"Anakin ist nicht der Vater, nicht wahr?"

von Nye-Lung
GeschichteDrama, Romanze / P16
31.08.2014
31.08.2014
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Hallihallo, hier einmal eine Kleinigkeit von mir für zwischendurch, die einfach nicht mehr aus meinem Kopf wollte. Ist außerdem mein Beitrag zum 'Vorzeichenwechsel'-Projekt, das meine Wenigkeit ins Leben gerufen hat.

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Es geht dabei darum, ein Zitat aus den Filmen ins Gegenteil zu verkehren und zu erklären, wie es dazu kam und was sich noch ändert. Und das Ganze natürlich IC und so weiter und so fort.

Ich hoffe, es ist mir gelungen. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich denke, die Charaktere haben alle diese Seiten, die sie hier zeigen werden. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die entsprechende Seite in der entsprechenden Situation dominieren wird. Naja, genug der Vorrede. Lest selbst!







Anakin ist nicht der Vater, nicht wahr?





"Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?"

Eine einfache Frage. Er hatte jede Einleitung, jede Floskel, jede Höflichkeit, die man ihn gelehrt hatte, ausgelassen. Das hier war ihm wichtig. Fast hätte sie gelächelt, aber dafür waren die Umstände zu düster. Sie konnte ihn nicht einmal ansehen, fürchtete sie doch, dass er ihr bis auf den tiefsten Grund ihrer Seele sehen könnte. Das konnte er bei ihr schon immer. Und sie bei ihm. Sie hatte Angst, was sie bei ihm sehen könnte.

"Gestern."

Sie wusste auch, wann sie ihn das letzte Mal so gesehen hatte.

Eine stille Nacht auf Naboo. Aus der Ferne hörte man selbst im hintersten Garten des Palastes noch die feiernden Gungans und Naboo. Die Handelsföderation war besiegt. Naboo war frei. Es war ein Tag der Freude. Nur einer trauerte. Allein. Verlassen.

So sah er auch jetzt aus.

Verlassen. Allein. Trauernd.

"Und weißt du, wo er sich jetzt befindet?"

Immer noch konnte sie ihn nicht direkt ansehen. Seine Augen würden jetzt den gejagten Ausdruck desjenigen haben, dessen Sicherheit ihm genommen worden war. Wie auf Naboo. Erst sein Meister, nun sein ehemaliger Padawan.

Damals hatte sie ihn auch nicht direkt ansehen können. Sie hatte sich hinter einer Säule versteckt und sich danach erst langsam an ihn herangetastet. Er hatte jeden ihrer Schritte gehört und doch nicht reagiert. Es passte nicht in das Bild, das sie sich zusammenphantasiert hatte, nachdem er sie aus den Reihen der Kampfdroiden gerettet hatte. Seine Schultern bebten.

"Nein", durchschnitt ihre Antwort die kurze Stille. So viel Zeit war vergangen, seit dieses Wort sie trennte.

Er war allein in seiner Trauer gewesen, hatte nur stumm im Palastgarten versucht zu weinen, aber der Schmerz war zu groß für Tränen gewesen. Padme hatte für ihn geweint. Es war alles, was sie für ihn tun konnte.

Eine Nacht lang hatte sie ihn gestützt, aber sie beide wussten, dass mehr nicht ging. Sie trennten sich in stummen Einverständnis.

"Padme", ermahnte er sie scharf. "Ich brauche deine Hilfe. Er ist in großer Gefahr."

Doch wer ist in größerer Gefahr? Du wandelst doch gerade am Abgrund, wollte sie ihm entgegenschreien. Sie konnte es nicht. Zu gut erinnerte sie sich, wie sie ihn auf Naboo aufgefangen hatte. Fremden Tränen, eine ergriffene Hand, ein sündiger Kuss...

"Durch die Sith?", fragte sie spitz.

Sieh dich doch an. Du bist nicht du selbst, Obi-Wan. Das konnte jeder sehen. Dafür musste man ihn nicht so gut kennen, wie sie ihn in dieser einen Nacht kennengelernt hatte. Wer einen Mann am Abgrund sieht, kennt ihn besser als alle, die ihn jahrelang an guten Tagen erlebt haben. Vielleicht stimmte es sogar. Sie wusste, sie durfte ihm nicht sagen, wo Anakin sich befand. Er würde sich nicht mehr am Abgrund befinden. Er würde springen.

"Durch sich selbst... Padme, Anakin hat sich der Dunklen Seite zugewandt."

Das konnte nicht sein. Der Schmerz in seinen Augen sagte etwas anderes. Den gleichen Schmerz hatte sie auch gesehen, als Quinlan Vos sich der Dunklen Seite ergab.

"Das ist nicht wahr. Wie kannst du so etwas nur sagen?"

Bitte, sag, dass es gelogen ist, flehte sie innerlich. Sie hoffte, er würde es in ihren Augen sehen. Sie hoffte, er würde es sehen, wie auf dieser einen Mission, nachdem Vos gefallen war. Dort hatte sie ihm Halt geben können. Jetzt fehlte ihr selbst jeder Halt. Anakin hatte seine Fehler, aber er würde doch nie...

"Ich habe ihn gesehen... auf einem Sicherheitsholo, in dem er... Jünglinge tötete." Seine Stimme brach nun endgültig unter dem steten Ansturm seiner Emotionen.

Sie wollte es nicht glauben. Anakin hatte seine Fehler, aber er würde nie... Er würde nie so etwas Schreckliches tun.

"Nicht Anakin. Das könnte er nicht."

Bitte, bitte, lüg. Und wenn das hier die Wahrheit ist, dann komm her. Komm zu mir, lass dich fallen, lass dich trösten. Wie damals auf Naboo. Wie auf der Mission auf Dxun.

Könnte Anakin wirklich nicht? Er hatte ein gesamtes Dorf vernichtet. Er war impulsiv, immer wieder. Mit dem richtigen Anstoß... Könnte er?

"Er ist auf eine Lüge hereingefallen wie wir alle. Der Kanzler steckt hinter allem, auch dem Krieg." Er machte eine bedeutungsvolle Pause. "Padme, Palpatine ist der Sithlord, nach dem wir gesucht haben. Nach Dookus Tod machte er Anakin zu seinem neuen Schüler."

Nein!

"Ich glaube dir nicht. Ich kann nicht..." Sie ließ sich schwer auf dem Sofa nieder. Obi-Wan folgte ihr. Ihr Baby trat. Es trat immer, wenn Obi-Wan in der Nähe war. Nach Naboo hatte er sich nur noch dieses eine Mal auf Dxun so verletzlich gezeigt. Sie hatte sich auf die einzige Art um ihn gekümmert, die sie kannte. Sie hatte ihn gehalten, hatte ihn getröstet, gewartet bis seine Tränen nicht mehr flossen. Und danach hatte sie seinen einen schwachen Moment, in dem er einmal mehr Mann als Jedi war, schamlos ausgenutzt.

"Padme, ich muss ihn finden", sagte er eindringlich. Seine Stimme brachte sie nun doch noch dazu, ihn direkt angesehen. Sein Kiefer war steinern fest, als müsste er sich so fest halten, um nicht zusammenzubrechen. Seine Augen sahen sie direkt an und blickten doch durch sie hindurch. Ohne Probleme konnte Padme in ihm lesen. Er war so offen, kein Vergleich zu der Schlangengrube namens Senat.

"Du hast vor, ihn zu töten, nicht wahr?" Ihre Stimme zitterte. Sie wollte nicht glauben, was dort in seinen Augen geschrieben stand. Unendliche Qual. Allein. Verlassen. Trauernd.

Er brauchte lange, um eine Antwort zu finden. "Er ist zu einer großen Bedrohung geworden", rechtfertigte er sich lahm. Padme wusste, dass er recht hatte. Anakin könnte sie alle töten. Könnte er? Könnte er sie töten? Er sagte, er liebt sie. Könnte er? Natürlich könnte er, wenn er erfuhr, was er nie erfahren durfte. Sie war schwach. Sie liebte ihn nicht. Seine stille Vergötterung war ihr unheimlich. Doch manchmal, wenn sie schwach war, wenn sie sich die Wärme eines gewissen Mannes wünschte, den sie nie erreichen konnte, kam es ihr gelegen.

"Ich kann nicht." Für ihn. Für Anakin. Für sie selbst. Es war ihre Schuld. Sie war keine Heilige, keine Heilsbringerin. Sie war eine Kriegerin, für ihr Volk, für die, die sie liebte. Für ihr Baby. Stur hob sie ihr Kinn. Nicht alle Kämpfe konnte man mit dem Schwert gewinnen. Hier war es Schweigen. Hätte sie doch bloß Anakin gegenüber geschwiegen und ihn nicht ermutigt...

Obi-Wan erhob sich, als er realisierte, dass von ihr keine Antwort kommen würde, enttäuscht natürlich, und ging. Vor seinem Jäger blieb er stehen und sah sie lange an. Sie las in ihm, aber er las auch in ihr. "Anakin ist nicht der Vater, oder?"

Ihr Blick sagte alles. Schuld. Er ging und im Gehen sagte er noch: "Es tut mir leid."

Sie wusste beide nicht, was ihm leid tat. Tat es ihm leid, sie auseinander getrieben zu haben? Tat es ihm leid, ihr nicht seine Gefühle eingestanden zu haben, als sie noch die Möglichkeit hatten? Tat es ihm leid, sie nicht vollkommen aus seinem Leben verbannt zu haben? Oder tat ihm diese eine Nacht der Liebe leid?

Padme weinte leise.

Was sollte sie tun?

Ihr Baby trat.

Sie musste zu Anakin. Wenn ihn noch jemand aufhalten konnte, dann war sie das.

Ihr Baby trat immer noch, als sie erschöpft auf dem Weg nach Mustafar in einen kurzen, unruhigen Schlaf sank.



"Ich sah dein Schiff." Er umarmte sie. Trotz der Hitze des Lavaplaneten war Padme kalt. Ihr Baby trat nicht mehr. Fast so, als hätte es Angst. "Was machst du hier draußen?" In seinen Augen stand aufrichtige Sorge.

"Ich hatte solche Sorgen. Obi-Wan... Obi-Wan hat mir schreckliche Dinge erzählt." Für einen Moment ließ sie sich in seine Umarmung fallen. Es fühlte sich falsch an.

"Was für Dinge?"

"Er sagte, dass du auf die Dunkle Seite gewechselt bist, dass du... Jünglinge getötet hast." Ungefragt schlichen sich wieder Tränen in ihre Augen.

"Obi-Wan versucht, dich gegen mich zu wenden."

"Er sorgt sich um dich. Um uns."

"Uns?"

"Er weiß es. Er möchte helfen." Anakin lächelte. Dieses Lächeln, das sie ihm zu gerne manchmal aus dem Gesicht kratzen würde. So ganz anders als bei Obi-Wan. Immer beherrscht. Nur bei ihr zeigte er seine Trauer. Sie hatte ihn noch nie aus vollem Herzen lachen hören. "Anakin, alles, was ich will, ist deine Liebe." Das Lächeln verschwand. Hatte er verstanden, was sie ihm sagen wollte? Sie wollte weder seine Verehrung, noch seinen Zorn. Sie liebte ihn nicht, aber sie würde so oft lügen, wie es nötig war, wenn das verhinderte, dass Obi-Wan etwas tat, was er sich nie verzeihen würde können.

"Liebe wird dich nicht retten, Padme. Nur meine neuen Fähigkeiten können das."

Ignoranter... Sie musste nicht gerettet werden. Verstand er das denn nicht?

"Aber zu welchem Preis? Du bist ein guter Mensch, tu so etwas nicht."

Vielleicht hörte er ja so auf sie. Im Grunde seinen Herzens war Anakin ein guter Mensch, aber sein Temperament sorgte meistens dafür, dass man es nicht merkte. Ein wütender Anakin sah nicht nach dem guten Menschen aus, den sie mochte. Eher wie ein stures Kind...

"Ich werde dich nicht verlieren, wie ich meine Mutter verloren habe. Ich werde mächtiger, als je ein Jedi sich erträumt hat. Und ich tue es für dich, um dich zu beschützen."

Aber sie musste nicht beschützt werden. Sie war eine Kriegerin und konnte auf sich selbst aufpassen. Das hatte sie Anakin oft genug bewiesen. Obi-Wan wusste es auch ohne Beweis, mischte sich eine hartnäckige Stimme ein. Nein, Anakin tat das hier für sich. Er war schon immer... machtgierig wollte sie es nicht nennen, aber er war immer unzufrieden mit dem gewesen, was er hatte.

"Komm mit mir. Hilf mir, unser Kind großzuziehen, lass uns alles andere hinter uns lassen, solange wir noch können", flehte sie. Vielleicht ließ er sich überzeugen, aber sie hatte eher das Gefühl, sie würde gegen eine Wand reden. Das gleiche Gefühl hatte sie auch gehabt, nachdem sie und Obi-Wan auf Dxun für eine Weile allein gewesen waren. Eine Lüge war es außerdem.

"Siehst du es denn nicht? Wir müssen nicht mehr davonrennen. Ich habe der Republik Frieden gebracht. Ich bin stärker als der Kanzler. Ich, ich kann ihn stürzen. Und zusammen können wir die Galaxis regieren. Die Dinge so machen, wie wir sie wollen."

Sie schüttelte ihren Kopf in stummem Protest. "Ich kann nicht glauben, was ich höre. Obi-Wan hatte recht. Du hast dich verändert."

"Ich will nichts mehr über Obi-Wan hören." Seine Augen waren kalt. "Die Jedi haben sich von mir abgewandt, wende du dich nicht auch noch ab." Das war eine Drohung. Sie erkannte eine Drohung, wenn sie ihr ins Gesicht gespien wurde. Das hier war nicht mehr der kleine Junge, der sie mit einem Engel verglichen hatte.

"Ich erkenne dich nicht wieder. Anakin, du brichst mir das Herz. Du gehst einen Pfad hinab, auf dem ich dir nicht folgen kann." Obi-Wan ging am Abgrund. Anakin befand sich darin. Seine Augen waren so kalt. Da war nicht mehr diese kindliche Offenheit, die sie erst fasziniert hatte. Selbst Obi-Wan, der nach außen so viel gefasster, so viel kälter wirkte, hatte nicht solche kalten Augen.

"Wegen Obi-Wan?" Sein Kinn hatte er arrogant gehoben, betonte damit wieder einmal, wie viel größer er war. Sein Blick ging über sie hinweg.

"Wegen dem, was du getan hast, was du planst. Hör auf. Hör auf und komm zurück. Ich liebe dich." Eine Lüge. Aber auch nur halb. Er stritt nicht einmal mehr ab, die Jünglinge getötet zu haben. Oh, Anakin... Könnte er? Er konnte.

"Lügnerin!" Was? Sie drehte sich um, um festzustellen, dass Obi-Wan auf der Rampe ihres Schiffes stand. Er musste gewusst haben, dass sie zu Anakin fliegen würde und hatte sich an Bord geschlichen. Sie hatte es gewusst... Ihr Baby trat immer, wenn er in der Nähe war.

Sie hatte Angst.

"Nein!" Oh doch, sie war eine Lügnerin. Doch konnte eine Lüge falsch sein, wenn sie ihn davon abhielt, etwas Unverzeihliches zu tun?

Sie hatte Angst vor Anakin Skywalker. Der Wahnsinn tanzte in seinen Augen.

"Du hast dich mit ihm verschworen. Du hast ihn hierher gebracht, um mich zu töten."

Jetzt dreht er vollkommen durch, war das erste, was sie dachte. Warum sollte sie? Sie liebte ihn nicht, das stimmte, aber sie sah ihn als eine Art kleinen Bruder eines guten Freundes an - unabhängig davon, dass sie in Obi-Wan mehr als nur einen Freund sah.

Seine Augen waren kalt, als er sie fixierte, und glühten doch heller als die Lava Mustafars, als er die Macht um ihren Hals schlang und zudrückte. Wahnsinn tanzte in seinen Augen.

"Nein", versuchte sie zu flüstern. Tu es nicht. Ihr Baby. Obi-Wan.

"Lass sie los, Anakin." Obi-Wan kam näher. Der Ausdruck in seinen Augen war selbst für Padme nicht deutbar. Gefährlich. Tödlich. "Lass sie los."

Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ er sie fallen. Obi-Wan stand am unteren Ende der Rampe, aber Padme wusste das nur, weil das Baby vor lauter Aufregung wieder trat. Das Blut rauschte in ihren Ohren. Sie schnappte verzweifelt nach Luft und kämpfte gegen die Ohnmacht.

"Du hast sie gegen mich aufgebracht", rief Anakin wütend. Der Drache tobte.

"Das hast du ganz allein geschafft", hielt Obi-Wan ihm entgegen. Er hatte recht. Anakin hatte Jünglinge getötet. Egal, was er noch getan hatte, allein das schon könnte sie ihm nie verzeihen. Er hatte versucht, ihr Baby zu töten. Heißkochende Wut durchfloss ihre Adern.

"Du wirst sie mir nicht wegnehmen." Das hatte er schon, dachte Padme. Sie hatte nie Anakin gehört.

"Dein Zorn und deine Machtgier haben das schon erledigt." Und das auch. Padmes Finger überwanden die Steifheit, die der Sauerstoffmangel kurzzeitig verursacht hatte. Er hatte versucht, ihr Baby umzubringen. Obi-Wans Baby.

Es war die Wut, die sie dazu brachte, sich wieder aufzurappeln, während Anakin ihr immer noch den Rücken zuwandte und in seinem Zorn Obi-Wan giftige Worte entgegenspie. Sie bedeute Obi-Wan, nicht darauf zu reagieren. Anakin bemerkte sie in seinem Zorn nicht einmal.

"Du hast diesem Dunklen Lord erlaubt, deinen Geist zu manipulieren, bis du... bis du genau das geworden bist, was du geschworen hast, zu vernichten." Er spielte auf Zeit. Für sie. Padme zog ihren Dolch. Sie hatte immer einen dabei. Gängige Detektoren bemerkten die Keramik nicht, aus der er hergestellt war.

"Halte mir keine Predigten, Obi-Wan. Ich sehe durch die Lügen der Jedi." Er sah Padmes Angriff nicht kommen. Er war so auf Obi-Wan fixiert. Er bemerkte sie erst, als ihr Dolch in seinem Brustkorb steckte.

Brüllend wie ein wütendes Tier, ein wütender Drache, fuhr er herum, das Lichtschwert summend zum Leben erweckt, Rache, Wahn und Zorn in seinen Augen. Und Unglaube. Padme sprang zurück, gerade außer Reichweite seines Schwertes. Obi-Wan kam zu ihrer Hilfe. An ihren Händen klebte sein Blut.

Da war keine Reue in ihr. Er hatte versucht, ihr Baby umzubringen. Auf Dxun gab es eine mutierte Raubtierart, die Nighthunter. Man sagte, dass ein Nighthunterweibchen seine Welpen immer beschützte, auch wenn es sie das Leben kostete, aber auch Jahre nach dem Tod ihrer Welpen den Mord rächen würde. Schwer atmend sah Padme Anakin direkt in die Augen. In diese ungläubigen, so blauen Augen. Für einen Moment sah sie wieder das unschuldige Kind.

"Niemand bedroht mein Baby. Niemand." Sie zog ihren Blaster. Obi-Wan würde sie beschützen, aber sie fühlte sich so sicherer.

Auf Naboo sagten sie, die Abgründe kennen keinen schlimmeren Zorn, als den einer werdenden Mutter in Gefahr. Sie hatten recht. Anakin sank auf die Knie, als die Kraft langsam aus ihm wich.

Sie wollte ihm sagen, dass es ihr leid tat. Es wäre gelogen gewesen. Er hatte ihr Baby angegriffen. Sie könnte ihm sagen, dass sie ihn nie geliebt hatte, aber sie sah, dass er das selbst wusste. Es war einer der Gründe, warum er Obi-Wan zu hassen gelernt hatte.

Obi-Wan hatte den Meister gehabt, den Anakin hätte haben sollen. Er konnte ihn nicht retten. Obi-Wan bekam die Frau, die er liebte. Obi-Wan lebte, während er starb.

Mit einer letzten Kraftanstrengung streckte er seine mechanische Hand nach Padme aus. Sie konnte sie nicht ergreifen. Kalt und starr stand sie über ihm, den Blaster in der einen Hand, die andere auf ihrem Bauch. Hinter ihr spie der Planet sein feuriges Blut in den Himmel. Vor ihr floß das Blut Anakins auf den Steg und trocknete dort sofort.

"Ich hasse dich!", schrie er ihr entgegen, vor Hass gelb gefärbte Augen. Nicht ihr Anakin. Obi-Wan neben ihr zuckte zusammen, als hätten die Worte ihn direkt getroffen. Nun, es war möglich, dass Anakin ihn angeschrien hatte und nicht sie.

"Du warst mein Bruder, Anakin. Ich habe dich geliebt." Seine Stimme brach und mit ihm die Haltung Obi-Wans. Er sank auf die Knie und weinte. Er klang wie ein gequältes Tier. Erst sein Meister, nun sein Padawan, sein Freund, sein Bruder.

Anakin war nicht tot. Während Obi-Wan vor Trauer hilflos und handlungsunfähig war, beobachtete Padme vor Schock erstarrt, wie der prophezeite Auserwählte sich wieder auf die Beine kämpfte. Sein Gesicht war eine Grimasse aus Wahnsinn, seine Augen leuchteten immer noch in diesem krankhaften Gelb. Es war ein Monster, das aus Hohn Anakins Maske trug.

Padme konnte genau Panakas Stimme in ihrem Ohr hören. Blaster mit der dominanten Hand halten und anvisieren. Mit der nicht-dominanten Hand abstützen. Gegen Rückstoß absichern. Ruhig bleiben. Feuern.

Der Blasterschuss flog los, gerade als der Sith - sie weigerte sich dieses... dieses Ding, Anakin zu nennen - sich in einem Sturm aus Dunkelheit, den selbst sie spüren konnte, erhoben hatte und Anakins Lichtschwert zu sich rief.

Der Schuss traf ihn direkt zwischen die Augen. Ein perfekter Kopfschuss. Manchmal ist rohe, ungebändigte Macht nicht alles, erinnerte Padme sich an eine weitere Lektion von Captain Panaka. Sie behielt den Blaster solange im Anschlag, bis sie sich sicher sein konnte, dass der Sith nicht wieder aufstehen würde.

Dann fiel auch sie zitternd auf die Knie, direkt neben Obi-Wan. Sie hatte ihn getötet. Anakin war tot. Jetzt, wo der Sith verschwunden war, sah er wieder aus wie der Junge von Tatooine. Armer, unschuldiger Anakin. Tränen tropften auf ihre blutigen, geballten Hände. Sie brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass das ihre Tränen waren.

Obi-Wan fasste sich als erster. "Wir sollten ihn verbrennen. Er war ein guter Jedi und so möchte ich ihn in Erinnerung behalten." Er sprach sehr gefasst. Padme wusste, dass er in dieser Nacht weinen würde. Er würde sich zurückziehen und alleine weinen. Sie würde zu ihm kommen und ihn auf die einzige Weise trösten, die sie kannte. Ihn halten und ihm beistehen.

Sie ließen Anakin in einen der Lavaflüsse gleiten. Sein Lichtschwert behielt Obi-Wan für sich. Er wollte sich an den Jedi erinnern. Padme erinnerte sich an den kleinen Jungen, der sich so für sie eingesetzt hatte, der so viel für sie getan hatte.

Sie schwiegen, als die Lava ihn verzehrte und mit sich nahm. Es gab keine Worte, die ausdrücken könnten, wie sie sich gerade fühlten. Ihr Baby trauerte mit ihnen.

Sie blieben allein zurück, während der Planet mit ihnen trauerte, sich gegen die Realität selbst aufbäumte und immer neue Ausbrüche sie schließlich in die Atmosphäre zwangen. Kriegerin und Jedi.

Mörder.



Sie taufte ihre Babys - Zwillinge - Luke und Leia. Anakin hatte die Namen damals ausgesucht, als er glaubte, Vater zu werden. Padme mochte sie. Obi-Wan ebenfalls. Er schien zu verstehen, welche Bedeutung diese Namen für sie hatten.

Das Leben in der Rebellenallianz war nicht einfach. Noch weniger mit zwei kleinen Kindern, die regelmäßig Aufmerksamkeit wollten. Wenigstens hatten sie einen Vater, den sie ab und zu mal auf Trab halten konnten. Sie hatten geheiratet, als sie beide Halt brauchten, eine sichere Verbindung in einer zerfallenden Welt.

Nur am Imperiumstag, zwei Tage vor dem Geburtstag der Zwillinge, gedachte sie Anakin. Sie erinnerte sich an alle Einzelheiten dieses einen Tages. Sie wollte ihn nicht ins rosa Glitzer schöner Erinnerungen tauchen. Das wäre falsch. Er war ein Mörder. Genau wie sie, die ihn getötet hatte.











Ich muss zugeben, es hat wirklich Spaß gemacht, Padme zu schreiben. Dabei wollte ich erst Obi-Wans Perspektive verwenden, aber das hat sie mit ihrem Sturkopf zunichte gemacht, der dann einfach mal dazwischengefunkt hat. Man kennt das ja.

So oder so wird Padme viel zu selten als das porträtiert, was sie meiner Meinung nach ist: Eine Kriegerin. Verdammt, sie hat mit vierzehn ihren Planeten zurückerobert und sich danach in der Schlangengrube Senat durchgesetzt! Sie kann nicht so ein Püppchen sein, das einfach aufgibt, nur weil sie alles verloren hat. Nur so meine Meinung zu dem miserablen Tod, den man ihr gegeben hat.

Und ja, ich hätte sicher die Zukunft noch weiter beleuchten können. Es würde mir auch jede Menge Spaß machen, aber momentan habe ich schon mit Paradoxa ein Riesenprojekt, da muss ich nicht noch eins anfangen. Aber irgendwann werde ich das sicher schreiben. Fürs Vergessen gefällt mir das Szenario dann doch zu gut...

Tja, das war es dann so weit. Wer sich inspiriert fühlt, jetzt auch etwas zu schreiben: Bitte! Ich würde es lieben^^

Man liest sich hoffentlich noch mal.
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