Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Alte Erinnerungen

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
01.09.2014
01.09.2014
1
1.990
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
01.09.2014 1.990
 
Hallihallo auch an alle! :D
Das ist ein One-Shot, der mir heute in den Kopf kam und nicht mehr weggehen wollte. (Schlimm ist das...)
Also das hier ist meine Idee davon, wie Helen und Nikola sich kennengelernt haben könnten.
Mit einem Gastauftritt von einem bekannten blutrotem Kleid! ;)
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
„Also wirklich, Nikola! Wie kann man nur so unvernünftig sein?!“, tobte Helen Magnus außer sich.
„Ich weiß ja, dass du dich manchmal kindisch und verantwortungslos benimmst, aber das setzt jetzt dem Ganzen die Krone auf!“

Das serbische Genie stand vor ihr, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, lauschte er ungewöhnlich still der Predigt seiner besten und längsten Freundin.

Bei Gott, sie war wirklich atemberaubend, wenn sie sauer war!

Wie sie so wild und aufgescheucht vor ihm auf und ab marschierte, während die dunkle Lockenpracht hin und her flog, wann immer sie die Richtung wechselte. Er konnte sich nicht helfen, sie faszinierte ihn jeden Tag aufs Neue und er wusste, er würde sich nie an ihr satt sehen können.

Der Physiker erinnerte sich noch gut an den Tag, als er ihr das erste Mal begegnet war.

Damals an diesem sonnigen Herbsttag.

Diese wunderschöne Frau, in ihrem auffallenden, blutroten Kleid und den goldenen Locken, hatte auf ihn wie ein Engel gewirkt. Die Art wie sie durch die Korridore an der Seite ihres Vaters, Doktor Gregory Magnus, geschritten war, anmutig und stolz wie eine Göttin, hatte ihn wortwörtlich von den Füßen gerissen. Der Serbe erinnerte sich noch an einen dumpfen Aufprall, als sein Körper mit einem, überraschend hartem, Holzstamm kollidiert war und er im nächsten Moment, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Boden lag.

Heute war er froh darüber, dass sich zu diesem Zeitpunkt keine anderen Studenten im Innenhof aufgehalten hatten.

Das Nächste woran er sich erinnerte war, dass dieser Engel, der ursprünglich für seine Bekanntschaft mit dem Baum verantwortlich gewesen war, sich über ihn gebeugt hatte und er das erste Mal in diese unglaublichen blauen Augen gesehen hatte.

Vom ersten Augenblick an hatte sie ihn in ihrem Bann gezogen und nie mehr losgelassen.

Nikola hatte schon lange aufgehört, ihrer Tirade aus sarkastischen Kommentaren, lautstarken Wutausbrüchen und unvorhergesehenen Aufschreien folgen zu wollen. Stattdessen konzentrierte er sich mehr auf sie persönlich, statt der Worte, die sie ihm an den Kopf warf.

Seine funkelnden, grauen Augen musterten nun die elegante Frau vor ihm. Von den meterlangen, grazilen Beinen bis zu dem makellosen, wunderschönen Gesicht, das so unverwechselbar Helen Magnus wiederspiegelte, dass er sie selbst blind und taub wiedererkennen würde.

Ihre Bewegungen glichen der einer aufgebrachten Löwin, anmutig und tödlich zugleich.

Während Nikola das Gefühl hatte in ihrer Erscheinung zu ertrinken, bemerkte er nicht, wie ihre Hetzreden gegen ihn aufgehört hatten und seine Herzensdame verwirrt innehgealten hatte.

*~*~*~*~*

Zu Anfang war es ihr nicht aufgefallen. Zu groß war die Wut und Enttäuschung über ihren genialen Freund gewesen. Doch nun kam ihr seine außergewöhnlich ungewöhnliche Stille, sein Mangel an Widerworten und sein offensichtliches Desinteresse an ihren Worten mehr als suspekt vor.

Ebenso war der Ausdruck in seinen Augen äußerst seltsam. Sein klarer, berechnender Blick war vollkommen auf sie fokussiert, doch schien er dennoch ihre Anwesenheit nur am Rande seines Bewusstseins wahrzunehmen. Es wirkte, als wäre er vollkommen in seiner eigenen Welt versunken und schien seine Umwelt überhaupt nicht mehr wahrzunehmen.

Früher, während ihrer gemeinsamen Studienzeit in Oxford, hatte Helen diesen Blick häufiger bei ihrem brillanten, wenn auch verschlossenem, Freund gesehen, doch war dieser niemals auf eine Person, schon gar nicht auf sie, gerichtet gewesen. Stets hatte er aus einem der Universitätsfenster gestarrt, den verträumten Blick starr in die Ferne gerichtet.

Gab sie es auch nur ungern zu, so hatte sie das damals unheimlich hinreißend gefunden. Allgemein hatte Nikola von Anfang an etwas an sich, was die gebürtige Britin von Anfang an fasziniert hatte.

Nicht nur, dass er aus einem gänzlich anderen Land und aus einer anderen Kultur stammte, nein er verhielt sich auch vollkommen anders, als sie es von den normalen, britischen Gentlemen gewöhnt war.

Er war still, in sich gekehrt und dennoch genial und einfallsreich, wie kein anderer und sie wusste vom ersten Tag an, dass dieser Mann eine große Zukunft vor sich haben würde.

Ein ungewollt zärtliches Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, als sie an ihre erste Begegnung mit diesem stillen, damals fast schon schüchternen, Mann zurückdachte.

Damals an diesem sonnigen Herbsttag.

Sie war unglaublich nervös gewesen. Es sollte ihr erster Tag an der Universität sein, nachdem ihr Vater mehrere Fäden gezogen und Gefallen eingefordert hatte, damit seine brillante Tochter doch noch aufgenommen wurde. Zur Feier des Tages hatte er ihr dieses wunderschöne blutrote Kleid geschenkt, welches sie voller Stolz getragen hatte.

Ihr Vater hatte darauf bestanden, sie zu ihrem ersten Kurs zu bringen, wenn die junge Frau es damals auch etwas übertrieben gefunden hatte, war sie doch viel zu nervös gewesen, um lange zu diskutieren.

Sie sah es ganz klar vor sich…


Helen und Gregory liefen gerade einen Korridor am Innenhof entlang, als die junge Blondine einen dumpfen Aufprall vernahm. Vater und Tochter blickten in den Innenhof und sahen einen jungen Mann am Boden liegen. Ganz offensichtlich musste er gegen den Baum gelaufen sein, welcher groß und stolz vor dem Unbekannten stand.

Wie man einen Baum direkt vor sich übersehen konnte, war der Dame völlig schleierhaft, doch sie dachte nicht weiter darüber nach und eilte schnell zu dem am Boden liegenden Gentleman.

Er schien auf den ersten Blick unverletzt, wenngleich sein Blick noch etwas unscharf war. Der Schock schien noch nicht ganz abgeklungen zu sein.

Doch sein Blick fokussierte sich schnell wieder und im nächsten Moment sah sie in ein paar klare, graue Augen.

„Sind Sie verletzt, Mister?“, fragte Helen höflich mit ruhiger Stimme.

Im ersten Moment antwortete der Fremde nicht.

„Nein, alles okay.“, erwiderte er schließlich mit einer überraschend distanzierten Stimme, zusammen mit einem starken slawischen Akzent.

Umgehend war Helens Neugierde entfacht. Dieser Mann kam von weit her. Was er wohl schon für Dinge gesehen hatte?

Helen hatte London niemals wirklich verlassen, abgesehen von den Besuchen bei ihrem Onkel auf dem Lande.

Die unerfahrene junge Frau war begierig darauf, mehr von diesem Fremden zu erfahren.

„Kommen Sie, ich helfe Ihnen.“, sagte Helen und bot dem Mann ihre Hand zur Hilfe.

Überraschenderweise nahm er diese lächelnd an. Helens Neugierde steigerte sich erneut um ein Vielfaches. Er benahm sich völlig anders, als alle Männer, denen sie je begegnet war. Ein typisch britischer Gentleman hätte niemals die Hilfe einer einfachen Frau angenommen.

„Vielen Dank.“, sprach der Mann mit dem starken Akzent. Er schien noch nicht allzu lang in England zu sein.

„Sind Sie sicher, dass Ihnen nichts fehlt? Das schien sehr schmerzhaft gewesen zu sein.“, erkundigte sie sich erneut.

Der Fremde lächelte sie beruhigend an: „Ne brini, Miss. Es geht mir gut.“

„Wenn Sie mir die Frage verzeihen, aber woher stammen Sie ursprünglich?“, fragte Helen und biss sich im nächsten Moment auf die Zunge. So etwas fragte man niemanden, dem man gerade erst kennengelernt hatte und noch nicht mal seinen Namen kannte!
„Ähm, verzeihen Sie mir meine Neugierde, Mister…“


„Tesla. Nikola Tesla.“, stellte sich der Mann nun vor und ergriff sogleich Helens Hand. „Freut mich sehr Sie kennenzulernen. Und es besteht keinerlei Anlass, sich zu entschuldigen, Miss…“

Nun begann Helen ihrerseits zu lächeln und freundlich antwortete sie: „Mein Name ist Helen Magnus.

Der Mann, Nikola Tesla, grinste daraufhin und entblößte daraufhin seine leicht spitzen Zähne: „Ein wunderschöner Name für eine wunderschöne Dame. Es ist mir eine große Ehre Sie kennenzulernen, Miss Magnus.“

Helen spürte zum ersten Mal in ihrem Leben, wie eine ungewöhnliche Hitze ihren Hals hinaufstieg.

Noch nie hatte es ein Mann geschafft sie in Verlegenheit zu bringen.

Sie war aber auch noch nie einem Mann wie diesem begegnet. Seine gelassene Art mit ihr umzugehen, verunsicherte die junge Dame etwas.

Der Blick des Fremden zuckte an ihr vorbei und schließlich ließ er ihre Hand wieder los.

„Ich möchte Sie dann auch nicht weiter aufhalten. Ich glaube, Ihr Vater wird etwas ungeduldig dort hinten.“

Nun fiel Helen wieder ein, dass sie ja eigentlich zu ihrem ersten Kurs musste und ein prüfender Blick hinter sie bestätigte, dass ihr Vater bereits ungeduldig auf seine Taschenuhr sah.

„Richtig.“, erwiderte Helen etwas enttäuscht. „Nun, es war mir ein Vergnügen Sie getroffen zu haben, Mister Tesla.“

Nikola nickte: „Das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite, Miss Magnus. Lassen Sie uns das bald wiederholen.“

Er hob gelassen die Hand zum Abschied und wandte sich zum Gehen um, hielt dann jedoch noch einmal inne und sah sie an.

„Ach übrigens, ich komme ursprünglich aus Serbien. Das hier ist mein erstes Jahr.“

Ohne ein weiteres Wort wandte er sich um und verschwand auf der anderen Seite des Innenhofs in den Korridoren der Universität.

Helen sah ihm fasziniert hinterher, während ein verträumtes Lächeln auf ihren Lippen lag.

„Nikola Tesla aus Serbien.“, murmelte sie abwesend vor sich hin.

„Helen! Liebling, komm wir sind bereits spät dran!“, rief Gregory schließlich und riss seine Tochter damit aus den Gedanken.

„J-ja. Natürlich, Vater, ich komme sofort.“

Eilig lief die Frau zurück zu dem älteren Herrn und gemeinsam gingen sie den Korridor wieder entlang.

„Wer war dieser Mann, Helen?“, fragte Gregory seine Tochter neugierig.

Ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Lippen: „Eine überaus faszinierende Persönlichkeit, Vater.“

Verwirrt und misstrauisch über die Antwort seiner, sonst so rationalen, Tochter hob Gregory fragend eine Augenbraue, doch schien sein Mädchen ihn gar nicht wahrzunehmen.

War Helen eben noch nervös über ihre erste Unterrichtsstunde gewesen, so schien dieser Umstand durch Vorfreude ersetzt worden zu sein. Er hatte gesagt, dass dies hier sein erstes Jahr sei –Genau wie sie. Ein fröhliches Lächeln hellte das Gesicht der jungen Wissenschaftlerin auf. Sie waren beide Erstsemester, dass würde bedeuten, dass sie vermutlich einige Kurse miteinander hatten!

Bei diesem Gedanken verschwand auch das letzte bisschen Nervosität in ihr. Jetzt konnte ihre Studienzeit beginnen…


Das gedankenverlorene Lächeln auf Helens Lippen hatte sich um ein Vielfaches verstärkt, als sie in dieser alten Erinnerung gehangen hatte und nur langsam fand sie in die Realität zurück. Ihr Blick fokussierte sich wieder und sie nahm die vampirische Version dieses Mannes vor sich wahr, welcher allerdings nicht weniger tief in Gedanken verloren zu sein schien.

Angestrengt versuchte sich die brünette Frau daran zu erinnern, was vor ihrem kleinen Flashback gewesen war. Sie wusste, dass sie ziemlich sauer auf Nikola gewesen war, doch wieso oder weshalb wollte ihr beim besten Willen nicht einfallen.

Bevor sie noch weitergrübeln konnte, betrat ihr eifriger Protegé ihr Büro, den Kopf tief in einer Akte gesteckt.

Als er die absolute Stille um ihn herum wahrnahm, blickte er auf und musterte verwirrt die Szenerie vor sich.

Seine Chefin und der Vampir standen regungslos einander gegenüber. Sie sprachen nicht miteinander, sie stritten nicht miteinander, Herr Gott Tesla flirtete nicht einmal mit Magnus. Was ging hier vor sich?

„Verzeihung?“, fragte Will schließlich unsicher in den Raum hinein und nun schien auch Nikola endlich aus seinen Erinnerungen zurückzukehren.

Verwundert blickte er den Protegé an: „William? Seit wann sind Sie denn hier?“

Okay, nun war definitiv irgendetwas faul!

„Ist alles okay?“, fragte der ausgebildete Psychologe.

Helen und Nikola sahen sich einen Moment ausdruckslos an.

Die renommierte Xenobiologin war die erste, die sich wieder find und nun trat wieder ein zorniges Funkeln in ihre blauen Augen, wenn es auch nicht mehr so stark war, wie vorher.

Mit selbstsicheren Schritten trat sie auf den serbischen Vampir zu und baute sich bedrohlich vor ihm auf.

„Das das nicht nochmal passiert! Verstanden, Nikola?“, fragte sie mit wütender Stimme.

Nikola, welcher offen gestanden keine Ahnung hatte, was sie meinte, nickte leicht.

„Verstanden.“, antwortete das Genie monoton und verschwand schnellen Schrittes aus dem Büro.

Einen Moment herrschte Stille, bis sich Helen schließlich zu dem jungen Profiler umdrehte und ihn lächelnd ansah:

„Nun, Will? Worüber wollten Sie mit mir sprechen?“
_________________________________________________________________________________________________
So, kraj (ende)! :)
Hoffe euch hat diese kleine Geschichte ebenso erheitert, wie mich.
Wie immer würde ich mich über eure Meinung freuen.
LG Helen
P.S.: 'Ne brini' ist serbisch für 'kein Problem'
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast