ALS-Ice-Bucket-Challenge - D(r)owning Street Nr. 10

von McDevil
KurzgeschichteHumor / P12
Dr. Cal Lightman Dr. Gillian Foster
03.09.2014
03.09.2014
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Inzwischen hat es auch mich erreicht, von der lieben kwieen64 wurde ich eben noch nominiert und schon ist er da, mein Beitrag zur Challenge. Ist mir persönlich lieber, als mir einen Eimer Wasser über den Kopf zu kippen, aber jedem das seine.
Ich rufe hier zu nichts auf, denn ich denke, jeder, der in einem Forum wie FF.de unterwegs ist, sollte den nötigen Intellekt und die Reife haben, selbst zu recherchieren und für sich zu entscheiden, ob und für was er/sie spendet.
Bis dahin bleibt mir nur Viel Vergnügen zu wünschen mit der eben entstandenen Kurzgeschichte!

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D(r)owning Street Nr. 10

„Du nimmst keine Auslandsaufträge an, wir nehmen keine Auslandsaufträge an; das haben wir noch nie getan. Warum jetzt? Warum genau jetzt? Was steckt dahinter Cal Lightman?“

„Es ist eine Sache nationaler Sicherheit und der Premierminister hat seinen obersten Sekretär persönlich beauftragt, jemanden zu finden, den man mit dieser Angelegenheit betrauen kann – das hab ich aus dem geschwollen Tonfall herausgehört; du bist nicht die Einzige, die zuhören kann, meine Liebe“, fügte Cal süffisant grinsend hinzu.

„Und deswegen fliegst du nach England? Weil der Premierminister dich ruft?“ Gillian hob ihre Augenbrauen in Sphären, die diese nicht allzu oft erreichten.

„Ich wäre schon überrascht gewesen, wenn die Queen sich bei mir gemeldet hätte.“

„Und du bist dir sicher, dass Loker und Torres schaffen, wenn wir gleich beide weg sind? Ich denke nicht, dass sie dem ständigen Stress gewachsen sind. Die beiden waren noch nie wirklich alleine; wir sind immerhin auf einem anderen Kontinent.“

„Wenn sie es nicht schaffen, sind sie gefeuert.“ Cal zuckte mit den Schultern und stieg aus dem schwarzen Taxi. „Und um sie ja nicht unter Stress zu setzen, hab ich den beiden genau das getextet, also mach dir keine Sorgen.“ Er blickte sich um. „Genieß lieber die Atmosphäre und entspann dich.“

Augenrollend kletterte Gillian hinter ihm aus dem Wagen. Bis zu ihrem Termin war noch ein wenig Zeit, also hatte Cal das Taxi „gebeten“ sie nicht direkt nach Westminster zu bringen, sondern doch lieber zum bekannten Hyde Park. Da standen sie nun, die beiden Amerikaner, naja fast, und genossen den Ausblick über „The Serpentine“, den riesigen See, der sich durch den Park zog.

„Betrachte es einfach als Urlaub von zu Hause, immerhin nimmst du nie Urlaub.“

„Du aber auch nicht und als du in Mexico warst, hast du trotzdem gearbeitet.“

„Wir könnten dir neue Schuhe kaufen; du magst doch Schuhe?“

Verblüfft schaute Gillian ihn an. „Seit wann gehst du freiwillig einkaufen?“

„Wenn du aufhörst rumzumosern, kauf ich dir hier sogar ein Haus.“

Noch bevor sie darauf eine gepfefferte Antwort geben konnte, musste sie notgedrungen einen Schritt zur Seite springen, als einige englische Jugendliche auf ihren Skateboards an ihnen vorbeibrausten.

„Fuck off“, brummte Cal eher zu sich, als es den Kids wirklich hinterherzurufen.

„Ich denke, hier sagt man eher ‚Piss off‘“, korrigierte Gillian, nachdenklich die Jungen beobachtend, die etwa hundert Meter weiter angehalten hatten, direkt am See und sich um eines ihrer Mitglieder scharten. Obwohl es nicht sonderlich warm war und die Sonne von dicken Wolken verdeckt wurde, zog er sein T-Shirt aus, während seine Freunde, gleich drei davon, jeweils einen Eimer des steingrauen, kalten Wassers aus dem See schöpften. Ein vierter Freund postierte sich mit einer Kamera direkt vor der Kulisse. Neugierig geworden, hatte sich Cal in Bewegung gesetzt und kam der Gruppe Jungs näher.

„..bedanke ich mich bei der Nominierung, äh nein, Moment, bei Neville Gatiss, dem Sack, für die Nominierung zur ALS-Ice-Bucket-Challenge, bei diesem supergeilen Wetter…“ Demonstrativ schwenkte sein Freund die Kamera zu dem dunklen, kalten Himmel. „Ich nominiere Vanessa Haverling und Josh Carrer. Vergesst den ernsten Hintergrund nicht, Leute, spendet wenn ihr könnt, überkippt euch mit Wasser, macht am besten beides und informiert euch ordentlich! Und ich sag‘ Wasser Marsch!“ Er kniff die Augen zusammen und wie auf Befehl entleerten seine drei Freunde synchron ihre Eimer über seinem Kopf, Torso in ins Gesicht.

Damit endete das Video und unter viel Gejohle und Gegröle bekam er ein Handtuch gereicht, um sich notdürftig zu trocknen.

„Wofür war die Aktion?“ Cal war, ganz seine Art, unverfroren auf die Jungs zugeschlendert. Natürlich hatte er zugehört, doch von solch einer Absurdität hatte er bisher noch nicht gehört.

Perplex drehte sich der nasseste von den fünfen um. „Hast du noch nie von der Ice-Bucket-Challenge gehört, Opa? Wo lebst du denn?“

Sein Freund fiel ein. „Ehrlich, das macht gerade jeder, schau mal Youtube.“

„Und was macht man da? Kann sich jeder einen Eimer Wasser über den Kopf kippen?“

„Cal, komm schon, wir müssen doch langsam los, oder? Ungeduldig scharrte Gillian mit den Füßen. Ihr gefiel die Richtung, in die sich das alles entwickelte gar nicht. Das konnte nur wieder in einer seiner dummen Ideen enden.

„Ne, man. Erst mal muss man nominiert werden und dann kippt man sich kaltes Wasser über den Kopf. Um die Lähmung und Schock und so zu spüren. Und dann darf man andere Leute nominieren.“

„Klingt klasse!“

„Cal!“, schalt Gillian. „Das ist eine ernstzunehmende Krankheit, in deren Forschung investiert wird, das ist nicht klasse!“

„Nominier mich mal, Spargeltarzan.“ Cal hörte schon gar nicht mehr auf das Hintergrundgeräusch, zu dem Gillian verschmolzen war. In ihm keimte ein Plan und was war witziger, als bei dem Premierminister von England triefend nass aufzutauchen? Witzig in seiner Welt zumindest.

„Du hast ja ‘n Rad ab.“ Spargeltarzan zuckte die Schultern. „Okay, betrachte dich als nominiert.“ Einen Moment lang schien Cal mit seinem Telefon beschäftigt, bevor er es einem der Jungs in die Hand drückte „damit es keinen Schaden nimmt.“

„Sollen wir filmen?“ Der Typ mit der Kamera fummelte umständlich am Einschalter herum.

„Ich bitte darum; an das will ich mich mein Leben lang erinnern.“ Er zog sein Jackett aus und krempelte die Ärmel hoch, bevor er Gillian einen der Eimer in die Hand drückte. „Wärest du so freundlich?“

Sie hob wieder eine Augenbraue, grinste jedoch leicht. „Dich mit Eiswasser zu duschen? Nichts lieber als das.“ Kurzentschlossen legte sie ihre Handtasche in die Obhut eines der anderen Jungen und füllte einen Eimer. „Fertig?“  „Du erkennst mein Signal, Gill.“

„Kann losgehen.“ Das Kameralicht blinkte.

„Okay, ich bin Cal Lightman und ich wurde nominiert zum ABF-Eiskübel-Gießen, oder so ähnlich, von so einem halben Hemd aus dem Park und das ist eine verdammt ernste Angelegenheit, also … nehmt das Ernst. Oder spendet. Aber Eiswasser ist witziger als Geld loswerden; ihr solltet es zwar trotzdem machen, aber dass sich keiner den Spaß verderben lässt.“ Gillian schräg hinter ihm hob ihren Eimer in Bereitschaft; das würde sie für die vielen Male entschädigen, in denen sie ihn gerne erwürgt hätte. Zumindest ein bisschen. „Also dann, los geht’s. Ich nominiere Gillian Foster.“ Und Gillian, die im Begriff war einen Eimer eisigen Wassers über ihrem Freund und Partner zu entleeren, sah sich selbst konfrontiert mit zwei der Jungs, die jeweils ihre Eimer über ihr entleerten. Natürlich bekam Cal seinen Teil ab, doch nahm er es mit Humor und lachte aus tiefster Seele. Gillian hingegen schien weniger glücklich, noch nicht einmal schreien, brüllen, fluchen, die Stimme erheben konnte sie. Nur ein perplexes „Wie--?“ verließ ihre Kehle, als sie sich das Wasser aus der Stirn wischte.

„Handy“, keuchte Cal lachend. „Ich hab den Jungs eine Nachricht auf meinem Handy geschrieben, und du warst zu beschäftigt. Ehrlich dein Gesicht war königlich, wie passend!“

„Bist du verrückt geworden?“ Endlich hatte sie ihre Fassung(slosigkeit) wiedergefunden und vor allem ihre Wut. „Wie stellst du dir das vor; pitschnass in der Downing Street aufzutauchen?“

„Stell dich nicht so an, so nass, dass jemand ertrinken wird, sind wir auch nicht.“

„Um Teufels Willen, was geht eigentlich in dir vor?“

„Ich denke, hier sagt man ‚Um Himmels Willen‘, Schatz“, entgegnete Cal trocken und grinste.  
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Und damit wären wir auch schon am Ende.
Downing Street 10 ist im Übrigen der traditionelle Sitz des britischen Premierministers, und (to) drown bedeutet soviel wie ertrinken. Ich denke nicht, dass das irgendeinem noch neu ist, aber sicher ist sicher.

Meine Nominierung steht etwas spärlich, weil ich keinen zweimal nominieren möchte, also betrifft es nur die liebe

Balkanheart, mit Emily in Revenge.

Well, now I'm thrilled ;)
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