O' Neill's Irish Pub

von Charybdis
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Captain John "Soap" MacTavish Lieutenant Simon "Ghost" Riley
31.08.2014
31.08.2014
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Simon saß etwas gelangweilt, alleine und mit einem halb-leeren, gegebenenfalls auch halb-vollen, Glas Guinness in seinem Irish Pub. Gut, es war nicht sein Pub, aber in seiner Freizeit verbrachte er hier wahrscheinlich mehr Zeit als in seiner Wohnung. Allerdings war es in O' Neill's Irish Pub auch etwas heimeliger und wohnlicher als in seiner eigenen Wohnung. Das war, bei näherem Betrachten, eigentlich bemitleidenswert.

Tatsächlich bestand seine Wohnung, die den Namen Bruchbude viel mehr verdiente, aus zwei Zimmern und einem Bad, in dem man kaum zwischen Dusche, Toilette und Waschbecken stehen konnte. Sein Schlafzimmer war gerade groß genug für ein Bett (1 Meter x 1,20 Meter, er hatte sowieso keine Beziehungen romantischer Natur, für Sex reichte das Bett aber vollkommen) und einen kleinen Schrank. Die Küche-Esszimmer-Wohnzimmer-Kombination war auch alles andere als ein innenarchitektonisches Highlight. Ein durchgesessenes Sofa, auf dem wahrscheinlich schon Jesus gechillt hatte, sein Laptop, der auch Fernseherersatz war, ein kleiner Küchentisch mit zwei Plastikklappstühlen, die eigentlich für einen Garten gedacht waren, und eine ebenfalls Asbach uralte Küchenzeile. Es ließ sich aushalten, aber schön war es nicht, was zum größten Teil aber Simons eigene Schuld war, schließlich könnte er durchaus einen Lampenschirm für die Glühbirne im Bad kaufen. Da ihm das aber relativ scheißegal war, tat Simon es nicht.

Abgesehen davon, dass er seine Freizeit so gut wie immer bei Sean O' Neill verbrachte, hatte Simon auch nicht besonders viel Freizeit. Vielleicht mehr als damals beim SAS, aber als freischaffender Bodyguard für alles und jeden bestand sein Leben eben auch nicht nur aus Ferien. Zwar brachte ihn sein Job oft an schöne Orte, doch er war ja nicht da, um zu entspannen, Drinks zu schlürfen, sich in der Sonne braten zu lassen und sich von einer vollbusigen Blondine einen blasen zu lassen. Im Gegenteil, er war da, damit andere das konnten (wobei das mit der Blondine nicht für jeden Klienten passend war). Aber er kam gut damit klar. Entspannter als sein Soldatenleben war es allemal, schließlich hatte er seit ungefähr 1990 beinahe jeden Kriegsschauplatz, auf dem das Vereinigte Königreich mitmischte, gesehen.

Irgendwie war er dankbar, dass er kommende Kriege nicht mehr erleben musste, aber er hatte seinen Beruf doch auf ein seltsame Art und Weise geliebt. Nicht das Töten, nur Psychopathen töten gerne, aber die Aufgabe hatte ihm gefallen. Wenigstens hatte er als Bodyguard, der nur für sich selbst arbeitete, die Freiheit, sich auszusuchen, für wen er arbeitete. Er hatte nämlich nicht vor, für die Leute zu arbeiten, gegen die er früher gekämpft hatte. Obwohl er nicht sehr viel an seinem alten Leben vermisste, vermisste er die Kameradschaft und noch viel mehr seine alten Kameraden, mit denen er Seite an Seite gekämpft hatte. Dieser Kummer ließ sich jedoch effektiv in Arbeit und Alkohol ertränken, wobei es mehr Arbeit als Alkohol war. Simon war zwar kein Gesundheitsfreak, aber ein bisschen achtete er schon auf sich. Das half ihm ja immerhin auch dabei, ab und zu mal etwas Sex abzubekommen,  er war ja schließlich kein Priester. Als Beziehungspartner war er – Selbstdiagnose -  aber vollkommen ungeeignet. Er war oft weg, alles andere als romantisch, hielt nichts von Gefühlsduselei, abgesehen davon ließen ihn die Erinnerungen an den Krieg oft auch nachts nicht los. Und wer wollte schon Tag für Tag sein Leben mit einem gefühlsverkrüppelten und mehr oder weniger traumatisierten Veteranen verbringen?

Als er gerade sein Glas ansetzte, um diese deprimierenden Gedanken herunterzuspülen, fiel Simon praktisch aus allen Wolken. Jetzt hatte er drei Möglichkeiten:
a) Er war so betrunken, dass er anfing Leute zu verwechseln und ein bisschen zu halluzinieren
b) Sein Gehirn spielte mittlerweile so verrückt, dass die Vergangenheit ihn jetzt auch schon bis in O' Neill's Irish Pub verfolgte
oder c) an der Theke stand tatsächlich (damals jedenfalls) Captain John MacTavish.
Aus Erfahrung vermutete Simon, dass es Option b) war, aber irgendwie wollte und konnte er sich das nicht vorstellen. Seine Überlegungen lösten sich jedoch in Luft auf, als Vielleicht-MacTavish auf ihn zu kam. Jetzt hatte er wieder zwei Möglichkeiten:
a) Es war wirklich MacTavish und er erkannte Simon wieder
b) es war einfach irgendjemand (der Simon abschleppen wollte, was bei seiner momentanen Verfassung – gebrochene Nase, blaue Flecken und Platzwunden – aber unwahrscheinlich war).
An Vielleicht-MacTavishs Stimme konnte Simon hören, dass er sich auch nicht sicher war, ob es sich wirklich um Lieutenant Riley handelte. „...Riley?“ Für einen Moment stand die Frage im Raum, bis Simon sich zusammenraufte und antwortete: „Der bin ich. Wie geht’s Ihnen Captain?“ „Ganz gut, aber Captain bin ich nicht mehr.“ MacTavish lächelte ihn kurz an. Für einen Mann, der den Krieg gesehen hatte und dessen Geschäft das Töten war,  hatte MacTavish ein sehr sanftes und erstaunlich charmantes Lächeln, fand Simon.

Das fiel ihm gerade zum wiederholten Male auf und er erwischte sich (peinlich berührt) dabei, wie er an MacTavishs Lippen hing. „Wieso das nicht? Befördert?“, fragte Simon, während MacTavish sich auf den Stuhl ihm gegenüber setzte.  „Nein. Ich bin zu alt für so einen Scheiß, das sollen lieber die machen, die noch jung und fit sind.“ Er grinste Simon kurz an. „Was ist mit dir Riley?“ Simon war über die Nachfrage ehrlich gesagt etwas erstaunt. „Ich? Ich bin auch nicht mehr beim SAS.“ Für ihn war es immer noch seltsam von 'denen' statt von 'uns' zu reden. „Na immerhin sind wir dann nicht alleine“, erwiderte MacTavish mit einem gelassenen Lächeln. Dass Simon nicht der Typ für so was war, wusste er ja, deswegen erwartete er auch kein Lächeln seitens Simon.


MacTavish wirkte zwar entspannt und auch ganz zufrieden, doch Simon wusste genau, dass er seinen alten Beruf am liebsten behalten hätte. „Und was machen Sie jetzt?“ Simon sah ihn fragend an und bestellte für sie beide noch ein Bier. „Ich arbeite im Moment für die Flughafensicherheit in Edinburgh“, MacTavish lachte kurz, „ist kein Traumjob, aber es ist ganz okay. Ich hoffe für dich, dass dein Job spannender ist, Riley.“ „Was soll ich sagen?“ Simon zuckte leicht mit den Schultern. „Ich bin Bodyguard, man kommt rum, aber ansonsten...“ „Na immerhin siehst du nicht jeden Tag das gleiche“, brummte MacTavish. Für die Kellnerin (die übrigens Seans Schwester war, also Sperrgebiet für Simon), die ihnen das Bier brachte, hatte er trotzdem ein charmantes Grinsen parat.
„Ich wusste gar nicht, dass du so gutaussehende Freunde hast, Simon“, zog Madailéin ihn auf, bevor sie wieder verschwand. „Du bist also schon ein bekanntes Gesicht hier?“, grinste MacTavish über den Rand seines Glases. „Ja, kann man wohl so sagen.“ Simon grinste ebenfalls kurz. „Pass bloß auf deine Leber auf“, wurde er scherzhaft von MacTavish ermahnt. „Sicher Captain, sicher. Das müssen Sie gerade sagen“, schmunzelte Simon, schließlich war es gemeinhin bekannt, dass MacTavish und Scotch ein enges Verhältnis zueinander pflegten. „Das...war ein Schlag unter die Gürtellinie, Riley.“ „Tja“, Simon zuckte mit den Schultern, „Sie haben mir halt eine Vorlage geboten.“

-

Im Verlauf des Abends fand Simon heraus, dass MacTavish einen Sohn hatte, aber geschieden war (und dass seine Ex-Frau wieder schwanger war, MacTavish war sich allerdings tausend-prozentig sicher, dass das nicht seine Baustelle war). Es folgte ein enttäuscht-gereiztes Gespräch, bei dem es um untreue Frauen ging. Während sie dieses Gespräch führten, stellten sie fest, dass sie beide kein Glück hatten mit den Frauen und gleichzeitig kam die Frage auf, ob ein Mann treuer wäre. „Hast du mal mit einem Mann...?“, fragte MacTavish irgendwann, nachdem Madailéin die Biergläser abgeräumt hatte und ihnen irischen (was auch sonst) Whiskey serviert hatte. „Soll ich dir was sagen?“, fing Simon mit einer ausladenden Armbewegung an. „Hab ich, aber hey, ich lag nicht unten.“ Seine Verteidigung ging halb im Whiskey unter. „Echt?“ MacTavish hatte das Gefühl, dass er viel zu neugierig klang. „Wie war's?“ Simon sah ihn und ließ sein Glas auf den Tisch sinken. Er verlagerte sein Gewicht auf den Arm, den er auf den Tisch gestützt hatte, und beugte sich vor. „Eng. Es war eng.“ Es hätte ein Witz sein können, aber MacTavish wusste, dass Simon es todernst meinte. „Aber es war gut, wenn ich ehrlich bin.“ Simon ließ sich wieder zurücksinken und grinste MacTavish an. „Würdest du's ausprobieren?“ „Du würdest alles vögeln, wenn du verheiratet gewesen wärst.“ Es war eine trockene Feststellung, die Simon noch mehr dazu animierte, keine feste Beziehung einzugehen. „Also ja, ich würde es machen.“ Simon lachte leise. „War es so schlimm, dass du es jetzt so nötig hast?“ „Ja, allerdings“, murrte MacTavish und trank seinen Whiskey aus. Wieder musste Simon leise lachte. „Ist ja gut, ist ja gut. Ich kann da nicht mitreden.“ „Wieso? Keine Frau, Freundin oder was auch immer?“ „Himmel, nein.“ Simon sah ihn an, als hätte MacTavish sich gerade in einen riesigen Haufen Hundescheiße verwandelt. In einen grinsenden Haufen Hundescheiße, denn Simons Reaktion erheiterte MacTavish offensichtlich. „Ist ja gut, keine Sorge.“ Egal wie sehr er es versuchte, das Grinsen verschwand nicht aus seinem Gesicht. „Lach nicht so!“, meckerte Simon, der ein wenig rot geworden war. „Schon gut Simon, ich kann dich verstehen.“


Irgendwann, während der Pub sich langsam leerte, kamen sie auf ein Thema zu sprechen, das sie beide nur zu gut kannten. Allerdings war es eigentlich auch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis jemand dieses Thema anriss, schließlich hatten sie oft gemeinsam an Einsätzen teilgenommen. Jetzt drehte es sich aber viel weniger um den Krieg selbst, als darum, wie sie damit umgingen, jetzt wo sie nicht mehr beim SAS waren. Bei beiden war es wie erwartet, Albträume, Flashbacks (oder so, sie waren beide keine Psychologen), Simon hatte seine Probleme mit Feuerwerk und MacTavish konnte die damals antrainierte Wachsamkeit immer noch nicht ablegen.

Simon fühlte sich ein bisschen von seiner Psyche verarscht, denn jetzt wo er mit MacTavish redete, blubberte dieser ganze Scheiß schier endlos aus ihm raus, das eine Mal, als er mit einem Psychologen geredet hatte, hatte er gerade so seinen Namen rausbekommen. Offenbar war stand es schlimmer um ihn, als er gedacht hatte, wenn er schon Leute, die er mehrere Jahre nicht gesehen hatte, als Therapeuten missbrauchte. Aber MacTavish machte das anscheinend nichts aus, denn er hörte ihm geduldig zu und war wohl auch nicht von Simons Wortschwall genervt. Und das berührte Simon irgendwie. Allein der Gedanke klang schon beschissen, aber er wusste nicht wie er es anders sagen könnte. Aber Simon würde das wohl sowieso nie als vernünftigen Satz formulieren müssen, denn das musste nun wirklich niemand wissen. Trotzdem konnte er nicht anders, als ein wenig zu lächeln, wenn er MacTavish ansah.

Während er das tat, stellte Simon auch fest, dass MacTavish immer noch ziemlich gut aussah, obwohl sie beide auf die 40 zugingen. Der leichte Bartschatten, der Mohawk (MacTavish blieb sich anscheinend treu), der an manchen Stellen schon ein wenig grau wurde, die buschigen Augenbrauen (so seltsam es auch klingen mochte, Simon mochte diese Augenbrauen) und der kantige Kiefer, der jetzt irgendwie noch männlicher wirkte als noch vor ein paar Jahren. MacTavish war zwar etwas blasser als früher. Aber wie sollte man in Großbritannien auch so braun werden wie in Afghanistan oder dem Irak? Und irgendwie passte es auch besser zu MacTavish, wenn er nicht aussah wie ein Hähnchen vom Grill. Die Narbe an seinem Auge stach immer noch hervor und Simon musste sich wirklich beherrschen, um nicht seine Hand auszustrecken und sie zu berühren. Das war der Moment, in dem er beschloss, dass er für heute genug irische Trinkkultur gehabt hatte. Das Verlangen MacTavish zu berühren, blieb aber, was für Simon Grund zur Sorge war. Auch den Rest des Abends, beziehungsweise der Nacht, ging der Gedanke, wie sich MacTavishs Haut anfühlen würde, nicht mehr aus Simons Kopf. Am liebsten hätte er es auf den chronischen Sexmangel in seinem Leben geschoben, aber das stimmte nicht. Erstens hatte er mehr Sex als er manchmal selbst dachte und das war das erste Mal, dass er solche Gedanken hatte.

-

Obwohl Simon ein kräftiger Mann war, musste er sich anstrengen, MacTavish aus dem Stuhl und auf die Beine zu bekommen. Madailéin, gnädig wie sie war, half ihm dabei, den wesentlich betrunkeneren MacTavish bis zur Tür zu schaffen, von da an musste Simon es aber alleine regeln. Glücklicherweise funktionierte sein Kopf noch in dem Maße, dass er sich erinnern konnte, in welchem Hotel MacTavish wohnte. Er war zu irgendeinem Seminar oder so was hier, so ganz genau hatte Simon auch wieder nicht zugehört. Trotz des kurzen Wegs, dauerte es seine Zeit, bis Simon endlich angekommen war – und noch standen sie nur an der Rezeption. Den ganzen Weg über hatte er sich mehr als nur ein bisschen konzentrieren müssen, um nicht endlich MacTavishs Gesicht zu berühren und über diese Narbe zu streichen. Immer wenn Simon in sein Gesicht gesehen hatte, schien besagte Narbe ihn höhnisch anzugrinsen, in dem Wissen, dass er sie sowieso nie spüren würde. MacTavish nahm das mit dem Körperkontakt in seinem jetzigen Zustand jedoch nicht mehr so besonders eng, weshalb Simon mehr als ein Mal MacTavishs Hand von eher unangenehmen Stellen hatte entfernen müssen. Unangenehmen war eigentlich das falsche Wort dafür, Simon hatte kein Problem damit, dort berührt zu werden, doch das alte Vorgesetzter-Untergebener-Ding ließ sich nicht so einfach abschütteln, obwohl es schon einige Jahre her war. Außerdem hatten sie nie irgendwelche romantischen Momente gehabt, sie waren gute Bekannte, Kameraden, bestenfalls Freunde.

Doch er beschloss, dass er gleich unter der Dusche in seiner eigenen(!) Wohnung ausführlich darüber nachdenken konnte, dass er ein Idiot war und diese Chance verstreichen lassen würde, jetzt musste er aber zuerst MacTavish in sein Zimmer schaffen. Was sich ebenfalls ein wenig schwerer gestaltete, denn der Aufzug war defekt und MacTavishs Zimmer lag im dritten Stock. Aber auch nach den Jahren als Bodyguard war Simon irgendwo noch ein Soldat des SAS, also meisterte er auch diese Hürde. Die Tür aufzubekommen wurde ein komplexeres Unterfangen, denn mittlerweile wurde MacTavish anhänglich und Simon hatte so seine Probleme damit, die Hände frei zu bekommen, denn er musste gleichzeitig das Schloss aufbekommen und MacTavish davon abhalten an ihm herumzufummeln. Vor allem weil Simon nicht wollte, dass das Verlangen nach MacTavish dadurch noch größer wurde und womöglich gar nicht mehr wegging, das wäre nämlich mehr als ungünstig. Aber anscheinend war das Glück Simon heute hold, denn nach kurzer Zeit klickte es im Schloss und er konnte die Tür öffnen. In dem kurzen Flur entdeckte MacTavish allerdings seine Kräfte wieder und zog Simon an sich. Das traf ihn ziemlich unvermittelt, denn er hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Einen kurzen Moment wollte Simon sich wehren, doch der Gedanke verflog schnell wieder, als er zum ersten Mal an diesem Abend nur MacTavish roch und scheiße – MacTavish roch gut. Er roch nach Rauch und Tabak, ein bisschen nach Schweiß und er roch in etwa so, wie Simon sich den Geruch von Schottland vorstellte, nach Regen, nassem Gras, Erde und etwas Whiskey.

Simon konnte nicht anders, als die Augen zu schließen und sich an ihn zu lehnen. Es war ein eher ungewöhnliches Gefühl, mal der zu sein, der gehalten wird und nicht andersrum, aber er genoss es trotzdem. Sonst war er es immer, der dominant zu sein hatte, als Bodyguard und Soldat. Wenn Simon ehrlich war, hatte er alles andere als ein Problem damit, das Ruder mal aus der Hand zu geben – wahrscheinlich mochte er es sogar mehr. MacTavish merkte offenbar, dass Simon kein Problem mit der jetzigen Situation, denn er fing an über Simons Seiten zu streichen. Verdammte Scheiße, musste Simon feststellen, das waren Hände, von denen er wollte, dass sie gar nicht mehr aufhörten ihn zu berühren. MacTavishs Hände waren, aus Ermangelung anderer Beschreibungen, männlich. Sie waren groß, etwas rau (das konnte Simon schon durch sein Shirt spüren) und lagen schwer und warm auf seiner Hüfte.

Als MacTavishs Hände dann weiter auf Entdeckungstour gingen, fing Simon an, seinen Hals zu küssen. Am Kinn spürte er noch die kurzen Bartstoppeln und allein ihr leichtes Kratzen auf seiner Haut, ließen Simon leicht schaudern. Noch eine Weile saugte er an der erstaunlich weichen Haut von MacTavishs Hals, biss leicht zu, leckte über die feinen Bissspuren, die er hinterließ. Immer wieder hörte er MacTavish schwer ausatmen und ab und zu schaffte es auch ein leises Keuchen über seine schmalen Lippen. Während Simon seine Aufmerksamkeit ganz auf seinen Hals gerichtet hatte, begann er Simons Shirt etwas hochzuschieben und über den flachen Bauch zu streichen. Simon hatte sich verdammt gut gehalten, nur die kleinen Fältchen unter seinen Augen ließen vermuten, dass Simon auch nicht mehr der Jüngste war.

Hochkonzentriert, wie ein Chirurg bei der Arbeit, knöpfte Simon MacTavishs Hemd auf und fing, sobald er das lästige Stück Stoff auf die Kommode hinter MacTavish geworfen hatte, seine Brust zu küssen und sie mit den Händen zu liebkosen. MacTavish war gottverdammt perfekt! Nicht so glatt-rasiert und haarlos wie eine von diesen gruseligen  Nacktkatzen (daran musste Simon immer denken, wenn er einen Mann so ohne jegliche Behaarung sah, außer auf dem Kopf). Eine Zeit lang genoss MacTavish die mal sanften, mal etwas gröberen Berührungen, doch irgendwann beschloss er, dass Simon sich jetzt auch endlich seinen Lippen widmen könnte. Nicht fest, aber bestimmend nahm MacTavish Simons Gesicht in die Hände und küsste ihn. Er war nicht besonders fordernd, aber selbstbewusst auf jeden Fall. Mit einem schmalen Grinsen legte Simon ihm eine Hand in den breiten Nacken und erwiderte den Kuss, ebenfalls nicht fordernd, aber bestimmt. Simon liebte Küsse und er fand es gelinde gesagt störend, wenn Leute direkt von der Idee zum richtigen Sex übergingen ohne irgendwas dazwischen, weshalb MacTavish gerade noch an Pluspunkten zugelegt hatte. Schwer atmend löste Simon sich irgendwann von MacTavish und sah ihn an. Sie dachten wohl sehr ähnlich, denn kurz darauf fingen beide an sich auszuziehen und nur in Unterwäsche ging es Richtung Bett.

Erfreut stellte Simon fest, dass MacTavish Boxer Briefs trug und nicht diese karierten Küchenhandtücher, die bei Teenagern offenbar so beliebt waren. MacTavish wurde ihm immer sympathischer. Außerdem zeichnete sich in besagten Boxer Briefs bereits eine Beule ab, wie Simon zufrieden feststellte. MacTavish schmunzelte, als er Simons Blick bemerkte und schob ihn weiter zum Bett. Nachdem Simon seine Hände von hinten auf MacTavishs Schultern gelegt hatte, ließ er sich langsam nach hinten aufs Bett sinken und zog MacTavish mit sich. Er stützte sich auf seinen Ellbogen neben Simon ab und betrachtete ihn für einen Moment. MacTavish erinnerte Simon in diesem Moment an eine Katze, die mit ihrer Beute spielen wollte und irgendwie, seltsamerweise, gefiel ihm der Gedanke. Simons Exkurs in seine eigenen Abgründe wurde jäh von MacTavish unterbrochen, der anfing seinen Hals zu küssen und sein Glied durch die Unterhose zu massieren. Damit entlockte er Simon ein überraschtes Stöhnen und brachte ihn zum Schaudern. Es war ihm fast ein bisschen peinlich, dass er so reagierte, doch im Endeffekt war es ihm egal.

Hastiger als vorher zog er MacTavish die Unterhose bis in die Kniekehlen und strich über seinen kräftigen Rücken. Nachdem MacTavish auch Simon gänzlich ausgezogen hatte, schlang Simon die Beine um seine Hüfte, zog sich etwas an ihr hoch und drückte sein Becken an MacTavishs. Sie beide mussten keuchen und MacTavish drückte Simon nur noch näher an sich, als dessen heißer Atem seinen Hals streifte. Alles andere an seinem Körper fühlte sich auf einmal so viel kälter an als die Stelle, die neben Simons Mund lag. Als Simon seine Hand um ihre Erektionen schloss, musste MacTavish erneut stöhnen, etwas lauter als zuvor. Das kehlige Geräusch brachte Simon zum Grinsen und er begann seine Hand langsam zu bewegen, festigte den Griff noch etwas, bevor er selbst keuchen musste. MacTavishs Körper drückte schwer gegen seinen und an den Stellen, an denen sich ihre Körper berührten, fühlte es sich für Simon so an, als würde seine Haut brennen. Um nicht ganz tatenlos zu bleiben, küsste MacTavish ihn wieder. Nicht so detailverliebt wie vorher, ein wenig zielloser, trotzdem wünschte Simon sich, dass der Moment nicht aufhören würde. Als er die Hand schneller bewegte, umgriff MacTavish mit einer Hand Simons Oberarm und hielt sich an ihm fest. Eher unabsichtlich kratzte Simon über MacTavishs Rücken und drückte sich näher an ihn, während er wieder seinen Hals küsste. „John...“, flüsterte Simon, es war viel mehr ein Versehen, aber die Wirkung war nicht zu verachten. MacTavish drückte sich noch näher an ihn und hielt seinen Oberarm noch fester in seiner Hand, von der Gänsehaut einmal abgesehen.

Während Simon das Tempo der Bewegung noch einmal erhöhte, begannen sie beide zu zittern – Simon mehr als MacTavish. MacTavish war froh, dass Simon seinem Höhepunkt ebenfalls näher kam, denn er hasste es zuerst zu kommen, unnötigerweise eigentlich, aber es hatte sich bei ihm so eingebürgert. Als das erstickte Stöhnen über Simons Lippen kam und MacTavish spürte, wie Simons Glied langsam an seinem erschlaffte, war er beinahe erleichtert. Offenbar hatte Simon aber nicht vor, aufzuhören, denn nachdem er kurz durchgeatmet hatte, bewegte er die Hand weiter. Sein fester Griff und die Küsse, die er auf MacTavishs Hals drückte, brachten diesen fast um den Verstand. Falls Simon das nicht gemerkt haben sollte, merkte er es spätestens, als MacTavish seinen Namen mit einem atemlosen Keuchen mischte. Nach seinem Höhepunkt, sank MacTavish mit seinem ganzen Gewicht auf Simon und legte die Arme fest um ihn. Jetzt merkte wohl auch MacTavishs Körper wieder, welche Menge Alkohol er intus hatte. Während MacTavish schon fast schlief, deckte Simon ihn und sich noch zu, zwar auch mehr schlecht als recht, aber immerhin etwas. Er hielt nichts von solchem kitschigen, über-romantischen Zeug, aber er konnte trotzdem nicht anders als MacTavish noch einmal zu küssen und durch seine verschwitzen Haare zu streichen.

-

Ohne Simon wäre es für MacTavish ein hässliches Erwachen gewesen, seine Muskeln schmerzten und er fühlte sich auch nach mehreren Stunden Schlaf nicht wirklich ausgeruht, aber Simons ruhiger Atem, der seine Wange streifte, machte es weniger schlimm. MacTavish hatte fast nicht damit gerechnet, dass Simon noch da sein würde, wenn er aufwachte, weshalb er sich noch mehr freute, dass er noch da war. Um ihn nicht zu wecken, blieb MacTavish noch liegen und betrachtete Simons Gesicht genauer. Er hatte sich kaum verändert, nur war sein rot-braunes Haar etwas heller als noch vor ein paar Jahren und er wirkte jetzt im Schlaf etwas entspannter, als er ihn in Erinnerung hatte. „John“, murmelte Simon mit geschlossenen Augen und tastete nach MacTavishs Mohawk, um ihm durch die Haare zu streichen, „das war gestern nicht nur, weil du zu viel getrunken hast?“ Bevor er antwortete, stellte MacTavish fest, wie schön es war, wieder von jemandem John genannt zu werden, der nicht seine Ex-Frau war. „Nein.“ Er schüttelte den Kopf leicht und sah Simon an, der mittlerweile ein Auge geöffnet hatte. „Okay“, Simon nickte leicht und schloss das Auge wieder, nachdem er MacTavish etwas näher zu sich gezogen hatte, „und jetzt lass uns weiterschlafen.“


Falls da jetzt doch noch irgendwo Rechtschreib- oder Grammatikfehler drin sind, ist es mir auch irgendwie egal, aber wer sie berichtigen will, nur zu.
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