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Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
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28.08.2014 2.173
 
8. Ásdís Zorn


Eine einzige Handbewegung streckte die Polizisten nieder. Der Eindringling in der Kirche hatte nur einmal den Arm gehoben und die Männer zum Umfallen gebracht, wie Dominosteine, als sei es nichts.
Sofort eröffneten die Polizisten das Feuer. Sie schossen wild darauf los, ohne zu bemerken das die Kugeln auf halbem Wege zu Staub zerfielen.
Brooklyns Augen waren von Schock geweitet. „Oh oh das sieht nach großem Ärger aus. Mister oder Miss Unbekannt scheint böse zu sein.“
Irgendwo in dem wilden Durcheinander hörte Brooklyn Matt schreien, dem offenbar als Einzigster klar wurde, dass das zu nichts führte. Seine Kollegen hörten erst dann auf zu schießen, sowie keine Kugel mehr übrig war.
„Seid ihr nun fertig?“, ertönte eine unbekannte Stimme. Sie klang schauerlich und sanft zugleich.
Die vermeintlichen Angreifer verharrten auf dem Boden. Offenbar waren sie sich des Fehlers bewusst ihr Gegenüber erzürnt zu haben.
Die verhüllte Gestalt legte ihr Gewand nieder und blendete sie alle mit ihrem Licht – Menschen und Gargoyles. Erst als das Licht sich allmählich dämpfte wagten es die Anwesenden wieder hinzusehen.
Vor ihnen stand eine Frau. Brooklyn war sprachlos und ihn würde es sehr wundern, wenn nur er so empfand.
Die Fremde trug ein weißes seidenes Kleid welches auf mysteriöse Art und Weise flatterte. Über ihre Schultern fielen goldene Locken die bis zu den Kniekehlen reichten. Mit milchig trüben Augen  inspizierte diese ihr Umfeld.
Matt der seine Munition nicht vergeudet hatte wagte es sich wieder aufzustehen, während seine Männer perplex am Boden liegen blieben. Die Frau mit dem goldenen Haar schmunzelte und tat eine unerwartete Bewegung. Sie streckte die Arme aus und entfaltete ihre wahre Gestalt.
Lexington erschrak und setzte sich auf den Hosenboden. Brooklyn betrachtete sie mit heruntergeklappter Kinnlade. Die Frau hatte soeben zwei prachtvolle Flügel ausgebreitet – gefederte Flügel. Die Spannweite war nicht zu verachten und würde Goliath sicherlich Konkurrenz machen können.
„Ist das ein Engel?“, flüsterte Lex erstaunt.
Brooklyn den dieser Auftritt zwar ebenfalls beeindruckte dachte darüber ein wenig anders. „Ich glaube nicht das Engel es nötig haben in eine Kirche einzubrechen.“
Die engelsgleiche Gestalt offenbarte mit einem Mal Flammen in ihren Händen. Schreckensrufe gingen umher und die Polizisten ergriffen schlagartig die Flucht. Außer Matt der Deckung zwischen den Bänken suchte und den Gargoyles war niemand geblieben.
„Menschlein gedenkst du es mit mir alleine aufnehmen zu können?“, lachte sie. Ihre Stimme erschütterte die Anwesenden bis ins Mark.
Matt blieb in seinem Versteck und Brooklyn war bewusst das es nun an ihnen war. Er nickte seinen Freunden zu. Sie verstanden und folgten ihm.
Brooklyn trat ihr wild entschlossen entgegen. „Wir sind jetzt deine Spielgefährten!“
Ihr Gelächter erfüllte erneut die Kirche. Sie war von den Gargoyles genauso wenig beeindruckt wie von den Polizisten die noch eben geschossen hatten. Es dauerte mehrere Sekunden bis sie verstummte, um sich dann speziell Brooklyn zuzuwenden.
Ihr trüber Blick traf den seinen. Brooklyn wurde bei ihren Augen in denen er sich nicht spiegeln konnte ganz flau im Magen. Es war als durchbohre sie ihn.
Goldlöckchen erhob abermals ihren Arm und hob Brooklyn ohne ihn anzufassen in die Luft. Eine unsichtbare Hand schnürte dem jungen Gargoyle die Kehle zu. Brooklyn zappelte und schlug wie wild um sich. Er griff an seinen Hals, aber da wo keine Hand war konnte er auch nichts von sich stoßen. Seine Freunde riefen im Hintergrund durcheinander, doch konnte er nicht sehen was sie taten.
Sämtliche Luft schien seinen Lungen zu entweichen. Dich Sicht wurde allmählich trüb. Mittlerweile konnte er nicht einmal einen klaren Gedanken fassen. Es ging nur noch ums Überleben.
Brooklyn liefen bereits vor lauter Anstrengung die Tränen aus den Augen, als sie endlich von ihm abließ. Hustend stürzte er zu Boden. Er rang nach Sauerstoff, keuchte und zitterte am ganzen Körper.
Plötzlich tauchten Angela und Broadway neben ihm auf und halfen dem Gepeinigten zurück auf die Beine. Um Haaresbreite wäre es geschehen. Nur knapp war der junge Anführer der Bewusstlosigkeit und vielleicht dem Tode entronnen.
„Du hast doch nicht wirklich angenommen auch nur den Hauch einer Chance gegen mich zu haben?“ Brooklyn dem nicht der Sinn nach einer weiteren Attacke stand die er ohnehin nicht abwehren konnte schüttelte eilends den Kopf. „Sehr klug von dir Gargoyle. Die Weisheit besaß der Andere nicht.“
Die Vier erschreckten sich gleichermaßen. Konnte sie denn wirklich Coldstone meinen?
Ausgerechnet der Kleinste unter ihnen hüpfte verärgert auf der Stelle. „Hast du etwa Coldstone umgebracht?“
Sie schlug die Augen sehr langsam auf und hatte gerade einmal einen gelangweilten Blick für Lex übrig. „Oh sag jetzt nicht diese arme Kreatur hatte auch noch einen Namen?“
„Kreatur?!“ Lex wollte auf sie losstürmen, aber Broadway hielt ihn zurück – keine Sekunde zu früh. Die Frau in weiß führte schon wieder etwas im Schilde. Sie schlug einmal kräftig mit den Flügeln und stieg über ihre Köpfe. Bedrohlich zeigte ihr Finger auf die Gargoyles. „Ich habe dieses weder lebendige noch tote Wesen von seinem Leid befreit und wenn ich mit euch Gargoyles fertig bin werdet ihr euch noch wünschen ich täte das Gleiche mit euch. Niemand,“ ihre Stimme nahm einen vollkommen neuen besorgniserregenden Klang an. „legt sich ungestraft mit mir, Ásdís Abgesandte und Beschützerin des Lebens, an!“
Brooklyn legte die Stirn in Falten. Das war aber eine merkwürdige Art und Weise sich als sogenannte 'Beschützerin' zu offenbaren. Ihr konnten sie jedenfalls nicht vertrauen.
Ásdís flog über ihnen ohne große Mühe. Sie gebrauchte dazu nicht einmal ihre Flügel. Sie schwebte einfach.
Angela war die Nächste die all ihren Mut zusammenfasste und Ásdís direkt ansprach. „Was haben wir dir bloß getan?“
Ásdís zog eine Augenbraue hoch und lächelte. „Ich kann Diebe nicht ausstehen!“
Sie setzte zum nächsten Angriff an. Angela suchte ihr heil in der Flucht. Doch die verärgerte Frau traf die Gargoyledame mit einer Druckwelle im Rücken. Getroffen brach Angela zusammen.
„Angela!“, schrie Broadway auf und rannte zu ihr.
Jetzt standen Brooklyn und Lexington ihr alleine gegenüber. Brooklyn nahm eine abwehrende Position ein. Er ballte die Fäuste und sah wütend zu ihr hinauf. „Wir haben nichts gestohlen!“
„Lügner!“
Die Zwei sprangen rasch beiseite. Ein Feuerball hätte sie sonst um Haaresbreite getroffen, der nun ein beachtliches Loch in den Boden sprengte.
Brooklyn kroch auf allen Vieren unter eine Bank – genau dort hin wo sich Matt im Verborgenen hielt.
„Eure Unterredung war nicht gerade sehr erfolgreich.“, stellte der Polizist fest.
„Ja.“, gab Brooklyn missmutig zu. „Ich habe keinen blassen Schimmer was wir tun soll. Egal was wir zu ihr sagen sie wird immer wütender.“
„Ich schätze Verstärkung wird bald eintreffen.“
Brooklyn gefiel der Gedanke nicht, das es in der Kirche bald vor Polizisten nur wimmeln sollte. Es war im jeden Falle ein doppeltes Risiko – zum einen was diese überaus entzückende Weib mit den Verständigungsproblemen betraf und zum Anderen mochte keiner den Gargoyles glauben, das sie die Menschen gegen diese Furie beschützen wollten. Die Gargoyles seien schließlich in der Augen vieler New Yorker wilde Bestien die eingesperrt gehörten.
Sie mussten fliehen. Aber bei dem Gedanken würde es wohl vorerst bleiben. Ásdís entließe die Freunde nicht so einfach aus ihren Fängen.
Indessen robbten Brooklyn und Matt über den glatten Untergrund von einer Bankreihe zur Gegenüberliegenden. Von hier aus konnten sie auch sehen, wie Broadway mit Angela Deckung hinter einer Säule suchte. Brooklyn suchte mit fragenden Blick den von Broadway. Seine unausgesprochene Frage war: Wo ist Lex? Zur Antwort erhielt er Schulterzucken. Und das gefiel ihm gar nicht. Lexington heckte doch nicht womöglich was aus?
So vorsichtig wie möglich blickte Brooklyn um die Ecke. Er hatte gute Einsicht zum Altar über dessen ihre Widersacherin noch immer schwebte. Sie schien zu warten, bis irgendwer es wagte aus seinem Versteck herauszukommen. Eine schöne Zwickmühle ist das, dachte Brooklyn. Keiner gedachte dem nachzukommen. Keiner bis auf... Brooklyn rutschte das Herz in die Hose. Hinter der wartenden Ásdís kletterte Lexington die Wand hinauf. Die Augen des Kleinen funkelten vor Zorn. Ihm schien sein Vorhaben sehr ernst zu sein.
Der Anführer konnte dem nicht tatenlos zusehen. Wer wusste schon was sie ihm antun würde. Brooklyn war bereits im Begriff nach vorn zu sprinten, da setzte Lex schon zum Angriff an.
Schreiend sprang er auf Ásdís zu. „Jetzt bist du fällig böse Hexe!“
Lex kam nicht einmal in ihre Nähe, als sie sich blitzschnell zum ihm umwandte und ihn mit der gleichen Attacke wie Angela malträtierte. Lex fiel laut krachend gegen eine Säule und stürzte unsanft zu Boden. Reglos blieb er liegen, wo er hinabgefallen war.
Wenn das so weiterginge wären bald alle Anwesenden verletzt und Brooklyn wusste, wenn das zynische Weib sie töten wollte hätte sie es längst getan, aber das hieße nicht das diese es bei ein paar blauen Flecken und Kratzern belassen mochte. Es musste also irgendetwas geschehen was Alle milde stimmen konnte. Nur was, ohne sofort ihren Zorn auf sich zu ziehen? Lex konnte er im Moment nicht helfen. Das war zu gefährlich! Stattdessen suchte Brooklyn erneut Schutz unter den Bänken. Da Ásdís nur auf eine Gelegenheit des nächsten Schlag wartete, wäre es das Sinnvollste aus sicherer Entfernung zu sprechen. Genau das hielt auch der junge Gargoyle auf dessen klugen Handelns seine Freunde hofften, für richtig. Seine Worte sollten daher wohlwollend und klug gewählt sein.
„Ásdís bitte hör mich an! Wir sind nicht hierher gekommen um zu kämpfen. Obwohl...“ Brooklyn senkte traurig den Kopf und es kostete ihn viel Kraft seinen Stolz zu überwinden. „du einen von uns getötet hast. Das verzeihen wir dir niemals!“
Ásdís ließ mit ihrer Antwort nicht lange auf sich warten. „Hm, wie mir scheint handelt es sich bei euch Gargoyles doch um intelligente Wesen. Doch hat einer eures Gleichen einen schweren Fehler begangen, dessen Ausmaß ihr euch nicht einmal in euren schlimmsten Träumen ausmalen könnt.“
Alte Verbitterung überfiel Brooklyn, als er an Sie dachte, die Person dessen missliche Lage sie ihr zu verdanken hatten – Demona! Als reichte es nicht schon das sie Goliaths Ansichten über die Menschen nicht akzeptieren konnte, nein sie manipulierte ihn in der Vergangenheit und brach damit endgültig jedweden noch so kleinen Funken Vertrauen in ihn. Brooklyn würde wahrscheinlich noch sehr lange diesen alten Groll gegen Demona hegen. Ihr war einfach nicht zu vertrauen. Das hatte sie ja wieder einmal bewiesen. Brooklyn schüttelte den Kopf und hielt es für das Beste das Problem beim Namen zu nennen. Das er dabei aus seiner Deckung und Ásdís direkt unter die Augen trat war nicht nur sehr mutig, sondern auch sehr gefährlich.
„Ihr Name ist Demona. In der Vergangenheit hat sie uns auch oft hintergangen und bestohlen.“
Ihre Vergehen aufzuzählen zöge eine lange Liste mit sich und was den Diebstahl betraf, so dachte er natürlich daran, wie Demona damals mit Macbeth in den Glockenturm eingebrochen war und ein paar äußerst wichtige Gegenstände mitgehen ließ. Doch es war besser vom ehemaligen Diebesgut von dem die Gargoyles ohnehin nichts mehr besaßen (das Auge von Odin war bei seinem rechtmäßigen Besitzer, das Grimorum Arcanorum, sowie das Phönixtor gab es nicht mehr) kein Wort zu verlieren.
„Und dennoch ist sie eine von euch!“, entgegnete die engelgleiche Frau kühl.
Brooklyns Rede hatte bei ihr gar nichts erreicht – im Gegenteil!
„Sie hat uns ebenso betrogen wie dich!“, brüllte er und seine Augen begannen zu funkeln.
In diesen Moment entlud sich all ihr Zorn. Ásdís Kleid flatterte mehr denn je. Ihre Augen begannen zu leuchten und ihr Haar erinnerte plötzlich an das Feuer selbst. Ihre engelgleiche Gestalt war einer nahezu dämonenhaften Kreatur gewichen. Jetzt zeigte sie ihr wahres Gesicht.
In der Kirche breitete sich eine bedrückende Dunkelheit aus die alles Licht in sich aufzusaugen schien. Ein kalter Wind wehte und ließ die Anwesenden erzittern. Es war eine eisige Kälte die ein jeder selbst in den Knochen spürte.
Mühsam kroch Brooklyn auf allen Vieren zu dem bewusstlosen Lex hinüber. Er packte den Kleinen und versteckte ihn hinter einer Säule.
Broadway und Angela waren mittlerweile auch zu ihm aufgeschlossen. Ihre Blicke sprachen Bände. Die Freunde wussten das sie fliehen mussten.
Doch es kam zu einer katastrophalen Wendung. Mindestens zwei dutzend Polizisten stürmten urplötzlich die Kirche. Es war ein wildes Durcheinander. Männer schrien und Schüsse fielen. Matt sprang auf und versuchte seinen Kollegen Einhalt zu gebieten. Dabei begab er sich in gefährliche Schussnähe...IHRE Schussnähe.
Brooklyn wusste das Ásdís ihn töten würde, allein schon deswegen, das die Menschen sie unentwegt attackieren. Ihr höhnischer Blick war genau auf Matt Bluestone gerichtet.
Das Feuer bahnte sich ihren Weg. Brooklyn machte einen großen Satz, aber er konnte Matt nicht mehr rechtzeitig erreichen. Deswegen warf er sich direkt in die Schussbahn.
Ein heißer Feuerball krachte mit voller Wucht gegen den Körper des mutigen Gargoyles. Brooklyn ächzte vor Schmerz und stürzte direkt vor Matts Füße. Sein ganzer Körper brannte schmerzhaft. Sein Schrei klang erstickend und war kaum zu hören. Ihm war heiß, sehr heiß.
Irgendwer warf etwas auf ihn und klopfte unentwegt auf Brooklyn ein. Entkräftet ließ er es über sich ergehen.
Das letzte was Brooklyn wahrnahm war das Bersten von Glas und einem Hilferuf den er glaubte Angela zuzuordnen können. Er war handlungsunfähig. Weder bewegen noch sprechen konnte Matts Schutzengel. Seine Kehle fühlte sich so trocken an.
Ein letztes Mal schlug Brooklyn die Augen auf, ehe die Dunkelheit ihn in die Arme schloss...
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