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KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte
01.09.2014
01.09.2014
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Niemand hatte gedacht, dass ausgerechnet ein solcher Schicksalsschlag sie wieder zusammenführen sollte. Die Nachricht hatte alle an den unterschiedlichsten Orten erreicht. Frieda hatte gemeinsam mit ihrem Sohn Henry und Willi zu Mittag gegessen und Wilmas Generalprobe war gerade zu Ende gewesen. Melanie  lag am Strand in Spanien und Trude saß im Büro.

Jeder lebte sein eigenes Leben und dennoch trafen sich die Freundinnen regelmäßig. Keine konnte sich ein Leben ohne ihre Freundinnen vorstellen, denn schon als Kinder hatten sie sich versprochen füreinander da zu sein. Auch wenn sich die Bande schon vor Jahren aufgelöst hatte, war die Freundschaft nicht zu Ende gewesen.

Frieda würde Freds Stimme nie vergessen. Weinend hatte er sie angerufen und sofort war sie  zitternd mit dem Auto den vertrauten Weg zum Haus ihrer besten Freundin gefahren.  

„Ein Unfall“, flüsterte Fred und schloss Frieda in seine Arme. Er versuchte seine Trauer nicht zu verstecken. Alles wirkte noch so unreal und es war, als hätte er nicht wirklich begriffen.

Den Tod seiner Frau zu begreifen war vermutlich das Schlimmste und gemeinsam versuchten sie ihre engsten Freunde zu erreichen. Jeder reagierte anders und als Fred Sybille endlich erreicht hatte, hielt er Friedas Hand fest umklammert.

Es war ein Tag wie jeder andere gewesen, und dennoch musste er auf so schreckliche Weise enden. Sprotte war mit ihrem Fahrrad unterwegs gewesen. Sie hatte ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch gehabt  und dann hatte sie  ein Autofahrer einfach  übersehen. Sofort war Fred ins Krankenhaus gefahren, doch die Ärzte hatten nichts mehr für seine Frau tun können.  Seine Wut und Trauer ließen sich nicht in  Worte fassen. Eine Sekunde hatte ein Autofahrer nicht aufgepasst. Eine Sekunde war seiner Frau zum Verhängnis geworden „

Das ist unmöglich“, flüsterte Alma am Telefon  und es war das erste Mal, dass Frieda sie weinen hörte.

“Wie soll ich das alles schaffen ohne sie? Ich liebe sie so sehr. Ich wünschte mir, dass ich ihr das noch ein letztes Mal sagen könnte “, schluchzte Fred verzweifelt und Frieda konnte nicht antworten.

Sie kannte keine Antwort auf diese Frage, denn sie wusste selbst nicht wie eine Welt ohne Sprotte aussehen konnte.

„Ich liebe sie doch auch“, entgegnete sie und die Tränen liefen über ihr verweintes Gesicht. Die ganze Nacht blieb sie bei Fred im Haus und auch wenn sie beide keine Sekunde schlafen konnten, versuchten sie sich mit ihrer Anwesenheit zu trösten.

Es war wie in einem Film, denn beide wünschten sich nur aufzuwachen und  dass  der  Albtraum endlich ein Ende nehmen würde.

„Was soll das heißen ein Unfall?“, fragte Melanie erschrocken, kaum hatte man sie in Spanien erreicht und wenige Minuten später buchte sie einen Rückflug nach Hause. Sie wollte nun nur noch bei ihren Freunden sein.  

Die Nachricht erreichte sie alle an unterschiedlichen Orten, doch alle fühlten dasselbe in diesem Moment. Fassungslosigkeit, Trauer, Liebe und alle vermissten sie von der ersten Sekunde an.


Eine Woche später stand eine kleine Gruppe am Grab ihrer besten Freundin und sie gaben  sich gegenseitig Halt.

Jeder versuchte auf eine unterschiedliche Weise mit dem Unfall und dem Tod ihrer besten Freundin klar zu kommen, doch sie wussten dass sie sich aufeinander verlassen konnten.

Sie war viel zu jung gestorben und das  nur weil jemand eine Sekunde unvorsichtig war, und auch wenn es sie alle zuerst traurig, dann wütend und schließlich verzweifelt gemacht hatte, waren sie sich alle einig.

Sprotte war ein unglaublicher Mensch gewesen und für sie alle war es ein großes Glück  sie gekannt und geliebt zu haben.
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