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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
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09.09.2014 2.178
 
Point of view: Yin

<<Alles auf Erden ist in ständigem Fluss; nichts wahrt seine Form, und unsere Neigungen für die äusseren Dinge vergehen und ändern sich notwendigerweise wie diese>>

Ich hatte mich nicht verhört.
Am Samstag bekam ich einen Anruf. Akashis Vater brachte mir wortlos das Telefon und verließ dann wieder das Zimmer.
Ich ließ meine Schulter kreisen und klemmte dann das Telefon zwischen mein Ohr und die andere Schulter, da ich grade dabei war mein Bett zu machen.
„Ohayo?“, sagte ich um denjenigen zu Begrüßen, der am anderen Ende der Leitung war.
„Ohayo, Snow-san“, begrüßte mich die  mir wohl bekannte Stimme des Trainers der Rakuzan-High.
„Ich habe die Tage mit Akashi-kun gesprochen und ich finde, dass wir uns deswegen einmal treffen sollten“, ich nickte.
„Wann und wo?“, fragte ich. Ich konnte ihn nicht leiden. Er machte einen gruseligen Eindruck und ich hatte das Gefühl, dass er Akashi und dessen Ausstrahlung irgendwie imitieren wollte.
„In einer Stunde am Eingang zur Schule“, meinte er und ich stimmte zu und legte dann auf.
Ich wollte mich ungern mit ihm treffen. Aber ich musste ja.  
Seufzend zog ich mich an, schnappte mir mein Handy und begab mich nach unten.
„Wohin des Weges?“, fragte Akashi, als ich die Türklinke der Haustür in der Hand hielt.
„Muss mich mit dem Coach treffen“, ich verzog das Gesicht und verließ dann das Haus ohne ein weiteres Wort.
„Kann ich Sie fahren, Yin-sama?“, der tüddelige, alte Chauffeur der Akashis verbeugte sich leicht vor mir.
„Danke, alter Mann, das wäre nett“, ich sprang in die Limousine und ließ mich zur Schule fahren.
„Rufen Sie mich an, wenn ich Sie wieder abholen soll, Yin-sama“, ich nickte, als ich die Tür kurze Zeit wieder aufstieß und aus dem Auto sprang. Ich winkte ihm noch einmal, ehe er sich wieder entfernte.

<<Wie selten ist der Mensch mit dem Zustand zufrieden, in dem er sich befindet! Er wünscht sich immer den seines Nächsten, aus welchem sich dieser gleichfalls heraussehnt.>>

„Hallo, Snow-san“, begrüßte mich dann auch schon der Coach und ich hob die Hand zum Gruß. „Hallo Coach“, grüßte ich zurück. „Was kann ich für Sie tun?“
„Kommen wir gleich zum Punkt“, der Coach führte mich zur Sporthalle, wir traten ein und er warf mir einen Basketball zu.
„Spiel' gegen mich“, forderte er mich auf und ich hob die Brauen. „Bitte?“, ich hatte mich wohl verhört?
„Ich will dein von Akashi genanntes Potential begründen“, ich nickte. Ich ließ den Ball ein paar mal ticken, ehe ich an dem Coach der Rakuzan vorbei lief. Dieser riss die Augen auf, da er nicht damit gerechnet hatte, dass ich einfach vor seinen Augen verschwinden würde.
Er lief hinter mir her und schlug mir den Ball aus der Hand. Doch ich fing ihn wieder auf, stolperte, drehte mich im Fallen um und warf den Ball nach oben in den Korb. Dann landete ich mit dem Steiß auf dem Boden und ich hielt mir dieses, da es doch schon ziemlich weh tat.
„Au“, machte ich und stand auf.
„Nochmal“, forderte der Ältere und ich nickte. Dieses Mal hatte er den Ball und ich nahm die Verteidigungshaltung an.
Dann versuchte er sich an einem Fake, doch ich erkannte, dass es eben ein solcher war. Ich stealte und lief auf meinen Korb zu, ich spürte eine Hand auf meiner Schulter und der Coach riss an meinem Oberteil. So befand ich mich keine Sekunde später wieder auf dem Boden.
„Was soll das denn?“, fragte ich empört. Scheinbar war er ein schlechter Verlierer, was ihm dennoch nicht das Recht gab unfair zu spielen.
„Dann kann ich mir das auch sparen“, ich drehte mich um und wollte die Halle verlassen, da spürte ich wieder eine Hand auf meiner Schulter. Ehe ich reagieren konnte wurde ich herumgerissen und mit dem Rücken gegen die Hallenwand gepresst. Der Coach stützte sich mit seinem Unterarm über mir an der Wand ab, er sah zu mir herunter, hob die Hand und klemmte mein Kinn zwischen seinem Daumen und Zeigefinger ein.
„Was findet Akashi an dir“, er sah wütend aus. Meine Augen weiteten sich. Vor Schock, vielleicht hatte ich aber auch einfach nur Angst.
Ich stemmte meine Arme gegen seine Brust, doch es brachte nicht sonderlich viel. Er war zu groß, zu schwer, ich konnte ihn keinen Millimeter von mir weg bewegen.
„Du bist klein und unscheinbar, also, was will er schon von einem unbedeutenden Mädchen wie dir?“, fragte er wieder, wohl eher an sich selbst gerichtet.
„Sie können mich sehr gerne in Ruhe lassen“, ich versuchte meine Stimme unter Kontrolle zu bringen, welche leicht zitterte, als ich sprach.

<<Auf das, was dir nicht werden kann; Sollst du den Blick nicht kehren;
O ja, sieh recht es an, So siehst du gewiss, du kannst es entbehren.>>


„Lass sie“, vernahm ich eine kalte, schneidende Stimme und zum ersten Mal in meinem Leben war ich froh darüber Akashi Seijuro zu sehen.
Sofort ließ der Coach von mir ab und entgegen meines Willens lief ich zu Akashi und  versteckte mich hinter ihm.
„Wir sprechen darüber noch“, Akashi drehte sich um, packte mich am Handgelenk und schleifte mich aus der Halle. Irgendwie hatte ich ein Deja-vu.
„Lass los“, murmelte ich, doch Akashi hielt sich nicht daran, ignorierte mich. „Lass los“, forderte ich nun, doch der Rothaarige öffnete die Tür der auf uns wartenden Limousine, gab mir einen Schubs, sodass ich hinein stolperte und schlug die Tür hinter mir zu. Dann stieg er selbst ein, nachdem er um das luxuriöse Auto herum gegangen war.
„Wieso bist du mir nachgegangen?“, fuhr ich ihn an. „Ich hätte mir sicher selbst helfen können“, ich rieb mir mein schmerzendes Handgelenk.
„Du bist schwach, wenn es nicht um Basketball geht. Deswegen“, er sah mich nicht einmal an. „Es war weise Voraussicht“, seine Stimme zeigte keine Gefühlsregung und ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah schweigend aus dem Fenster.
Mich überkam ein Schauer, als ich an die Situation mit dem Coach dachte, es gefiel mir nicht, dass Akashi sich jetzt etwas darauf einbildete, dass er mein Retter in der Not war und mich als unvernünftig abstempelte.
Am meisten aber ärgerte mich, dass er gesagt hatte, dass ich ein schwacher Mensch war, wenn es nicht um Basketball ging. Schwach. Ich war nicht schwach.
Als wir wieder zuhause waren wartete ich nicht darauf, dass mir jemand die Tür aufhielt. Ich riss die Tür auf und sprang aus dem Wagen, stapfte über den Kiesweg und schloss die Haustür auf. Ich ließ sie offen stehen, da Akashi ja so oder so noch kommen würde und schleuderte meine Schuhe in die Ecke. Dann ging ich nach oben um im Bad zu verschwinden. Erst einmal duschen.

<<Nicht in die ferne Zeit verliere Dich, Den Augenblick ergreife, der ist Dein.>>

„Schwach“, ich ballte meine Hand zur Faust. Ich war nicht schwach. Das war ich nie gewesen. Akashi kannte mich gar nicht. Wieso nahm er sich das Recht heraus sowas zu behaupten?
Ach, ich vergaß. Er war ja Akashi Seijuro. Er durfte einfach alles.
Nach einiger Zeit stieg ich aus der Dusche, trocknete mich ab und zog mir eine Jogginghose und ein Top an, darüber zog ich eine Strickjacke an.
Ich ging in die Küche, die zum Glück leer war, und begann zu backen. Es war neben dem Basketball ein Hobby von mir und half mir dabei runter zu kommen.
Gedankenverloren kramte ich mir die Sachen zusammen die ich brauchte, rührte mit dem Mixer länger in der Rührschüssel herum als eigentlich notwendig war und sah dem Kuchen hinterher beim Backen zu. Was sollte ich sonst tun?
Ich saß vor dem Ofen, starrte durch das kleine Fenster den Kuchen an und entgegen meiner Natur zweifelte ich an mir selbst.
Ich hatte noch nie daran gedacht was passieren würde, wenn ich an meiner Lebensaufgabe scheiterte. Wenn das Schicksal die falsche Aufgabe für mich gewählt hatte. Was passierte dann?
Ich hatte diese Frage nie gestellt, die Ältesten hatten mir nie gesagt, was passieren würde, wenn man seiner Aufgabe nicht nachkommen konnte, weil man ihr nicht gewachsen war.
Konnte das überhaupt sein? War das überhaupt  möglich?
„Du denkst zu viel“, ich fuhr herum und stand auf. Akashi saß auf meinem Platz am Küchentisch und hielt eine Tasse in der Hand, die mittlerweile leer war.
„Was willst du?“, fragte ich tonlos und Akashi zuckte kurz mit einer Augenbraue.
„Was wollte er von dir“, ich schnaubte und drehte mich um. „Mich bloß stellen, hast du doch gesehen“, sagte ich und suchte mir eine Beschäftigung, damit ich mich nicht weiter mit ihm unterhalten musste.
„Du sollst im Winter Cup mitspielen, ich habe es veranlasst“, sagte er nach einer Weile und ich nickte nur. „Weiß ich“, sagte ich knapp. Dass ich ihn belauscht hatte, zufällig natürlich, sagte ich ihm nicht.
„Wie wäre es, wenn du dich bei mir bedankst, schließlich habe ich dir geholfen“, ich drehte mich zu ihm um, nachdem ich den Kuchen aus dem Ofen geholt hatte.
„Das wäre nicht nötig gewesen“, sagte ich zähneknirschend.
„Doch“, entgegnete er knapp. „Du bist schwach“, ich atmete hörbar ein und aus. „Bin ich nicht“, widersprach ich. „Bist du, sieh es ein.“
Jedes einzelne Wort ließ mein ohnehin angeknackstes Ego ein bisschen weiter einbrechen. Wollte er das?
„Schonmal was von Taktgefühl gehört?“, fragte ich leise bedrohlich, hob die Hand und ließ sie auf seine Wange nieder sausen. So fest wie ich konnte schlug ich zu, sah noch, wie Akashi sich ausdruckslos die Hand an die Wange legte, da drehte ich mich um und lief auf mein Zimmer.

<<Ist denn alles unnütz, was uns nicht unmittelbar Geld in den Beutel bringt, was uns nicht den allernächsten Besitz verschafft?>>

„Ich will nach Hause“, ich verkniff es mir loszuheulen, als ich diese Worte an Meiko schrieb, die sich in Akita befand. Doch ich bekam keine Antwort. Also feuerte ich mein Handy in irgendeine Ecke des Bettes, drehte mich mit dem Gesicht zur Wand und deckte mich zu. Die Sache mit dem Coach hatte mir sehr zugesetzt und ich brauchte Zeit für mich um mein Ego wieder kitten zu können.
„Baka“, vernahm ich Akashis Stimme hinter mir und ich zog mir die Decke noch enger um die Schultern. „Verschwinde, ich will dich nicht sehen Akashi“ sagte ich und dachte wieder an meine Aufgabe. Daran, wie es wohl sein würde, wenn ich es nicht schaffen würde sie zu meistern.
Die Matratze hinter mir gab nach. Jemand hob die Decke an und ich spürte einen warmen Körper, der sich von hinten an mich schmiegte. Ich versteifte mich. Das war jetzt nicht Akashi, oder?
„Was soll das werden wenn es fertig ist?“, fragte ich und drehte mich zu ihm um. Ich blickte in ein rotes und in ein orangenes Auge, die mein Gesicht musterten. Mein Blick fiel auf seine gerötete Wange, meine Augen weiteten sich unweigerlich.
„Du traust dir ganz schön was zu, Yin Snow“, sagte er unberührt, dennoch klang seine Stimme nicht so schneidend wie sonst, nicht herrisch oder verlangend.
„Du hast es provoziert“, entgegnete ich und Akashi schüttelte mit dem Kopf.
„Ich sagte nicht, dass du charakterlich schwach bist, Yin“, sagte er, seine Stimme war fest. „Aber dein Körper ist zu schwach. Du hättest dich nicht gegen ihn wehren können“, er legte einen Arm um mich und zog mich weiter zu sich. Er schloss die Augen. In diesem Moment sah er unglaublich müde aus.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich und er öffnete seine Augen wieder, fuhr mit seinen Fingerspitzen über meine Bemalung.
„Was bedeutet sie?“, ich sah ihn blinzelnd an.
„Wer bist du und was hast du mit Akashi gemacht?“, fragte ich und Akashi hob eine Augenbraue.
„Auch ein Emperor braucht mal eine Pause“, sagte er und unterdrückte ein Gähnen.
„Sie erinnert mich an meine Lebensaufgabe“, erklärte ich und er nickte.
„Du machst das schon“, pflichtete er mir bei ohne zu wissen, um was für eine Lebensaufgabe es sich handelte.
Ich nickte leicht und schloss ebenfalls die Augen.
Es war schön einfach so neben ihm zu liegen, zu schweigen. Er war wie ausgewechselt, spielte mit meinen Haarspitzen, fuhr sanft über meinen Rücken und ein Schauer nach dem Anderen jagte über meine Haut.
Es war nicht mehr zu leugnen, dass ich ihn interessant, ja sogar sehr anziehend fand, trotz seiner herrischen Art und seiner merkwürdigen Überzeugung sich alles nehmen zu können war er wollte.
Ich war müde und geschafft, also kuschelte ich mich an Akashi heran und spürte seine Wärme, lauschte seinem kräftigen Herzschlag und spürte seine gleichmäßigen, ruhigen Atemzüge nach. Der Emperor war eingeschlafen und er sah so friedlich aus, gar nicht wie er selbst. Seine Gesichtszüge waren weicher geworden, wirkten nicht mehr so hart. Er wirkte nicht mehr so ernst und nachdenklich und Ausdruck passte nun zu einem Jungen seines Alters.
Und in diesem Moment verstand ich, dass ich mir selbst viel zu sehr Druck gemacht hatte und dass es leichter war die Dinge vorerst auf sich zukommen zu lassen.

<<Was sich nie und nirgends hat begeben, das allein veraltet nie!>>
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