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Die Gilde der ungelüfteten Geheimnisse

Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Fantasy / P16 / Gen
Administrator Lorlen Ceryni Hoher Lord Akkarin Lord Dannyl Lord Rothen Sonea
06.09.2014
26.03.2020
6
12.371
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Dieses Kapitel
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06.09.2014 2.671
 
Die ungewollte Novizin



Rating: P12
Genre: Drama
Charaktere: Akkarin, Sonea
Frage/Lücke: Was hatte Akkarin in Soneas Zimmer zu suchen, nachdem sie Dorrien den Korb gegeben hatte? Warum gebietet er Regin und seinen Freunden keinen Einhalt?

Die zweite Frage ist an sich tautologisch, doch da es hier immer wieder zu von Kleinmädchenphantasien motivierten Fehlinterpretationen meines Lieblingscharakters kommt, möchte ich insbesondere auch hierauf eingehen und die Sinnhaftigkeit seiner Motive noch einmal verdeutlichen und richtigstellen.

Angesiedelt in Kapitel 34, The Novice


***


Mit dem Einzug des Frühlings hatte sich die dunkle Melancholie, mit welcher der Winter die Gemüter der Menschen dominierte, in den ersten warmen Sonnenstrahlen wie ein grauer Schleier von der Welt gehoben. Die Stimmung unter den Magiern und Novizen hatte sich spürbar verändert und erfüllte das Gelände der Universität mit neuem Leben.

Während alle Welt sich an der Sonne und den überall sprießenden Blüten erfreute, schien Selbiges Akkarins Gemüt zusehends zu verdüstern. Der Frühling löste eine Leichtigkeit in den Menschen aus, von der wusste, dass er sie niemals wieder empfinden würde. Es war die Zeit zum glücklich und verliebt sein – Gefühle, für die der Hohe Lord der Magiergilde keine Verwendung mehr hatte. Denn sie waren in Sachaka gestorben. Zusammen mit der einzigen Frau, die er je geliebt hatte.

Als der Gong der Universität das Ende des Abendunterrichts ankündigte und der warme, sonnige Tag einer lauen Abenddämmerung wich, spürte er, wie sich eine leise Unruhe in sein Herz stahl. Bald würde seine Novizin aus der Universität zurückkehren. Inzwischen kam sie wieder früher. Akkarin nahm an, weil er ihr die letzte Möglichkeit genommen hatte, sich vor Regin und seiner Bande zu verstecken. Verließ sie die Universität, solange diese noch von Lehrern und Novizen bevölkert war, so war sie vor ihnen einigermaßen sicher.

Bei der Erinnerung, wie sie einander in den Geheimgängen der Universität begegnet waren und er sie ihren Feinden ausgeliefert hatte, spürte er, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog. Obwohl sie es nicht gewagt hatte, ihn dafür zur Rede zu stellen, waren ihr Zorn und ihr Hass auf ihn seitdem gewachsen. Er brauchte nicht einmal ihre Gedanken zu lesen, sie strahlte es aus, wann immer sie einander begegneten. Und das war auf seine eigene Weise ähnlich unangenehm, wie Lorlens Blutring.

Von seinem Freund wusste Akkarin, andere Magier hatten sich bereits zu wundern begonnen, warum er den Novizen keinen Einhalt gebot. Lorlen hatte ihm Grausamkeit und Unmenschlichkeit vorgeworfen, doch sein Zorn und seine Zuneigung für dieses Mädchen hinderten ihn daran, die hinter Akkarins Entscheidung steckende Absicht zu erkennen.

Warum lässt du zu, dass die anderen Novizen sich gegen sie zusammentun?, hatte sein Freund nur wenige Wochen zuvor zu wissen verlangt.

Es tut ihr gut, hatte Akkarin geantwortet. Sie sollte in der Lage sein, sich gegen sie zur Wehr zu setzen. Sie sind nicht sonderlich gut koordiniert.

Aber sie setzt sich nicht gegen sie zur Wehr!, hatte Lorlen erbost erwidert. Einige Magier wundern sich bereits, warum du nicht einschreitest und dem ein Ende bereitest.

Daraufhin hatte Akkarin nur mit den Schultern gezuckt. Es ist meine Entscheidung, wie ich meine Novizin ausbilde. [*]

Obwohl er Lorlen mit diesen Worten nur noch mehr gegen sich aufgebracht hatte, hatte er entschieden, sich weitere Erklärungen zu sparen. Sein Freund hätte sie ohnehin nicht begriffen.

Dabei war die Situation denkbar einfach.

Wenn er Regin und seine Freunde aufhielt, würde das nur bewirken, dass seine Novizin nicht mehr von ihnen schikaniert wurde. Es würde jedoch weder dazu führen, dass sie lernte, sich zu verteidigen und durchzusetzen, noch würde es ihr den Respekt der Lehrer und Novizen einbringen. Ganz besonders nicht, weil sie seine Novizin war und man von ihr herausragende Leistungen erwartete. Er hatte bereits alles getan, um ihre Schwierigkeiten mit Kriegskunst zu beheben und ihr den dafür besten Lehrer zur Seite gestellt. Doch selbst dieser hatte bei ihr nur wenig Erfolg. Die Lektion, die sie lernen musste, konnten nur Regin und seine Freunde ihr beibringen. Es war hart und ein Teil von Akkarin bedauerte es, einen so jungen Menschen, dem auszusetzen, doch in dieser Sache stimmte er mit Yikmo überein.

Sie war zu nett.

Akkarin hatte die Kämpfe der Novizen von den Geheimgängen aus beobachtet und darauf gewartet, dass sie irgendetwas unternahm, doch bisher war sie immer passiv geblieben. Ihre Kräfte hingegen waren jedes Mal gewachsen. Und das in einem rasanten Tempo, das ihn zu der Frage gebracht hatte, wie mächtig sie wohl eines Tages sein würde. Sie würde eine hervorragende Quelle sein, sofern sie sich jemals darauf einließ, ihm ihre Kraft zu geben.

Sonea hatte offenkundig ein großes Leidenspotential. Wie lange würde es noch dauern, bis sie endlich den Punkt erreichte, an dem sie anfing, sich selbst zu helfen?

Ein Teil von ihm hoffte, das würde bald sein. Um ihrer beider Willen.

Ein zaghaftes Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Akkarin runzelte die Stirn. Sie war früh – früher als sonst. Sein Buch zur Seite legend streckte er seinen Willen nach der Tür aus.

Sonea trat in den Empfangsraum und verneigte sich.

„Guten Abend, Sonea“, sagte er.

„Guten Abend, Hoher Lord.“

Irrte er sich oder war da wirklich eine Spur von Erleichterung in ihrer Stimme?

Als Sonea den Kopf hob und ihre Blicke einander für einen kurzen Moment begegneten, glaubte er eine düstere Nachdenklichkeit darin zu sehen. Für einen kurzen Moment war er versucht, sie zu fragen, was sie beschäftigte, doch dann blitzte ein Bild von Rothens Sohn im Park in seinem Geist auf. Rasch sah sie hinab auf die Spitzen ihrer Stiefel.

„Hast du schon gegessen?“, fragte er.

„Nein, Hoher Lord.“ Ein gehetzter Ausdruck erschien in ihren dunklen Augen, als sie sich zwang, ihn anzusehen. Sofort bereute er seine Frage. Er hatte nicht implizieren wollen, dass sie mit ihm zu Abend essen sollte. Auch wenn ihr Verhältnis davon profitiert hätte, weil sie sich besser an ihn gewöhnen würde, wollte er ihr seine Gesellschaft nicht mehr aufzwingen, als unbedingt notwendig. Dennoch kam er nicht umhin zu wünschen, es wäre anders.

„Ich werde Takan anweisen, dir etwas zu bringen.“

„Vielen Dank, Hoher Lord. Doch ich bin nicht hungrig.“

Erneut musste er dem Drang widerstehen, sie nach ihrem Wohlbefinden zu fragen und entschied, ihr das Essen trotzdem bringen zu lassen. Sie sollte nicht auf ihre Mahlzeiten verzichten, nur weil sie unter Liebeskummer litt.

Er machte eine Handbewegung zur Treppe. „Du kannst gehen.“

Erleichtert verneigte sie sich und eilte die Treppe hinauf.

Nachdem ihre Schritte verhallt waren und er das leise Klicken ihrer Zimmertür gehört hatte, seufzte er leise.

Dorrien, natürlich! Akkarin hatte seine Novizin und Rothens Sohn im Park gesehen, als er am Mittag in der Universität gewesen war. Auch ohne ihr Gespräch zu überhören, hatte er an ihrer Körpersprache erkannt, dass Sonea dem jungen Heiler einen Korb gegeben hatte. Dorriens Gesichtsausdruck daraufhin hatte Akkarin jedoch gar nicht gefallen. Über Lorlens Ring hatte er diesen dazu angeregt, einen Blick aus dem Fenster zu werfen.

Der Administrator hatte Dorriens Vater in sein Büro gerufen und diesem deutlich gemacht, dass es für alle Beteiligten besser war, wenn Dorrien sich fortan von Sonea fernhielt.

Bei der Erinnerung verspürte Akkarin ein nagendes Schuldgefühl. Genau wegen solcher Vorfälle hielt Lorlen ihn für ein Monster. Er wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass seine Novizin keine Liebesbeziehung führen konnte, so wie es ihm einst verboten gewesen war, mit der Frau zusammen zu sein, die er geliebt hatte, doch er konnte nicht zulassen, dass Dorrien Verdacht schöpfte.

Sonea hat ihm den Korb gegeben, dachte er. Ich habe nur dafür gesorgt, dass Dorrien von seinem Vater entmutigt wird, ihr nachzustellen. Dorrien musste das Interesse an Sonea verlieren. Der junge, engagierte Heiler neigte dazu, seine Leidenschaften mit großer Besessenheit auszuüben. Was, wenn er Sonea nachstellte und dabei auf Wissen stieß, das die Gilde in Gefahr brachte?

Das Risiko war zu groß.

Ah, aber wäre ich nicht der Grund für den Korb!

Akkarin hatte Soneas aufkeimende Gefühle für den jungen Heiler in ihren Gedanken gelesen. In ihrer sturen Entschlossenheit zu beschützen, was ihr lieb und teuer war, hatte Sonea die Beziehung beendet, bevor es überhaupt zu einer gekommen war. So betrachtet war Akkarin der Grund für ihren Bruch mit Rothens Sohn.

Doch als das Bild ihre Oberflächengedanken beherrscht hatte, war da keine Spur von Trauer gewesen. Anscheinend waren ihre Gefühle seit jenem Tag, an dem er sie Rothen weggenommen hatte, nicht tiefer geworden.

Die Erkenntnis erfüllte Akkarin mit ungeahnter Erleichterung.

Während des restlichen Abends ließ ihn der Gedanke an Sonea und Dorrien jedoch nicht los. Noch immer verspürte er das Bedürfnis, mit ihr über diese Angelegenheit zu sprechen. Aber das war unmöglich. Er würde die Mauer aus Furcht und Sturheit, die sie zwischen ihnen beiden aufgebaut hatte, nur dann durchbrechen, wenn er ihr die gesamte Wahrheit erzählte. Aber dazu würde er sie erst einmal dazu bringen müssen, ihm zu vertrauen, was wiederum dazu führen konnte, dass sie sich gegen ihn auflehnte. Das alles war jedoch mit Risiken verbunden, die einzugehen er nicht bereit war, da dabei mehr als nur Scham über das, was ihm zugestoßen war, auf dem Spiel stand.

Sehr viel mehr.

Wäre es nur das gewesen, so hätte Akkarin anders gehandelt. Aber das wäre auch keine Entschuldigung für sein Verhalten gewesen. Dann hätte er vieles anders gemacht.

Und mit dem Mädchen, das unter seinem Dach lebte und ihn bis ins Mark fürchtete, brachte ihn das nicht weiter.

Er ertappte sich dabei, wie er wieder an sie dachte, während er allein in seinem Speisezimmer aß und als er sich später in seine Bibliothek zurückzog, um das neuste Werk des elynischen Dramenkönigs Carrini zu lesen. Die tragische und unerfüllte Liebesgeschichte der beiden Protagonisten erinnerte ihn mehr als nur an Sonea und Dorrien und brachte ungewollte Erinnerungen zurück.

Mit einem Seufzen schlug Akkarin das Buch schließlich zu und ließ es zurück ins Regal schweben. Sein Weinglas leerend erhob er sich und schritt den Flur entlang zu den privaten Räumen seiner Residenz.

Das Wissen um seine Novizin hatte etwas in ihm ausgelöst, das er lange verdrängt hatte. So lange, bis er aufgehört hatte, daran zu denken und es nicht mehr für ihn existierte. Aber er konnte sich des Gedankens nicht erwehren, nicht besser als der Mann zu sein, der fünf Jahre über sein eigenes Leben verfügt hatte.

Fünf Jahre …

So lange, wie das Studium an der Universität in der Regel dauerte. Würde sie nach Ablauf dieser Zeit gegen ihn rebellieren und würde er dann für das bezahlen müssen, was er ihr angetan hatte, so wie Dakova für das bezahlt hatte, war er ihm angetan hatte?

Der Gedanke beinhaltete eine seltsame Ironie.

Würde er überhaupt verhindern können, dass es dazu kam, ohne dass er zugleich Kyralia in Gefahr brachte?

Realisierend, dass er stehengeblieben war, hielt Akkarin inne. Er war so in Gedanken versunken gewesen, dass er es zunächst nicht bemerkt hatte.

Als er jedoch sah, wo er war, setzte sein Herz einen Schlag aus.

Er stand mitten in Soneas Schlafzimmer.

Raus hier!, befahl eine Stimme in seinem Kopf. Doch er fühlte sich unfähig, ihr zu gehorchen. Stattdessen machte er einen leisen Schritt nach vorne und dann noch einen, bis er vor ihrem Bett stand.

Er betrachtete seine Novizin. Ihre Atmung ging tief und regelmäßig. Im Schlaf wirkte sie ungewöhnlich friedlich und entspannt, alle Zeichen von Furcht und Sturheit waren aus ihren Zügen gewichen. Eine dunkle Strähne ihres kurzen Haares war in ihr Gesicht gerutscht, was ihr etwas Verletzliches und Unschuldiges verlieh.

Und genau das ist sie, erkannte er. Ein junges, unschuldiges Mädchen, dem ich seine Jugend stehle, was ich mit der Sicherheit Kyralias zu rechtfertigen versuche.

Obwohl zahlreiche Familien jedes Jahr anfragten, ob er bereit wäre, das Mentorenamt für eines ihrer Kinder, welche zur Gilde geschickt werden sollten oder bereits dort studierten, zu übernehmen, hatte der Hohe Lord der Magiergilde es stets abgelehnt, einen Novizen zu erwählen. Einige Anfragen hatte er insgeheim ein leises Bedauern verspürend abgewiesen. Diese Jungen und Mädchen hätten das Potential zu großartigen Magiern gehabt und einige waren auch ohne seine Unterstützung dahin gelangt. Doch sie alle waren ihm ungelegen gekommen.

Akkarin konnte niemanden unter seinem Dach gebrauchen, der nicht in sein Geheimnis eingeweiht war. Novizen waren oft neugierig und die meisten hätten herauszufinden versucht, warum der mysteriöse Hohe Lord der Magiergilde so mysteriös war. Er empfand es als seltsame Ironie, dass die einzige Novizin, die er vermutlich jemals ausbilden würde, zu ihm gekommen war, weil sie dank eines unglücklichen Zufalls hinter sein Geheimnis gekommen war. Aber sie kannte nur einen Teil der Wahrheit, was sie zu einer Gefahr gemacht hatte, die er nur kontrollieren konnte, indem er sich ihrer annahm.

Ich sollte sie nicht als Störenfried, sondern als Chance betrachten, überlegte er. Auch wenn ihr Verhältnis auf gegenseitigem Unwillen basierte, war das seine Gelegenheit, sich der Ausbildung eines vielversprechenden Novizen anzunehmen. Ärgerlicherweise musste er dies jedoch anderen überlassen, was ihm die Organisation ihres Lehrplans übrigließ, weil ihre Furcht und ihre Ablehnung so groß waren, dass es keinen Sinn gemacht hätte, sie persönlich zu unterrichten. Zudem hatte sie jeden seiner bisherigen Versuche, ihr das Leben in seinem Haus ein wenig angenehmer zu gestalten, erfolgreich abgeblockt. Und wie er bereits bei ihrem ersten formalen Dinner festgestellt hatte, war ihr auch nicht an geistreichen Diskussionen gelegen, obwohl ihre starken Vorstellungen von Moral und Gerechtigkeit sie zu einer interessanten Gesprächspartnerin gemacht hätten.

Und jetzt hatte sie seinetwegen auch noch den einzigen Mann abgewiesen, der romantisches Interesse an ihr gezeigt hatte.

Auf die plötzliche Mischung aus Bedauern, Schuldgefühlen und Erleichterung darüber war Akkarin jedoch nicht vorbereitet gewesen.

Wie würde das erst werden, wenn eines Tages weitere Männer Interesse an ihr zeigten? Sie war jetzt schon eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Wenn es ihr erst gelungen war, sich den Respekt der anderen zu verschaffen, würden auch jene sie mit anderen Augen betrachten, die keinen Einblick in ihren Geist gehabt hatten.

Diese Vorstellung gefiel ihm ganz und gar nicht, während er sich zugleich schuldig fühlte, weil er so empfand.

Behutsam streckte er eine Hand aus und berührte die Wange des jungen Mädchens, das vor ihm lag. Sie träumte, doch er hielt davon Abstand, ihren Träumen zu lauschen. Ihre Gedanken zu lesen, war bereits unverzeihlich genug gewesen. Er wollte ihr nicht auch noch den letzten Rest ihrer Privatsphäre rauben.

Ich wünschte, es hätte einen anderen Weg gegeben, als dir so viel Leid zuzufügen, dachte er. Ich wünschte, ich könnte machen, dass du aufhörst, mich zu fürchten und anfängst, mir zu vertrauen. Ich wünschte, ich könnte etwas tun, um dir dein Leben zu erleichtern, doch du musst dir den Respekt der anderen selbst erarbeiten. Ich wünschte, ich müsste dir nicht deine Jugend stehlen. Und ich wünschte, ich könnte das eines Tages alles wiedergutmachen.

Er spürte die Veränderung, bevor seine übrigen Sinne sie registrieren konnten.

Sie wacht auf!

Hastig zog er seine Hand fort und wich zurück zur Tür.

Er brauchte ihre Oberflächengedanken nicht zu lesen, um ihre Furcht zu spüren, nachdem die Benommenheit des Schlafes gewichen war. Während ihn die Furcht der anderen Novizen und der meisten Magier erheiterte, empfand er Selbiges bei ihr als unerfreulich. Hin und wieder ertappte er sich dabei, wie er darüber nachdachte, das zu ändern, doch dann würde er die Kontrolle über sie verlieren. Es gab nur einen Weg, ihr die Furcht zu nehmen ohne, dass sie zu einer Gefahr für ihn wurde, doch dieser schloss sich von selbst aus. Wieso sollte er ihr anvertrauen, was er nicht einmal seinem besten Freund sagen konnte?

Mit der Zeit würde sie einen Teil ihrer Furcht ablegen, wusste er, doch er musste dafür sorgen, dass sie sie niemals ganz ablegte.

Er hörte, wie Sonea kaum hörbar die Luft einsog und anhielt.

Zeit zu gehen, entschied er.

Leise und ohne einen Laut glitt er aus dem Raum.

Erst als er zurück auf dem Flur war und die Tür wieder hinter sich geschlossen hatte, begriff er, dass ihr kurzzeitiges Erwachen, ihm einen leichten Schock versetzt hatte.

Was hast du dir nur dabei gedacht?, fuhr es ihm durch den Kopf. Hatte die allgemeine Frühlingsstimmung nun auch ihn angesteckt? Ihren persönlichen Albtraum vor ihrem Bett stehen zu sehen, würde ihr Verhältnis ganz sicher nicht verbessern. Stattdessen würde sie ihn jetzt noch mehr fürchten.

***


* frei übersetzt aus Kapitel 33, The Novice
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