Abschied für immer

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
Heinz Pasulke
01.09.2014
01.09.2014
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Der Unterricht hatte gerade begonnen, als Herr Berger plötzlich eine Durchsage machte.

Liebe Schülerinnen und Schüler, verehrte Kolleginnen und Kollegen.
Soeben erhielt ich eine traurige Nachricht. Sicher haben sich einige von euch schon gefragt wo denn unser lieber Herr Pasulke ist. Nun vor etwa 2 Wochen hat er sich überraschend krank gemeldet und seitdem hatte ich nichts mehr von ihm gehört... bis heute! Denn gerade erhielt ich die Nachricht das unser aller geliebter Herr Pasulke vor wenigen Tagen verstorben ist. Für mich und sicherlich auch für euch ist diese Nachricht ein großer Schock. Daher wird der Unterricht die nächsten Tage ausfallen!


Geschockt saßen die Schüler in den Klassenzimmern und auch den Lehrern ging es nicht besser. Niemand und zwar wirklich niemand hatte mit so einer Nachricht gerechnet! Die ersten Schülerinnen fingen bereits an zu weinen. Ihr Pasulke war gestorben. "Die gute Seele vom Einstein" wie es jemand einmal treffend ausgedrückt hatte.

Die Beerdigung findet mit Trauerfeier morgen um 15 Uhr statt. Es ist jedem freigestellt zu kommen. Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit.

Totenstille herrschte nun nach dem Ende der Durchsage in den Klassenzimmer bis auf vereinzelte Schluchzer. Jedem war sofort klar, dass sie ALLE zur Beerdigung gehen würden!

Ein Tag später, 14 Uhr:

Stille herrschte auf Schloss Einstein... eine Stille die es auf der Schule so bisher noch nie gab. Aber das war klar, denn niemand hatte Lust an solch einem traurigen Tag fröhlich rumzurennen. Einige Schüler standen vor dem Haupteingang, darunter auch Tommy und dieser war auch der Erste der sie sah. "Seht mal da!", rief er plötzlich. Alle drehten sich verwirrt zur Einfahrt um und sie sahen es. Eine ganze Wagenkolonne. Alle waren sie gekommen um ihren Herrn Pasulke zu verabschieden.

Bella und Justus kamen aus Berlin und da waren auch Jo & Sándor, die extra aus Ungarn eingeflogen waren. Dann waren da noch Clara aus Spanien, Elias aus Südafrika, Mary und Philipp aus Kalifornien, ebenso wie Liz aus den USA. Ja sogar Annika war da! Alle begrüßten sich, aber so rechte Freude konnte nicht wirklich aufkommen.

Da kamen auch schon die nächsten. Bruno, Feli, Ronja & Tamas kamen direkt aus Bulgarien. Dann waren da noch Kim, Berti, Magda & Nino. Auch Sophie war aus Nürnberg hergekommen, ebenso wie Emma aus Indien. Selbst Coco war gekommen.

Und das waren noch nicht alle. Tim war da und auch Milena. Ebenso wie Fabian, Ole, Julia, Marie-Luise, Hannes und Mounir. Layla und Manuel kamen aus München, Vivien mit Tom aus New York. Mia, Max und Karla mit Freddy aus London.

Im nächsten Wagen waren Paulina und Lucky mit dem nun nicht mehr ganz so kleinen Heinz. Auch Paulinas Mum war mitgekommen.

Immer mehr ehemaligen Schülerinnen und Schüler erschienen auf dem Schulhof bis alle da waren. Aber es waren sogar noch mehr, denn sogar einige Seelitzer waren gekommen, ebenso wie ein paar Lehrer von dort.

15 Uhr:

Und jetzt saßen sie alle im Trauergottesdienst. Der Pfarrer begann:

Sehr geehrte Trauergemeinde!

Die Nachricht vom Tode Heinz Pasulkes hat Sie zu dieser Stunde an diesen Ort zusammengeführt.

In der kurzen Zeitstrecke zwischen der Kunde von seinem Tode und der Notwendigkeit, jetzt von ihm Abschied zu nehmen, ist uns allen der Tote als höchst lebendig gegenwärtig. Die Trauer über seinen Tod ist die Trauer um sein Leben. Das macht den Schmerz aus. Die letzte Begegnung mit ihm - verabredet oder zufällig, seine Gestalt, sein Gang, sein Gesicht, das Gespräch – lässt ihn noch einmal deutlich aus der Erinnerung hervortreten. Da wird er fassbar.

Doch unfassbar ist er dennoch, schon entzogen. Im Abschied erinnert der, der von Ihnen gegangen ist,  erinnert der Tote an den Lebenden. Das ist abschiedliches Leben. Um solche Unumgänglichkeit des Todes hat Er wohl gewusst.

Wenn  zwischen  Ihrer  letzten Begegnung  mit ihm und  dieser letzten Stunde mit ihm für  Sie  seine Persönlichkeit noch einmal aus der Erinnerung hervortritt und weitere Erinnerungen des sehr unterschiedlich  verlaufenen gemeinsamen Weges auslöst, ihn gleichsam hervorruft, so beginnt damit das, was Sigmund  Freud  Trauerarbeit  genannt  hat. Dabei  bedenken  Sie  die Wechselseitigkeit der  Begegnungen, nicht  nur  das  Bild und die Vorstellung, die Sie  von  ihm  in Ihrem  Leben  gewonnen  haben.

Auch Heinz Pasulke, der Freund, der Hausmeister, der  Onkel, der Bruder hat ebenso ein Bild   von  Ihnen  gehabt. Ihnen ist er der Onkel gewesen. Sie  ihm  die Nichte. Ihnen ist er  der  väterliche  Freund,  Sie  ihm  der  Lebenspartner seiner Nichte gewesen. Ihnen  ist er der Bruder gewesen,  Sie  ihm die Schwester. Ihnen ist er als Hausmeister der gute Freund, Sie ihm die Schüler und Freunde.

Trauern  ist   immer  auch  sterben,  wie   sein   Sterben  in  den  bösen  Gefährdungen  der  Gesundheit  und  seines Lebensgefühls  der  letzten  Jahre  schrittweise  auch  ein  Trauern  um das  mit  Ihnen  gemeinsame  wie um das eigene Leben gewesen ist.

Wer ist Ihr Bruder, wer Ihr Onkel, wer Ihr Hausmeister,  der väterliche Freund gewesen? Er lässt sich nicht -  er ist auch nicht in wertenden Adjektiven - wie auf Todesanzeigen in den Tageszeitungen -  zu würdigen und  zu beschreiben. Wiedererkennbar bleibt der Lebende wie auch der Tote in den erinnerbaren Begegnungen und Gesprächen. Da ist er gleichsam heraus erzählbar.

Da ist Biographisches wie das zu seinem Geburtstag, in denen ihn diese Stadt und Schule umspannte. Sie alle haben so einiges mit ihm erlebt. Die Einen mehr und die Anderen weniger, aber alle haben Sie ihn geliebt.

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? fragt der Psalmbeter Gott und er fährt bekennend fort: Du machst ihn wenig geringer als Engel, mit Ehre und Hoheit kröntest du ihn. Du setztest ihn zum Herrscher über das Werk deiner Hände, alles hast du ihm unter die Füße gelegt.  Hochgemutet - ohne Hochmütigkeit oder falsche Demut - vermag der Glauben des alttestamentlichen Beters derartig frei froh vom Menschen zu sprechen. Auch von seiner Vergänglichkeit und Endlichkeit. Doch vergessen wir nicht, wie der Psalm 8 beginnt:

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? frage ich stellvertretend für Sie Gott. Ich stimme in dieses Psalmengebet ein und frage für den Heinz Pasulke. Dabei begegne ich dem gleichen Phänomen, wenn ich die Bibel aufschlage. Jenseits,  oder habe ich zu sagen, diesseits aller Dogmatik und Metaphysik stoße ich in der Gottesfrage, ja, in den letzten Fragen des Lebens, auf Geschichten, auf einen erzählenden Glauben. Selbst das ökumenische Glaubensbekenntnis, das sonntäglich im Gottesdienst gesprochen wird, lässt in den zu Partizipien geronnenen Verben deutlich erkennen, was sich da für den Gottesglauben herauserzählen  lässt,  nicht  nur an Festtagsgeschichten des Kirchenjahres,  auch an  alten Vor- und Nachgeschichten.

Lassen Sie in aller Trauer und Traurigkeit die Dankbarkeit aus diesem Leben, das mitten unter Ihnen gewesen ist, herauswachsen. Dankbar zu gedenken und dieses Leben und Sterben im Tod dem Gedächtnis Gottes, seiner Gnade, anzuempfehlen.

Behalten Sie ihn so in ihrer Erinnerung, so wie sie ihn alle gekannt und geliebt haben.


Nach dem Ende der Rede stand einer nachdem Anderen auf, um hinter den Sargträgern mit zum Grab zu gehen. Dort hielt der Pfarrer noch die Grabrede und dann konnte jeder, egal ob Schüler, Lehrer oder Verwandter noch etwas ins Grab werfen.

Am Tag darauf:

Alle hatten sich nocheinmal vor dem nun geschlossenen Grab versammelt. Dort stand es nun:

In unseren Herzen lebt er weiter

Heinz Pasulke

* 17.10.1957               
† 20.08.2014

Ruhe in Frieden


Einige Schüler hatte ein Lied vorbereitet und fingen nun an zu singen:

Would you know my name
If I saw you in heaven?
Would it be the same
If I saw you in heaven?

I must be strong
And carry on
'Cause I know I don't belong
Here in heaven

Would you hold my hand
If I saw you in heaven?
Would you help me stand
If I saw you in heaven?

...

I must be strong
And carry on
'Cause I know I don't belong
Here in heaven

'Cause I know I don't belong
Here in heaven


Als das Lied beendet war, gab es kein Halten mehr. Alle und zwar wirklich ALLE weinten. Sei es Schüler, sei es Lehrer oder auch die Erzieher. Sie alle trauerten nun um ihren geliebten Herrn Pasulke.
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Ich hoffe ich habe die Story für unseren Herrn Pasulke würdig beendet.


Hier noch einige Fakten:

1. Das Lied heißt "Tears in Heaven" und ist von Eric Clapton (ihr kennt es bestimmt alle)
2. Die Trauerrede habe ich aus dem Internet (teils gekürzt und verändert)
3. Ich habe den GeburtsTAG des Schauspielers genommen und das GeburtsJAHR ist das, welches Herr Pasulke einmal bei Schloss Einstein erwähnt hat.
4. Das Todesdatum entspricht exakt dem des Schauspielers.
5. Und das war auch der Grund warum ich das geschrieben habe.
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