Reborn In History

GeschichteMystery, Romanze / P16 Slash
Alexander Hephaestion OC (Own Character)
07.09.2014
01.07.2017
30
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3
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Da kommt auch schon der 2. Teil. Ich hoffe, ich konnte euer Interesse einfangen und zähle auf eure Rückmeldung.

LG BirthOfASong





Ich musste ihn anstarren wie ein Esel, denn Roxana stieß mich mahnend an. „Noch ein Glas Wein?“, fragte sie in die Runde. Wir saßen uns schweigend gegenüber und ich starrte ihn unablässig an. Er lächelte geduldig. „Gerne.“ Diese sanfte Stimme. Ich hatte vor zwei Monaten erst eine Analyse über die bedeutendsten Feldzüge Alexander des Großen geschrieben und hatte 15 Punkte dafür bekommen. Und das hier, war wirklich merkwürdig. „Alexander und Hephaistion, hm?“ Meine Verlobte grinste. Das ist echt ein irrer Zufall. „Nun ja, eigentlich Alexandros. Zufall… oder Schicksal?“, fragte mein Gegenüber und warf mir einen eindringlichen Blick zu. „Und du studierst wirklich an derselben Uni wie wir? Ich habe dich dort noch nie gesehen.“ „Ich bin ein eher unauffälliger Mensch. Wirke aus dem Hintergrund. Ich bin quasi das Genie hinter dem Bösen… oder wie man so schön sagt. Jeder mächtige Mann braucht eine rechte Hand die für ihn denkt und seine Befehle ausführt. So einer bin ich.“ Sie schenkte sich noch etwas Rotwein nach. „Bist du etwa bei der Mafia, oder sowas? Hat Alex sich auf dubiose Geschäfte eingelassen?“ Er schüttelte den Kopf und strich sich eine dunkle Strähne hinter das Ohr. „Ihr habt euch also gerade verlobt?“ Ein Nicken seinerseits ging in Richtung Hand meiner Freundin- Verlobten. „Ja er hat mich gerade gefragt.“ Wir schwiegen eine Weile. „Herzlichen Glückwunsch.“ Er stand auf und wanderte etwas im Raum herum. Besah sich ihre Bücher, Vasen und gesammelte Artefakte die sie aus ihrer Heimat, oder von Reisen nach Nordafrika mitgebracht hatte. „Ist das nicht eine witzige Geschichte?“, sagte er ohne das Anzeichen eines Lächelns auf den Lippen. „Ein junger Mann namens Alexandros, mit dem Plan Politikwissenschaften zu studieren, trifft auf einer Reise, eine Afghanin…“ Er deutete auf ein Foto, welches uns beide in ihrer Heimat zeigte. „Er verlobt sich mit ihr und plötzlich steht ein Mann vor seiner Tür, der behauptet ihn von früher zu kennen. Sein Name ist Hephaistion. Seltsam, ich weiß. Die meisten schauen mich nur dämlich an, wenn ich mich ihnen Vorstelle. Sein Vater ist ein Hochrangiger Offizier gewesen, diente dem Land in dem Alexandros’ Vater regierte. Zufall?“ Mit zusammen gekniffenen Augen sah ich ihn prüfend an. Das war tatsächlich merkwürdig. „Hast du je etwas über unseren Nationalhelden gelesen? Die Schilderungen des Homer… die Ilias. Die Odyssee?“

Schon während Roxana schlief, saß ich noch am PC. Las einen Eintrag nach dem anderen. Alexander. Alexander. Alexander. Wer war dieser Mann überhaupt? Ich hatte mich ihm nie sonderlich verbunden gefühlt, oder war an ihm interessiert. Doch als Hephaistion vor dieser Haustür aufgetaucht war, und all die Dinge erzählte, war meine Neugier geweckt und ich wollte nun wissen, wie viel mit diesem Mann ich überhaupt gemeinsam hatte. Und woher kannte er die Adresse meiner Freundin, sie stand doch gar nicht in meiner Brieftasche? Ich schüttelte den Kopf. Also, da war meine Vorliebe für Wein, mein offensichtliches Interesse an fremden Kulturen, die Parallelen zwischen unseren Vätern, der Name meiner Verlobten… ihre Herkunft. Und dann war das noch der fremde Vertraue. Er hatte ebenfalls viel mit seinem antiken Namensvetter gemeinsam. Zumindest soviel ich über ihn wusste. Aber das konnten genauso gut alles nur Zufälle sein, sowas gab’s ja. Als ich die Fenster schließen und zu Bett gehen wollte, fiel mir ein Bild ins Auge. Es waren dieselben blauen Augen, die mich vor kurzem noch so eingehend gemusterte hatten. Doch als ich es näher betrachtete, sah ich, dass es nicht dieselben sein konnten, da es sich auf dieser Abbildung, um den aus Bronze geformten Mann handelte, der vor gut 2300 Jahren in Babylon einem mysteriösen Tod erlag. Wie hypnotisiert starrte ich die Abbildung an. Es schien als würde er mich direkt anstarren. Schnell klappte ich den Laptop zu und verkroch mich unter die warme Decke. Lange Zeit lag ich nur da und starrte aus dem dunklen Fenster, während ich mir immer wieder die gleiche Frage stellte. Wer bist du Hephaistion?


„Wie kann man seinen Sohn nur Hephaistion nennen? Sag mir das mal bitte!“ Cassandra salzte ihr Kantinenessen nach und betrachtete Roxanas Verlobungsring. Ich zuckte bloß mit den Schultern. „Vermutlich stammt er aus einer alten Familie, so wie wir.“ „Oh, dann lass ihn doch in unseren Club aufnehmen.“ Sie untermalte ihre gewohnt dämliche Idee mit einer ausladenen Geste. „Können wir vielleicht das Thema wechseln, ich habe echt keine Lust mich jetzt weiter damit zu befassen.“ „Und er geht ernsthaft auf unsere Uni?“, fragte sie nun an meine Nachbarin gewandt. „Ich habe noch nie was von diesem Kerl gehört… oder gesehen.“ Roxana schob sich die Gabel mit Thunfisch in den Mund und zuckte ebenfalls die Schultern. „Er ist sowas wie das Genie hinter dem Bösen. So hat er es zumindest gesagt.“ „Entschuldigung, darf das Böse sich vielleicht zu euch setzen?“ Ich sah auf, dann warf ich den beiden Frauen einen verneinenden Blick zu. Doch da meine Freundin nun mal ein netter Mensch war und Cassandra alles mit ihren Blicken auszog, was Menschlich und über 18 war, hatte ich da keine sonderlich große Chance. „Klar, setz dich!“, boten sie sogleich an und er ließ sich neben meine Jugendfreundin nieder, die zufrieden lächelte. „Bist du Hephaistion?“ „Wer will das wissen?“, „Ich bin Cassandra, eine Freundin von Alex. Und?“ „Dann lautet die Antwort Ja… Cassandra.“ Sein Blick wanderte wieder zu mir herüber. Seine Augen sprachen Bände. Ja, auch mir war der Name Kassander gestern beim Lesen öfters aufgefallen. Aber das hatte nichts zu bedeuten. Absolut gar nichts. „Da sitzen sie nun… Alexandros, Hephaistion, Cassandra und Roxana…“, sagte er gedehnt und schaute in die Runde. „Alexander“, knurrte ich bloß.  „Was studierst du Cassandra?“, fragte er beiläufig, ohne auf meinen Einwurf einzugehen. „Geschichte. Schwerpunkt Antike. Interessiert dich das?“ „Nun“, gab er zurück, „mein Vater interessierte sich sehr für Geschichte. Er studierte sie lange Zeit, bis er einberufen wurde.“ „Er war Soldat?“ „Offizier. Starb im Einsatz.“ Stille. Zufall. Alles Zufall!


Als ich auf dem Uni Parkplatz mein Auto aufschloss, hörte ich ihn bereits vom weiten. Schnell stieg ich ein und tat so als hätte ich ihn nicht gehört. Der Schlüssel steckte bereits und der Motor lief als er an die Fensterscheibe der Beifahrerseite klopfte. Ich ließ es herunter fahren und sah ihn fragend an. „Kannst du mich mitnehmen?“ „Wo musst du hin?“ „Ich mache einen kurzen Abstecher in die Bibliothek, muss übermorgen meine Hausarbeit abgeben.“ Mit einem Seufzen lehnte ich mich zur Seite und öffnete die Beifahrertür. „Komm, steig ein.“ Ich hatte jetzt zwar keine Lust auf ihn, aber ich war ja kein Unmensch. Ich startete den Wagen, als er saß und fuhr in Richtung Bib. Denn wie es der verdammte Zufall wollte, hatte ich dasselbe Ziel.

„Ich würde das anders schreiben!“ Hephaistion lehnte sich zu meiner Tischhälfte herüber und überflog meine Arbeit. Natürlich hatte er es sich nicht nehmen lassen, sein Lager neben mir aufzuschlagen. „Was?“, raunte ich genervt. Es war nicht das erste Mal seit wir hier saßen, dass er mich mit seiner Klugscheißerei nervte. „Na, der Satz da ist vollkommen unverständlich, da fehlt die Hälfte.“ „Kümmer dich um deinen eigenen Kram, okay!“, pflaumte ich ihn an. Er zuckte lediglich mit den Schultern. „Ich sag ja bloß… ich hatte für Cäsar volle Punktzahl. Also wenn du Hilfe brauchst, frag mich.“ „Herzlichen Glückwünsch. P.s. du nervst.“ Stumm wandte er sich wieder seinem Laptop zu und schrieb weiter. Er schrieb als wäre ein kompletter Artikel in seinem Hirn gespeichert. Kurz überlegte er und blies sich versonnen eine lange Haarsträhne aus dem Gesicht. Er kaute auf seinem Stift, während er nachdachte. Und das tat er wohl ziemlich oft, da die Miene kaum benutzt, das Holz hinten jedoch schon arg mitgenommen war. „Mach doch ein Foto, haste länger was von“, murmelte er ohne vom Bildschirm aufzusehen. Ertappt widmete ich mich wieder meinem Aufsatz.

„Glaubst du an Wiedergeburt?“, fragte mein Nachbar in die Stille hinein, gerade als ich im Schreibfluss war. Ich hob kurz den Kopf. „Ist das Arbeitsrelevant?“ Er verneinte kopfschüttelnd. „Dann halt die Klappe.“ Doch er ließ sich nicht abwimmeln. „Ich bin zwar kein Buddhist oder so… aber ich glaube daran. Es ist durchaus möglich, denkst du nicht? Dass die Seele nach dem Tod eines Menschen oder Tieres, nach einer Weile in einem anderen Wesen wiedergeboren wird. Verstehst du was ich meine? …Alexandros?“ Ich war aufgestanden, hatte meine Sachen genommen und ergriff soeben die Flucht. Hier konnte ich mich unmöglich konzentrieren. Eine Etage weiter, setzte  ich mich an einen freien Platz und arbeitete weiter. Immer wieder sah ich mich um und schaute, ob er mir gefolgt war. Doch er schien es kapiert zu haben.


Erschrocken öffnete ich die Augen, als mich jemand an der Schulter berührte. „Sie müssen jetzt gehen, die Bibliothek schließt gleich.“ Ich sah nach draußen und stellte entsetzt fest, dass es bereits dunkel war. Eilig räumte ich meine Sachen zusammen und hastete die Treppen hinunter. Das Gebäude verlassend, machte ich eine Gestalt aus, die an meinem Wagen lehnte. Leise fluchend lief ich weiter und schloss es vom weiten per Knopfdruck auf. Beim wagen angekommen, blieb ich direkt vor ihm stehen. „Was willst du von mir, im Ernst…Was willst du?“ Jetzt hob er den Kopf und sah mich mit dunkel funkelnden Augen an. „Das du mir zuhörst. Ich will dir etwas erzählen, es ist wichtig. Es ist alles kein Zufall, wie du’s dir immer wieder einzureden versuchst.“  Eine Weile erwiderte ich seinen Blick wortlos. Dann sagte ich, „triff mich Samstag um 12 Uhr im Apollon. Ich werde dir zuhören. Aber wenn du bloß ein Spinner bist, oder ein Freak von irgendeiner Sekte, werde ich das Café augenblicklich verlassen und dich wegen Belästigung anzeigen, wenn du dich nicht von mir fern hältst!“ Er nickte. „Ich werde da sein, Alexandros.“ „Alexander!“ Ich stieg ein und schloss den Wagen von innen ab. Dieser Mann machte mir Angst, trotz dass er mir so vertraut vorkam.


Roxana hatte anscheinend bereits gegessen, jedoch etwas im Kühlschrank für mich aufbewahrt. Sie saß auf dem Sofa als ich ins Wohnzimmer trat. „Du hast auf dich warten lassen.“ Sie hob den Kopf und sah mich vorwurfsvoll an. „Ich bin eingeschlafen, tut mir leid“, erklärte ich schlicht. Mit dem Moussaka setzte ich mich neben sie und schaltete die Spätnachrichten ein. „Ich war heute in der Bibliothek“, begann ich zu erzählen. „Und hast du etwas Tolles erlebt?“, fragte sie desinteressiert immer noch in ihr Buch starrend. „Naja… also dieser Hephaistion-“ „Schatz, wenn du ihn nicht leiden kannst, dann sag es ihm. Sag ihm, er soll dich in Ruhe lassen, wenn er dich nervt, okay? Aber bitte verschone den Rest deines Umfeldes damit. Es stört bereits etwas.“ Stumm saß ich da und sah resigniert auf den Bildschirm. Dann zu ihrem Buch. „Was liest du da?“ „Interessiert es dich wirklich, oder ist dir bloß langweilig?“ „Mich interessiert es wirklich“, log ich. In den Nachrichten kam seit Tagen das gleiche. Proteste, unzufriedene Menschen und jede Menge Gewalt. „Es ist über dich.“ „Wie über mich?“ „Naja, es ist quasi eine Biographie über Alexander den Großen. Im Tagebuchstil… ich bezweifle, dass der Mann die Zeit hatte, Tagebuch zu führen, aber wen stört’s schon?“ Sie grinste. „Du musst zugeben, dass ihr euch doch etwas ähnlich seid, nicht wahr?“ „Eben, nicht wahr!“, knurrte ich. Jetzt fing sie auch schon mit diesem Mist an. „Und diese Roxane gefällt mir, sie hatte Feuer, genau wie ich.“ Ich stand auf und verzog mich ins Schlafzimmer. Vorerst hatte ich genug von dem ganzen Geschwafel. Ja gut, wir hatten wohl ein Paar Dinge gemeinsam, was sollte das schon groß heißen? Und dann fing dieser Spinner auch noch von Wiedergeburt an.

Doch die Neugier war wieder einmal stärker. Und so öffnete ich den Ordner mit alten Familienbildern auf meinem PC. Sommer in Antalya 1996. Die Maus wanderte wie von selbst auf die Datei und öffnete sie. Langsam und genau begann ich die Bilder durchzugehen. Nichts. Hatte er nicht irgendwas von Santorin gesagt? Ich gab den Titel in die Suchzeile ein und fand gleich acht Ergebnisse vor. 1990 bist 2000. Jeder Ordner war nochmal in alle vier Jahreszeiten unterteilt. Mir war bewusst dass wir häufig auf dieser Insel waren, mein Vater stammte von dort. Aber so oft? Auf den Bildern waren meist meine Eltern mit noch einem anderen Paar abgebildet. Dann war da dieser Junge. Schmal, dunkle Haare und so blaue Augen, dass sie mit dem Ozean um die Wette funkelten. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Er hatte die Wahrheit gesagt, denn hier auf diesen Fotos waren unsere beiden Familien abgebildet. Und das andere Paar waren seine Eltern, Amaira und Alasdair. Die verdrängten Erinnerungen an meine Kindheit kehrten langsam zurück. Jahrelang hatte ich erfolgreich versucht diese Zeit zu vergessen. Und jetzt war alles wieder da. Hephaistion war mein fleischgewordene Vergangenheit, die ich für immer hatten loswerden wollen.





tbc.