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One More Chance

von -bamboo
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Beorn Bilbo Beutlin Elrond Gandalf Smaug Thorin Eichenschild
07.09.2014
23.02.2015
25
58.981
92
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Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
07.09.2014 1.680
 
Prolog

Um ihn herum war alles dunkel.
Wirklich alles. Keine Ausnahme.
Kein Licht. Nur pure Schwärze.

Diese Schwärze, oder auch Dunkelheit, war aber nicht gruselig oder furchteinflößend. Sie war beruhigend, geradezu entspannend.
Doch er fühlte sich nicht einsam, hier in der scheinbar endlosen Schwärze. Irgendetwas war hier.

Wenn dieses Irgendetwas aber nicht langsam in Aktion trat, würde er abdriften, sein in der Dunkelheit geborgener Geist würde weggeschwemmt werden. Und irgendwie wusste er, dass dies bedeuten würde, er wäre tot.
Also starb er gerade, wurde aber aufgehalten?

Warum konnte er nicht normal sterben?
Wieso war alles in seinem Leben so kompliziert?

„Bilbo Beutlin.“

Eine klare Stimme sprach zu seinem Geist, der in der Dunkelheit schwebte und vom Sterben abgehalten wurde.

„Dein Leben war lang, und ein langes Leben ist immer von Schmerzen geprägt. Doch dein Leben war besonders, dein Leben war mit so vielen Schmerzen verbunden. Du warst in deinem gesamten Leben besonders durch diese Schmerzen nie glücklich.“

Bilbos Geist konnte natürlich nicht sprechen, er konnte nur lauschen.
Was diese feminine Stimme sagte, stimmte tatsächlich. Er hatte sein Leben kaum genießen können, seine Eltern waren früh verstorben, er wurde auf ein Abenteuer gezwungen und musste einen Drachen bestehlen und seine Freunde sterben sehen. Dann war auch noch sein Neffe mit einer Aufgabe belastet worden, an der Bilbo Schuld war...

„Kleiner Hobbit, ich habe dich beobachtet. Nichts in deinem Leben war dir so gegönnt, wie es dann letztendlich ausgegangen ist.
Ich gebe dir eine Möglichkeit.“


Er spürte, wie sein Geist schwand und ins Helle getrieben wurde.
Wo kam das Helle plötzlich her? Das war vorhin noch nicht da gewesen, dem war er sich sicher!

„Du wirst eine zweite Chance bekommen. Du wirst ein glücklicheres Leben führen, mit weniger Schmerzen und mehr Freude.
Nutze deine Chance gut!“


Und damit verschwand sein Geist im hellen Licht und er schlief friedlich ein.

-

Und er wachte unsanft auf.
Erschrocken bäumte er sich in seinem Bett auf und warf die Decke von sich. Schlaftrunken blinzelte er und blickte um sich herum.
Er hatte gedacht, er wäre gestorben?
Warum saß er dann in seinem Bett in Beutelsend, quicklebendig?

Und er war sich ziemlich sicher, dass sein Schlafzimmer ganz anders ausgesehen hatte.
Außerdem war er gar nicht in Beutelsend eingeschlafen, sondern in dem Boot nach Valinor, neben Frodo, Gandalf, Galadriel und Elrond...
Dann war da diese Dunkelheit gewesen und die Stimme, die ihm vielversprechende Dinge eingeflüstert hatte.

Verwirrt schwang er seine kurzen Beine über den Bettrand und setzte sie vorsichtig auf den Boden, erhob sich langsam, um seine alte Hüfte nicht zu belasten.
Doch nichts in seinem alten Körper protestierte gegen diese Aktion. Im Gegenteil, er fühlte sich federleicht und jung an!
Irritiert schaute er an sich hinunter und sah seine großen Füße, die mit braunen Flaum bedeckt waren. Sie sahen so jung aus!
Ein Blick auf seine Hände irritierte ihn noch mehr. Sie waren lang und schlank, weich und glatt. Keine Altersflecken bedeckten die dünne Haut und sie waren nicht mehr knochig und zitterten auch nicht mehr.

Erstaunt betrachtete er seine jungen Füße und Hände.
Er erinnerte sich an die Stimme, die ihn in der seltsamen Dunkelheit gesagt hatte, dass er eine zweite Chance bekommen würde. Hing das irgendwie zusammen? Er konnte sich immer noch keinen Reim darauf machen.
Vorsichtig schaute er auf und strich sich instinktiv eine goldbraune Locke weg, da sie ihm ins Auge hing. Seine Sicht war so scharf und so klar, erstaunlich.
Moment mal, goldbraune Locke?

Mit großen Augen stellte er sich vor den Spiegel in seinem Schlafzimmer und erstarrte, als er sich selber in die Augen schaute.
Goldbraune, wilde Locken. Glattes, faltenfreies Gesicht mit großen braunen Augen, die nicht vom Alter getrübt waren. Trotzdem wirkten die Augen müde und wissend, wie die eines alten Hobbits, der schon viel erlebt hatte.
Das...war sein Körper, wie er vor 80 Jahren gewesen war!
Das konnte er an dem rundlichen Bauch erkennen, der unter dem Schlafhemd zu erkennen war. Und an dem dünnen Armen, die keinen trainierten Muskel hatten. Und keine Narben mehr.
Es war der Körper, den er noch besessen hatte, bevor die Zwerge und Gandalf ihn auf ihr Abenteuer mitgenommen hatte.

Blinzelnd starrte er sich selber im Spiegel an und beobachtete, wie seine jungen Augen, die auf wundersame Weise denen eines Rehs ähnelten, sich weiteten, als er verstand, was mit ihm passiert war.
Seine Knie wurden weich und er stolperte überfordert zurück gegen die Wand.

Die Stimme, die in der Schwärze zu ihm gesprochen hatte, hatte etwas von einer zweiten Chance geredet. Und sie hatte sein unglückliches Leben erwähnt.
Und wie er jetzt lebendig, atmend und zitternd an der Wand lehnte, in seinem jungen Körper...er musste tatsächlich eine zweite Chance bekommen haben.
Eine zweite Chance, sein Leben zu verändern?

Das...konnte nicht wahr sein. So etwas gab es nicht.
Überwältigt von der Erkenntnis stand er auf. Er konnte es nicht glauben.
Er warf einen Blick auf seinen Kalender, den er immer sorgfältig geführt hatte. Und er erstarrte erneut.
Es war der Tag, an dem die Zwerge sein Smial gestürmt hatten.
Der Tag, an dem sein ganzes Leben nur noch den Bach hinuntergegangen war.

Ungläubig schaute er auf den Zettel, der das Datum verkündete.
Es konnte kein Zufall sein, dass er an den Tag zurückgesetzt worden war, an dem sein Unglück begonnen hatte. Das konnte einfach kein Zufall mehr sein.

Er kniff sich fest in den Arm, wollte sich aus dem Traum reißen. Doch er wachte nicht auf, stattdessen blieb er mit Schmerzen im Arm in seinem Schlafzimmer stehen.

Er war 80 Jahre jünger, nichts, was er in der Zeit des Abenteuers mit den Zwergen und danach erlebt hatte, war je geschehen und er konnte die Geschehnisse verändern, wie er wollte.
Und er musste es durchziehen, denn es schien kein Zurück zu geben.

Aber das hieße, er müsse die Zwerge wiedersehen, die er für Jahre für tot gehalten hatte.
Fíli.
Kíli.
Die beiden Jungspunde, die in der Schlacht einen heldenhaften Tod für ihren Onkel gestorben waren, bleich auf ihrem Todesbetten, herausgeputzt für ihre Beisetzung...
Er war sich sicher, dass er es nicht verkraften könnte, die beiden Zwerge lachend und scherzend bei ihrem lebendigen Onkel zu sehen.

Thorin.

Etwas zog schmerzhaft in seiner Brust.
Wenn er den Zwerg sehen würde, würde er seine Selbstbeherrschung nicht lange halten können. Es würden die Erinnerungen daran, wie er sterbend mit ihm gesprochen hatte, wieder hochkommen und diese Erinnerungen hatten ihn in den ganzen 80 Jahren nach dem Abenteuer in seinen Träumen verfolgt.

Traurig senkte er seinen Blick. Er vermisste den Zwerg so sehr.
Und wenn das hier wirklich kein Traum war, würde er ihn bald wiedersehen.
Und Thorin würde ihn nicht kennen. Er würde ihn mit der selben Abneigung betrachten, die er ihm am Anfang der Reise entgegen gebracht hatte.

Aber wenn er ihn wirklich wiedersehen sollte, die ganzen anderen Zwerge sehen sollte...er könnte sie beeindrucken, sie davon überzeugen, dass er kein normaler Hobbit war!
Er könnte die Zwerge ihm gegenüber verändern, er könnte viel schneller Zuneigung gewinnen und sich besser in die Gruppe integrieren.

Er könnte die Tode von den Zwergen verhindern.
Diese Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag in den Magen und aufgeregt und entsetzt zugleich sprang er in die Luft.
Vielleicht könnte er die Schlacht der Fünf Heere verhindern.
Er könnte dadurch Fílis und Kílis Tod verhindern.
Er könnte Thorins Tod verhindern.

Vor Freude fing er an, zu weinen. Es war eine dämliche Reaktion seines Körpers, aber in diesem Moment war er überfüllt von Emotionen...da war es nur logisch, dass er irgendwann platzen musste.
Lachend wischte er sich die Tränen aus den Augenwinkeln und rieb sich die nassen Wangen.
Es hatte keinen Sinn, zu weinen.

Er hatte eine zweite Chance bekommen.
Er könnte die Geschehnisse entweder zum Guten oder zum Schlechten verändern.
Selbst die Erkenntnis, dass er die Ereignisse verschlimmern könnte, da er den eigentlichen Lauf der Zeit, den er kannte, veränderte...diese Erkenntnis zerrte nicht an seiner guten Laune.
Zwar musste er den Zwergen, die er geliebt hatte und die für ihn 80 Jahre tot gewesen waren, ins Gesicht schauen und den Anblick irgendwie verkraften, doch er könnte sie vor ihrem Tod bewahren!

Vielleicht könnte er auch den Tod von den Eltern seines geliebten Neffen Frodos verhindern, sodass der Arme nicht ohne Eltern aufwachsen müsste...
Und er könnte verhindern, dass Frodo mit dem Ring losziehen müsste. Er könnte ihm die Qual ersparen.
Er könnte den Ring auch einfach bei Gollum lassen und schauen, wie es sich ereignet hätte, wenn er den Ring nie gefunden hätte.

Er hatte so viele Möglichkeiten!

Er muss sich eine Liste schreiben. Eine Liste mit den Ereignissen der Reise, eine Liste der Sachen, die er unbedingt machen musste, eine Liste mit Sachen, die er für die Reise benötigte.
Lächelnd huschte er aus seinem Schlafzimmer in das Zimmer, in dem er seine Schreibutensilien aufbewahrt hatte. Ohne zu Zögern fing er an zu schreiben, sich Notizen zu machen.

Wenn er eine zweite Chance bekommen hatte, sein Leben zu verändern, musste er sie einfach ergreifen.
Dieses Mal musste er einfach auf die Reise mit den Zwergen vorbereitet sein.

Er hatte das Wissen über die Ereignisse. Er war wichtig für die Zwerge, ob sie es wollten oder nicht.

Mit gerunzelter Stirn und einem unwohlen Gefühl im Magen notierte er sich einen Stichpunkt auf der Liste mit Sachen, die er unbedingt machen musste.

• Thorin das Leben retten

_


Und damit herzlich willkommen zu meiner neuen, wahrscheinlich längeren FF.
Dadurch, dass ich dem Plot des Filmes (und es wird ein wenig vom Buch eingeworfen) folge, wird hoffentlich eine Struktur bleiben und es wird sich nicht so selbstständig machen. Die nächsten Kapitel werden natürlich länger, der Prolog ist natürlich nur eine kurze Einleitung.
Mehr kann ich gar nicht sagen, ich mache nur hin und wieder Notizen am Ende eines Kapitels, um meine Meinung oder Information dazuzugeben =)

Notizen:
- Das Abenteuer liegt genau 80 Jahre zurück, wenn Bilbo nach Valinor segelt. Deshalb andauernd die Angabe der 80 Jahre.
- Egal wie Martin Freeman als Bilbo aussieht, für mich hat Bilbo immer braune Augen und goldbraune oder honigfarbene Haare. Ich mag ihn mir so einfach lieber vorstellen.
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