denn teil?“, Meiko hob amüsiert die Brauen. „Bist ja schließlich sonst zu nichts zu begeistern“, die Angesprochene zuckte mit den Schultern. „War wohl der Reiz der Herausforderung“, jetzt wurde auch Alex hellhörig.
„Herausforderung?“, das klang nach Spaß.
„die Teilnehmenden Schulen beherbergen alle große Basketballteams“, erläuterte Meiko und Alex Augen blitzten für einen kurzen Moment auf.
Ich nickte. Genau aus dem Selben Grund nahm auch ich an diesem Projekt teil.
„Ich hab 'ne Idee“, Sayuri klatschte kurz in die Hände.
„Meldet euch alle für das Basketballteam an, seht zu, dass ihr genommen werdet und dass ihr spielen dürft“, ihr Blick wurde verschwörerisch.
„Sie nehmen wahrscheinlich allesamt am Winter Cup teil. Wir werden gegeneinander spielen“, sie freute sich wie ein kleines Kind an Weihnachten und wäre die Idee, welche sie geäußert hatte, nicht so gut, hätte ich dieses Verhalten als nervig abgetan.
Erst war es still, da jeder von uns über diese Idee nachzudenken schien.
„Nehmt so viel an Erfahrung mit, wie ihr nur könnt“, forderte Erwin uns auf.
„Und am Ende spielen wir gegen die Generation der Wunder“, grinste Yin, der es oft gelang, das Unmögliche möglich zu machen.
Die Idee war ebenfalls gar nicht so schlecht.
„Wann findet das doch gleich statt?“, Meiko linste auf den Zettel, den Cat in ihren Händen hielt.
„1 November bis 30 April. Ein halbes Jahr“, entgegnete die Französin und wieder breitete sich Schweigen aus.
An diesem Tag gingen wir schon früher nach Hause.

               *~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

„Sehr geehrte Schülerinnen und Schüler, Liebe Eltern,

wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Sie Teilnehmer/Teilnehmerin an dem Schüleraustauschprojekt sind.
In Absprache mit den weiteren, teilnehmenden Schulen haben wir eine Auswahl getroffen und die Teilnehmer den Schulen zugeordnet.
Die Zuordnung lautet wie folgt:

>Seirin High
Catherina Monsoir (Klasse 11-A)
Shila Kamazuki (Klasse 12-C)

>Kaijō High
Sayuri Laelius (Klasse 11-A)
Aya Nirisaki (Klasse 12-C)

>Shūtoku High
Erwin Sebastian von Basel (Klasse 10-B)
Kenta Amazuki (Klasse 12-C)

>Tōō Academy
Yan Sasha Dreyszas (Klasse 10-B)
Yumi Kageyama (Klasse 10-B)

>Rakuzan High
Yin Snow (Klasse 10-B)
Shyn Abarai (Klasse 12-C)

>Kirisaki Daīchi High
Maho Kameruka (Klasse 12-C)
Yuuka Kamaru (Klasse 12-C)

> Yosen High
Meiko Kitazono (Klasse 10-B)
Alexandra Louisa Cantaberry (Klasse 10-B)

[…]

Ich überflog den Zettel eigentlich nur. Wichtig waren für mich die Namen, ebenso wie die Schulen, auf die gewisse Personen geschickt wurden.
Was waren wir denn bitte für Glücksschweine, dass wir allesamt ausgewählt wurden. Und das, obwohl Alex so verdammt scheiße in der Schule war.
Es hieß für uns nun: Vorbereiten.
Wir trainierten noch mehr als sonst, härter als sonst.
Wir wollten in die Basketballmannschaften dieser Schule.
Mädchen, die sich gegen Jungen behaupten mussten, auch wenn Erwin wahrscheinlich keine großen Probleme haben werden würde.
Ich trietzte meine Teamkameraden, hielt mich selbst aber nicht zurück.
Uns alle hatte der Kampfgeist gepackt. Auch wenn der eine oder andere – mich mit eingeschlossen – es nicht zugeben wollte.
Wir gingen bis ans Äußerste. Liefen, rannten, sprangen, warfen, fielen. Standen wieder auf.
Sashas und Cats verletzte Knie schmerzten, Yin hatte Probleme mit der Schulter, Meiko pfiff aus dem letzten Loch, Erwin bekam seinen Tick mit so wenig Körperkontakt wie möglich zu spielen, einfach nicht unter Kontrolle. Sayuri bekam vor Anstrengung Nasenbluten und Alex und ich  rannten so lange, bis unsere Beine einfach nachgaben.
Doch keiner von uns sagte etwas.
Keiner von uns beklagte sich über den Muskelkater, die Schmerzenden Gelenke oder andere Beschwerden. Wir alle standen einfach wieder auf und machten weiter.
Nur das Ziel vor Augen: den 1. November.
Ohne zu wissen, dass wir eigentlich schon längst gut genug waren und dass jeder Trainer und jeder Kapitän der Basketballmannschaften darauf hofften, dass die Mitglieder der Shinri High Basketballmannschaft nicht an diesem Projekt teilnahmen, oder aber darauf, dass mindestens einer von ihnen ihrem Basketballteam beitreten wollte.
Denn ein Jeder hatte mehr als nur ehrfürchtigen Respekt für uns übrig.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast