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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
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Dieses Kapitel
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09.09.2014 2.267
 
Point of view: Sayuri

<<Eine freundliche Ansprache ist wie milder Sonnenschein in ersten Frühlingstagen: es macht gesund und weckt alle Keime>>

Montag, 10 November 2014 (Noch zwei Wochen bis zum Winter Cup

„Aber Sayuricchi, du kannst doch nicht noch sauer auf mich sein!“, oh doch. Und wie ich das konnte.
Schon seit Tagen lief Kise mir hinterher, winselte, bettelte um Vergebung... Na ja.. ich sollte von meinem hohen Ross herunter kommen. Eigentlich wusste der Schönling nur grob worum es mir eigentlich ging.
Seit Tagen also lief er mir hinter  her, sagte mir, dass ich doch nicht sauer sein konnte und dass ich nicht eingeschnappt sein sollte. Wie er grade zu spüren bekam, konnte ich genau das aber sehr wohl. Aber ich denke, dass ich  wohl erst einmal erzählen sollte, wieso das so war.

- Flashback : Donnerstag, 6 November 2014 - -
Ich fragte mich, wieso Hayakawa mir so einen merkwürdigen Gesichtsausdruck entgegen brachte. Ich verstand nicht, wieso er mich zu belächeln schien, wieso er so aussah, als müsste er sich ein plötzliches Losprusten verkneifen und ich versuchte mich nicht auf ihn, sondern auf den Unterricht zu konzentrieren.
In der Pause, die ich mit den anderen aus dem Basketballclub verbringen wollte, so wie üblich, erfuhr ich dann auch mal den Grund für Hayakawas merkwürdiges Verhalten.
Ich kam grade aus der Mädchentoilette, als eine meiner Klassenkameradinnen mich fragte, ob ich denn nicht die Pause mit ihr und ihren Freundinnen verbringen wollte. Doch wie immer hatte ich dankend abgelehnt. Irgendwie schien ich beliebt zu sein, da sie, obwohl ich erst eine Woche hier war, jeden Tag nach mir fragten.
Jedoch war ich mir nie wirklich sicher, ob sie wirklich nur an mir interessiert waren, oder daran, dass ich meine Zeit mit den coolen Jungs verbringen durfte und nicht mit einer Horde kreischender Fangirls, die ihrem heimlichen Schwarm auflauerten, Fotos von ihnen machten und Nachts von ihnen träumte.
Eben diese Fangirls waren es, die allesamt nur dann an den Jungs und vor allem an Kise interessiert waren, wenn sie gutaussehend und siegreich waren. Zweifellos waren das die Jungs der Basketballmannschaft ja auch. Jung, gutaussehend, erfolgreich. Von Kise ganz zu schweigen, um den sich nicht nur die Mädchen rissen, da dieser ja nicht nur Model war, sondern auch noch der Generation der Wunder angehörte.
Wie nannte man doch eigentlich gleich diesen Zustand, in welchem sich die Fangirls befanden? Ach ja.
Erfolgsgeil.

<<Die Menschen sind so furchtbar weit voneinander ; und die, welche einander lieb haben, sind oft am weitesten. Sie werfen sich all das Ihrige zu und fangen es nicht, und es bleibt zwischen ihnen liegen irgendwo und türmt sich auf und hindert sie schlussendlich noch, einander zu sehen und aufeinander zuzugehen>>

Ich trottete seufzend zu meinem Grüppchen um mich zu ihnen zu gesellen. So wie immer.
Viele Mädchen beneideten mich, da ich das das Privileg besaß meine Zeit mit ihnen zu verbringen und das, obwohl ich doch neu und von einer anderen Schule kam. Dass ich mich so gut mit Kise verstand konnten viele nicht leiden und deswegen wurde ich nicht nur oft gefragt, ob ich meine Zeit denn nicht mit den Mädels verbringen wollte, sondern wurde auch hier und da stark verachtet. Meist dennoch machte mir das nichts aus, da ich wusste, auf wen ich zählen konnte und auf wen nicht.
Ich bog um die Ecke und entdeckte die Jungs schon vor der Sporthalle stehen. Eigentlich standen sie oft hier.
Hier und da gab es Mädchen, die mir finstere Blicke zuwarfen, doch das störte mich nicht im geringsten. Mittlerweile war ich es gewöhnt, als 'Das Gör, das an Kises Rockzipfel hängt' bezeichnet zu werden. Doch ich stockte und hielt mitten in der Bewegung inne.
„Tja, ich habe mich zu ihr ins Bett gelegt und schon waren ihre Kopfschmerzen weg“, hörte ich Kise dümmlich lachen. „Wie viele Fangirls würden dafür sterben um mit Sayuricchi den Platz tauschen zu können“, er lachte und stemmte die Hände in die Hüften.
„Aha“, sagte ich tonlos, ließ die Schultern hängen, drehte mich um und rauschte davon.
Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie Kasamatsu seinem Kohai noch ordentlich eine verpasste.
Hatte der Idiot auch verdient.
Wie war das doch gleich gewesen mit 'Ich weiß, auf wen ich zählen kann und auf wen nicht'? Ich glaube, ich nehme alles zurück.
Wie konnte er nur? Machte sich über mich lustig und dann auch noch mit seinen Fangirls. Was bildete er sich eigentlich ein, spielte sich auf, nur weil meine Kopfschmerzen abgeflaut waren. Im Übrigen war mit denen echt nicht zu scherzen.

- - Flashback ende - -  

<<Immer bleibt ein guter Mensch ein Anfänger.>>

Tja. Und jetzt verbrachte ich jede Pause allein auf dem Dach der Schule.
Ich stieß die metallene Tür auf, welche ein leises Quietschen von sich gab. Ich ächzte, da diese doch ziemlich schwer war und ließ die dann einfach wieder ins Schloss fallen. Ich war allein hier, was ich als unheimlich angenehm empfand, setzte mich auf den Boden und begann zu essen.
Ich war noch immer sehr enttäuscht von Kise, von dem ich immer gedacht hatte, dass er zwar blon, aber nicht blöd war. Doch scheinbar hatte ich mich geirrt, als ich angenommen hatte, dass er ein Mensch war, der sich nicht allzu viel auf seinen Ruhm einbildete und dass er auf dem Boden der Tatsachen geblieben war, nicht abgehoben. Doch er bildete sich wahrscheinlich doch viel zu viel auf sich selbst ein.
Die Tür quietschte erneut und ich schreckte aus meinen Gedanken hoch. Kasamatsu.
„Hallo, Senpai“, lächelte ich ihn an und er setzte sich neben mich, packte sein Bento aus und aß ebenfalls.
„Trainierst du heute wieder mit uns?“, fragte er mich. Ich hatte in den letzten Tagen zwar in der selben Halle, doch auf einem anderen Feld trainiert, war viel gelaufen, hatte werfen geübt.
„Der Winter Cup steht vor der Tür. In zwei Wochen ist es soweit“, ich nickte. „Ich weiß“, sagte ich.
Kasamatsu sah mich lange an, schwieg, legte den Kopf schief.
„Du bist ruhiger geworden“, er seufzte. „Das mag ich nicht an der kleinen Sayuri“, er begann mich durchzukitzeln und kicherte und quietschte vor mich hin, japste nach Luft und als er endlich von mir abließ wischte ich mir ein kleines Lachtränchen aus dem Augenwinkel.
„Na, geht doch“, zufrieden nahm der Senpai wieder sein Bento auf und ich tat es ihm gleich.
„Ich habe Kise schon die Leviten gelesen“, durchbrach der Ältere irgendwann die Stille und ich sah ihn an. „Ich bin enttäuscht von ihm“, nuschelte ich und erzählte ihm, wie ich mich zurzeit fühlte, was mir auf dem Herzen lag und was passiert war.
„Dass du von den Mädchen schief angeguckt wirst ist doch klar“, er grinste. „Sportler und vor allem wir Basketballer sind komischerweise sehr beliebt“, ich stieß ihn sanft mit meinem Ellbogen an und  kicherte wieder. Sein Aufmunterungsversuch zog.
„Wir kriegen das schon wieder hin“, er stupste meine Nase mit seinem Finger an. „Schließlich mag Kise dich doch eigentlich“, ich hob die Brauen. „Ach?“, fragte ich und Kasamatsu nickte, aß den letzten Rest von seinem Bento. „Klar, sieht doch ein Blinder mit 'nem Krückstock. Er ist zwar ein dämlicher Idiot, aber er hat gecheckt, dass er Mist gebaut hat. Das nagt an ihm. Er spielt schlechter als sonst“, ich legte meinen Zeigefinger an mein Kinn und überlegte. „Mh“.

<<Wer genau wissen will, was er wert ist, braucht nur zu beobachten, was er tut und denkt, wenn er allein ist.>>

„Sayuricchi!“, Kise grinste und freudig breitete er die Arme aus, als ich in der Sporthalle aufkreuzte und mich neben Kasamatsu stellte, welcher mich mit einem freundschaftlichen Klaps auf die Schulter zurück willkommen hieß.
„Bild' dir nichts darauf ein“, sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Och, sei doch nicht so hart zu mir“, das blonde Wunder kratzte sich am Hinterkopf.
„Kasamatsu-senpai hat gesagt, dass du schlechter spielst. Ich mache es für das Team, da der Winter Cup bald beginnt“, ich drehte mich zum Coach um, der diese Szenerie interessiert verfolgt hatte.
„Können wir also?“, fragte ich und hob die Brauen. Er nickte.
„Einlaufen!“
Wir drehten unsere Runden und ich merkte, dass sich meine viele Lauferei in den letzten Tagen sehr ausbezahlt hatte. Ich konnte schneller und weiter laufen, war nicht mehr so schnell aus der Puste und auch der Coach schien es bemerkt zu haben. Er nickte mir zu und ich meinte einen Hauch Anerkennung in seinem Blick gesehen zu haben. Das stärkte mein Ego ein bisschen. Wenn auch nicht viel.
Nach dem Training winkte der Coach mich zu sich ran.
„Laelius-san“, ich würde es ihm nie abgewöhnen können mich beim Nachnamen zu nennen.
„Ich weiß, dass du sehr talentiert bist“, er verschränkte die Arme vor seiner Brust, legte diese auf seinem dicken Bauch ab und setzte sich auf die Bank. Da ich viel gelaufen war, setzte ich mich keuchend auf den Boden vor ihm und trank meine Flasche in einem Zug leer.
„Aber ich werde nicht alles in zwei Wochen aus dir raus kitzeln können. Du bist gut, aber noch nicht ganz ausgereift und vielleicht werde ich die Chance dazu bekommen mich mit deinem Coach auseinander setzen zu können um über deine Fähigkeiten zu sprechen“, ich nickte. Wollte er mich jetzt aus dem Team werfen oder was?
„Ich wollte dich eigentlich sehr gerne im Winter Cup dabei haben, aber deine beste Position ist nun einmal der Point Guard, auch wenn ich weiß, dass ihr im fliegenden Wechsel spielt“, er überlegte. „Aber ich habe einen Point Guard und der ist nun einmal perfekt für diese Position, als dass ich ihn auswechseln könnte.“
Ich sah zu Kasamatsu herüber, der noch ein paar Körbe zum Abschluss warf. Der Coach hatte Recht. Kasamatsu war nicht nur ein perfekter Kapitän, er war ein verdammt guter Point Guard.
Ich beneidete ihn darum, dass er besser war als ich.
„Denke nicht, dass er besser ist als du, Laelius-san“, als hätte der Coach meine Gedanken gelesen sah er mich nun streng an. „Du besitzt eine Fähigkeit, die sonst kein anderer besitzt. Sie ist äußerst wertvoll und man sollte sie nutzen. Wenn Kasamatsu ausfallen würde, würde ich dich als nächsten Point Guard vorziehen. Dein Coach hat recht, wenn sie sagt, dass du ein sehr guter Point Guard bist, doch auch dein Coach ist noch sehr jung und ich wette mit dir, dass auch sie mit zunehmendem Alter und Erfahrungen noch weiter wächst und ein besserer Trainer wird als all die der Königsschulen zusammen“, ich kaute auf meiner Flasche herum, während ich ihm zuhörte. Wieso war der Kerl denn bitte nicht Politiker geworden?

<<Man hört immer von Leuten, die vor lauter Liebe den Verstand verloren haben: aber es gibt auch viele, die vor lauter Verstand das Herz verloren haben>>

„Alles in allem will er mein Talent also nutzen um die anderen Teams zu analysieren, während der Spiele. Ich werde also nur auf der Bank neben ihm sitzen und darauf warten, dass ihr gewinnt, während ich das gesamte Spiel über mit Berechnen beschäftigt bin“, ich umfasste den Griff meiner Schultasche ein wenig mehr, als ich zwischen Kise und Kasamatsu nach Hause ging und dabei von Fangirls belagert wurde.
Da Kise nun nicht darum herum kam eine Autogrammstunde zu halten nahm ich mein Handy aus meiner Tasche und wählte Yuu's Nummer, hoffte dass sie dran ging und Kasamatsu zwinkerte mir zu. „Besser als nichts, oder?“, sagte er aufmunternd und ich hob einen Daumen, da Yuu abhob.
Ich erzählte ihr von den Worten des Coaches und auch davon, was er über sie gesagt hatte.
„Besser als nichts, oder?“, ich schmunzelte amüsiert, als mein jüngerer Coach die Worte des Senpais wiederholte und stimmte ihr dann zu. „Klar. Natürlich habe ich mir etwas anderes erhofft, aber ich kann Kasamatsu-senpai einfach nicht übertreffen“, er schüttelte mit dem Kopf, während Yuu „Spinner“, murrte.
Inzwischen hatte Kise seine Autogrammstunde beendet und wir konnten unseren Heimweg fortsetzen.
Auf der Hälfte des Wegen kam uns der Wagen entgegen, der uns sonst immer vor der Schule abholte. Ich bedankte mich bei Kasamatsu, der mir heute irgendwie sehr geholfen hatte und stieg dann in den Wagen.
„Du bist also immernoch sauer auf mich?“, fragte Kise und ich nickte. „Klar, eingebildeter Schönling“, murmelte ich und er sog scharf die Luft ein. „Das tat weh, Sayuricchi“, nuschelte er und den Rest der Fahrt über schwiegen wir.
Wir schwiegen uns den Rest des Abends an und auch als ich ins Bett ging ignorierte ich ihn.
Ich tapste die Treppen nach oben, schloss meine Zimmertür, als ich den Raum betreten hatte und löschte dann das Licht.
Ich legte mich ins Bett und war kurz davor einzuschlafen, da merkte ich, wie die Matratze neben mir nach gab.
„Verschwinde, Kise“, murrte ich und wollte ihn von mir weg schubsen. Doch er hielt mein Handgelenk sachte fest. „Geh weg, sonst bildest du dir wieder so viel darauf ein“, er legte sich trotzdem neben mich. Ich drehte mich also mit dem Rücken zu ihm, sodass ich ihn nicht ansehen musste und hoffte nun auf Ruhe, da zog er mich an sich heran, kuschelte sich von hinten an mich und legte einen Arm um meinen Bauch. „Es tut mir aber leid“, murmelte er leise.
„Außerdem war es das letzte Mal so angenehm, dass ich es jetzt schon vermisst habe, wo du mich doch ignoriert hast“, ich murrte vor mich hin, ließ ihn aber gewähren und konnte ihm einfach nicht mehr böse sein.

<<Beim Kleinen beginnt alles, und je grösser und mächtiger etwas werden soll, desto langsamer und scheinbar mühsamer wächst es.>>

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