École de la Vessalius

von Lysth
GeschichteHumor / P16
30.08.2014
05.01.2015
2
1880
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Er rückte sich noch einmal die Brille auf seiner Nase zurecht und zupfte noch einmal an seinem blauen Hemd herum, bevor er das Lehrerzimmer verließ und den Flur entlang lief.
Es war Montag. Und der erste Tag nach den Herbstferien.
Natürlich hätte Reim entspannt sein können, da er einen schönen und erholsamen Urlaub hinter sich hatte, aber durch eine erschütternde Nachricht war sein ganzes Holiday-Feeling im Eimer.
Er sollte die Klasse 9c übernehmen.
Ein Gedanke, den Reim Lunettes mehr als alles andere fürchtete.
Der Physik- und Informatiklehrer hatte es bisher nur mit eher harmlosen Sechstklässlern zu tun gehabt, die ihm gehorchten und interessiert dem Unterricht lauschten.
Wie man es von einem Gymnasium erwartete.
Reims Schritte wurden immer schneller, in der Hoffnung, schnell den Unterricht hinter sich zu bringen und ohne weitere Probleme davon zu kommen.
Schließlich kam er vor der weinroten Tür der Klasse 9c an.
„Okay, Lunettes, das sind nur ein paar Neuntklässler, du hast sie ihm Griff“, flüsterte er sich selbst zu.
Vorsichtig bewegte er seine zitternde Hand auf den silbernen Türgriff zu, doch plötzlich wurde die Tür aufgestoßen und Reim bekam eine auf die Zwölf.
„Mensch, Alice, gib mir meinen Schnellhefter zurück!“, brüllte ein blonder Junge einem Mädchen mit dunkelbraunem, langem Haar hinterher.
„Die Strafe dafür, dass du mein Mäppchen aus dem Fenster geschmissen hast!“, rief das Mädchen und verschwand mit dem pinken Schnellhefter um die Ecke.
Reim legte den Kopf schief, denn er schien sich über genau zwei Dinge zu wundern.
Erstens: Wieso klauten sich Schüler gegenseitig ihre Materialien? Zweitens: Wieso besaß ein Junge im Alter von fünfzehn Jahren einen pinken Schnellhefter?
Der Brünette rappelte sich wieder auf, atmete einmal tief durch und betrat die Klasse.
Er wäre am liebsten wieder umgekehrt, denn was er vor sich sah, war schlimmer, als er sich hätte vorstellen können.
Ein paar Schüler warfen sich Bücher und Hefte an den Kopf, andere saßen mit Kopfhörern im Ohr auf dem Tisch und hörten Musik oder bekritzelten mit Kreide die Tafel.
Am Fenster stand ein jüngerer Mann mit schwarzem Haar, der irgendetwas aus dem Fenster rief.
„Dürfte ich fragen, wer sie sind?“, fragte Reim und versuchte, den Klassenlärm kunstvoll zu überhören.
„Ich bin Gilbert Nightray und bin Integrationshelfer für Oz Vessalius. Tut mir leid, aber er und Alice haben ihre Hyperaktivität nicht unter Kontrolle“, entschuldigte sich Gilbert.
„Habe ich gar nicht bemerkt“, meinte Reim mit einem sarkastischen Unterton.
„Ich bitte um Ruhe!“, rief der Brünette in den Raum. Was niemand zu bemerken schien.
„RUHE!“, brüllte er nun, woraufhin die Klasse nach und nach verstummte.
„So, mein Name ist Reim Lunettes und ich werde für den Rest des Schuljahres euer Lehrer in Physik und Informatik sein“, erklärte Reim. Er zog die Anwesenheitsliste seiner Schüler aus der Ledertasche.
„Alice Baskerville… anwesend. Oz Vessalius… anwesend. Alyss Baskerville?“ Der Brillenträger ließ seinen Blick durch die Klasse wandern, bis seine Auge bei einem Mädchen mit schneeweißem Haar hängen blieben.
„Hööö, Alyss hat ihre Tage!“, lachte Philipp West und warf dem Mädchen einen Filzstift an den Kopf.
„Was macht denn ein zehnjähriger Junge in dieser Klasse?“, fragte Reim.
„Philipp wollte eigentlich Pokémon-Trainer werden, aber weil es keine Pokémon gibt, durfte er zum Trost in die neunte Klasse, alter Mann“, meinte ein hellblonder Junge desinteressiert.
„Siezen wäre eine Alternative, junger Mann“, meinte Reim.
„Nein Mann, Philipp ist hochbegabt, hat aber mächtig `nen Sprung in der Schüssel. Und „Junger Mann“ klingt scheiße. Wenn sie mich schon anlabern, dann mit Eliot Nightray.“ Eliot wandte sich von seinem Lehrer ab und fing an, mit seinem Tischnachbarn Leo zu reden.
Reim verpasste sich einen Facepalm und überlegte, ob er Gilbert zur Seite stoßen und aus dem Fenster springen sollte.
„Was machen sie denn überhaupt hier? Wir hätten jetzt eigentlich Englisch bei Herr Break“, meldete sich ein Mädchen mit langem, blondem Haar zu Wort.
„Herr Lunettes hatte in den Ferien sehr viel zu tun und ist noch leicht überfordert“, hörte Reim eine Stimme aus Richtung Tür.
Der weißhaarige Englischlehrer der Klasse hatte sich gegen den Türrahmen gelehnt.
„OOOOOZ! Du bist jetzt so was von tot!“, brüllte die brünette Baskerville lauter denn je, die mit Oz in die Klasse gestürmt kam.
„Lunettes, der blonde Affe da hat mich begrapscht!“, rief Alice.
„Hab ich gar nicht, du Bitch!“
„Doch, hast du!“
„Vessalius, Baskerville!“, unterbrach ein Mädchen die beiden Streithähne, das bisher niemand bemerkt hatte. Sie hatte relativ kurzes Haar und einen kalten Blick.
„Halt dich da raus, Echo-Schätzchen“, zwinkerte Oz ihr zu.
„Echo-Schätzchen? Echo ist eine abyssverdammte Streberin!“, regte sich Alice wieder über alles und jeden auf.
„HALTET EURE BEHINDERTEN KLAPPEN UND SETZ EUCH HIN!“, schrie Break in die Klasse, woraufhin alle zusammenzuckten und sich unverzüglich auf ihren hölzernen Stühlen niederließen.
„Du musst dich hier durchsetzen können“, seufzte Break in Reims Richtung und zwinkerte ihm verführerisch zu.
Reim beschloss, sich einfach auf den Stuhl neben der Tür zu setzen und das Geschehen zu verfolgen.
Neben ihm: Gilbert.
„Und, wie lange sind Sie schon Oz‘ Integrationshelfer?“, fragte Reim.
Gilbert seufzte. „Seit vierzehn Jahren.“
Okay, nun sagte Reim gar nichts mehr. Das war definitiv eines der Dinge, von denen er nichts mehr wissen wollte oder irgendetwas am eigenen Leibe erfahren wollte.
Das wäre Selbstmord.
„Fangen wir mit der Wiederholung zum Aktiv und Passiv an“, meinte Break und nahm ein Stück Kreide in die Hand.
„Alyss‘  Tage sind aktiv!“, brüllte Philipp erneut in die Klasse.
„Und ich prügel dich gleich passiv!“
„Halt die Fresse, Alice!“
Reim seufzte.
Dies sollte eine lange Unterrichtsstunde werden.

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Das war's mit dem ersten Kapitel x3
Ich hab es, glaube ich, nicht hinbekommen, alle in der Klasse vernünftig mit einzubeziehen...
Aber im nächsten Kapitel wird's besser ;D
GANZ sicher.
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