Mary's Geburt

von Juli18
KurzgeschichteDrama, Familie / P12
Mary
03.09.2014
03.09.2014
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Ich saß auf meinem Hocker, vor mir eine leere Leinwand. Ich weiß nicht wieso, aber weiß macht mich immer traurig, also male ich sie in den schönsten Farben bunt an.
„Was male ich den heute?“ fragte ich mich leise, während ich nachdenklich die Leinwand betrachtete. „Etwas frisches, junges täte meiner Sammlung ganz gut“, murmelte ich vor mich hin und schnappte mir die Tube mit der gelben Farbe. „Grün, ich brauche auch unbedingt grün“, murmelte ich weiter, während ich nachdenklich nach grün griff. Ich redete oft mit mir selbst. Manche sagen, es wäre weil ich einsam bin, doch das bin ich nicht. Ich habe meine eigene kleine, zauberhafte Welt. Ja, wenn ich male, dann versinke ich förmlich darin. Ich bin nicht einsam, ich habe Staturen und Bilder, die machen mich glücklich, und wer glücklich ist, ist doch nicht einsam. „Blau“, sagte ich und machte einen klecks auf das Farbtablett, nahm einen Pinsel zur Hand und begann vorsichtig Linien über die Leinwand zu ziehen.
Ich schloss die Augen, und war in meiner Welt, meine Hand bewegte sich von allein, ließ den Pinsel über die Leinwand gleiten, schuf ein Bild, ohne darüber nachzudenken. Ich sah das Bild vor meinem inneren Auge. Wunderschön, jung, erfrischend.
Ich öffnete die Augen um zu sehen, was ich vollbracht hatte. Ein Mädchen mit langem blonden Haar und strahlenden blauen Augen stand in dem Gemälde. Sie trug ein grünes Kleid. Wunderschön, jung, erfrischend. Ich wusste anfangs nicht genau was diesem Bild, dieser Schönheit noch fehlte, doch als ich die Augen schloss und begann weiter zu malen, wusste ich was es wahr; Rosen, gelbe Rosen, die, die Aufgewecktheit Mädchens wiederspiegeln sollten. Rosen. Warum Rosen? Weil ich Rosen immer geliebt hatte. Ich hatte immer eine rote Rose in meinem Atelier stehen. Die, die ich sonst immer hatte war langsam am verwelken. Ich wollte sie aber nicht eintauschen, also ließ ich sie so stehen, auch wenn ihr schon einige Blätter fehlten. Es tat mir zwar in der Seele weh, sie so sehen zu müssen, aber ich konnte sie einfach nicht eintauschen sie war mir wie ein Freund ans Herz gewachsen. Ich sah das blond Mädchen an. Jedes Mädchen brauchte einen hübschen Namen. Plötzlich durchfuhr mich ein stechender Schmerz. Ich fuhr zusammen. Es war als würde mein Herz zerquetscht. Ich machte mir keine Gedanken um mein Herz. Ich machte mir Sorgen darum, das dieses wunderschöne Mädchen keinen Vater haben würde, dieses Mädchen würde gar nichts haben, wenn ich jetzt sterben würde, nicht mal einen Namen. In meinem Kopf hastete ich hin und her und als mich ein weiterer Schmerz durchfuhr hatte ich ihn. Den perfekten Namen.
Mary!
Schnell drehte ich das Gemälde um und schrieb „Mary“ auf dessen Rückseite. Dann wurde alles schwatz und ich sank zu Boden, hinter mir die rote Rose, die ihr letztes Blatt verloren hatte.

„Vater!“ eine wunderschöne stimme ließ mich aufmerksam werden. „Vater!“ die Stimme klang besorgt. Ich öffnete die Augen und sah eine blonde Gestalt vor mir. „Vater!“ sagte sie wieder, aber diesmal erleichtert. „Mary!“ ich war überglücklich sie zu sehen, doch der Schmerz in meiner Brust ließ mir keine Ruhe. „Mary. Schatz hör mir gut zu: Ich muss jetzt gehen, aber ich werde eines Tages wieder kommen. Ich verspreche es dir“, sagte ich mit letzter Kraft meiner wunderschönen jungen Tochter. „Mary. Merke dir: Pass gut auf deine gelbe Rose auf, sie ist die Kraft, die dich lebendig macht. Verliere sie niemals“, das war alles was ich ihr hatte sagen können. Die ganze Zeit hatte sie mich verständnislos angesehen. Ich war sicher sie würde es irgendwann verstehen „Mar-…“  Alles wurde schwatz, die Dunkelheit schien mich zu umhüllen und zu verschlucken. Ich bereue in meinem Leben nichts, außer, dass ich Mary, meine geliebte Tochter, nun allein in meiner Welt zurücklassen muss. Ich bereue nichts, rein gar nichts!
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