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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
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Dieses Kapitel
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Point of view: Cat

Mittwoch 12. November 2014 (Noch 12 Tage bis zum Winter Cup)

<<Was uns selber angeht, beurteilen wir immer freundlich; die Eigenliebe trübt unser Urteil.>>

„Schatz, wann kommt denn der liebe Taiga mal wieder zu uns?“, ich saß gemeinsam mit meinem Basketballteam in der Pause auf dem Dach der Schule, da dort unser Lieblingsplatz war und hielt mir mein Telefon ans Ohr. Ich schielte zu dem Rotbraunhaarigen herüber, der sofort den Blick von mir abwandte, als er es bemerkte, umklammerte meinen Stoffbären, den ich oft bei mir trug, ein wenig mehr und zuckte dann mit den Schultern. „Mh, weiß nicht“, entgegnete ich und meine Mutter seufzte.
„Ach, Kind. Es gibt ja solche, die nichts anbrennen lassen und solche, die sich nicht trauen“, wieder ein Seufzen. „Und dann gibt es da noch dich“, genau. Den hoffnungslosen Fall in Person. Catherina Monsoir. Eine stille, aber dennoch hoffnungslose Romantikerin, die doch nichts anderes wollte als einfach nur geliebt zu werden wie sie war. Genau so war ich eben.
„Mama fragt, wann du mal wieder kommst“, sagte ich zu Kagami, als wir während des Trainings nach der Schule nebeneinander her liefen. Riko sah es nicht gerne, da Kagami sein Tempo deswegen drosselte und sich nicht ganz auspowern konnte. Doch sie konnte schimpfen wie sie wollte, er ließ es trotzdem nicht bleiben.
Er kratzte sich am Hinterkopf. „Mh, weiß nicht?“, wiederholte er meine Worte und meine Mundwinkel zuckten kurz deswegen. „Sie mag dich“, sagte ich und blickte nach vorne. „Fragt jeden Tag nach dir“, Kagami lachte. „Ich bin ja auch wohl der beste Basketballspieler in ganz Japan“, rief er und ich verzog das Gesicht. „In deinen Träumen“, sagte ich monoton und mein Gesprächspartner stolperte, geriet ins straucheln, fing sich aber wieder und holte dann wieder zu mir auf. „Danke, für deine Unterstützung“, maulte er. „Ich will immerhin die Wundergeneration besiegen“, ich nickte. „Ich weiß“, von seinen Plänen hatte er mir bereits ausführlich berichtet. „Dennoch schaffst du das nicht allein“, er hob die Brauen. „Danke, Cat“, schmollte er wieder. „Du glaubst ja sehr an mich“, ich schüttelte den Kopf.
„Das ist es nicht“, erklärte ich. „Du bist zwar stark, aber ein Teamplayer. Du kannst sie nur in Zusammenarbeit mit den Anderen schlagen. So wirst du es am Besten meistern können.“ So war es eben. Die Teams der Generation der Wunder legten eigentlich nicht sonderlich viel Wert auf so ein starkes Teamplay wie das unsere. Selbst Yuu würde wahrscheinlich nicht viel daran ändern können, sollte sie am Winter Cup teilnehmen.

<<Eine der Wirkung der Furcht ist es, die Sinne zu verwirren und zu machen, dass uns die Dinge anders erscheinen als sie sind>>

Am Ende des Tages stand Kagami dann letztendlich noch vor meiner Tür. Bevor ich meinen Schlüssel ins Schlüsselloch stecken konnte um die Tür aufzuschließen spürte ich einen kräftigen Ruck, der mich nach vorne riss. Meine Mutter hatte die Tür schwungvoll aufgerissen und uns beide freudigst begrüßte.
„Cat, Schätzchen, du hast Taiga mitgebracht!“, sie umarmte erst mich und ließ sich dann von Kagami in den Arm nehmen. Wieso auch immer: Meine Mutter mochte diesen Kerl und redete ununterbrochen von ihm. Dass er doch der perfekte Mann für ihre einsame Tochter wäre und so. Meinem Vater gefiel das ganze mehr oder minder. Er belächelte das Ganze, sagte dennoch nicht viel dazu, da er genauso gesprächig war wie seine Tochter. Nun, das mit dem Gesprächig sein hatte ich dann wohl von ihm geerbt.
„Hallo Schätzchen, wie geht es dir?“, begrüßte meine Mutter meinen Teamkollegen, als hätte sie diesen siebenhundert Jahre nicht mehr gesehen.
„Mama“, murmelte ich, da mir das vor Kagami dann doch etwas peinlich war. „Er war doch letzte Woche erst das erste Mal hier“, sagte nun auch mein Vater und bat uns herein, da wir noch immer draußen vor der Tür standen.
Kagami und ich zogen uns Schuhe und Jacke aus, stiegen in die Hausschuhe und folgten meinen Eltern in die Küche. Meine Mutter kochte grade das Essen.
„Onee-san“, freudig kam mein Bruder auf mich zu gelaufen, welchen ich sofort in meine Arme schloss. Auch wenn dieser manchmal einfach zu aufgedreht war und mir mit seinem 'Ich will Spielen Onee-san' auf den Wecker ging, so liebte ich ihn doch abgöttisch.
„Hallo, Nii-chan“, murmelte ich und gab ihm einen Kuss auf den Scheitel. Er drückte mich ganz fest und ich sah, dass er zu Kagami hoch sah und ihm die Zunge raus streckte. Mein Teamkollege hob überrascht die Brauen, sagte aber nichts weiter darauf, denn das, was ihn erwartete freute ihn nicht sonderlich. Na ja eigentlich erwartete es eher mich.
„Cat, Schatz“, meine Mutter schloss die Tür zur Küche. „Bevor du jetzt in die Küche gehst, möchte ich dir sagen, dass dort jemand sitzt und auf dich wartet“, ich hob die Brauen. Wer sollte denn bitte auf mich warten? Kagami konnte es nicht sein, der stand ja neben mir.
Mein Bruder schlug sich die Hand vor den Mund und kicherte. Auch meine Mutter lächelte mich an. Wer konnte dort also bitte sitzen?
Ich nahm die Türklinke in die Hand und wollte sie erst gar nicht runter drücken. Doch ich fasste mir ein Herz, da ich dann doch eigentlich neugierig war und dort saß mein kleiner, süßer, doch nicht mehr so kleiner, jetzt fertig ausgebildeter Kuvasz Charlie.
„Charlie!“, rief ich und warf mich auf die Knie um meinen Hund, der mich jetzt freudig begrüßte, mich ansprang und sich an mich schmiegte, zu umarmen. Er war bei meinem Onkel gewesen, der ihn als Polizeihund ausgebildet hatte.
„Wieso arbeitet er nicht als Polizeihund?“, fragte ich und mein Vater setzte sich an den Tisch. „Auch ein Hund hat mal ein paar freie Tage verdient, findest du nicht?“, fragte er und ich nickte wild, sah zu Kagami auf, der in der Tü-
Nein, ich verbesserte mich mitten in meinem Gedankengang. Kagami stand nicht mehr in der Tür.
„Kagami?“, ich stand auf und linste um die Ecke. Er stand weit weg von der Küchentür und ich verzog das Gesicht. „Was machst du da“, er zeigte auf meinen Hund, welcher schwanzwedelnd neben mir stand und freudig bellte. Ich sah zu Charlie, dann wieder zu Kagami. „Charlie?“, fragte ich und zeigte auf den Schneeweißen Hund. „Der ist doch harmlos“, sagte ich und ging auf Kagami zu, welcher sich an die Tür drückte, weil Charlie mir auf Schritt und Tritt folgte.
„Also, stell dich nicht an. Nummer zwei ist doch auch überall“, erwähnte ich Kurokos kleines Hündchen, welches er überall mit hin nahm, weil dieser so schön handlich war. Nummer zwei hatte die selben Augen wie Kuroko, welcher den kleinen gefunden hatte.
„Also, streichel ihn“, forderte ich den sonst so robusten Kagami auf und dieser zögerte eine Weile, ehe mein Charlie an seinen Beinen hoch sprang, was wiederum den Basketballer dazu veranlasste vor dem Hund weg zu laufen.

<<Es gibt Wespen, es gibt Mücken und im Grunde wenig Wesen ohne irgendwelche Tücken, makellos und auserlesen>>

Nach einer Weile hatte ich es aufgegeben, wir saßen am Küchentisch, Kagami versuchte so wenig wie möglich mit Charlie in Berührung zu kommen und hatte beim Essen keine Ruhe, was meine Mutter sehr süß und mein Bruder unglaublich witzig fand. Wieso war er denn so?
„Onee-san hat keine Memme verdient“, stichelte er und streckte Kagami wieder die Zunge raus. Ich runzelte die Stirn. Wie?
„Jeder hat eine Schwäche, mein Sohn“, tadelte mein Vater meinen kleinen, schadenfrohen Bruder.  „Und es ist stark diese zeigen zu können“, ich war überrascht, das mein Vater sich überhaupt einmischte, doch ich sagte nichts dazu. Kagami, der sonst so gesprächig war war nun seltsam  still und nach dem Essen schnappte ich mir Charlies Leine. „Komm, Kagami“, forderte ich meinen Klassenkameraden auf. „Ich bringe dich nach Hause“, ich zuckte kurz und unmerklich zusammen. Das Training heute war hart gewesen, wir waren unglaublich viel gelaufen und mein rechtes Knie schmerzte stark.
Ich hatte sogar schon mit Sasha und Yin gesprochen, da unser Center die Selben Knieprobleme hatte wie ich und Yin Schmerzen in der rechten Schulter hatte.
Doch ich ließ mir nichts anmerken. Schon gar nicht vor Kagami. Wieso sollte ich nun ausgerechnet hier meine Schwäche zeigen?
Kagami folgte mir, stets darauf bedacht, dass der Charlie nicht zu nahe kam.
„Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du einen Hund hast“, er verzog das Gesicht und ich schmunzelte. „Weil es nicht relevant war“,  entgegnete ich. Es sah schon ziemlich süß aus, wie er versuchte meinem Hund auszuweichen, der eigentlich gar nicht wie ein Polizeihund aussah.
„Du hast ja schon wieder dein Plüschtier dabei“, er deutete auf meinen Teddy, welchen ich im Arm hielt.
„Nun, er bringt mir Glück“, entgegnete ich schulterzuckend und ging weiterhin neben Kagami her.
Ich dachte nach. Ich wusste nicht wieso, aber irgendwie wollte ich so  viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen. Außerdem musste ich ebenfalls über die Worte meines Vaters nachdenken und über die meines Bruders. Auch meine Mutter sagte oft Dinge, die in diese Richtung gingen. Sie alle taten so, als wären Kagami und ich ein Paar.
Ein.. Paar?!
Ich drehte mich kurz zu ihm um, er sah maulig aus, hatte seine Hände in seinen Jackentaschen vergraben, beobachtete jede Bewegung, die Charlie machte und ich drehte mich wieder zurück. Er war ein gut aussehender, junger Mann, das musste ich zugeben. Und ich? War – wie gesagt – eine hoffnungslose Romantikerin.
Ich wurde leicht rot, als ich mir vorstellte, dass Kagami und ich ein Paar waren.
Wäre er wirklich der Richtige für mich? Könnte er der sein, auf den ich schon mein ganzes Leben lang wartete? War er der Mann, den ich mir immer gewünscht hatte, dass er mich so liebt wie ich wirklich war?
Fragen über Fragen kamen in meinem Kopf auf und sie alle drehten sich um den Basketballer, der keine drei Meter hinter mir her lief.

<<Der Humor trägt die Seele über Abgründe hinweg und lehrt sie mit ihrem eigenen Leid spielen.
Er ist eine der wenigen Tröstungen, die dem Menschen treu bleiben bis an das Ende.>>


Plötzlich wurde ich mit einem Ruck nach hinten gerissen und ich hörte Kagami etwas sagen, er schien es laut zu sagen, doch ich hörte es eher wie durch Watte. Dumpf und leise. Ich landete mit meinem Hintern auf dem Boden und sichtlich verwirrt sah ich ihn an.
„Was soll das?“, fragte ich irritiert und Kagami half mir auf. Ich zuckte zusammen. Mein Knie schmerzte.
Kagami deutete auf die Stelle vor meiner Nase. „Du wärst einfach so auf die Straße marschiert?!“ herrschte er mich an und Sorge machte sich auf seinem Gesicht breit. „Geht es dir gut?“, ich rieb mir meinen Hintern. „Eigentlich schon“, entgegnete ich und lief dann weiterhin neben ihm her.
Erst jetzt merkte ich, dass er meine Hand hielt. Sofort breitete sich ein Gefühl der Wärme in mir aus und meine ganze Hand schien zu kribbeln.
Da ich so klein und er so groß war konnte er mit seiner Hand die meine komplett umfassen, tat es aber nicht. Er hatte seine Finger mit den meinen verschränkt und hielt einfach nur meine Hand, sagte nichts. Doch ich sah, dass er seinen Blick angewandt hatte, sodass ich ihn nicht ansehen konnte. War doch eigentlich total süß. Am Liebsten hätte ich gequietscht.
Wenn er so meine Hand hielt, ja, dann ging es mir gut.
Doch viel zu schnell kamen wir an seiner Wohnung an. Charlie ließ ich laufen, da hier keine viel befahrene Straße war, außerdem war er ja gut trainiert und wusste, dass er sich von Autos fern halten sollte, solange diese in Bewegung waren.
„Also dann“, ich malte mit meiner Schuhspitze kleine Kreise auf den Asphalt und sah auf den Boden. Noch immer hielt er meine Hand. Ich wollte nicht, dass er sie los ließ.
„Wir sehen uns dann morgen in der Schule“, sagte er und zögerte kurz, ehe er mich in den Arm nahm, mir einen Kuss auf die Wange drückte und dann in dem Hochhaus verschwand, welches eigentlich sehr modern aussah.
Ich blieb noch eine kleine Weile so stehen, hielt meine Finger, die mit denen von Kagami verschränkt gewesen waren an meine Wange. Sie kribbelte, genauso wie meine ganze Hand.
Doch irgendwie fühlte ich mich einsam, jetzt, wo er meine Hand nicht mehr hielt und ich umklammerte meinen Stoffbären, steckte die andere Hand in meine Jackentasche, nachdem ich Charlie wieder angeleint hatte und machte mich auf den Weg nach Hause.

Dort angekommen ging ich ohne Umschweife nach oben, zog mich um, ging ins Bad, kam wieder, schloss die Tür und warf mich auf mein Bett. Ich klopfte auf die Matratze und Charlie sprang nach einem kurzen Zögern zu mir aufs Bett und legte sich ans Kopfende. Ich bettete meinen Kopf an seinen Bauch. Er war wunderbar warm.
Dann  starrte ich an die Decke, in meiner Hand mein Handy. Ich wartete. Worauf? Vielleicht auf eine Nachricht? Vielleicht darauf, dass er sich zuerst meldete? Was war, wenn er genau das selbe tat? Warten, meine ich. Darauf, dass ich mich zuerst meldete.
„Ach, scheiß drauf“, murmelte ich und entsperrte den Bildschirm.
Ich:
„Schön war's. Jetzt fühle ich mich alleine“ 21:45
Ich überlegte eine Zeit, doch ich sendete diese Nachricht schlussendlich ab.
Grade, als die Nachricht raus gegangen war vibrierte mein Handy. Verwundert sah ich nach, wer mir schrieb, hoffte  aber, dass es Kagami war. Und ich lächelte.
Kagami Taiga:
„Schön war's. Jetzt fühle ich mich alleine“ 21:45

<<Ein Anfang ist kein Meisterstück, doch guter Anfang ist halbes Glück.>>
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