Reborn In History

GeschichteMystery, Romanze / P16 Slash
Alexander Hephaestion OC (Own Character)
07.09.2014
01.07.2017
30
146911
3
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Ich melde mich zurück mit einer neuen Geschichte aus dem Alexander Universum. Nach einigen Dingen, die ich in der Welt des Internets las und auf sehnsüchtige Bitten meiner, auf Knien im Staub rutschenden Fans, beschloss ich die Antike in die Gegenwart zu verfrachten. Ihr werdet einige Personen direkt wieder erkennen und ich hoffe, dass ich es schaffe, euch mit etwas Amüsement und Drama den Alltag zu versüßen.

LG  BirthOfASong





Gedankenverloren saß ich in der Bibliothek und las zum hundertsten Mal das Kapitel über Cäsars Kriegsführung im alten Rom. Meine Arbeit musste ich in einer Woche abgeben und alles was ich hatte, waren vier lächerliche Seiten. Faulenzen konnte ich mir nicht mehr leisten. Warum musste ich auch so einen Mist studieren. „Politikwissenschaften.“ was zur Hölle wollte ich damit anfangen? Dieses Land ging doch eh den Bach runter? Jemand stellte mir einen Kaffee auf den Schreibtisch. „Mach mal Pause, deine Augen sehen schon aus wie Quadrate!“  Dankbar nahm ich meiner Freundin das Braune Gesöff ab und trank den Pappbecher halb leer. „Was schreibst du denn da wieder?“ „Cäsar“, war meine knappe Antwort. „Hör mal Roxana“, ich drehte mich zu ihr um und sah ihr in die dunklen Augen. „Sei so gütig und lass mich diesen Aufsatz zu Ende schreiben. Ich bin gegen 19 Uhr zuhause. Versprochen.“ Sie verzog das Gesicht und murrte unzufrieden. Sie war mit ihrer Hausarbeit über den Nahen Osten bereits fertig und langweilte sich nun.  Streberprobleme. „Wenn ich diesen Mist abgegeben habe, gehen wir zusammen essen, ins Kino, in den Park, oder vögeln die ganze Nacht. Aber jetzt muss ich mich konzentrieren. Ich brauche mindestens 10 Punkte… also bitte!“ Sie erhob sich mit einem Seufzen und strich sich das dunkle Haar hinters Ohr. „Also gut, aber wehe du versetzt mich wieder für diese Cassandra. Ich hab sie im Auge, Alex.“ Ich lächelte heilig. „Da läuft nix. Ich schwör’s! Sie ist bloß eine gute Freundin. Wir sind zusammen in die Oberstufe gegangen, sagte ich doch bereits.“ „Jaja…wie auch immer. Ich sehe dich heute Abend um punkt 19 Uhr vor meiner Tür.“ Sie verschwand und ich wand mich wieder an meinen Aufsatz. Und Cäsar bla, bla, bla... Deprimiert schloss ich die Seite, um mich meiner eigentlichen Beschäftigungen zu widmen. Warte doch lieber bis nach dem Studium. Sonst wird das alles zu stressig.Die Worte meiner Mutter hallten in meinem qualmenden Schädel nach. Und außerdem seid ihr doch noch viel zu jung. Sieh mich an Alexander, ich bin gerade mal Mitte vierzig und mein Sohn ist bereits 27. Mit der frühen Schwangerschaft habe ich mir so einiges verbaut. Da hilft das Ansehen meiner Familie auch nichts.

Mein Blick schweifte über die Seite mit den Verlobungsringen… zu langweilig. Zu schlicht. Zu billig. Vielleicht sollte ich ja wirklich zum Juwelier, wie meine Mutter es mir geraten hatte. Internet ist doch geschmacklos. „Nur weil du nicht damit umgehen kannst“, knurrte ich in mich hinein und klappte meinen Laptop zu. Leise, um die Studenten um mich herum nicht zu stören, schlich ich aus der Bib hinaus ins Freie. Tief atmete ich die Luft ein und dazu jede Menge Qualm. Scheiß Raucher. Müssen die sich auch immer direkt in den Eingang stellen? Mit angehaltenem Atem, drängte ich mich an ihnen vorbei auf die Straße. Eilig ging ich in Richtung Marktplatz, in dem unsere berühmteste Einkaufsstraße mündete und stieß auch schon fünf Minuten später die Glastür zum Juwelier auf. „Ah, sieh an. Sind Sie gekommen, um das Collier Ihrer Mutter abzuholen?“ „Sie haben mich ertappt“, lächelte ich und legte den Bestellzettel auf die Glastheke „Da wäre jedoch noch etwas. Und zwar will ich meiner Freundin einen Antrag machen… ich weiß wir sind jung und Studenten. Aber bei ihr bin ich mir absolut sicher. Wissen Sie, ich habe sogar schon an Kinder gedacht. Nun ja, vielleicht in ein paar Jahren.“ Der Berater sah mich abschätzend an. Ich bin nicht Ihre Mutter Alexandros. Ich habe nicht das Recht mir eine Meinung über Ihr Privatleben zu bilden. Wenn Sie glücklich sind, dann freut mich das. Also womit kann ich Ihnen heute dienen? Soll es etwas Schlichtes sein, oder mehr etwas Ausgefallenes?“ Zufrieden musterte ich die Ringe die er auf die Theke gelegt hatte. „Nun, sie kommt aus einer wohlhabenden Familie, tun wir beide, also es darf ruhig etwas glamouröser sein. Sie steht auf sowas und ich kann‘s mir leisten. Warum also nicht?“ „Warum also nicht?", lächelte mein Stammjuwelier.

Mit dem Collier und einem Ring im Wert eines Kleinwagens in der Tasche, machte ich mich auf den Weg nachhause, um zu duschen und mir zu überlegen, wie ich die Frage stellen sollte. Sollte ich traditionell auf die Knie gehen, oder sie gerade heraus bitten. Sie stammte aus einer alten Familie, war traditionsbewusst, da waren diese Überlegungen eigentlich überflüssig. Ich würde sie überraschen. Den Zweitschlüssel zu ihrer Wohnung besaß ich seit einer geraumen Zeit, also würde es mir nicht schwer fallen bei ihr einzubrechen und ihr Lieblingsgericht zu kochen. Sie würde hin und weg sein. Frauen stehen doch darauf, wenn Männer kochen können, oder nicht?

Mit Jackett und Ring machte ich mich auf den Weg zu ihrer Wohnung. Blieb nur zu hoffen, dass sie wirklich bei ihrer Freundin war. Zügig eilte ich über die Straße. „HEY!“ Ein Hupen. Bremsen quietschten und eine fremde Hand riss mich zur Seite. Geschockt starrte ich dem Wagen hinterher, der mich beinahe über den Haufen gefahren hätte. Ich drehte mich um, um meinem Retter zu danken, doch als ich den Mund aufmachen wollte, war dieser schon weiter gegangen. Meine Stimme hallte über die ganze Straße als ich ihm hinterher rief. Er drehte sich bloß kurz um und nickte mir zu als ich ihm meinen Dank aussprach. In dem kurzen Moment, in dem er mich ansah, fühlte ich mich als würden seine klaren Augen bis auf den Grund meiner Seele schauen. Mit einem Mal fühlte ich mich nackt. Sie waren alles durchdringend. Fast unheimlich. Mit den Gedanken im Nirwana ging ich weiter in Richtung Wohnung.

Noch schnell über den Tresen wischend und einen letzten prüfenden Blick zum gedeckten Tisch werfend, vernahm ich den Haustürschlüssel. Hastig prüfte ich den Ring in meiner Jacketttasche und lief in den Flur. Sie betrat gerade die Dielen als ich sie begrüßte. Ich nahm ihr eilig den Mantel ab, sowie die Tasche und legte ihr die Hände auf die Augen. „Ich habe eine Überraschung für dich.“ Sie lächelte und ging langsam vor mir her. „Ich liebe Überraschungen… was ist es denn?“ „Nix da, geduldig bleiben, junge Dame!“ Wir betraten das Wohnzimmer und ich hörte, wie sie zu wittern begann. Vorsichtig nahm ich die Hände von ihren Augen.  „Wow, hast du das  für mich gemacht?“ Ihre Augen glänzten im Kerzenschein, als sie sich begeistert an den Tisch setzte. „Ich dachte, du musstest an deiner Arbeit weiterschreiben.“ „Ich wäre heute ohnehin nicht weitergekommen… war mit meinen Gedanken woanders.“ Sie musterte mich und dann das Essen. „Ist das selbst gekocht, oder geliefert?“ „Was denkst du denn von mir?“

Eine Weile beobachtete ich sie. Und ja, ich war mir sicher, dass sie die Richtige ist. Mit dieser Frau wünschte ich mir mal Kinder. Nicht jetzt, irgendwann mal. „Du siehst wunderschön aus heute, Liebling.“ Sie hob den Kopf und legte die Gabel nieder. Ein Lächeln spielte über ihre Lippen. „Du heckst doch schon wieder irgendetwas aus, oder nicht?“ „Kann ich meiner schönen Freundin nicht einfach ein Kompliment machen?“ „Nein, nicht du. Ich sehe doch schon, wie es hinter deiner Stirn rattert. Was hast du vor Alexander, hm?“ Ich presste die Lippen aufeinander und schwieg beharrlich. „Also gut, ich lasse mich überraschen. Mal wieder.“
Der passende Moment war gekommen, wo sie das letzte Mal ihre Gabel zum Mund führte. Ich schenkte ihr noch etwas Wein nach, um sie etwas länger an den Stuhl zu fesseln. Sie nahm einen Schluck und ich stand auf. Sie beobachtete jede meiner Bewegungen, wie eine Raubkatze ihre Beute. Dann ging ich vor ihr auf die Knie. Hundert Mal war ich diesen verdammten Text durchgegangen, doch mir war die ganze Zeit bewusst gewesen, dass ich ohnehin etwas vollkommen anderes sagen würde. Überrascht ließ sie das Glas sinken und wandte sich meiner Wenigkeit zu. „Roxana… ich, also wir kennen uns bereits seit den Beginn des Studiums und als ich dir das erste Mal in deine Augen sah… nun gut ich muss zugeben, ich habe nicht meine Zukunft darin gesehen, sondern ein Abendteuer. Ein Abenteuer, welches ich in dieser grauen, dumpfen Zeit dringend gebraucht hatte. Doch im Laufe der Zeit, änderten sich deine Augen, wie ein Buch in dem man die Seite umschlägt, um das nächste Kapitel zu lesen. Und dieses Kapitel heißt nun 'Zukunft' und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir dieses Kapitel zusammen schreiben. Und noch viele weitere. Ich wünsche mir eine ganze Bucherreihe mit dir. Eine Komödie, eine Romanze. Eine Lebensgeschichte. Doch eigentlich ist das einzig wichtige an diesen Büchern, dass du darin bist und dass du bei mir bist. Und am Ende jedes Kapitels sagst, ich liebe dich und wir werde das gemeinsam durchstehen.“ Sie sah mich stumm an, voller Erwartung. Jede Frau wusste, was an dieser Stelle kam und so auch sie. „Mein süße Roxana, willst du dieses Buch mit mir schreiben. Würdest du für immer bei mir bleiben. Würdest du mir meinen seligsten Wunsch erfüllen und meine Frau werden?“ Sie war ein taffes Mädchen, stark und mit viel Selbstbewusstsein gesegnet. Doch jetzt sah ich, wie ihr eine Träne die Wange hinab rann. „Du willst mich heiraten?“, fragte sie mit belegter Stimme. Und ich fürchtete bereits, dass sie mit Nein antworten würde, doch es kam etwas vollkommen anderes. „Du würdest mich heiraten, trotz meiner nervigen Art, trotz dass ich dir immer alles wegesse und immer das letzte Wort haben muss? Trotz dass ich so verwöhnt bin und alles haben will was glänzt… ich bin eine Elster, Alex. Willst du dein Leben mit einem Vogel verbringen?“ „Nun, ich mag Frauen mit gutem Appetit und dein Glitzerwahn ist ganz normal, du bist eben ein Mädchen. Und mit dem anderen Dingen, bin ich bisher ja auch klar gekommen.“ Sie nickte. „Okay. Ich wollte nur sichergehen, dass du damit umgehen kannst… nicht nur die nächsten vier Jahre, sondern dein ganzes restliches Leben. Denn solange hast du mich jetzt am Hals.“ Ich öffnete die Ringschachtel und sie streckte mit leuchtenden Augen die Hand aus. „Ich hoffe, dafür hast du nicht dein ganzes Studiengeld aus dem Fenster geworfen.“ Gerade als ich ihn ihr überstreifen wollte, klingelte es. Sie lächelte glücklich und küsste mich. Flüchtig erwiderte ich den Kuss und eilte dann zur Tür.

Nichts ahnend, drückte ich die Klinke nach unten. Der Mann der mich vom  Auto weg gezerrt hatte, stand nun vor mir? War er hier, um meinen Dank einzufordern? Nach einem stummen Blickwechsel, erhob er dann die Stimme. „Hallo, Sie haben bei dem kleinen Unfall Ihre Brieftasche verloren“, er hielt sie mir hin. „Keine Sorge, ist noch alles drin.“ Er deutete mit einem schlanken Finger auf das Leder. „Ich habe mir natürlich erlaubt hinein zusehen, wegen der Adresse.“ Er befeuchtete sich die Lippen mit der Zunge und erwiderte meinen neugierigen Blick. Und wieder waren es seine Augen, die mich bloßzustellen schienen. Als würde er mich kennen. „Wer sind Sie?“, fragte ich noch immer verwirrt. Dieser Mann bescherte mir ein seltsames Gefühl der Vertrautheit, als würden wir uns kennen, doch hatte ich ihn noch nie zuvor gesehen. „Ich studiere Alte Geschichte hier an der städtischen Uni. Ich habe dich schon öfters auf dem Campus gesehen, Alexandros.“ Überrascht blickte ich ihn an. Doch die Frage woher er meinen Namen kannte, konnte ich mir sparen. So ziemlich die ganze Uni wusste wer ich war, da meine Familie eine der Mitbegründer war. Vor gut 300 Jahren und jetzt immer noch immense Summen zur Instandhaltung beisteuerten. „Danke. Wollen Sie rein kommen und etwas trinken?“ Es war mehr aus Höflichkeit und ich hatte erwartet, dass er ablehnte, eigentlich wollte ich jetzt auch mit meiner Verlobten Zeit allein verbringen, doch er trat dankend ein. Vor einem Familienfoto blieb er wie angewachsen stehen. „Sind das deine Eltern?“, fragte er mit so leiser Stimme, dass ich ihn beinahe überhört hätte. Ich nickte Bloß. „Stefano und Electra Cordalis. Er war Politiker, sie ist aus einer adligen Familie. Wenn man es denn heute noch so nennen kann.“ „Cordalis. Ja, ich weiß“, sagte er wie zu sich selbst. Dann sah er mich an. Lange und eindringlich. „Schön dich wieder zu sehen, Alexandros. Es ist Jahre her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben.“ Vollkommen überfordert erwiderte ich seinen intensiven Blick. Ich hatte diesen Mann, abgesehen vom Vorfall auf der Straße noch nie gesehen. „Wir haben unsere Kindheit zusammen verbracht. Erinnerst du dich nicht? Athen. Patras? Wir sind Jahre lang jede Ferien nach Santorin gefahren. Mit unseren Eltern." Langsam schüttelte ich den Kopf. Ich kannte diesen Mann nicht. Und doch sprach er von einer Gemeinsamen Kindheit. Wer war er? Doch abgesehen von diesen schrägen Behauptungen, schien er vollkommen normal. Er sah mich an, mit diesen Augen, als wollte er die Erinnerung mit einem Blick wieder herauf beschwören. „Alexandros, ich bin’s, Phai.“







tbc.