Geschichte: Fanfiction / Anime & Manga / Nana / Wish

Wish

von Mangime
KurzgeschichteDrama, Freundschaft / P12
Nana Osaki Yasushi Takagi
02.09.2014
02.09.2014
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Es war ein Zufall.
Keiner hätte erahnen können, dass sie sich hier treffen würden.
In diesem eher schäbigen Pub in einer dunklen Ecke von South-East London.
Es war ein Zufall, dass Yasu sich auf dem Rückweg zum Hotel entschied noch etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen.
Zugegeben von innen wirkte der Laden doch recht gemütlich, trotz der heruntergekommenen Außenfassade.
Er bemerkte sie nicht gleich.
Eigentlich wollte er sich wieder auf den Weg machen denn das erste Bier war schon fast geleert, die Portion Fish n‘ Chips aufgegessen, als eine der Bedienung hinter dem Thresen hervortrat.
Mit einer Gitarre lehnte sie sich an einen der Tische nahe dem Thresen.
Yasu schenkte ihr keine Beachtung, schluckte schnell den Rest des Biers herunter und erst als die ersten Töne der Gitarre erklangen schaute er in Richtung der Frau.
Als sie den Mund öffnete, anfing zu singen, die Wörter über ihre dunkelroten Lippen kamen und ihre raue, kräftige Stimme die ihm so vertraut war, den Raum füllte, begriff er wer dort saß und sang.


Sprachlos hängen die Augen des Glatzköpfigen an der Sängerin.
Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, man kann sehen, dass sie nicht mehr 20 Jahre alt ist, dennoch ist sie immernoch schön.
Die Haare sind kürzer geschnitten als damals, ihre acht Ohrringe trägt sie jedoch wie früher, fünf im linken Ohr, drei im rechten und auch den Vivienne Westwood Ring trägt sie. Das auffällige Make-up steht ihr heute genauso wie als er sie das letzte Mal sah, selbst wenn nach den modernen Standards das wohl zu den dezenteren gehört.
Selbst ihr Kleidungsstil scheint sich nicht zu sehr verändert zu haben, erwachsener vielleicht, aber trotzdem unverkennbar.
Sie singt in den Liedern über Schmerz. Über Einsamkeit. Über das Aufgeben und das weiter kämpfen. Nicht alles versteht er ganz, denn so gut sind seine Englisch Kentnisse doch nicht.
Die letzten Töne verklingen und ein schwacher Applaus kommt auf, kaum einer der Gäste hat ihr richtig zugehört.
Yasu geht auf sie zu, streckt die Hand aus um sie am Arm zu berühren.
„Nana!“
Ihre dunklen Augen weiten sich für einen Moment, sie lässt von der Gitarre und dem Gitarrenkoffer ab, starrt stumm den Mann der jetzt vor ihr steht an.
Er kann ihren Blick nicht wirklich deuten.
Erstaunen?
Entsetzen?
Angst...?
„Nana...“, sagt er noch einmal, leiser... sanfter.
Es scheint als wäre die Zeit eingefroren weder sie noch er rühren auch nur einen Muskel, schauen sich lediglich stumm an, als würden sie in den Augen des anderen nach Sätzen der Erklärung, Wörtern der Rechtfertigung suchen.
„Yasu...“, bringt sie schließlich hervor und die Regungslosigkeit verfliegt als der Größere sie ruckartig fest umarmt.


„Willst du ein Bier?“, fragt Nana als sie beide sich an einen der Tische in einer ruhigen Ecke setzen.
„Danke, ich verzichte. Hatte schon eins.“
Ihr liegt ein ‚das hat dich doch sonst auch nie von einem weiteren abgehalten‘ auf der Zunge, doch sie nickt nur. Jetzt ist nicht wie sonst. ‚Sonst‘ ist vorbei, seit langer Zeit vorbei.
Es ist ungewohnt mal wieder japanisch zu sprechen, doch die Muttersprache verlernt man nicht, auch nicht nach mehreren Jahren.
Sie bringt es nicht über sich ihm in die Augen zu schauen. Etwas zu sagen.
Wahrscheinlich würde jeder andere eine Erklärung verlangen.
Etwas wie ‚warum bist du einfach verschwunden?‘ oder sowas in der Art.
Doch nicht Yasu. Das hat sich nicht verändert, das ist eben Yasu. Er akzeptiert die Dinge, sieht den Geschehnissen zu und greift ein wenn nötig, er versteht einfach.
Trotzdem wallt Angst in ihr auf, er wäre im Recht eine Erklärung zu fordern, wütend zu sein.
Schließlich war sie nach Rens Tod einfach von einen Tag auf den anderen weg.
Egoistisch.
Unüberlegt.
Verzweifelt und zugleich so leer, so hatte sie sich gefühlt.
Sie hatte einfach nur noch weg gewollt, alles hinter sich lassen und vergessen.
Doch das war natürlich nicht möglich, wie sollte es auch?
Sie war geflohen vor allem, vor jedem, hatte Freunde und Heimatland verlassen und in einem fremden Land versucht zu überleben und weiter zu gehen.
Ihr war damals unklar wie sie überhaupt ohne Ren weiterleben sollte und bis heute ist die Frage auf irgendeine Art präsent.
Wie hatte sie es geschafft...?
Vielleicht gar nicht... das was sie als ihr Leben bezeichnet ist viel mehr zu einem Existieren geworden.
Sie hatte Ren geliebt, so sehr. Liebt ihn jetzt noch, so sehr.
„Nana? Wie... geht es dir?“
Nur Yasu würde je auf die Idee kommen in dieser Situation so etwas zu fragen.
Deswegen war es auch immer Yasu gewesen dem sie am meisten vertraut hatte, zu dem sie gelaufen war wenn Probleme da waren.
Yasu und nicht Ren.
Obwohl Ren es war den sie liebte mehr als alles andere... war es immer Yasu gewesen.
„Gut. Alles gut bei mir. Ich arbeite hier. Manchmal darf ich eben nach Feierabend ein bisschen was singen. Ist schon... nett hier... Und? Wie... läufts bei dir so?“
Sie wissen beide, dass das eine mehr oder minder schlechte Lüge ist.
Man merkt ihr die Einsamkeit an.
Es hatte für sie nie jemanden nach Ren gegeben, sie hatte sich keine Freunde gesucht. Alles was ihr lieb war hatte sie verloren und verlassen.
Und ihren Traum hatte sie ebenso aufgegeben. Vielleicht war er auch gestorben.
Doch so war es doch schon immer gewesen... alles was ihr wichtig war wurde ihr entrissen.
Vielleicht ist es aber auch immer nur ein Problem ihres Empfindens gewesen...
„Bist du... noch mit... Miu zusammen?“
Dumme Frage.
Was geht es sie an? Mit wem Yasu zusammen ist, wie er lebt, sie hatte doch damals entschieden aus seinem Leben zu verschwinden.
Dumme Frage!
Dumme Nana!
Yasu nickt und lächelt leicht :“ Ja, wir sind noch zusammen. Nobu hat das Hotel seiner Eltern übernommen. Shin schauspielert mittlerweile und... Nana-chan... wohnt mit ihrer Tochter in der Wohnung. Takumi ist seit einiger Zeit mit ihrem Sohn hier in England. Deswegen bin ich auch hier, ich wollte mich mit ihm treffen.“
Er verstummt und jedes seiner Worte hat ihr einen Stich ins Herz verpasst. Sie sind alle weiter gegangen, haben ihr Leben weiter gelebt, natürlich, sie ist die Einzige die es nicht kann. Immernoch nicht.
Hachi wohnt also noch in der Wohnung...?
Ihrer gemeinsamen Wohnung.
Apartment 707.
Nur, dass sie, Nana, nur noch eine geisterhafte Erinnerung ist die zu dieser Wohnung gehört.
Damals hatte sie noch gehofft, dass selbst wenn Hachi nicht mehr mit ihr zusammen wohnen würde, dieser Ort trotzdem immer ein besonderer Ort für sie sein würde.
Aber auch sie wird weitergegangen sein.
Losgelassen haben.
„Wieso lebt sie nicht mit Takumi zusammen? Haben sie sich getrennt?“
„Nein, sie sind noch verheiratet, aber naja es läuft eben nicht immer alles glatt. Takumi ist eben... Takumi.“
Wütend ballt sich ihre einer Hand zur Faust.
Hachi hat es verdient eine glückliche Ehe zu führen, das ist doch immer ihr Traum gewesen.
Sie sollte glücklich sein!
Und Takumi dieser verd...
„Er ist in England weil er nach dir sucht.“
Der Satz reißt die Dunkelhaarige aus ihren mordlüsternen Gedanken.
„Wir... haben alle nach dir gesucht. Und... Nana-chan wartet auf deine Rückkehr...“
Es ist als würde die ganze, kleine Welt voller Schmerz und Einsamkeit die sie sich gebaut hatte mit diesen Worten in tausend kleine Stücke zerbröckeln.
Stück für Stück zu Staub zerfallen.
Und etwas freigeben was viel gefährlicher sein kann.
Hoffnung.
„Weißt du, du könntest... du könntest zurück kommen, Nana.“
Für einen Moment kann sie vor ihrem geistigen Auge praktisch sehen wie Hachi mit ihrem nicht-existenten  Schwanz wedelt und wie ein kleiner Hund freut.
Doch der strahlende Flecken Hoffnung wird gleich wieder von dunklen Wolken verhüllt.
Endlich schaut sie ihm in die Augen, sieht ihn richtig an, er hat sich kaum verändert.
Immernoch eine Glatze und eine Sonnenbrille, einen Anzug. Älter, aber immernoch Yasu.
Ob es mit den anderen auch so ist?
15 Jahre sind eine lange Zeit.
Sie werden sich verändert haben, weiterentwickelt haben.
Hachi wird nicht mehr dieselbe sein wie damals.
Sie hat sie verloren und es ist ihre eigene Schuld gewesen.
Sie hatte die beiden Menschen die sie wirklich liebt verloren.
Sicher, die Art von Liebe die sie für Ren empfindet ist nicht die gleiche wie die sie für Hachi empfindet, aber sie zu verlieren tat genauso weh...
Ihre eigene Schuld...
Sie selbst hatte Japan verlassen, war geflohen und hatte damit den endgültigen Strich gesetzt, auch wenn Takumi es gewesen war der ihr Beziehung, ihre Freundschaft, überhaupt erst auseinander getrieben hat.
Nein.
Sie kann nicht zurück, sie hat verloren.


Als Yasu und Nana den Pub verlassen und in die kühle Nachtluft treten, zündet sie sich  sogleich eine Zigarette an.
Inhaliert den Rauch und schließt die Augen.
„Sag es ihr bitte nicht, Yasu. Bitte sag es nicht, dass du mich getroffen hast.“
Der Ältere schweigt und nickt dennoch.
Mit einem erzwungenen Lächeln, dass so viel trauriger wirkt als föhlich, auf den Lippen wendet sie sich ihm zu.
„Mach‘s gut.“
Dann, bevor er etwas erwidern kann, bevor er sie aufhalten kann, dreht sie sich um und verschwindet mit ihrem Gitarrenkoffer auf den Rücken in der Dunkelheit.
Tränen rollen ihr über die Wangen, Rauch umhüllt ihr Gesicht und es tut weh, Abschied zu nehmen.
Ihnen noch einmal den Rücken zuzukehren.
Doch es richtig so, nicht?
Für sie ist kein Platz mehr.
Und sie wünscht in diesem Moment mehr als alles andere, dass wenn sie es nicht kann, Hachi wenigstens glücklich leben kann.
Das war immer das Wichtigste...


‚Whatever the life and man that you choose, the essential is that you're happy...Even if I'm not able to become pure to the point of being...Able to wish for this kind of thing from the bottom of my heart. I wanted the image you had of me...to be one of a strong person like a manga hero too beautiful to be true... ‘
                                          -Nana Osaki

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So, das ist also mein erster Nana One-Shot... Ich spiele schon lange mit dem Gedanken was zu Nana zu schreiben, einfach weil ich mich fast komplett mit Nana identifizieren kann und diesen Anime sehr liebe.
Ich hoffe ich habe die Charaktere realistisch dargestellt bekommen.
Über Feedback jeglicher Art freu ich mich, also haut in die Tasten und lasst mir gerne ein Review da,  ich hoffe ihr hattet Spaß beim lesen.
Lg Mangime
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