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Changing

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.09.2014
04.01.2016
60
132.663
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<<Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist. Nicht an den Wahrheiten liegt es daher, wenn die Menschen noch so voller Unweisheit sind.>>

Point of view: Sasha

<<Der Geist hat seine Bedürfnisse wie der Körper. Die Bedüfnisse des Körpers bilden die Grundlage des Gesellschaftslebens, die des Geistes dessen Schmuck.>>

Ich spielte lange Zeit mit Erwin, wir jagten uns über den Platz. Schweiß bildete sich auf unserer Haut, doch wir ignorierten diesen. Schon längst hatten wir den einen oder anderen Zuschauer und ich wischte mir mit dem Saum meines Tops den Schweiß aus dem Gesicht, als Erwin mir gegenüber stand und sich mit den Händen auf seinen Knien abstützte. Langsam konnten wir nicht mehr, mein rechtes Knie begann sich zu melden und ich war unglaublich angenervt deswegen.
„Gibst du schon auf?“, Erwin fuhr sich durch sein dunkles Haar und ich hob meine rechte Braue gefühlte meterweit in die Höhe.
„Befindet sich nicht mal in meinem Wortschatz“, entgegnete ich tonlos und begann einen erneuten Angriff, in welchem ich mich an meinem natürlichen Gegenspieler vorbei stehlen wollte. Was aber nicht so ganz funktionierte. Schon seid zwei Stunden nicht. Da wir stets miteinander spielten kannten wir die Spielweise des jeweils anderen, was dazu führte, dass wir seid einer Ewigkeit nicht mehr aneinander vorbei kamen.
So ein nervtötender Scheiß.
Doch natürlich gab ich mich nicht geschlagen. Mein Stolz und mein Ehrgeiz verboten mir dies und so biss ich die Zähne zusammen und hielt Erwin auf, der versuchte durchzubrechen.
Plötzlich warf er den Ball einfach zur Seite. Unbeeindruckt sah ich diesem hinterher, wie er einem Kind vor die Füße rollte und dort liegen blieb. Das Kind begann mit dem Ball zu spielen.
„Dein Knie gibt  nach“, Erwin deutete auf mein bandagiertes Knie, ich musterte ihn schwer atmend. „Mh“, ich zuckte mit den Schultern. „Sag' doch, dass du nicht mehr kannst“, provozierte ich ihn, doch Erwin winkte ab und schnappte sich seine Klamotten vom Boden. Unsere Zuschauer hatten sich abgewandt und nun standen wir allein auf dem Platz.
Erwin legte mir eine Hand auf meinen Kopf und strich sachte darüber. „Lass dich nicht unterkriegen“, murmelte er mir aufmunternd zu, gab mir einen Kuss auf die Stirn und ging dann. „Wir sehen uns“, rief er mir noch über die Schulter zu und ich hob nur die Hand zum Abschied.
„Natürlich nicht“, murmelte ich vor mich hin und mein Blick fiel auf den Ball, welcher ganz alleine am Spielfeldrand lag. Ich ging zu ihm hob ihn auf und ließ ihn sich auf meinem Zeigefinger um seine eigene Achse drehen.
Ich beschloss doch noch ein bisschen zu laufen, es ärgerte mich ungemein, dass ich nicht einfach so an Erwin vorbei gekommen war. Wir kannten uns einfach zu gut, kannten unsere Spielweise und durchschauten uns gegenseitig. Das nervte mich ungemein.
Was mich ebenfalls ankotzte war, dass ich keine Würfe aus der Distanz gebacken bekam. Hatte ich doch eigentlich ein ziemlich gutes Ballgefühl, so versagte ich bei solchen Würfen stets.
Ich versuchte mich an einem solchen Wurf, doch er prallte an dem orangenen Ring ab.
„Hach, Fick dich doch“, brummte ich und lief ein paar Runden. Mein Knie schmerzte noch immer.

<<Es ist nie zu spät, unsere Vorurteile aufzugeben; auf keine Ansicht, keine Lebensweise, und sei sie noch so alt, kann man sich ohne Prüfung verlassen.>>

„Übertreib nicht“, jemand schmiss mir ein Stoffbündel ins Gesicht und ich blieb abrupt stehen. „W-“, brachte ich bloß heraus. War ich so konzentriert gewesen, dass ich denjenigen, der vor mir stand, nicht bemerkt hatte?
„Komm, wir gehen“, es war Aomine gewesen, der gegen den Maschendrahtzaun gelehnt stand, die Arme vor seiner Brust verschränkt. Ausdruckslos musterte er mich, ich warf ihm das Stoffbündel zurück. „Ok“, meinte ich tonlos und wollte meine Sachen zusammen packen, doch Aomine hatte meine Tasche schon längst geschultert. Ich zuckte mit den Schultern und ging voran.
„Du erkältest dich“, Aomine hatte schnell aufgeholt. „Hab kein Kälteempfinden“, erwiderte ich, sah ihn aber nicht an.
„Du erkältest dich“, wiederholte er sich und ich verdrehte die Augen. „Nerv doch n-“, ich wurde unterbrochen von dem Power Forward, indem er mir kurzerhand seine Trainingsjacke überwarf.
„Was soll'n das jetzt?“, ich hob eine Braue. „Spielst du jetzt den Aufopfernden?“, Aomine stöhnte genervt auf. „Nein, ich hab' nur kein Bock, dass du krank wirst, weil der Coach noch einiges mit dir vorhat?!“, er sagte dies mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit und ich verschränkte die Arme vor der Brust.
„Aha“, meinte ich und schwieg dann.
„Nicht neugierig?“, interessiert beugte Aomine sich zu mir nach unten, ich wandte den Blick ab.
„Mache ich etwa einen solchen Eindruck auf dich?“, fragte ich im Gegenzug und mein Gesprächspartner legte kumpelhaft einen Arm um mich, zog mich zu sich und hauchte mir ein „Vielleicht ist es ja etwas, was du unbedingt willst“ in mein Ohr. Ich unterdrückte nur schwer einen Schauer, schob ihn von mir weg, da ich nicht sonderlich auf Körperkontakt stand. „Und du glaubst zu wissen, was meine Begierden sind?“, ich schnaubte verächtlich. „Drück' dich nicht immer so geschwollen aus, Dreyszas“, Aomine hob abwehrend die Hände und den Rest des Heimweges schwiegen wir.
Eigentlich war ich ja ein Mensch, der sich nicht sonderlich für viele Dinge begeistern ließ. Doch wenn ich mich für etwas interessierte, dann war es Basketball und da diese Sache den Coach betraf, musste ich wohl oder übel zugeben, dass ich wirklich neugierig war.

<<Gegen den Strom der Zeit kann zwar der einzelne nicht schwimmen, aber wer Kraft hat, hält sich und lässt sich von demselben nicht mit fortreissen.>>

„Hallo Süße“, Aomines Mutter umarmte mich und ich versteifte mich prompt. Mütterliche Zuwendung war ich noch immer nicht gewohnt. „Ich musste Daiki schicken, es war schon so spät und ich hab' mir Sorgen gemacht“, ich nickte resignierend und ließ mich von ihr an den Tisch führen. Ich setzte mich. „Alles in Ordnung“, sagte ich und versuchte mich an einem leichten Lächeln in der Hoffnung, dass es mir nicht misslang. Aus reiner Höflichkeit, schließlich war ich bestens erzogen worden.
Aomine selbst und sein Vater kamen lachend aus dem Wohnzimmer und ich verdrehte die Augen, wie konnte man nur so laut sein.
„Also dann, lasst es euch schmecken“, der Herr des Hauses begann zu essen und erst als er angefangen hatte nahm ich meine Reisschüssel in die Hand. Ich saß auf dem Stuhl kerzengerade, die Beine im 90 Grad Winkel nebeneinander fest auf dem Boden stehend.
„Was machst du denn da?“, Aomine sah mich stirnrunzelnd an. Ich kaute zu Ende, stellte meine Schüssel ab. „Ich esse?!“, entgegnete ich und wollte fortfahren, da bemerkte ich, dass er mich noch immer anstarrte. Ich ignorierte es aß weiter und das so lange, bis Aomines Vater fertig war. Ich hatte noch nicht aufgegessen, doch ich stellte nach ihm meine Schüssel direkt ab.
„Das ist lächerlich“, ich hoffte für Aomine Daiki, dass er nicht mich meinte. Doch als ich in seine Richtung sah erkannte ich, dass diese drei Worte wirklich an mich gerichtet gewesen waren. „Im Gegenteil“, erwiderte ich tonlos. „Das ist Erziehung“, erklärte ich und entschuldigte mich dann. Ich stand auf und ging auf mein Zimmer. Ich hatte keine Lust mich mit dem Kerl auseinander zu setzen. Er ging mir auf die Nerven und deswegen ging ich ihm die nächsten zwei Tage weitestgehend aus dem Weg.

<<Wieviele Freuden werden zertreten, weil die Menschen meist nur in die Höhe gucken und, was zu ihren Füssen liegt nicht achten>>

Samstagabend beschloss ich laufen zu gehen. Mir fiel die Decke auf den Kopf und in dem kleinen Haus der Aomines fühlte ich mich noch immer ein wenig unwohl. Auch wenn ich es nicht zeigte, fühlte ich mich beobachtet und ausspioniert, alles erdrückte mich, vor allem der liebevolle Umgang von Frau Aomine mit mir. Ich kannte keine Mutter, die ihr Kind so liebte wie sie es tat und die ein fremdes Mädchen mit so viel Respekt und liebevoller Zuneigung bombardierte.
Also lief ich ein wenig, auch wenn es schon dunkel draußen war. Die Nacht war wunderschön und klar und nach ein paar Kilometern blieb ich stehen um nach oben zu sehen. Die Sterne waren eine meiner größten Interessen und ich hätte sie mir stundenlang ansehen können.
Doch ich lief nach einigen Minuten weiter, zumal ich keine Nackenstarre provozieren wollte und plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter. Ich setzte meine Kopfhörer ab und blickte in Aomines hämisch grinsendes Gesicht.
„Hallo, Leibwächter“, grummelte ich mürrisch und mein Verfolger hob eine Braue. „Als ob“, meinte er und lief dann weiter neben mir her. „Ich will mit dir Basketball spielen“, meinte er schulterzuckend und schon juckte es mich in den Fingern.
„Gut“, stimmte ich also zu und er sah überrascht aus, als er stehen blieb und mir dann den Ball zu warf.
Echt? Hier?
Wir befanden uns neben einem kleinen Basketballfeld, welches ich überhaupt nicht bemerkt hatte. Ich betrat den Platz und begann ein wenig zu dribbeln.
Dann schoss ich an ihm vorbei...

<<Auf Erden ist alles unaufhörlich in Fluss. Nichts bewahrt eine bestimmte, fest umrissene, dauernde Gestalt; und unsere Neigungen, die sich an äusserliche Dinge heften, vergehen und wechseln notwendig mit ihnen.>>

Sein Stil war unheimlich aggressiv und ich hatte Mühe mit ihm mitzuhalten. Er war ein würdiger Gegner und das One vs. One gegen ihn heizte mir ordentlich ein, erweckte ein Feuer in mir, welches schon lange nicht mehr angefacht worden war und ein herausforderndes Grinsen schlich sich auf meine Lippen. Doch irgendwann konnten wir beide nicht mehr. Ich rannte hinter ihm her, stolperte, da mein Knie nach gab, suchte Halt, bekam sein Shirt zu fassen und riss ihn mit zu Boden.
Dort blieben wir liegen. Ich lag mit meinem Kopf auf seinem Rücken, er lag auf dem Bauch, den Kopf hatte er auf seine verschränkten Arme gelegt. Schwer Atmend schwiegen wir eine Weile.
„Wieso verhältst du dich wie 'ne Adlige, Dreyszas“, schnaubte er irgendwann. Ich atmete hörbar ein und aus, stützte mich auf seinem Rücken mit den Handflächen ab und stand auf.
„Geht dich nichts an“, murrte ich und trat den Heimweg an. Allein.
Was hatte ich mir da bitte grade erlaubt? Wieso war ich nicht sofort aufgestanden, ich hatte doch die Möglichkeit dazu?
Ich legte meine Finger an meine Wange. An die, die mit Aomine in Berührung gekommen war. Er war warm gewesen, ein wenig verschwitzt. Ich hatte seinen Herzschlag gehört und hatte mir für einen kleinen Moment eingebildet, dass eben dieser kräftige, aber ungleichmäßige Herzschlag mich hatte runter fahren lassen.
Nein, Sasha, tadelte ich mich selbst, lief noch ein bisschen schneller und schüttelte den Kopf um diesen Gedanken loszuwerden wie lästige Fliegen. Ich verbot mir solche Gedankengänge und gleichzeitig in Zukunft solch eine Schwäche zu zeigen und lief dann nach Hause.
Dort angekommen beschloss ich ein Bad zu nehmen. Ich stieg in das angenehm warme Wasser und schloss  leise seufzend die Augen.
Alex hatte mir heute eine Sms geschrieben in der gestanden hatte, dass ich auf mich aufpassen solle, dieser Austausch würde für Wesensveränderungen sorgen. Ich hatte diese Nachricht belächelt, doch jetzt dachte ich wirklich über die Ernsthaftigkeit dieses Nachrichteninhaltes nach und die Zeit verging rasend schnell ohne dass ich zu einem Ergebnis gekommen war.
Ich hasste unproduktives Nachdenken und deswegen stieg ich noch schlechter gelaunt aus der Badewanne als ich hineingestiegen war und begab mich in Nachtbekleidung in mein Zimmer.

<<Um ein Philosoph zu sein, ist es nicht genug, geistreiche Gedanken zu haben oder eine Schule zu gründen, sondern man muss die Weisheit so lieben, dass man nach ihr lebt>>

Dort blieb ich erst einmal in der Tür stehen, hielt mitten in der Bewegung inne. Die Türklinke in der Hand haltend hob ich die Brauen und sah auf mein Bett, auf welchem Aomine saß, in T-Shirt und Boxershorts bekleidet an die Wand gelehnt, die Augen geschlossen. „Oi“, zischte ich und ging auf ihn zu, krabbelte auf mein Bett und stieß ihn an, da er nicht reagierte. „Zieh Leine, Aomine“, murrte ich ihn an und zog sanft an seinem Shirt.
„Ruhe, Dreyszas“, Aomine murrte vor sich hin, öffnete müde die Augen. Er hatte geschlafen?! Wie lange hatte er hier bitte gesessen?
„Ich will schlafen, geh jetzt“, forderte ich ihn zähneknirschend auf, doch ehe ich es mich versah packte Aomine mich und drückte mich auf die Matratze. Ich lag auf dem Rücken, er lag neben mir auf der Seite, kam mir ungeheuer nahe und ich hatte nicht einmal die Chance aus dem Bett zu springen, da sein Arm quer über meinem Bauch lag und mich auf der Matratze festtackerte.
„Was soll das werden, wenn es fertig ist?“, fragte ich und Aomine schnaube müde, verzog seinen Mund zu einem kraftlosen Lächeln, griff nach der Decke und zog sie über uns. Was sollte das denn bitte? Hatte er doch 'nen sentimentalen Tag, oder was?
„Das Licht“, murrte ich und starrte in die künstliche Beleuchtung der Deckenlampe, die mich unheimlich störte.
„Komm dann aber wieder“, verlangte er müde und ich schlug gegen seine Brust. „Ist mein Bett, wohin sollte ich sonst?“, er schnaubte wieder. „Wo du recht hast“, er ließ mich aufstehen, ich löschte das Licht und krabbelte dann wieder – unweigerlich natürlich – zu ihm in mein Bett. Ich betonte: MEIN Bett.
„Und du bist jetzt so anhänglich, weil?“, versuchte ich seine Beweggründe in Erfahrung zu bringen und er zog mich zu sich, rutschte etwas runter und legte den Kopf auf meiner Brust ab, umfasste meine Hüfte mit seinem Arm und zuckte dann mit den Schultern. „Ich weiß es nicht“, sagte er. „Ist alles anders, seid du hier bist. Das nervt mich. Ich will wissen, wieso“, aha. Ich würde das auch sehr gerne wissen.
Aber da war es wieder. Seine Wärme, seine jetzt gleichmäßigen, Atemzüge. Ich spürte, dass er mit seinem Daumen über meinen Hüftknochen fuhr.
„Erzählst du es mir jetzt?“, fragte er leise und ich blieb eine Weile lang still.
Irgendwie genoss ich es, dass er mal kein arrogantes Arschloch war und war einfach nur still, lauschte seinen Atemzügen, spürte seine Wärme.
Und dann, ich konnte es mir selbst nicht erklären, legte ich einen Arm um seine breiten Schultern, fuhr mit meinen Fingerspitzen über seine nackte Haut und erzählte zum ersten Mal in meinem Leben freiwillig, warum ich so war wie ich nun einmal war.
Und zwar ganz von vorne.

<<Alles will jetzt den Menschen von innen, von aussen ergründen. Wahrheit, wo rettest du dich hin vor der wütenden Jagd?>>

Tja, meine Lieben Leute.
Ich habe mir vorgenommen, dass ich Aomine und Sasha ein bisschen schneller 'abhandeln' werde, da ich mir dann mehr Gedanken um eure Pairings machen kann.
Ich hoffe, dass euch dies nicht stoert.
Hoffe wie immer, dass euch dieses Kapitel gefallen hat.
Xoxo
Eure Jenn
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