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Herz oder Verstand?

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Kakashi Hatake Sakura Haruno
31.08.2014
03.10.2014
2
2.355
 
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31.08.2014 1.180
 
Dieser OS ist ein Beitrag zu folgendem Wettbewerb--> http://forum.fanfiktion.de/t/27084/4
Das Lied zum OS ist "Dare (La La La)" von Shakira.

Da ich nicht weiß, ob sich die Jury mit dem Manga/Anime "Naruto" beschäftigt, hab ich noch ein kleines Glossar mit den wichtigsten Wörtern erstellt :) -

Hokage - Dorfleiter und ranghöchster Ninja des Dorfes
Shinobi - Ninja
Kunoichi - weiblicher Ninja

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

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Verstand oder Leichtsinn?
Vorsicht oder Risiko?
Hör ich auf die Gefühle in meinem Herzen oder auf die Vernunft meines Geistes?
Sollte ich alles auf eine Karte setzen? Mich total gehen lassen und einfach zu meinen Gefühlen stehen? Oder besser meine eigenwilligen Empfindungen verdrängen und alles vergessen?

Zu viele Fragen und zu wenig Antworten, Sakura! Genau das war es, was mein zweites Ich mir sagte- und es hatte Recht.
Sagte man nicht eigentlich immer „Vorsicht ist besser als Nachsicht?“. Denn wenn es nach diesem Motto ginge, müsste ich ja eigentlich auf meinen Verstand hören.
Oder?

Ich ohrfeigte mich innerlich für diese ganzen bescheuerten Theorien, Ungewissheiten und ständigen Fragen. Aber was sollte ich tun?
Ich hatte mich in meinen Lehrer, Sensei Kakashi verliebt. Ein Mann, der doch fast vierzehn Jahre älter war als ich!
Fragt sich da nicht jedes Mädchen, was es tun sollte?
So oder so würden, wenn diese Liebe erwidert wird und an die Öffentlichkeit käme, alle Leute aus Konohagakure mit dem Finger auf mich zeigen.
Das war definitiv unvermeidbar.

Als ich mir erneut meine aktuelle Lieblingsfrage „Herz oder Verstand?“ stellte, schaute ich fast schon geistesabwesend in den dunklen Nachthimmel. Viele kleine, glänzende Sterne zierten das Firmament und gaben mir ein Gefühl von Geborgenheit.
Gerade bewegten sich meine Hände wie automatisch zum Fenster, um es zu öffnen, als die Dunkelheit plötzlich von bunten Farben verdrängt wurde. Ein lauter Knall drang in meine Ohren. Dann noch einer und noch einer. Es wurde immer lauter und wie gebannt starrte ich auf das wunderschöne Feuerwerk über mir. Dann aber wurde mir schlagartig etwas bewusst.

„Oh nein!“, rief ich hektisch und sprang mit einem Satz von der Couch im Wohnzimmer, „Durch meine ganze Grübelei hab ich völlig das Gründungsfest von Konoha vergessen! So ein Mist!“
Mit schnellen Schritten rannte ich in mein Zimmer, wo bereits ein brandneuer Kimono auf dem Bett verweilte. Ich tauschte meine Shinobikleidung gegen das traditionelle Gewand aus und hastete dann weiter ins Bad, um meine Haare, mehr schlecht als recht, hochzustecken.  
Heiß, Sakura!, rief meine Innere Stimme, Damit wickelst du Sensei Kakashi um den Finger!
„Ruhe!“, sprach ich daraufhin bestimmend zu mir selbst, „Was redest du denn d- Oh Gott, das hätte ich fast vergessen! Kakashi wird ja auch da sein!“
Völlig zwiegespalten darüber, ob ich wirklich gehen sollte oder nicht, wuselte ich durch das Haus der Harunos. Letztendlich entschied ich mich dann aber trotzdem dazu, zu gehen. Immerhin wollte ich den apfelgrünen Kimono mit den Kirschblüten nicht um sonst gekauft haben!

Als ich das Haus verließ hörte ich bereits die Musik und die ausgelassene Stimmung der Bewohner Konoha’s. Ein kalter Wind wehte durch meine rosafarbigen Haare, als ich im Eiltempo los lief.
Das Gründungsfest schien das ganze Dorf „beschlagnahmt“ zu haben. Alle Läden waren geschlossen, die Straßen waren wie leer gefegt. Auf meinem Weg traf ich niemanden an; logischerweise, denn alle würden sich wohl in der Nähe der Residenz des Hokages versammelt haben. Dort waren auch die in Stein gemeißelten Köpfe, über denen das leuchtende Feuerwerk in schillernden Farben statt fand.
Nach zehn Minuten kam ich endlich dort an. Ich war total außer Atem und brauchte einen Moment, um mich zu stabilisieren. Allerdings war das nicht sehr leicht, da hier ganze Menschenmassen waren, die einen von links nach rechts drängten.

Die laute Musik drang in meine Ohren, genauso wie die ausgelassenen Gespräche der Leute. Die Bewohner Konohas waren in absoluter Feierlaune. Mit Getränken in der Hand und einem breiten Lächeln auf den Lippen beobachten sie das wunderschöne Feuerwerk. Aus den Gesprächen hörte ich immer wieder heraus, wie über die vergangenen Hokage und die aufregendsten Momente Konohagakures geredet wurden.
Nachdenklich bahnte ich mir einen Weg durch die Menge. Meine Jadegrünen Augen hatte ich dabei auf den dunklen, kalten Boden gerichtet.

Sollte ich jegliche Vernunft einfach vergessen und meinem Herzen folgen?
Vielleicht...
Oder wäre es besser, Vorsicht walten zu lassen?
Gute Frage...
Mein Herz schlug ein wenig schneller, als ein neues Lied im Hintergrund erklang. Es war laut, ungestüm und hatte einen unverwechselbaren Rhythmus. Mein Gefühl sagte mir, dass dieses eine Lied alle meine wahren Empfindungen und Emotionen widerspiegelte.
Ich beobachte, wie über mir ein silbernes Feuerwerk ausbrach.
Vor mir lag eine Entscheidung, die alles verändern könnte. Mein Leben als Kunoichi, mein Leben als Haruno...

Von Klein auf musste ich mein heißblütiges Temperament zügeln und war von meinen Eltern scheinbar gezwungen, ein vorbildliches und wohlerzogenes Mädchen zu sein. Ich sollte der Norm entsprechen und sie stolz machen.
No Risk no fun war hier total Fehl am Platz.
Aber wie sollte denn schon ein Leben verlaufen, in dem man strikt nach seinen Prinzipien und Gewohnheiten agiert? Es war, als wenn man ein Kleid nähen würde. Ein schlichtes, weißes Kleid. Hübsch, mag sein. Aber um das Kleid zu perfektionieren musste man auch etwas riskieren- egal was andere Leute denken. Wenn man alles auf eine Karte setzen würde, dann könnte man etwas bewegen. Und das Kleid wäre kein einfaches, musterloses Stück Stoff mehr.

Als mit einem lauten Knall die letzte Rakete hochging und ein Lichtermeer aus Farben erschien, hielt ich den Atem an.
Auf einmal wusste ich, was ich tun musste.
Ein entschlossenes Lächeln zierte meine vollen Lippen. Ich machte auf den Absatz kehrt und beschloss, ihn zu suchen.
Allerdings war das nicht mehr nötig, denn ich war in jenem Moment direkt in seine Arme gerannt.

„Sakura“, Kakashi lächelte überrascht, „So stürmisch heute?“
Ich errötete kaum merklich. „Oh, Kakashi... Was für ein... Z-Zufall...?“
Mein Stimme wurde immer leiser bis sie versagte.
Was machte ich denn da? Wollte ich nicht endlich die Initiative ergreifen und volles Risiko gehen? Egal, was passieren könnte?

Kakashi lachte ein wenig und steckte sein Buch in eine Tasche, um sich vollends auf mich zu konzentrieren. Dabei fragte ich mich, wie er bloß auf so einem wichtigen Fest sein Buch lesen konnte?
„Du siehst gut aus“, meinte er plötzlich und ein seltsamer Unterton schwang in seiner tiefen Stimme mit, „Aber du kommst ziemlich spät.“
„Woher weißt du, dass ich jetzt erst gekommen bin, Kakashi?“
Etwas verwirrt musterte ich sein wie immer halb verdecktes Gesicht.
„Ich hab dich die ganze Zeit schon gesucht, ich wollte mit dir reden.“

Und plötzlich verstummte alles um mich herum. Meine Innere Stimme zwang mich mit ihren eindringlichen Worten, es jetzt oder nie zu tun.
Mir war egal, was die anderen sagten. Dass sie sehen würden, wie eine 16-jährige Kunoichi ihren 29 Jahre alten Sensei küssen würde.

Aber man lebt nur einmal.

Vielleicht würde man weniger Schmerzen und Enttäuschungen erleiden, wenn man den strikten Pfad der Vernunft gehen würde.
Aber das wollte ich nicht.

Und so besiegelte ich schließlich meine unwiderrufliche Entscheidung mit einem federleichten Kuss auf Kakashis Lippen.
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