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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
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Dieses Kapitel
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09.09.2014 2.328
 
Point of view: Erwin

<<>Eine Illusion verlieren, heisst um eine Wahrheit reicher werden. Doch wer den Verlust beklagt, ist auch des Gewinnes nicht wert gewesen.>

Natürlich machte ich mir Gedanken um meine beste Freundin. Doch ich kannte sie schon mindestens seit 10 Jahren und deswegen wusste ich, dass sie nicht betüddelt werden wollte. Also machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Es war schon dunkel, doch das machte mir nicht sonderlich viel aus.
„Er-chan!“, ich hob die Brauen und blieb stehen. Wie bitte?
„Er-chan, wie cool du heute einfach mal warst!“, ich drehte mich um und entdeckte Takao, der winkend auf mich zugelaufen kam. „Ach, wirklich?“, fragte ich und der Schwarzhaarige nickte heftig.
„Ja, klar. Sogar Shin-chan hat kurz sein Training unterbrochen und hat dir zu gesehen“, eine Woge der Genugtuung und der Zufriedenheit überkam mich, doch ich ließ mir dies nicht anmerken. „Ach so“, sagte ich also nur und setzte mit Takao im Schlepptau meinen Heimweg fort.
„Ja, der Kapitän will sogar mit dem Coach sprechen glaube ich, Er-chan“, ich verzog kurz das Gesicht. Wieso nannte er mich bitte so?
„Dann sehen wir uns morgen, Er-chan!“, der Kleinere bog in eine Seitenstraße ein und endlich war ich wieder allein. Er-chan war mindestens genauso schlimm wie Erwin-sama und seufzend legte ich das letzte Stück meines Heimweges allein zurück.

<<Und Rennst Du, Ungeduldiger noch so weit; Du rennst nur Dir davon und nicht der Zeit.>>

Freitag ließ ich das Training nicht ausfallen. Nach dem öden Unterricht ging ich mit Takao und Midorima zusammen zur Sporthalle. Wir zogen uns in der Umkleidekabine um und ich sah mich unter meinen neuen Teamkameraden unauffällig um. Mein Augenmerk legte sich dabei auf den grünhaarigen Shooting Guard der Mannschaft, der in meiner unmittelbaren Nähe stand und sich grade das T-Shirt über den Kopf zog.
Mir war nie aufgefallen, was der Brillenträger wirklich für einen attraktiven Körperbau besaß. Natürlich fand ich seine sowieso breiten Schultern, seine Größe und seine ausgeprägte Muskulatru sehr anziehen und ansprechend. Auch seine blasse Haut stand ihm sehr gut und ich zwang mich den Blick von ihm abzuwenden, bevor ich begann zu starren.
Da ich Midorima eigentlich nie wirklich in Augenschein genommen hatte, waren mir die vielen Feinheiten seines Körpers nicht sonderlich aufgefallen, doch jetzt rief sein durchtrainierter Körper schon förmlich danach angestarrt zu werden.
Plötzlich war mein Spind unglaublich interessant und mein schwarzes T-Shirt wirkte auf einmal gar nicht mehr so trist und langweilig wie vorher, fast so, als hätte es über Nacht Muster bekommen.
Ich beeilte mich mich umzuziehen und sah zu, dass ich in die Sporthalle kam.
„Von Basel“, rief mich der Coach und ich sah auf. „Komm' doch mal schnell her“, er winkte mich zu sich. „Ich hab' da ein mehr oder minder kleines Anliegen an dich“, ich nickte und näherte mich ihm.
Er war mir irgendwie unsympathisch. Er machte stets einen langweiligen und unwissenden Eindruck. „Jaa, mhh.. was machen wir denn da?... Das ist irgendwie ungünstig“, waren zwei seiner Standardsätze, die er stets mit wirklich dümmlicher Stimmlage vor sich hin brabbelte und ich könnte jedes Mal in die Luft gehen, wenn ich so etwas hörte.
Es machte einen inkompetenten Eindruck, obwohl alle wussten, dass er auf keinen Fall dumm war. Nein. Er war nicht umsonst der Trainer einer der besten Basketballmannschaften in der ganzen Region. Zumal er eines der Wunderkinder in seinem Team hatte.

<<Wir lieben Menschen, die frisch heraussagen, was sie denken - falls sie dasselbe denken wie wir.>>

„Was gibt es, Coach?“, ich versuchte möglichst respektvoll zu klingen und setzte ein schön falsches Lächeln auf. „Ich habe mit  Ōtsubo gesprochen, der dir und deiner Freundin gestern beim One vs. One zugesehen hat“, begann er. Ich nickte. „Er hat mir auch ein Video gezeigt. Ein Hoch auf die Technik von heute“, er grinste dümmlich vor sich hin und ich unterdrückte ein Augenrollen.
„Ich möchte, dass du mit im Winter Cup spielst, von Basel“, verkündete er mir dann die frohe Botschaft und ich musste zugeben, dass ich ein wenig überrascht war. Ich blinzelte ein oder zwei Mal, ehe ich nur ein „Ach?“, hervor brachte.
„Ich war so oder so schon ziemlich überzeugt von dir“, fuhr er fort und wusste, dass seine überraschenden Worte bei mir gefruchtet hatten. Ich hasste es, wenn ich sah, dass sich Leute wegen mir innerlich die Hände rieben. Seine Stimme jedoch hatte sich nicht  verändert und er legte einen Zeigefinger an den Mund um zu überlegen.
„Aber ich musste dich selbst spielen sehen, mit meinen eigenen Augen. Die Trainingsaufzeichnungen waren mir dann doch noch nicht genug“, ich hob die Brauen, während er wieder grundlos und dümmlich vor sich hin überlegte.
„Aufzeichnungen?“, fragte ich und riss mein Gegenüber damit aus seinen Gedanken. Wenn er denn überhaupt welche hatte.
„Na, uns sind Aufzeichnungen von eurem Training zugeschickt worden“, erklärte er, obwohl ich mir das selbst schon hätte denken können.
„Ist klar“, verschränkte ich ungeduldig die Arme vor der Brust. „Von wem denn?“, er zuckte mit den Schultern und ich stöhnte leise auf. Ehrlich? Er wusste es nicht?
„Der Absender war unbekannt. Also wollte derjenige, dass wir euch und eure Spielweise studieren, die zugegebenermaßen wirklich interessant und eigentlich gar nicht zu kopieren ist“, er nickte, ich tat es ihm gleich. Ein Hoch auf unseren kleinen Coach Yuu.
„Ich dachte, ihr wusstet, dass ihr beim Training gefilmt worden seid?“, fragte der Coach und ich schüttelte den Kopf. Diesmal war er derjenige, an dem es war überrascht drein zu blicken.
„Also Winter Cup?“, fragte ich einerseits um vom Thema abzulenken und andererseits um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht verhört hatte. Doch der Coach nickte nach einiger Zeit.
„Genau, ich hätte dich gern in der Startaufstellung“, stimmte er mir zu und ich machte mich nach einem 'Dankesehr' daran mich einzulaufen. Mit einem selbstgefälligen Grinsen auf den Lippen und stets darum bemüht Midorima nicht anzustarren, wenn er seine Muskeln anspannte, wenn dieser einen Wurf machen wollte. Dieser Schweißfilm auf seiner Haut machte ihn im übrigen sogar noch  attraktiver. Ich schüttelte den Kopf um diese Gedanken los zu werden wie lästige Fliegen.
Nein, Erwin von Basel! Nein!

<<Es bleibt einem jeden immer noch soviel Kraft, das auszuführen, wovon er überzeugt ist>>

„Tja, und dann meinte er, dass man uns gefilmt hat, während wir unser Training absolviert haben“, Yuu stellte beinahe entgeistert ihre Kaffeetasse ab, Sash hob unbeeindruckt eine Augenbraue und ihre Tasse an die Lippen, während Cat das Gesicht verzog.
Wir hatten uns am Montag nach der Schule in unserem Lieblings Café getroffen, ließen das Training heute ausfallen und quatschten. Zum Einen, weil ich es schön fand, dass man sich trotz des Austausches noch treffen konnte, zum Anderen, weil ich die Information, die ich von meinem jetzigen Coach erhalten hatte als so wichtig eingestuft hatte, dass ich beschlossen hatte sie den Anderen mitzuteilen.
„Nun“, Yuu nahm ihre Tasse wieder auf. „Ich gehe davon aus, dass alle Coaches auf einmal brennend an uns interessiert waren, als sie erfahren haben, welche Schule die Austauschschüler zur Verfügung stellt und das eben diese sogar eine Basketballmannschaft besitzt“, ich schmunzelte, als ich in ihr selbstgefällig grinsendes Gesicht sah und zuckte amüsiert mit meiner rechten Augenbraue.
„Trotzdem ist es hinterlistig“, zischte sie. „Einfach Aufzeichnungen herumzureichen, von dessen Existenz wir nicht einmal wussten“, verärgert kniff sie leicht die Augenbrauen zusammen.
Sash zuckte mit den Schultern. „Sollen sie doch alle wissen, dass es uns gibt. Sie kommen eh nicht hinter unsere Strategie“, sie trank seelenruhig ihren Kaffee. Cat nickte. „Da kann man sagen was man will. Scheinbar sind wir doch nicht so unbedeutend, wie die Anderen immer sagen“, ich stimmte ihr zu und machte mich daran den kleinen Keks zu essen, den Sasha zu ihrem Kaffee dazu bekommen hatte. Sie folgte meinen Bewegungen, als ich das kleine Gebäckteilchen von ihrem Unterteller stahl,  da sie  mir eigentlich nicht die Erlaubnis dazu erteilt hatte mir diesen zu nehmen.
„Genehmigt“, brummte sie. Ich nickte und lächelte scheinheilig. „Danke, Sergeant“, ich salutierte vor ihr und sie verdrehte die Augen, trank ihre Tasse in einem Zug leer und winkte die Bedienung heran um sich noch einen Kaffee zu bestellen. Yuu schickte ebenfalls noch eine Bestellung hinterher. Wie konnte man nur so viel Kaffee trinken?
„Also alles in allem“, fasste ich zusammen und lehnte mich in meinem Stuhl zurück. „Sind wir wichtiger als zuvor angenommen“, Yuu schnaubte. „Natürlich sind wir das. Ich vergeude schließlich nicht meine Zeit“, ich grinste und rückte meine Brille zurecht.
„Oi, Sasha!“, vernahm ich eine tiefe, mir wohl bekannte Stimme und die Angesprochene folgte meinem Blick, welcher sich zur Tür richtete. Ich ballte meine Faust. Schon wieder dieser eingebildete Kerl von letzte Woche, der Sasha so auf die Pelle rückte.
Wieso nannte er sie beim Vornamen? Hatte er sie nicht letzte Woche noch beim Nachnamen gerufen?
„Hallo, Aomine“, erwiderte Sasha und nahm ihre Tasse von der Kellnerin entgegen, die die leeren Gefäße vom Tisch einsammelte. Darauf musste ich mir auch noch einen Kaffee bestellen.
„Kommst du jetzt mit, oder muss ich dich nachher hier abholen?“, Aomine zeigte mit dem Daumen in Richtung Tür, nachdem er auf uns zu gekommen war. Er hatte uns nicht einmal gegrüßt.
„Ich finde auch allein zurück“, entgegnete Sasha und deutete auf einen Stuhl. „Oder setz' dich zu uns“, meinte Augen weiteten sich.
„Wer bist du und was hast du mit Sasha gemacht?“, fragte ich und meine beste Freundin verkrampfte unmerklich ihre Finger um ihre Tasse, welche sie mit beiden Händen fest hielt. „Er ist okay“, entgegnete sie und ich lehnte mich zu ihr herüber. „Er ist ganz und gar nicht okay“, zischte ich ihr zu. Aomine setzte sich neben sie, legte einen Arm um ihre Stuhllehne und beugte sich zu mir. „Eifersüchtig?“, fragte er provokant und sein selbstgefälliges Grinsen ließ ihn nicht sonderlich sympathischer auf mich wirken. Was fand Sasha an ihm? Ich beschloss ihn nicht so schnell an meine beste Freundin heran zu lassen.
„Auf einen aufgeblasenen Einfallspinsel wie dich? Niemals. Ich habe besseres zu tun“, ich rückte meine Brille zurecht. Sash tat  es mir gleich und legte mir dann eine Hand an die Wange.
„Ist gut, Sunny“, sie gab mir einen Kuss auf die Wange um mich zu beruhigen.
„Und du hältst die Klappe“, murrte sie Aomine an, welcher grinste und sich einen Shake bestellte. Ich würde wohl ein Auge auf diesen Kerl werfen müssen.
„Wehe, du machst etwas, was sie nicht will“, zischte ich hinter Sashas Rücken und er grinste.
„Seh' ich echt so brutal aus?“, meinte er und lehnte sich zurück.
„Nein, sagte ich und Yuu sah zwischen uns beiden hin und her. „Aber arrogant und eingebildet“, als ob er sich nehmen könnte, was er wollte.
Doch da gab es etwas, was ich nicht wusste und was ich erst erfahren würde, wenn es kein anderer mit bekommen würde.

<<Seine eigenen Erfahrungen bedauern, heisst: seine eigene Entwicklung hemmen.
Seine eigenen Erfahrungen zu verleugnen, heisst: seinem Leben eine Lüge auf die Lippe legen.>>


Am Abend warf ich mich nach einer ausgiebigen Dusche auf mein Bett und starrte an die Decke. Der Nachmittag mit den Mädels hatte mir echt gut getan. Aomine hatte ich weitestgehend ignorieren können, zumal er sich ziemlich ruhig verhalten hatte.
Ich schnappte mir mein Handy und wählte die Nummer meiner besten Freundin, die ich mittlerweile in- und auswendig kannte.
„Hey, Sunny“, begrüßte Sasha mich tonlos und ihre Stimme hallte ein wenig, was mich darauf schließen ließ, dass sie sich grade im Bad befand.
„Hey, Frozen, lange nichts von dir gehört“, frotzelte ich und ich vernahm das Geräusch einer Tür, die geöffnet und wieder geschlossen wurde. Scheinbar hatte Sasha das Bad verlassen.
„Lustig, Spinner“, entgegnete Sasha mit sarkastischem Unterton. „Was kann ich für dich tun?“, ich wusste, dass es eine rhetorische Frage war. Sie wusste längst, worum es geht. „Du weißt, was ich von dir will“, feixte ich und wartete gespannt auf ihre Ausführungen.
Und dann erzählte sie mir – eher widerwillig – von Aomine Daiki, dessen Charakterzügen, den Schwankungen in seinem Verhalten und davon, dass sie ihm schlussendlich sogar etwas aus ihrem Leben erzählt hatte.
„Die Scheiße daran ist“, beendete Sasha ihre Erzählung, während welcher sich mein Mund immer weiter geöffnet hatte. „Das ich nicht einmal weiß, was ich eigentlich so interessant an dem Idioten finde. Weil er manchmal einfach nur scheiße ist, arrogant und viel zu selbstverliebt. Er verkörpert das, was ich hasse und ich hasse es, dass ich genau das an ihm mag und ich hasse es noch mehr, dass ich mir diese bescheuerten Gefühle grade vor dir eingestehe“, sie klang genervt, gestresst und schnaubte. „Das macht mich wütend“, ich grinste. „Ich weiß“, sie gab vor sich etwas zu, was sie als eigentlich negativ empfand. Gefühle.
„weißt du“, begann ich „Gefühle sind menschlich“, sie schnaubte wieder. „Und machen schwach“, sagte sie tonlos.
„Nicht immer“, Widersprach ich ihr. Ich beschloss wirklich ein Auge auf die Beiden zu haben. Ein bester Freund passte auf seine beste Freundin auf, so war das nun einmal. Er würde ihr so schnell nicht weh tun, dafür würde ich sorgen.
Danach ging ich erst einmal joggen. Ich kam nur schwer damit zurecht, dass gerade so ein Typ grade dabei war sich in Sashas Herz zu stehlen, klammheimlich tat er das. Ob mit guten oder bösen Absichten blieb herauszufinden.
Ich joggte ziemlich lange und keuchend blieb ich nach einiger Zeit stehen. Ich ging ein paar Schritte um mich auszuruhen, trank etwas aus meiner Wasserflasche und entdeckte Midorima auf dem nahe gelegenen Basketballplatz. Dieser warf einen Ball, hoch und weit, wandte sich vom Korb ab und unsere Blicke kreuzten sich.

<<Die Menschen sind so furchtbar weit voneinander ; und die, welche einander lieb haben, sind oft am weitesten. Sie werfen sich all das Ihrige zu und fangen es nicht, und es bleibt zwischen ihnen liegen irgendwo und türmt sich auf und hindert sie schlussendlich noch, einander zu sehen und aufeinander zuzugehen.>>
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