Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Gilde der ungelüfteten Geheimnisse

Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Fantasy / P16 / Gen
Administrator Lorlen Ceryni Hoher Lord Akkarin Lord Dannyl Lord Rothen Sonea
06.09.2014
26.03.2020
6
12.371
14
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
26.03.2020 1.891
 
Nachdem hier lange Zeit Pause war, belebe ich diese Oneshot-Sammlung noch einmal, um auf persönlichen Wunsch einen Oneshot zu zwei ganz bestimmten Charakteren hochzuladen. Dieser ist 6 Jahre alt und deswegen komplett generalüberholt.

Liebe tigerliebtbaer, es ist zwar nur ein sehr kurzer Oneshot, doch ich hoffe, er wird deinen Vorstellungen gerecht ;)


***



Frühlingserwachen



Kurzbeschreibung
Kurz vor seiner Abreise nach Imardin, beginnt Dannyl, seine Gefühle für Tayend zuzulassen. Aber alte Gewohnheiten lassen sich nicht so leicht ablegen.
Spielt zwischen Kapitel 33 und Kapitel 35 von „The Novice“.



Als die Mauern des Weinguts der Familie Porreni zwischen den Bäumen auftauchten, stahl sich ein seltsames Gefühl in Dannyls Herz. Es kam ihm vor, als wäre eine halbe Ewigkeit vergangen, seit er und Tayend hier haltgemacht hatten. In Wirklichkeit waren seit Beginn ihrer Reise nur wenige Wochen vergangen. Und diese hatten Dannyls Leben grundlegend verändert.

Er warf einen Blick zu seinem Begleiter. Im goldenen Licht der Abendsonne leuchtete Tayends Haar wie lebendiges Feuer. Sein Gesicht hatte einen freudig-erwartungsvollen Ausdruck, als brenne er darauf, seine Schwester wiederzusehen und ihr die Neuigkeiten zu erzählen. Der Gedanke erfüllte Dannyl mit Unbehagen. Er hatte Mayries Warnung nicht vergessen: Bringt ihn nicht dazu, etwas über Euch zu glauben, das nicht wahr ist. Wenn ich erfahre, dass Ihr ihn in irgendeiner Weise verletzt habt, werde ich dafür sorgen, dass Ihr Euren Aufenthalt in Elyne weniger angenehm finden werdet, als Euch lieb ist.

Als spüre er Dannyls Augen auf such ruhen, wandte Tayend den Kopf und lächelte und Dannyls Herz machte einen unwillkürlichen Sprung. Instinktiv griff er nach seiner Magie, um das Gefühl zu vertreiben, und hielt inne.

Warum ausgerechnet jetzt?

Während der letzten Tage hatte er seine Gefühle zugelassen, was ihm nicht immer leicht gefallen war. Aber es war besser geworden und mit jedem kleinen Erfolg waren seine Gefühle für Tayend stärker geworden. Während Dannyl die körperlichen und romantischen Auswirkungen so viele Monate lang wie eine lästige Magenverstimmung weggeheilt hatte, hatte sich zwischen ihm und Tayend etwas anderes entwickelt: Freundschaft und Vertrautheit.

Wenn das nicht etwas war, auf dem man aufbauen konnte!

Dannyls Vorstellung davon, wie es mit ihm und Tayend weitergehen würde, war vage. Sie würden niemals ein normales Paar sein. Sie würden Vorkehrungen brauchen und sorgfältig planen müssen. Doch seit der Hohe Lord ihn zurückgerufen hatte, waren Dannyls Gedanken ein einziges Chaos. Anstatt sich mit damit zu beschäftigen, wie er und Tayend ihr Glück genießen konnten, beherrschte ein einziger Gedanke jede rationale Überlegung:

Die Gilde durfte es niemals erfahren.

Davon abgesehen war Dannyls Erfahrung mit romantischen Beziehungen nahezu nicht vorhanden. Seine Zeit mit Arrend war kurz gewesen und lag ein halbes Leben zurück. Wie ging man eine neue Beziehung an? Wie vertiefte man sie? Dannyl fühlte sich so unbeholfen wie ein Neugeborenes. Und in gewisser Weise war er das.

Nein, korrigierte er sich selbst, vorher war ich innerlich tot. Wie hatte er all die Jahre auf diese Weise existieren können?

„Woran denkst du?“

Dannyl zuckte zusammen. „Daran, was sich nun verändern wird.“ Er runzelte die Stirn und sah zu dem Haus, das vor ihnen in Sicht gekommen war. Eine kleine Frau mit roten Haaren stand auf der Veranda und sah ihnen entgegen. „Und daran, wie ich damit umgehen soll.“

„Macht es dir Angst?“

„Ja.“ Das hier konnte ihn alles kosten, wenn es herauskam. Doch ein Teil von ihm fürchtete auch das, was hier begann. „Aber selbst, wenn ich wollte – ich kann jetzt nicht mehr zurück, Tayend.“

„Willst du denn zurück?“

Ein angenehmes Flattern in seiner Magengegend verspürend, wandte Dannyl den Kopf und sah in die Augen seines Freundes.

„Nein.“

Tayend ist das Risiko wert, dachte Dannyl. Aber ich werde alles tun, damit es nicht so weit kommt. Lieber führte er ein Doppelleben, als sich weiterhin zu verleugnen. Armje hätte ihn beinahe das Leben gekostet. Es war eine willkommene Ironie, dass Tayend ihm dort gleich in zweifacher Weise gerettet hatte. Ein Teil von Dannyl war wirklich in dieser unterirdischen Kammer gestorben, doch es war ein Teil, dem er nicht hinterhertrauerte.

Was wäre passiert, wenn sie Armje nie besucht hätten? Hätte er je herausgefunden, was ihm all die Jahre gefehlt hatte? Hätte er sich je wieder daran erinnert, wie es war, sich wirklich lebendig und vollständig zu fühlen? Wäre er sich jemals seiner Gefühle für Tayend bewusstgeworden?

Der Blick, mit dem Mayrie ihnen entgegensah, als sie absaßen und zum Haus schritten, war unergründlich und steigerte Dannyls Nervosität. Er musste sich zwingen, nicht erneut nach seiner Magie zu greifen.

„Botschafter Dannyl“, grüßte sie mit einer leichten Verneigung. „Ich habe nicht erwartet, Euch und meinen Bruder so schnell wiederzusehen.“ Sie schloss Tayend in eine feste Umarmung.

„Ich wurde unerwartet nach Imardin beordert“, antwortete Dannyl.

Mayrie löste sich von ihrem Bruder und ihre Augen verengten sich. „Ich verstehe.“

„Es ist nicht das, was du denkst, liebe Schwester“, beeilte Tayend sich zu sagen, wobei er sich eines dümmlichen Grinsens offenkundig nicht erwehren konnte. „Der Hohe Lord will mit ihm über unsere Recherchen über alte Magie diskutieren. Ich werde solange bei dir bleiben.“

„Und dich an meinem Wein bereichern?“

„Ah, irgendwie muss ich die Wartezeit doch überbrücken!“

„Ich werde, so die Gilde es will, zurückkehren und Euren Bruder abholen“, fügte Dannyl hinzu.

Mayrie nickte. „Ich habe Euch zwei Gästezimmer vorbereiten lassen“, sagte sie. „Wobei ich glaube, eines wird völlig genügen.“

Wieder dieser Blick. Dannyl begann, sich zusehends unbehaglich zu fühlen. „Das wird es“, sagte er, sich dazu zwingend nicht erneut nach seiner Magie zu greifen. „Ich werde noch heute nach Capia weiterreisen.“

„Bis Ihr in Capia seid, ist es Mitternacht. So spät läuft kein Schiff mehr aus. Bleibt über Nacht und brecht im Morgengrauen auf.“

Dannyl und Tayend tauschten einen Blick. Sie waren drei Tage ohne Pause geritten. Ob er die Nacht hier oder im Gildehaus verbrachte, machte keinen Unterschied. War seine Furcht vor Entdeckung so groß, dass er nicht einmal eine Nacht mit Tayend im Haus seiner Schwester verbringen wollte?

„Wir können ihr vertrauen“, sagte Tayend leise. „Ich würde mich freuen, wenn du noch bleibst.“

„Ihr habt meinen Bruder gehört.“ Mayries Augen blitzten und Dannyl glaubte, einen Anflug von Verärgerung darin zu lesen. „Ihr tätet gut daran, ihn nicht zu enttäuschen.“

„Dann fürchte ich, bleibt mir keine Wahl“, erwiderte Dannyl galant.

Mayrie musterte ihn mit strenger Miene. Dann lächelte sie unvermittelt. „Folgt mir.“ Sie wandte sie sich abrupt um und kehrte zurück ins Haus.

Vor einem Zimmer am Ende des Gästeflügels hielt sie inne. „Obwohl ihr zwei momentan meine einzigen Gäste seid, denke ich, dass ihr hier die größte Privatsphäre habt.“

Dannyl runzelte die Stirn. „Ihr spracht vorhin von zwei Zimmern“, sagte er.

„Ich denke nicht, dass ihr zwei Zimmer brauchen werdet.“

Angesichts dem, was ihre Worte implizierten, wurden Dannyls Wangen heiß. Er fühlte sich noch lange nicht bereit, dafür. Während ihrer Rückreise war es ihm genug gewesen, in seinen Gefühlen zu schwelgen und sich an ihre Existenz zu gewöhnen. Obwohl er und Tayend in den vergangenen Monaten fast ihre komplette Zeit miteinander verbracht hatten, war die Situation zwischen ihnen nun eine andere. Während sie sich auf ihrem Weg nach Vin sie sich sogar eine Kabine geteilt hatten, erfüllte Dannyl nun der Gedanke, die Nacht im selben Raum zu verbringen, mit einer Mischung aus Furcht und Erwartung.

„In einer Stunde gibt es Abendessen“, teilte Mayrie ihnen mit. „Was ihr bis dahin macht, bleibt euch überlassen.“

Mit diesen Worten kehrte sie ihnen den Rücken zu und schritt davon.

„Es war ein Fehler, hier haltzumachen“, murmelte Dannyl, nachdem er sich von ihrer Direktheit erholt hatte. „Woher weiß sie überhaupt …?“

„Sie ist meine Schwester.“ Mit einem entschuldigenden Lächeln hob Tayend die Schultern. „Sie kennt mich besser, als jeder andere Mensch.“

„Es ist, als wolle sie uns verkuppeln.“

„Muss sie das noch?“, fragte Tayend amüsiert. Er öffnete die Tür zu dem Gästezimmer. „Komm schon, Dannyl. Nur, dass wir im selben Raum schlafen, heißt doch nicht gleich, dass wir …“

„Nein, das heißt es nicht.“

„Wovor fürchtest du dich dann?“

Dannyl überlegte, wie er seine Worte am besten wählen sollte. Die letzten Tage waren die schönsten seines Lebens gewesen. Ihnen würden zweifelsohne noch schönere folgen, sofern die Gilde ihm erlaubte, nach Elyne zurückzukehren. Er wollte nicht zerstören, was er gerade gewonnen hatte. „Ich fürchte mich davor, den Punkt zu überschreiten, an dem ich mich nicht mehr zurückhalten kann.“

Tayend musterte ihn, den Kopf auf die Seite gelegt. „Niemand sagt, dass du das heute tun musst. Ich weiß, was du gerade durchmachst und wie schwer die erste Zeit ist. Ich werde dich zu nichts überreden oder drängen, was du nicht auch willst.“

„Danke, dass du dich mit mir prüdem Kyralier abgibst.“

Der Gelehrte grinste, dann wurde seine Miene jedoch wieder ernst. „Ich habe lange auf dich gewartet, Dannyl. Ein paar Tage oder Wochen mehr machen da auch nichts aus. Vielleicht ist es sogar gut, dass du für einige Wochen fort sein wirst. Du wirst die Zeit brauchen, und wenn du zurückkommst, werde ich hier auf dich warten. Wir haben alle Zeit der Welt.“

Hatten sie das? Dannyl war sich Tayend sicher. Aber was wenn alles herauskam, bevor sie überhaupt begonnen hatten? War es nicht besser, es auf diese eine Nacht ankommen zu lassen? Dannyl schüttelte innerlich den Kopf. Er würde Zeit brauchen. Es war niemals gut, etwas zu überstürzen und das mit Tayend wollte er auf keinen Fall verderben. Nicht, weil die Drohung seiner Schwester wie eine Unwetterwolke am Horizont lauerte, sondern weil er wollte, dass es für immer hielt. Und er rechnete Tayend dessen Verständnis hoch an.

„Du hast mich überzeugt“, sagte er und folgte Tayend in das großzügig geschnittene Gästezimmer.

Am folgenden Tag standen sie im Morgengrauen auf. Obwohl Dannyl nicht geschlafen hatte, war die Nacht die schönste seines Lebens gewesen. Keine seiner Befürchtungen war eingetroffen und er hatte nicht einmal Magie gebraucht, um die Kontrolle über seine Gefühle zu behalten. Es war ihnen genug gewesen, nebeneinanderzuliegen und sich leise zu unterhalten. Irgendwann hatte Tayend seinen Kopf auf Dannyls Schulter gebettet und war eindöst, während Dannyl mit klopfendem Herzen wach gelegen hatte. In der Dunkelheit hatte er seinen Freund plötzlich mit all seinen Sinnen so viel intensiver wahrgenommen. Zum ersten Mal war er sich des feinen und angenehmen Duftes bewusst geworden, den Tayend verströmte und wie weich sein Haar und seine Haut sich anfühlten. Die Erfahrung war so intensiv gewesen, dass Dannyl kein Verlangen nach mehr verspürt hatte. Eines Tages würde sich das ändern und dann würde es gut sein.

„Ich wünschte, du würdest nicht gehen“, sagte Tayend, als sie sich auf der Veranda verabschiedeten. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und ein blaues Zwielicht hing über der Welt. „Oder dass ich mit dir kommen könnte.“

Seine Worte ließen Dannyls Herz schwer werden. „Ich auch.“ Einem plötzlichen Impuls folgend machte er einen Schritt auf Tayend zu und schloss ihn in seine Arme. „Richte deiner Schwester meinen Dank aus“, murmelte er.

„Und du pass auf, dass dein Schiff nicht kentert und du ertrinkst oder die Gilde dich dabehält.“

Trotz des scherzhaften Tonfalls konnte Dannyl die Furcht heraushören. Plötzlich glaubte er, er könne nicht einen Tag ohne Tayend sein. „Ich werde zurückkommen“, versprach er eine Hand auf Tayends Wange legend. „So schnell ich kann.“

Mit einem erleichterten Lächeln lehnte Tayend die Stirn gegen seine Brust und der Duft seines Haares stieg in Dannyls Nase. Zögernd beugte Dannyl sich hinab und drückte seinen Lippen für einen Moment in das Haar seines Freundes. Es war ungewohnt.

Aber es fühlte sich richtig an.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast