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Die Bürde der schwarzen Magier II - Die zwei Könige

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Mix
Ceryni Lord Dannyl Lord Dorrien Regin Savara Sonea
31.08.2014
19.07.2016
62
755.198
97
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31.08.2014 1.355
 
Prolog



Der Sachakaner kam näher. Sein Gesicht war hinter der Maske nicht zu erkennen, doch der Ausdruck in seinen Augen war kalt und grausam. „Du entkommst mir nicht“, sagte er in einer Sprache, die er niemals vergessen würde, und erweckte damit Erinnerungen zum Leben, die er am liebsten für alle Zeiten aus seinem Gedächtnis gestrichen hätte. „Jetzt gehörst du mir.“ Auf seine Worte folgte Panik. Der Sachakaner griff an und sie konterte, wissend, ihr Schild würde jeden Augenblick zusammenbrechen.

- Sonea, wo bist du?

Ein Bild blitzte vor seinen Augen auf. Felsen, eine Hügelkette am Horizont. Und überall Leichen. Zu viele Leichen. Sich umblickend konnte er die Richtung und ihre Position abschätzen. Sie hatte sich viel zu weit von ihm entfernt. Wie hatte das passieren können?

Die Faust um seinen Speicherstein geballt, rannte er los.

Rote und blaue Blitze streiften seinen Schild, als er zwischen den Gruppen von Gildenmagiern und Sachakanern hindurchrannte, doch er ignorierte sie. Ein Schildsenker hätte ihn beinahe getroffen, hätte der verantwortliche Alchemist ihn nicht rechtzeitig bemerkt und die Richtung der Phiole geändert. Er konnte hören, wie sie hinter ihm in der Luft zerbarst, als einer der Sachakaner sie zerstörte.

Die Gegner kamen jetzt immer öfter einzeln oder zu zweit. Es war offenkundig, dass sie stärker waren, weil sie entweder zu den mächtigeren Ashaki gehörten, oder noch gar nicht gekämpft hatten. Inzwischen hatten einige herausgefunden, dass hinter manchen Angriffen etwas verborgen war, das mit ihrem Schild reagierte und sie für einen Moment verwundbar machte. Immer öfter zerplatzten die Phiolen nun wirkungslos auf halbem Weg zu ihrem Ziel.

Auch ohne sich umzublicken, wusste Akkarin, dass sich die Schlacht gerade zugunsten der Sachakaner wendete.

Ich hätte ihr niemals erlauben dürfen, zu gehen.

Er hatte kaum die Hälfte der Distanz zu ihr zurückgelegt, als zwei Sachakaner sich ihm in den Weg stellten. Ein Sturm aus Zorn und Ohnmacht brach über ihn herein und er kanalisierte die Magie aus seinem Speicherstein in einen vernichtenden Angriff. Die brutale Stärke hinter seinen doppelten Hitzeschlägen zwang die Schilde der beiden Sachakaner nieder. Rasch sandte er zwei Kraftschläge hinterher – und seine Gegner gingen in Flammen auf, als sie im Augenblick ihres Todes die Kontrolle über ihre verbleibende Magie verloren. Hitze sengte über seinen Schild und grelles Licht blendete ihn für einen kurzen Augenblick, dann war es vorbei.

Mit Entsetzen erkannte er, dass der Befreiungsschlag seinen Speicherstein nahezu geleert hatte. Einen Fluch murmelnd zog er die verbleibende Magie in seine eigene Quelle und warf den Kristall fort. Nun, dann würde er eben so weiterkämpfen. Ein humorloses Lächeln zerrte an seinen Mundwinkeln. Er hatte noch immer seine eigene Magie und die, die er von den anderen Magiern seit dem Aufbruch vom Nordpass genommen hatte. Das musste genügen.

Dann rief sie erneut nach ihm.

- Halte durch, ich bin gleich da, sandte er ihre Furcht spürend. Bleib ruhig und versuche, nicht die Nerven zu verlieren.

- Pass auf! Da kommen drei von rechts.

Er wandte den Kopf. Drei weitere Sachakaner steuerten auf ihn zu und versperrten ihm den Weg. Akkarin ballte die Fäuste. Als hätten sie nur darauf gewartet! Er war ein Fehler gewesen, sie gehenzulassen. Aber wie hätte er sie daran hindern können, ihre Freunde zu retten, wenn er selbst seinen besten Freund nicht hatte retten können?

Auch nach fast einem Jahr war die Erinnerung daran noch immer so präsent in seinem Kopf, als wäre es gestern gewesen. So viel war unausgesprochen geblieben …

- Im Krieg ist kein Platz für Sentimentalitäten, rief er sich ins Gedächtnis. Und dennoch hatte er selbst darin versagt. Jetzt musste er retten, was es noch zu retten gab.

- Balkan, Vinara lenkt diese Drei ab, sandte er an die Gruppen, die zu seiner Unterstützung herbeigeeilt waren.

- Wir werden sie uns vornehmen, antwortete Balkan grimmig wie eh und je.

- Geht und beschützt Sonea, sandte Vinara. Wir geben Euch Deckung.

Er rannte, kaum auf seine Umgebung achtend. Angriffe von überall bombardierten seinen Schild, doch er reagierte nicht darauf. Er hatte schon zu viel Zeit verloren.

Nur eines zählte.

Sie noch rechtzeitig zu erreichen.

Der Sachakaner griff ihren Schild mit Kraftschlag an. Auch durch ihr Blutjuwel konnte Akkarin die in dem Angriff steckende Wucht spüren. Dieser Gegner war einer der stärkeren und sie hatte fast ihre gesamte Magie aufgebraucht.

- Lass ihn glauben, du würdest dich ihm ergeben, sandte er. Ich will nicht, dass du dich völlig erschöpfst.

Durch den Blutring war ihr Zögern überdeutlich. Für einen kurzen Moment würde sie verwundbar sein und sie würde schnell handeln müssen, wenn sie das Herz ihres Gegners zum Stillstand bringen wollte. Doch ihr gingen allmählich die Möglichkeiten aus.

- Akkarin, solange halte ich nicht mehr durch. Er hat mich gleich.

Das war nicht gut. Dann hatte sie weniger Magie übrig, als er angenommen hatte.

- Alle, die sich in Soneas Nähe befinden, eilen ihr SOFORT zur Hilfe!, befahl er.

Ein weiterer Kraftschlag folgte. Ihr Schild brach zusammen. Auf den Kraftschlag folgte ein roter Blitz und sie ging zu Boden.

Akkarins Herz setzte einen Schlag aus, als für einen kurzen Augenblick seine gesamte Welt ins Wanken geriet. Nein! Nicht erst Isara und jetzt auch noch sie!

Und dann …

- Akkarin!

Für einen Augenblick erlaubte er es sich, aufzuatmen. Es war nur ein Betäubungsschlag gewesen. Aber damit war sie handlungsunfähig.

Der Sachakaner beugte sich über sie und zog sein Messer. Akkarin stieß einen derben Fluch aus. Er war noch immer zu weit entfernt. Es blieb ihm nur noch zu hoffen, dass es ihr gelang, den Kraftfluss zu stoppen, während ihr Gegner ihre Magie nahm. Sie hatte hart an sich gearbeitet, um diesen Trick zu lernen, doch sie hatte es nur an ihm geübt. Jetzt hingegen hatte sie Angst. Große Angst. Besaß sie genug Geistesgegenwart, um ihre Angst zu überwinden? Besaß sie überhaupt noch genug Magie, um den Kraftfluss rechtzeitig zu stoppen?

Seine Furcht um sie zurückdrängend rannte er weiter. Ein weiterer Sachakaner versperrte ihm den Weg und attackierte ihn mit Hitzeschlägen so stark, dass Akkarins Schild zu schwächeln begann. Er würde nicht an ihm vorbei kommen. Ich werde kurzen Prozess mit ihm machen.

Eine grimmige Entschlossenheit verspürend wandte er sich seinem neuen Gegner zu und griff an. Eine Flut von Emotionen ließ ihn beinahe taumeln.

Sie hatte Todesangst.

Er würde es sehr kurz machen.

- Verzeih mir. Ich liebe dich.

Ihre Präsenz verschwand aus seinem Bewusstsein.

Für einen kurzen Augenblick nahm ihm der Schmerz beinahe den Atem. Sie waren einander so nahe, dass ihre Gedanken zu einem Teil von ihm geworden waren. Auf kurzen Distanzen konnte er sie mit seinen Sinnen spüren, auf größeren trug sie sein Blutjuwel. Sie war immer bei ihm, sie gehörte ihm allein.

Sie war die Liebe seines Lebens.

Und plötzlich wusste Akkarin mit absoluter Klarheit, was er zu tun hatte. Es war die einzige Chance, die ihm noch blieb, wenn er sie nicht verlieren wollte.

Er zog den wilden Speicherstein aus seinem Beutel. Nehmt diesen, hatte sie gesagt, bevor sie gegangen war. Ihr wisst besser, wie man ihn benutzt, als ich.

- An alle Gruppenführer, sandte er, während er den Kristall mit seiner Faust umschloss. Verstärkt Eure Schilde MAXIMAL! SOFORT!

Noch während ihn der Sachakaner erneut mit Hitzeschlag attackierte, griff Akkarin nach der Magie im Innern des kleinen Kristalls. Das berauschende Gefühl war jedoch nur von kurzer Dauer. Die Magie war nahezu unmöglich zu kontrollieren. Es kostete ihn all seinen Willen, sie in seine eigene Quelle zu ziehen. Hitze sengte über seine Hand, als ein Teil der Magie nach außen entwich und der übelkeitserregende Geruch von verbranntem Fleisch und Stoff drang in seine Nase. Rasch zog er seinen Schild nach innen, um sich vor der ungebändigten Magie zu schützen, die jetzt in immer größeren Mengen aus dem Kristall strömte. In einem letzten verzweifelten Versuch versuchte er, die Magie direkt auf seinen Gegner zu lenken, so wie er es bei jedem normalen Speicherstein getan hätte. Doch es war vergebens. Die Magie des Speichersteins entzog sich zusehends seinem Willen, bis der Kristall in seiner Hand zerbarst.

Es folgte ein weißer Blitz, der die Ettkriti-Ebene in ein Licht heller als Sonne tauchte und alles in seiner Umgebung vernichtete, das nicht unter einem schützenden Schild ausharrte. Dann versagte sein Schild und seine Sinne schwanden.

Und dann war da nur noch Schwärze.
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