"Seit du wieder in mein Leben getreten bist, bin ich jeden Tag kein bisschen gestorben"

von Sindarina
KurzgeschichteRomanze / P12
05.09.2014
05.09.2014
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Disclaimer: Ich besitze keine Rechte an SW und verdiene hiermit kein Geld.

A/N: Hier nun mein Beitrag zum Vorzeichenwechsel-Projekt von Nye-Lung :) http://forum.fanfiktion.de/t/27995/1 Man nimmt sich ein Zitat aus einem der Filme und verkehrt es ins Gegenteil. Dann soll logisch aufgezeigt werden, wie es zu dieser Aussage kam, wie sie die Situation ändert, und wie sie sich im Weiteren auswirkt. Für mich war es interessant, mir solche Gedanken zu machen - und ohne dieses Projekt hätte ich sie vielleicht nie in Worte gefasst. Ob ich die Vorgaben erfüllt habe, entscheidet ihr^^
Ich danke meiner Beta NamelessFlowers für ihre Hilfe.


Seit du wieder in mein Leben getreten bist, bin ich jeden Tag kein bisschen gestorben

Padmé Naberrie Amidala fühlte sich unter Anakin Skywalkers Blicken unwohl. Vor Jahren auf Tatooine war es noch anders gewesen. Da hatte seine kindliche Schwärmerei sie nicht gestört, nur ein wenig … überrascht war wohl das richtige Wort. Sie hatte ihn als überaus aufgeweckten, hilfsbereiten und zielstrebigen Jungen kennengelernt – alles Dinge, die sie eigentlich schätzte. Sein Vergleich ihrer Person mit einem Engel hatte ihr geschmeichelt. Ihr, die damals selbst fast noch ein Kind gewesen war.

Und nun? Nun musste sie erkennen, dass Anakin während ihrer getrennten Zeit eine Sucht nach ihr entwickelt hatte. Er selbst mochte dies als Liebe bezeichnen, doch konnte man jemanden lieben, den man nie wirklich kennengelernt hatte? Nein, das konnte man nicht. Und gerade so ging es ihr. Sie war sich sicher, dass sich Anakin nur an eine Idealvorstellung von ihr klammerte, die er nach ihren wenigen gemeinsamen Tagen ersonnen hatte. Sie verstand ihn nicht. Und sie fühlte sich nicht zu ihm hingezogen.

Sicher, er sah gut aus. Er konnte witzig sein, interessant erzählen, und er würde alles geben, um ihm Nahestehenden zu helfen. Doch Padmé hatte, seit er ihr als Beschützer zugeteilt worden war (oder eher schon seit ihrem Wiedersehen im Apartment), noch so viel anderes bei ihm gesehen. Nichts davon gefiel ihr, einiges davon stieß sie ab, und wieder anderes alarmierte sie.

Wie er sie mit Blicken ausgezogen hatte, kaum, dass er wieder auf sie traf. Vergeblich hatte sie versucht, ihm schon da begreiflich zu machen, wo er für sie stand und immer stehen würde.

Die unverhohlene Rebellion Obi-Wan gegenüber. Gut, niemand konnte mit seinem Lehrer immer einer Meinung sein. Aber es gab Situationen, in denen man einfach darauf vertrauen musste, dass dieser recht hatte. Anstatt sich aufzulehnen oder gar hinter seinem Rücken über ihn herzuziehen, wie Anakin es getan hatte.

Seine ganze Art, seine Versuche, mit ihr vertrauter zu werden, die alle so … deplatziert waren. Wenn er ihr gegenüber zugab, dass es ihm Angst machte, allein mit der Mission betraut worden zu sein (Sie fühlte sich selbst unsicherer, als sie es zeigte, aber er war nun einmal ihr Beschützer, verdammt!). Oder wenn er nach belanglosem Smalltalk die Stirn besaß, ihr ungefragt über Schulter und Arm zu streicheln. Oder wenn er ihr bei Feuerschein wortreich schilderte, wie sehr sie ihn mit ihrer ablehnenden Haltung doch quäle. Oder oder.

Wie er bedenkenlos die Gelegenheit ergriffen hatte, sie zu küssen, obwohl er nicht durfte und sie nicht wollte. Jedenfalls nicht wirklich wollte. Und das war ein mehr als ausreichender Grund für ein Nein.

Die Überzeugung, mit welcher er sich für die Diktatur ausgesprochen hatte. Sicher, Anakin war im Nachhinein bemüht gewesen, es als Scherz abzutun. Aber Padmé war Politikerin. Sie konnte eine eigene Meinung erkennen, wenn sie auf eine traf. Was sie nicht konnte, war, sich jemandem wirklich nahe zu fühlen, der eine der Demokratie genau entgegengesetzte Regierungsform befürwortete.

Und wieder einmal die Blicke. In ihrem Apartment hatte sie vorrangig deshalb vorgeschlagen, auf Anakins Machtsinne zu vertrauen, um die Überwachungskamera ausschalten zu können. Sie hätte keinen Schlaf gefunden in dem Wissen, dass er sie womöglich beobachtete. Das tat er auch so schon genug. Ihre Mutter und Sola sprachen sie darauf an, als sie mit ihm ihre Familie besuchte. Jedem fiel es auf.

Seine rechthaberische Ader, ganz gleich, mit wem er es zu tun hatte, und sei es mit dem Königshaus von Naboo. Sie hatten auf ihrem Heimatplaneten Schutz gesucht, wo es dementsprechend Padmé war, die sich auskannte? Schön, er würde trotzdem versuchen, die Entscheidungsgewalt für ihr weiteres Vorgehen an sich zu bringen, und sich dafür mit ihr vor versammeltem Hofstaat zanken – Kind, das er war.

Die Sprunghaftigkeit seines Charakters. Vom hormongesteuerten Heranwachsenden zum maulenden Kind. Vom aufmerksamen Zuhörer zum in sich gekehrten Eigenbrötler. Vom in sich ruhenden Mann zur Bedrohung auf zwei Beinen … Bei ihm konnte sie nie wirklich wissen, woran sie war.

Dann noch sein Wutanfall, sein schreckliches Geständnis, sein Zusammenbruch. Sie konnte sich vorstellen, wie der Tod seiner Mutter ihn mitgenommen hatte. Natürlich war er zornig auf die Verantwortlichen. Aber das entschuldigte nicht, was er getan hatte. Was er auch den unschuldigen Tusken angetan hatte. Tot. Sie alle. Er hatte die Kontrolle über sich verloren und sie sah nicht, warum sich Dergleichen nicht eines Tages wiederholen könnte. Trotz des Guten, das in Anakin ebenso vorhanden war.

Nein, Padmé fühlte sich nicht zu ihm hingezogen. Er war nur ein Freund für sie. Und nicht einmal ein besonders enger, hatte sie ihn doch nur wenige Tage um sich gehabt, und dann zehn Jahre nicht. Wenn sie an ihn dachte, empfand sie weder beruhigende Sicherheit noch deren ebenso reizvolles Gegenteil: Aufregung, ein Prickeln, als würde sie immer wieder ein bisschen sterben … Aber da war nichts davon. Nicht bei Anakin. Wohl aber bei seinem Meister.

Padmé wusste nicht, ob es schon Liebe war. Sie kannte Obi-Wan nicht länger als dessen Schüler, und doch – da war etwas an ihm, was ihr im Gedächtnis geblieben war. Über die Jahre hatte es sich nicht verändert, es sei denn zum Besseren. Seine Reife, seine Ausgeglichenheit, sein Sarkasmus, seine Entschlossenheit, sein freundliches Wesen … Ihn wiederzusehen, hatte sie ehrlich gefreut. Wenn man ihr schon einen Beschützer aufdrängen musste, warum dann nicht ihn?

Es kam anders, als erhofft. Und als sie erfuhr, dass er in Gefangenschaft geraten war, kannte sie kein Halten mehr. Gleich, ob der Jedi-Rat dagegen war. Gleich, ob sich Anakin querstellte (Aus Furcht, wie schon bei seiner Mutter zu spät zu kommen? Aus Gehorsam dem Orden gegenüber? Aus genereller Wut auf seinen Meister?). Ganz gleich! Obi-Wan brauchte ihre Hilfe. So flogen sie denn nach Geonosis. Ihrerseits gefangen, von den Separatisten zum Tode verurteilt und an einen Schinderkarren gefesselt, um in die Arena einzufahren – das erlebten die Senatorin und ihr Jedi-Beschützer dort innerhalb kürzester Zeit, konnten nichts tun, waren nun ebenfalls zu Opfern geworden.

Bevor es ihrem Ende entgegenging, im dunklen Tunnel, richtete Anakin noch einige Worte an Padmé.

„Hab´ keine Angst“, sagte er beruhigend, und sie hätte am liebsten die Augen verdreht. Wer glaubte er, dass sie war? Sie hatte schon einen Planeten regiert und eine Invasion zerschlagen, war nun eine fähige Politikerin. Mit schwierigen Situationen kannte sie sich aus, brauchte keinen Zuspruch, schon gar nicht von ihm. Eine neutrale Antwort würde es hoffentlich tun. Und ihm vielleicht sogar zu verstehen geben, dass er bei ihr wirklich nichts mehr zu versuchen brauchte.

„Sterben ängstigt mich nicht. Wie sollte es auch, wenn ich es nie kennengelernt habe? Seit du wieder in mein Leben getreten bist, bin ich jeden Tag kein bisschen gestorben.“

Sie sah, wie es in ihm arbeitete. Wie er versuchte, zu begreifen, und vielleicht doch etwas herauszuhören, was ihm gefiel. Er zweifelte.

„Was … willst du damit sagen?“

Es tat ihr leid. Er tat ihr leid. Aber keinem von ihnen war geholfen, wenn er sich weiter an falsche Hoffnungen klammerte. Erwartungen, die sie nie würde erfüllen können.

„Anakin, ich … liebe dich nicht.“ Nun war es heraus. „Du bedeutest mir etwas als Freund, aber mehr ist da nicht. Ich bin mir sicher, du wirst es einmal verstehen.“ Falls wir das hier überleben, fügte sie gedanklich hinzu.

Er rückte von ihr ab, so weit es der enge Karren zuließ, und sagte nichts mehr, mied ihren Blick. Padmé schluckte. Und bevor ihre Aussprache sich fortsetzen konnte, knallte eine Peitsche und ihr Gefährt setzte sich in Bewegung, trug sie ins grelle Sonnenlicht der Arena, die Hitze und den Staub.

Ihr Herz hüpfte vor Freude, als sie Obi-Wan sah, an eine Art Marterpfahl gekettet. Er lebte! Noch war nichts verloren. Kaum waren die insektoiden Eingeborenen fort, befreite sie ihre Hände und verschaffte sich einen Höhenvorteil. Was da auch kommen mochte, es sollte sie nicht so leicht zu fassen kriegen! Die beiden Jedi, wenngleich zu ebener Erde, wirkten gleichfalls gefasst. Als sich die Gitter öffneten und drei Bestien der unterschiedlichsten Spezies auf die Gefangenen gehetzt wurden, kämpften diese um ihr Leben. Unbewaffnet und jeder auf seine Art. Bis sie sie besiegten. Die Zuschauermenge tobte, zeterte. Die Ankläger hoch oben auf der Tribüne waren erstaunt bis empört. Vermutlich war an diesem Ort des Todes noch nie etwas derartiges geschehen …

Dann waren die Senatorin und die beiden anderen auf einmal von Droidekas eingekreist. Jedi kamen ihnen zu Hilfe, viele Jedi, hunderte von Jedi. Eine gewaltige Droidenarmee tauchte alles in Blasterfeuer. Unfassbar schnell war in der Arena eine Schlacht ausgebrochen. Lebende Kämpfer starben, mechanische wurden deaktiviert. Dann erschien die Klonarmee der Republik (gegen deren Einsatz Padmé nicht hatte stimmen können). Totaler Krieg von nun an. Sie schlugen die Separatisten vernichtend, für dieses eine Mal. Dann – Dann dann.

Es geschah zu viel in zu kurzer Zeit. Padmé konnte dies alles nicht einmal ansatzweise verarbeiten und ebenso wenig über ihre Gefühle für Obi-Wan nachdenken, Klarheit erlangen – Ihm wenigstens sagen, dass sie sich Sorgen gemacht hatte. Aber in all dem Chaos um sie her und in ihr merkte sie doch immer wieder, dass da etwas sein musste. Als es sie so erleichterte, dass er hinter sie auf das Reek in relative Sicherheit sprang. Als sie während der Schlacht darauf fixiert gewesen war, Droiden auszuschalten, die es auf ihn abgesehen hatten (und nicht auf Anakin oder sie). Als sie nach ihrer verspäteten Ankunft im Hangar gleich zu ihm gelaufen war, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen – und sich dem weit schlimmer zugerichteten Anakin erst danach zugewandt hatte. Als als.

Nicht, dass ihr der andere Jedi gleichgültig wäre. Padmé hatte nicht gelogen. Sie wollte seine Freundschaft behalten. Und nur seine Freundschaft. Es war … kompliziert.

„Halt noch ein bisschen durch“, versuchte sie ihm im Feldlazarett Mut zu machen. Sie wünschte sich, etwas tun zu können, seinen verstümmelten Arm wirklich zu heilen. Sie hatte keine Ahnung, wie es ihm damit gehen musste. „Bald fliegen wir nach Coruscant. Du wirst wieder gesund ...“

„Wozu soll das gut sein? Ein Leben ohne dich ...“ Er war kaum zu verstehen, die Stimme schwer von Schmerz- und Beruhigungsmitteln.

„Ach Ani ...“ Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie konnte ihm kein Geständnis von etwas machen, das sie nicht empfand.

„Ich werde dich nie aufgeben … Padmé.“

Sie war sich einfach nicht sicher. Weder darüber, wie genau sie zu Obi-Wan stand, noch ob er ähnlich empfand. In jedem Fall wollte sie das Beste, und das nicht nur für ihn.

Sie wollte Anakins Jedi-Laufbahn im Dienste der Republik nicht gefährden, indem sie dazu beitrug, dass Eifersucht das Band zwischen Meister und Padawan beschädigte oder gar zerriss, seine Ausbildung abbrach (im Gedenken an den Traum des kleinen Jungen, der er einmal gewesen war).

Ebenso wenig lag ihr daran, zum Grund für Obi-Wans Ausschluss aus dem Orden zu werden. Liebe, Anhaftung, all dies war den Jedi verboten, das wusste sie auch als Außenstehende. Wie viel schwerer mochte diese Vorschrift für ihn wiegen? Ihn, der eindeutig wert auf eine gewisse Disziplin legte, die Anakin so sehr abging. Er sollte sich nicht zwischen dem Orden und ihr entscheiden müssen …

So sagte sie es ihm niemals. Und erfuhr nicht, dass ihre Hingezogenheit zu ihm auf Gegenseitigkeit beruhte.



ENDE
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