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MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
12
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.09.2014 2.436
 
Achtung: Dieses Kapitel enthaelt anstoessige Beleidigungen!

Point of view: Sasha

„Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern,

unsere Schule freut sich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Ihre Klasse ausgewählt wurde an einem besonderen Unterfangen teilnehmen zu dürfen.
Hierbei handelt es sich um ein halbjähriges Schüleraustauschprogramm, welches dazu dienen soll die Bande der Schulen innerhalb von Japan ein wenig zu festigen, andere Schulen kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln.
[…]
Natürlich müssen die interessierten Schülerinnen und Schüler ein paar Voraussetzungen erfüllen.
Zum Einen wäre da die Voraussetzung, dass der Teilnehmer/die Teilnehmerin das 16 Lebensjahr bereits erreicht hat.
Außerdem muss ein Notendurchschnitt von mindestens maximal 3,3 bestehen. Wurde dieser bereits überschritten, so ist eine Teilnahme an diesem Projekt leider nicht möglich.
Zudem dürfen nur maximal 30 Fehltage im letzten halben Jahr erfolgt sein.
[…]
Wir bitten Sie darum das Schreiben aufmerksam zu lesen und nicht vorschnell zu unterzeichnen. Mit Ihrer Unterschrift bekunden Sie nicht nur Ihre Teilnahme, die vollkommen freiwillig und ohne jeden Zwang erfolgt ist. Sie bekunden außerdem Ihr Einverständnis dafür, dass sich die Shinri High mit der ihnen zugeteilten Schule über Sie austauschen darf. Das bedeutet, dass eigentlich vertrauliche und unter Datenschutz stehende Dokumente, in Form von Zeugnissen und Empfehlungen der Lehrer, im Dienste dieses Projektes von uns an die jeweilige Schule in Kopie gegeben werden dürfen.

Da Sie noch minderjährig sind bitten wir außerdem zusätzlich zu Ihrer Unterschrift um die Einverständniserklärung Ihrer Eltern und Erziehungsberechtigten. Dies erfolgt in Form einer Unterschrift, die ebenfalls am Ende dieses Dokumentes geleistet werden sollte.

Da es Teilnehmer/innen geben wird, die von ihrem Wohnort einen weiteren Anreiseweg zu der ihnen zugeteilten Schule haben werden stellen die jeweiligen Schulen Ihnen Gastfamilien zur Verfügung, auf deren Gastfreundlichkeit und freundliche Unterstützung Sie gerne zurückgreifen können, wenn dies nötig ist.

Die Teilnehmenden Schulen sind:

>Seirin High
>Kaijō High
>Shūtoku High
>Tōō Academy
>Rakuzan High
>Kirisaki Daīchi High  
> Yosen High

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme an diesem Projekt und wünschen im Voraus schon einmal alles Gute!

Direktor Shinigawa, Leitung der Shinri High



Je mehr ich von diesem Zettel in meiner Hand las, desto höher zog sich meine rechte Augenbraue – wenn auch eher unwillkürlich.
Schon im zweiten Absatz erkannte ich ein Problem.
„Eltern“, murmelte ich eher an mich gewandt, während ich die Bedingungen las und der Direktor, der vor mir saß, stellte seine Teetasse wieder auf die blank polierte Tischplatte seines Schreibtisches ab. Sein Gesicht spiegelte sich auf der unendlich sauberen Oberfläche, die Sonne, die durch das offene Fenster schien tat es ihm gleich, was mich unglaublich störte. Ich kniff die Augenbrauen zusammen, als Shinigawa mich in meinem Lesefluss unterbrach und mir sagte, ich solle, wenn ich teilnehmen wollen würde, das Schriftstück von meiner Heimleitung unterschreiben lassen.
„Schließlich trägt sie deine Vormundschaft, bis du 18 Jahre alt oder von einer anderen Familie aufgenommen wirst“, grinste er und ich stand mit einem genuschelten 'was wohl eher unwahrscheinlich ist' auf um zu gehen.

Der Unterricht zog sich wie Kaugummi und ich war froh, als ich meine Schultasche auf eine der Bänke in der Umkleidekabine abstellen konnte um mich für das Training umzuziehen.
„Na, Equilibrist?“, Erwin kam auf mich zu und ich verzog das Gesicht, während ich auf einem Stück Schokolade herum kaute.
Mein bester Freund, schon aus Kindheitstagen und mit der Einzige der mich je hat Lächeln sehen.
In diesem Aufzug sah er in meinen Augen schon immer ziemlich merkwürdig aus, doch wenn er es so wollte, dann war das eben so. Sah er in der Freizeit doch eigentlich sehr hübsch aus mit seinem unordentlichen Haar, der schwarzen Brille und der Cap, so wirkte er hier wie ein Bild, falsch und gekünstelt. Top gestylte Frisur, Kontaktlinsen..
Die Brille stand ihm wesentlich besser.
„Die einsame Sonne“, murrte ich provokant und erwiderte das High Five, welches er mir anbot.
Dann nickte er in Richtung Spielfeld und ich zuckte mit den Schultern, schlurfte hinter ihm her.

„Es wird der Tag kommen, an dem du noch fett wirst, wenn du weiterhin so viel Süßes frisst, Dreyszas“, ich musste mich nicht umdrehen um zu wissen, dass Meiko mit vor der Brust verschränkten Armen und breit grinsend hinter mir stand. Ich trottete weiter auf das Spielfeld und hob die Hand um abzuwinken. „Maul“, murrte ich und wusste, dass sie es gehört hatte. Eine beste Freundin hörte alles, wenn sie wollte.

„Wärmt euch auf und dann teilen wir uns in zwei Teams ein. Wir machen ein Trainingsspiel“, Yumi begann sich einzulaufen und wir taten es ihr gleich. Da Erwin schneller war als ich, lief er voraus und zog an unserem jungen Coach vorbei.
„Wie viele Runden laufen wir denn noch?“, vernahm ich ein angestrengtes Stöhnen von weiter hinten. Die Spielerin war neu im Team, noch Probemitglied und Yume hatte verlauten lassen, dass sie nicht wisse, ob sie sie im Club behalten wollte oder ihr raten sollte einen anderen Club aufzusuchen.
Zweiteres würde ich ziemlich begrüßen.
Yumi ließ uns unsere Runde noch zu Ende laufen. Keuchend standen wir in einer Reihe vor ihr.
„Du“, sie zeigte auf das nörgelnde Mädchen von vorhin. „Läufst noch ein paar Runden extra“, dem Mädchen fiel die Kinnlade bis auf den Fußboden.
„Wieviele?“, fragte sie und klang weinerlich. Spätestens jetzt hatte ich den Drang sie aus der Turnhalle zu befördern.
„So lange, bis ich sage, dass es genug ist“, forderte unsere Trainerin monoton, sah das Mädchen nicht mal an und zeigte mit dem Daumen hinter sich. Eine Stille Geste,  die 'Abflug' bedeutete.
„Zögerlich setzte sich das Mädchen in Bewegung und ich ging an ihr vorbei um mir einen Ball zu holen. „Beweg dich“, murrte ich sie an und rempelte sie provokant an. „Du stehst im Weg“, sie setzte sich in Bewegung und ich hatte meine Ruhe.
Eine Hand legte sich auf meine Schulter. Es war Yin, die mehr wie eine Schwester, als eine Freundin für mich war. Sie sah mich tadelnd an, sagte aber nichts. Ich verdrehte genervt die Augen und hob beschwichtigend die Hände.

„Wer spielt gegen wen?“, fragte Sayuri, die sich grade dehnte. Yumi sah unseren Kapitän an und schien kurz zu überlegen.
„Ich will, dass unsere Stammspieler gegen die Neuen spielen“, ich vernahm ein leises Kichern. Yin und Meiko standen nebeneinander und schienen ziemlich schadenfroh zu sein.
„Ich will mir ein Bild von den Neuen machen, die dieses Halbjahr dazu gekommen sind. Wenn ich ihr Potenzial als ausreichend betrachte und Entwicklungschancen sehe, bekommt ihr einen offiziellen Mitgliedsantrag“, ich drehte mich um und setzte mich kurz auf die Bank um etwas zu trinken.
„Wie wäre es mal mit Wasser?“, Sayuri hielt mir ihre Wasserflasche unter die Nase.  Ich verzog das Gesicht. „Kein Interesse“, sagte ich monoton und öffnete meine eigene Flasche, die Cola beinhaltete. „Wie an so vielem nicht“, seufzte unser Kapitän und öffnete ihre Wasserflasche.
Ich trank einen Schluck von meiner eigenen, setzte die Flasche wieder ab, schloss und schüttelte sie dann. Zu viel Kohlensäure.
Ich öffnete die Flasche wieder um wieder zu trinken. Dieses Mal ging es. Yuu trat mir leicht gegen mein Schienbein und ich hob eine Augenbraue.
„Beweg deinen zarten Arsch aufs Spielfeld“, der Coach setzte eine Miene auf die keinen Widerspruch duldete und ich erhob mich träge, nahm mir noch ein Stück Schokolade, stopfte ihr im Vorbeigehen ebenfalls eines in den Mund. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie ihre Mundwinkel unmerklich ein wenig zuckten, doch sie konnte sich beherrschen. Sie war wie ich. Distanziert und abweisend.

„Sash ist Center, Erwin ist Power Forward, Yin Small Forward“, sie sah sich um. „In den ersten beiden Vierteln ist Meiko Shooting Guard, in den anderen nimmt Alex diese Position ein. Sayuri wird Point Guard sein“, Yumi lehnte sich gegen die Wand der Sporthalle, stützte sich mit einem Fuß daran ab und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ist das Gegnerteam dann soweit?“, fragte sie und klang gelangweilt. Ich begann mich ein wenig zu dehnen. Ich war genauso gelangweilt wie meine Trainerin.
„Sei nicht so ungeduldig, sie koordinieren sich noch“, Yin streckte Yumi die Zunge raus, was diese mit einem Abwinken quittierte.
Ich sah Alex, die sich auf die Bank setzte, aber einen Ball in den Händen hielt um diesen auf ihrem Finger rotieren zu lassen.
Auch wenn wir alle eher Einzelgänger waren, hatten wir doch eine Bindung zueinander aufgebaut.
Alex war die Einzige, die uns zu akzeptieren schien, es aber unterließ sich auf irgendetwas einzulassen,  das weiter ging als diese Akzeptanz.
Mir war es egal. Wer nicht wollte, der hatte eben schon.

„Fertig“, die andere Gruppe hatte sich nun besprochen und ihre Positionen eingenommen. Ich stellte mich auf und sah Erwin an, der sich in der Mitte positionierte um den Ball zu holen, Yumi, die sich zu uns gesellt hatte, in der Hand hielt. Zum werfen bereit, hatte sie sich ihre Trillerpfeife zwischen die Zähne gesteckt und sah jeden Einzelnen von uns an. Dann nickte sie pfiff und warf den Ball so hoch wie sie konnte.
Das Mädchen aus dem gegnerischen Team hatte keine Chance an den Ball zu kommen. Erwin schlug den Ball nach vorne und ich sprintete los. Yin war schneller als ich gewesen, fing den Ball und passte ihn wieder nach hinten in unsere eigene Hälfte. Dort stand - ganz allein – Meiko, die den Ball fing und ihn auf den Korb zu warf.
„Von so weit? Niemals!“, rief ein Mädchen, welches zu spät losgelaufen war um den Wurf zu blocken. Meiko setzte ein selbstgefälliges Grinsen auf. Ich setzte mich langsam in Bewegung, schlenderte auf Meiko zu, in meine eigene Hälfte. Dann vernahm ich auch schon das Rascheln des Netzes, welches verursacht wurde, wenn der Ball durch den orangefarbenen Ring fiel. Dieser prallte grade auf dem Boden auf. Die Mädchen, die Gegen uns spielten, rührten sich nicht.
„Schlagt keine Wurzeln, haut rein“, Sayuri versuchte dem Gegnerteam ein wenig einzuheizen. Wenn die jedes Mal so herum standen, schwöre ich euch, würde dies das Langweiligste Spiel sein, welches ich jemals gespielt hatte.
Ich hob eine Hand. „Kannst du mich auswechseln?“, fragte ich an Yumi gewandt, die mit ihrer Trillerpfeife nach mir warf.
„Bleib drin, Dreyszas. Ende“, forderte sie und ich verdrehte die Augen. „Fick dich, Yuu“, erwiderte ich und lief in den Lauf einer meiner Kontrahentinnen, die es geschafft hatte sich den Ball zu holen.
Sie wich mir aus, übersah aber Yin, die plötzlich neben ihr auftauchte um ihr den Ball aus den Händen zu schlagen.
Yin lief ein paar Schritte und passt den Ball weit nach vorne. Es war ein hoher Wurf. Doch selbst ein Leihe hätte erkennen können, dass dies kein Treffer werden würde. Was aber vollkommen absichtlich passierte.
Ich lief los, schlug einen Flic Flac. Erwin lief neben mir, blieb stehen, ging ein wenig in die Knie, verschränkte seine Finger miteinander, was mir als Sprungbrett diente. Ich nutzte seine Hände stieß mich ab, während er mich nach oben katapultierte.
Das Timing passte perfekt. Ich fing den Ball und beförderte ihn durch den Orangenen Ring, an dem ich eine Weile lang hing, ehe ich mich fallen ließ.
Ich folgte den Anderen zurück in meine Hälfte.
„Macht mal ein bisschen langsamer, die anderen kommen nicht mit“, scherzte Yin, die von uns allen wahrscheinlich die Freundlichste war und Sayuri zuckte mit den Schultern.
„Wenn sie hier bleiben wollen, müssen sie sich eben behaupten“, Yin hob die Hand zum High Five, welches unser Kapitän erwiderte.

Dieses Mal war Sayuri es, die an den Ball kam. Sie warf den Ball wieder in die andere Hälfte, doch der Pass ging daneben. Yumi kniff die Augenbrauen zusammen. Sie hatte gesehen, dass es mit Absicht passiert war.
„Sayuri!“, keifte sie, doch die Angesprochene streckte unserem Coach nur die Zunge raus. „Wenn wir so weiter spielen, kommen die Neuen gar nicht dazu zu zeigen, was sie können und was nicht“, Yumi verdrehte die Augen und signalisierte uns durch eine Handbewegung dass wir weiter machen konnten.
„Los!“, rief die, die den Ball von Sayuri angenommen hatte und ich unterdrückte ein angenervtes Stöhnen. Wie konnte man nur so herum brüllen.
Das Mädchen stürmte zurück und wollte den Ball passen, doch Sayuri, die an der Mittelfeldlinie gestanden hatte, hatte diesen Schritt schon vorhergesehen. Oder eher berechnet.
Die Analytikerin erteilte uns im selben Moment in dem der Pass erfolgte einen Befehl und da war Yin auch schon zur Stelle, die sich den Ball im Lauf stahl und ohne den Ball auch nur eine Sekunde zu halten auch schon wieder mit der Faust in die Gegnerische Hälfte zurück beförderte. Dort tauchte Erwin auf, der eigentlich schon wieder auf dem Weg in unsere Hälfte war, bei Sayuris Befehl jedoch prompt und bei voller Geschwindigkeit auf einmal kehrt gemacht hatte.
Er traf vor dem Ball am gegnerischen Tor auf, nahm den Pass an und dunkte.

Yumi pfiff ab. „Pause!“, rief sie.
Das erste Viertel war vorbei, ohne dass die Neuen einen einzigen Punkt gemacht hatten.
„Ihr solltet sie absichtlich punkten lassen“, Alex gähnte und streckte sich, während sie und Yin sich den Ball im Sitzen zupassten.
„Gar nichts macht ihr“, knurrte Yumi sie an und stapfte auf die neuen Mädchen zu, die vollkommen erschöpft auf ihren Bänken saßen und absolut Niedergeschlagen waren.
Ich kramte Weingummi aus meiner Sporttasche hervor und begann es zu essen.
„Sie sind schlecht“, murrte ich und starrte eher abwesend auf irgendeinen Punkt auf den Boden vor mir. Ich stützte meinen Kopf auf meiner Handfläche ab, nachdem ich mich auf den Bauch gelegt hatte und mit den Beinen baumelte.
„Sag sowas nicht. Vielleicht sollten wir sie gewinnen lassen“, der Sarkasmus in Erwins Stimme ließ sich keinesfalls leugnen.
„Dabei haben wir uns grade mal aufgewärmt“, Meiko steckte ihr Asthmaspray wieder in ihre Tasche zurück und trank nun einen Schluck.
„Gnade walten lassen liegt ja auch nicht unbedingt in unserem Bereich des Möglichen“, Yin ließ den Ball auf ihrem Zeigefinger um seine eigene Achse drehen.
„Sie haben es nicht anders gewollt“, Alex streckte ihre Beine aus und platzierte ihre Hände unter ihren Oberschenkeln.
„Nicht unbedingt“, Sayuri warf ihre Flasche beiseite und stand wieder auf.

„Und wenn ihr nicht bald einen Zahn zulegt, dann sehe ich ziemlich schwarz für euch!“, Yumi drehte sich kopfschüttelnd wieder um und stapfte auf uns zu. Sie verpasste mir einen Klaps auf den Hinterkopf, was ich mit einem Knurren quittierte.
„Bewegt eure Ärsche wieder aufs Feld, aber dalli“, ich verdrehte die Augen.
„Ganz schön großes Mundwerk für 'ne 15 Jährige“, grinste Erwin, der dies so laut gesagt hatte, dass Yumi es hören konnte.
„Schnauze, von Basel. Beweg dich oder ich mach dir Beine“, sie verschränkte die Arme wieder vor der Brust und jagte uns aufs Spielfeld.
Ich nahm meine Position ein.
Wie gut, dass wir alle wussten, wie der andere es meinte.
Aber so war das eben bei uns.


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