Geschichte: Fanfiction / Bücher / Metro 2033 / Allein

Allein

von taco14
KurzgeschichteSci-Fi, Tragödie / P12
09.09.2014
09.09.2014
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Allein

Er hatte Recht gehabt. Sie hatten ihn ausgelacht, ihn ausgegrenzt, ihn als Spinner bezeichnet. Aber er hatte Recht gehabt. Doch was brachte ihm dieses Recht in dieser verdrehten Welt? Schützte es ihn vor der Strahlung? Vor den Kreaturen die draußen herumliefen? Vor dem Hungertod? Leider war es das einzige was ihm jetzt noch blieb: Das Wissen im Recht zu sein.

Am Anfang hatten sie noch an die Bleitür geklopft, geschrien, ihn angefleht. Sie hatten um Essen gebettelt, um Schutz vor der Kälte und der Strahlung und darum das er doch wenigstens ihre Kinder rette. Doch der der Tod hatte sie dahingerafft. Alle. Die Erwachsenen, die Kinder, die Reichen, die Armen, die Kassiererin, den Firmenboss. Der Tod machte keine Unterschiede. Vor ihm waren alle gleich.

Aber jetzt ärgerte er sich darüber keinen gerettet zu haben. Denn das Schlimmste ist nicht die Strahlung oder die Mutanten. Das Schlimmste ist die Langeweile. Es gibt nichts mehr wofür es sich zu Leben lohnt.

Er steht auf und geht zur Tür. Dann dreht er an dem großen Rad . Es quietscht und die Tür schwingt zur Seite. Er tritt in die Dekontaminationskammer und schließt die schwere Stahltür. An einem Haken an der Wand hängt der gelbe Schutzanzug, ein Rucksack und seine Gasmaske. Er zieht den Overall, die Gummistiefel und die Handschuhe an, dichtet an Handgelenken und Knöcheln mit Klebeband ab, streift sich die Gummimaske über, geht zu der Kiste mit den Filtern und schraubt einen neuen Filter auf. Vor ihm liegt nur noch eine 10 cm dicke Bleitür. Bevor er sie öffnet schiebt er ein volles Magazin in seine Pistole und lädt durch, man weiß ja nie was einen vor der Tür erwartet. Vorsichtig  drückt er  den Knopf mit der Aufschrift  Öffnen. Mit einem Zischen geht die Tür zur Seite und gibt den Blick auf die Stadt, oder zumindest das was davon noch übrig ist, frei.

Er macht einen großen Schritt und steht im Freien. An der Betonwand des Bunkers lehnt ein klappriges Fahrrad. Es rostet an manchen Stellen schon, aber es fährt noch. Er schiebt es auf die Straße und schwingt sich auf den Sattel. Kräftig tritt er in die Pedale und manövriert das Gefährt durch verrostete Autogerippe. In den Fahrzeugen sitzen Skelette. Ihre leeren Augenhöhlen scheinen ihn förmlich anzustarren, ihn zu verspotten.

Plötzlich nimmt er im Dämmerlicht eine Bewegung wahr. Schnell steigt er ab und geht hinter einem Geländewagen in Deckung. Nur manche Stellen an denen noch abblätternde Farbe hängt weisen darauf hin das der Wagen einmal weiß gewesen ist. Die Bestie, die vielleicht mal ein Hund war schleicht um das Auto herum. Er zieht die Pistole aus dem Holster. Der haarlose Kopf des Hunds schaut  um die Ecke. Ein Schuss kracht, dann noch einer. Winselnd sinkt der Hund zu Boden und bleibt leblos  liegen. Er muss sich beeilen, das Geräusch würde andere Räuber anlocken.

Er steigt wieder auf das Rad und fährt weiter durch die ausgestorbene Stadt. Der Rest der Fahrt verläuft ohne weitere Vorfälle. Nach etwa einer halben Stunde erreicht er den Stadtrand. Jetzt muss er nur noch ein Stückchen fahren dann würde er an dem Ort sein, denkt er. Tatsächlich musste er nochmal 20 Minuten fahren.

Doch dann  war es soweit. Vor der Katastrophe war er oft mit seiner Freundin hier gewesen. Sie hatten nebeneinander im Gras gelegen und in die Wolken geschaut. Doch das war vor der Katastrophe gewesen.  Er wirft das Fahrrad auf den Boden und legt sich hin. Dann nimmt er die Maske ab und atmet zum ersten Mal seit Jahren ungefilterte Luft. Er schaut in den wolkenlosen, dunklen Himmel. Vielleicht würde dieser irgendeinmal wieder blau und voller weißer Wolken sein. Vielleicht. Mit diesem Gedanken drückt er sich den Lauf der Pistole an die Schläfe und betätigt den Abzug.
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