Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Halt dich an mir fest

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
30.08.2014
30.08.2014
1
966
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
30.08.2014 966
 
Heyho :) 

Willkommen bei meinem OneShot Halt dich an mir fest. Das hier ist mein Beitrag zur ersten Runde des Wettbewerbes Liederthemen Oneshots von Nidoqueen.

Das Lied, dessen Thema ich bearbeiten musste war Help von The Beatles.

Nun aber viel Spaß.

lg
Shadow :)


+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + +

Halt dich an mir fest


Wieso? Wieso war immer ich die Leidtragene? Wieso musste immer ich alles abbekommen? Wieso?

Während ich rannte, liefen mir Tränen über die Wangen. Zwar nur wenige, dennoch waren sie bedeutsam. Selten weinte ich, wenn ich es tat, dann auch mit Grund - so wie jetzt.

Ich wusste nicht, wohin ich rannte. Das einzige, was ich immer wieder hörte waren dieselben Worte. Dieselben Worte, die nicht aus meinem Kopf gehen wollten. Sie hatten sich eingebrannt, verschwanden nicht mehr.

Deine Schuld! Du versaust alles! Hau ab! Für immer, verschwinde, lass dich nie wieder blicken!

"Lexi!"

Normalerweise hätte ich mich umgedreht. Nicht aber jetzt. Auch wenn ich die Stimme kannte. Auch wenn er es war, von dem ich mir am meisten Hilfe gewünscht hätte und der alle meine Probleme kannte.

"Lexi!"

Eine weitere Stimme. Wieder eine bekannte. Auch sie kannte meine Probleme.

Henry und Jazz, die einzigen, die mich wirklich so kannten wie ich war. Die einzigen, die wussten, dass ich mich selbst hasste. Die einzigen, von denen ich jemals Hilfe erwartet hatte - und bekommen hatte.

Ich konnte nicht mehr weiter laufen, meine Beine waren zu schwer. Noch immer mit Tränen in den Augen ließ ich mich gegen einen Baum fallen. Wartete.

Ein Arm legte sich um mich, zog mich gegen eine Schulter. Ich legte meinen Kopf auf Henrys Schulter ab, während er mir über den Rücken strich. Jazz saß daneben, still, aber dennoch beruhigte mich ihre Anwesenheit. 

Damals war alles besser. Damals, als ich noch eine selbstbewusste, fröhliche Persönlichkeit war. Doch das änderte sich in den Jahren, fing an in der fünften Klasse. Die fünfte Klasse - eine anfangs wirklich schreckliche Zeit. Alles neu: neue Leute, neue Umgebung. Ich kannte nichts und niemanden dort, war zu schüchtern um meine Klassenkameraden anzusprechen.
Dann allerdings fand ich endlich Freunde - Kyra, Charlie und Taylor. Die drei wurden zu meinen besten Freunden, allerdings gab es einen Nachtteil an ihnen. Sie liebten es, man mich spaßhaft zu ärgern. Als Fünftklässlerin findet man das zwar auch schon schlecht, aber erst heute weiß ich, wie sehr mich das damals eigentlich verletzt hatte. Das das der Stein war, der alles ins Rollen gebracht hat.

Es ging weiter, das Ärgern wurde immer weniger. Verschwand jedoch nie wirklich. Schlimm wurde es erst wieder in der achten Klasse. Man muss allerdings wissen, dass ich der Typ Mensch bin, der:
1.) redet ohne darüber nachzudenken.
2.) nicht mit jedem klar kommt.
3.) nicht von allen unbedingt akzeptiert wurde.
So kam es auch, dass ich immer wieder Sticheleien der Jungs zu hören bekam. Doch ich ignorierte es. Ignoranz. Das ist eine der Eigenschaften, die ich über die Jahre hinweg gelernt hatte.

Ich ignorierte es, dennoch konnte ich es nie vergessen - werde es nie vergessen. In der neunten und zehnten Klasse war ich oft am Rande der Verzweiflung. Fragte mich zu oft, wer wohl um mich trauern würde, wenn ich aus dem Leben verschwinden würde. Meine Antwort war immer: niemand.
So blieb es auch, ich wurde stiller, zog mich immer mehr in meine eigenen Gedanken zurück, setzte mir jedes Mal in der Schule meine alte Maske auf. Die Maske meines alten Ichs. Die Maske des glücklichen, lebensfrohen Mädchens.

Jazz war die erste, die von meinen Problemen erfuhr. Wir freundeten uns in Rom an, schrieben seitdem jeden Tag. Und irgendwann, irgendwann kamen wir auf mein gehasstes Thema zu sprechen. Ich fand heraus, dass sie ähnliche Probleme hatte. Ich fand heraus, dass ich mit ihr darüber reden konnte. Endlich.

Mein Selbstbewusstsein war noch immer nicht vorhanden, immer noch hasste ich mich selbst abgrundtief. Doch ich machte weiter.  Kämpfte dafür, endlich wieder Ich zu werden. Endlich keine Maske mehr anlegen zu müssen. Aber bis heute ist es mir noch immer nicht gelungen. 
Dank eines kleinen Fehlers Jazz' war sie allerdings nicht lange mehr die einzige, die von meinen Problemen wusste. Sie erzählte Henry, ihrem (und mittlerweile auch meinem) besten Freund, davon. Erst dachte ich, dass alles schlimmer werden würde; so kam es nicht. Henry half mir ebenfalls dabei weiter zu machen. Henry und Jazz - meine einzigen, wirklichen Freunde.


"Lex? Alles wieder in Ordnung?", fragte Henry, der jedoch sofort wieder verstummte. Natürlich war nichts in Ordnung - das wusste er auch - aber immerhin war es nett, dass er fragte.

Ich atmete einmal tief ein und aus, bevor ich mich etwas aus seiner Umarmung löste. Meine Augen waren nun bestimmt rot und verheult.

"Kannst du uns bitte kurz alleine lassen, Jazz?", fragte ich, erschrocken darüber wie seltsam meine Stimme klang. Jazz nickte - ein wenig verwundert - und stand auf. Sie lächelte mich ein letztes Mal an, dann ging sie in Richtung Schule.

Erst jetzt fiel mir auf, dass sowohl Henry als auch ich schon längst wieder im Unterricht sein sollten. Aber ich konnte noch nicht gehen. Nicht jetzt.

Ich lehnte mich wieder gegen Henry, blickte ihm aber immer noch in die Augen. Blaugrau gegen Braun. 

"Danke", flüsterte - hauchte ich fast. Es war zwar nur ein Wort, aber so unendlich viele Bedeutungen.

Danke, dass du mir hilfst.
Danke, dass du immer da bist.
Danke, dass ich mich auf dich verlassen kann.
Danke, dass ich ich sein kann, wenn du da bist.
Danke, dass du mein Freund bist.
 

Henry lächelte mich an. Freundlich.

Und ich ließ mich fallen. Früher brauchte ich keine Hilfe. Jetzt schon. Doch ich habe Henry und Jazz. Die beiden werden mir immer wieder helfen - als einzige.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast