Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gruppe 10: Kinder der Natur

von MDU-Story
GeschichteFantasy / P12 / Gen
02.09.2014
02.09.2014
10
8.679
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
02.09.2014 960
 
Kapitel 2 - CeceDance


Als Mariana ihre Augen wieder öffnete blickte sie in mehrere, fremde Augenpaare. Was auch immer sie da am Hinterkopf getroffen und zu Boden geworfen hatte, hatte sie wohl außer Gefecht gesetzt, sowie dröhnende Kopfschmerzen hinterlassen. Sie benötigte einen Moment um sich zu sammeln, aber dann wurde ihr alles wieder klar.
Sie war - wie jeden Abend -  laufen gegangen, hatte sich auf einer Lichtung ausgeruht und war aufgrund von Menschenstimmen schnell verschwunden, wobei sie ihre Jacke vergessen hatte.
Ihre Jacke!
Schnell durchforstete Mariana mit ihren Augen den Raum, in dem sie auf einen Stuhl gebunden saß, nach dem von ihr so geliebten Kleidungsstück und erblickte sie auf einem Tischchen in einer weit entfernten Ecke.
Sie musste sie wieder haben.
Das war auch der einzige Grund gewesen wieso sie dieser Gruppe von verschiedenen Menschen die ganze Nacht durch den Wald gefolgt und an dieser alten Ruine geendet war.
Sie hatte sie sich zurückholen wollen.
Schließlich bedeutete sie ihr alles.
Sie erinnerte sie an alles was ihr früher einen Lebenssinn gegeben hatte: ihre Familie, ihr altes Zuhause, einfach ihr altes Leben.

Sie würgte den Gedanken schnell ab und konzentrierte sich wieder auf die Masse an Menschen vor ihr. Sofort spürte sie wie die Angst ihr die Kehle zuschnürte. Im Allgemeinen war sie keineswegs ängstlich, aber Menschen machten sie einfach nervös. Sie mochte keine Menschen und ging ihnen liebend gerne aus dem Weg. Und Menschen die sie ohne Zurückhaltung anstarrten, sowie an einen Stuhl fesselten, konnten bei ihr die sonst so unbekannten Angstgefühle auslösen.
Sie fröstelte leicht unter den Blicken der vielen Menschen und bemerkte, dass es – obwohl sie sich in der Ruine befanden – sehr kalt ohne die Jacke war. Schließlich wurde es ja auch langsam Winter und es war auch noch mitten in der Nacht.

Nun trat ein Mann aus der Menschengruppe heraus. Es war der dunkelhäutige, riesige Anführer, den sie auch auf der Lichtung gesehen hatte und welcher ihre Jacke aufgehoben und mitgenommen hatte. Irgendetwas an dieser Jacke hatte die Männer und Frauen nervös gemacht. Sie hatten davon geredet, ob diese Jacke wohl IHR gehörte, oder als Verwirrung für die Menschengruppe gedacht war, von irgendwelchen Leuten die hinter irgendwelchen Kisten der Menschengruppe her waren.
Wer SIE war hatte Mariana nicht erfahren – nur dass die Gruppe irgendwelche Geschäfte mit ihr machte - und von welchen Kisten sie Sprachen hatte sie auch keine Ahnung. Genauso wenig welche Leute hinter diesen her sein sollten oder was ihre Jacke mit der Sache zu tun hatte.
Sie wollte nur ihre Jacke wiederhaben und verschwinden.

Der Anführer baute sich jetzt vor ihr auf und begann mit ihr zu sprechen: ,,Wer bist du?".
,,Mariana", antwortete sie leise und merkte dass ihre Stimme rau war und zitterte. Sie hatte lange nicht mehr mit Menschen gesprochen. Es war ihr unangenehm wie die Augen der vielen Menschen an ihrem Körper hoch und runter glitten und ihr Gesicht musterten. Jedes Gesicht trug den puren Ausdruck von Feindschaft, was ihre Gefühle nicht gerade positiv unterstützte.

,,Woher kommst du?".
,,Ich wohne am Waldrand in einem kleinen Häuschen". Das sollte ihnen als Antwort genügen.
,,Wovon lebst du?", fragte er jetzt scharf, und auch alle anderen der Gruppe starrten sie nun noch aufmerksamer an.
Nachdenklich überlegte Mariana sich die Antwort auf diese Frage und hob schließlich selbstbewusst den Kopf. Sie sollten nicht wissen was genau sie trieb, wenn sie alleine in ihrem kleinen Häuschen saß und den Sonnenuntergang beobachtete. Ihre Arbeit war ihr Geheimnis und sollte es auch bleiben. Schließlich wurde sie dafür bezahlt. Für die Arbeit und die Geheimhaltung.
,,Ich arbeite in der Nacht".

Die Fremden wechselten beunruhigte Blicke.
,,Wieso bist du hier?", fragte ein anderer der Menschen, und der Anführer blickte ihn verärgert an. Sofort zog der Fragende seinen Kopf ein und zog sich in die hinterste Reihe der Leute zurück. Anscheinend hatte der Anführer wirklich eine sehr große Macht über die anderen.
,,Ich bin hier um etwas zu holen was mir gehört“. Mit durchdringenden Augen blickte Mariana dem Anführer direkt in seine. Kurz weiteten sich seine Augen erschrocken, dann wurde der Ausdruck wieder hart und undurchschaubar.
Auf ihre Antwort hin tuschelten die Leute untereinander und bedachten Mariana mit abwertenden, ängstlichen und ungläubigen Blicke.
,,Kommen sie von IHR?“, fragte eine Frau aus der Gruppe ängstlich, und andere der Menschen atmeten erschrocken ein. Mariana blickte in die abwartende Masse und überlegte eine kluge Antwort.
Was sollte sie nun tun?
Anscheinend hatten diese ganzen Leute sehr viel Angst vor IHR, und wenn sie glaubten Mariana würde zu ihnen gehören, konnte sie das vielleicht für sich nutzen, sich die Jacke schnappen und so schnell wie möglich wieder von hier verschwinden. Sie musste dann zwar ihr Häuschen verlassen, aber das wäre das geringste Problem dass sie in ihrem Leben schon hätte lösen müssen.
,,Ja“, sagte sie also stark und blickte erhaben. Innerlich spürte sie die gewisse Übelkeit die sie immer befiel, wenn sie spürte dass eine Entscheidung Gefahren mit sich ziehen würde. Aber das war sie ja schon gewöhnt.
Nun sprang ihr die Angst der Frauen und Männer wirklich entgegen. Mariana unterdrückte den Drang ihre Hände zu kneten, was bei ihr immer aus Nervosität passierte. Und es gelang ihr mit Erfolg.
,,Seit wann schickt SIE uns Kinder?“, grummelte der Anführer zweifelnd.
Mariana lies sich ihre Empörung über die Bezeichnung als ,,Kind“ nicht anmerken, sondern hob nur eine Augenbraue hoch: ,,Ist das ein Problem?“.
,,Nein ist es nicht“. Ein anderer großer und kräftiger Mann trat neben den Anführer.
Erleichtert atmete Mariana ein und ließ ihre Stimme selbstbewusster und stärker klingen, als sie es wirklich war: ,,Würden sie mich dann bitte losbinden“.

,,Moment!“.
Plötzlich trat ein junger Mann mit kantigem Gesicht aus der Gruppe hervor und bedachte Mariana mit einem nachdenklichen Blick aus seinen dunkelblauen Augen.
,,Ich kenne sie".
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast