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Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
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28.08.2014 2.088
 
7. Nachforschungen

Die Wohnung sah aus wie ein einziges Schlachtfeld. Regale lagen umgestürzt, Bücher waren einmal quer über den Boden verteilt und eine Spur aus Scherben zierten den Fliesenboden der Küche.
Im Schlaf- und Badezimmer sah es kaum besser aus. Die Einbrecher hatten nahezu alles auseinander genommen und durchsucht. Selbst Elisas Matratze und die Couch waren aufgeschlitzt.
„Das wird Elisa ganz und gar nicht gefallen.“, stellte Broadway trocken fest.
Brooklyn hatte indessen bei seinem Rundgang durch die Wohnung die Zeichnung eines ungewöhnlichen Baumes gefunden. Einmal mehr rief er sich ins Gedächtnis wem sie das Alles zu verdanken hatten. Die ernüchternde Erkenntnis kam ihm schnell. „Diese Wächter Yggdrasils waren wohl der festen Überzeugung das Diebesgut hier zu finden.“
„Aber das war doch Demona.“, warf Lexington ein.
Brooklyn zuckte mit den Schultern. „Würde mich nicht wundern, wenn sie eine Spur zu Elisa gelegt hätte. Demona konnte Elisa noch nie leiden.“
„Was sollen wir nur tun?“, fragte Angela in Sorge.
Brooklyn wusste wohl das sie einen Wettlauf gegen die Zeit führten. Die letzten Ereignisse lagen nun zwei Tage zurück. An dem Tag wo Owen Bournett ihrem Clanoberhaupt die schlechte Nachricht überbracht hatte, wie es um ihn stand, überließ Goliath noch am selben Abend Brooklyn die Führung. Es kam so plötzlich für Brooklyn das es Zeit bedurfte, bis er das ganze Ausmaß erfassen konnte. Goliath wurde übel zu gespielt, gleichwohl er Brooklyn mit Ratschlägen zur Seite stand, schwanden seine Kräfte von Tag zu Tag. Bald musste er ohne die Hilfe ihres Chefs auskommen. Goliath setzte viel Vertrauen in ihn, Vertrauen das er bei sich selbst noch nicht fand. Ihm saß die Gewissheit im Nacken das alle Verantwortung auf seinen Schultern lastete. Das erdrückte den jungen Gargoyle sehr. Was wenn er nicht einfach der Stellvertreter blieb?
Angela die Brooklyns Missmut bemerkte legte ihm eine Hand auf die Schulter. Beschämt wisch er ihrem Blick aus.
„Brooklyn! Wir folgen dir und du sollst wissen, das du nicht allein bist. Wir helfen dir die Bürde des Anführers zu tragen. Weise uns die Richtung und wir begleiten dich.“
Brooklyn zwang sich zu lächeln, doch scheiterte kläglich. „Ich weiß nicht wie. Es ist als stünde ich vor einen hohen Berg den ich zu erklimmen nicht in der Lage bin.“
Lex klatschte triumphierend in die Hände. „Wir helfen dir beim Aufstieg und weichen nicht von deiner Seite.“
Auch Broadway pflichtete dem bei. „Ja auf uns kannst du zählen.“
Brooklyn allerdings quälte sich weiter. Völlig aufgewühlt marschierte er von einer Seite zur Nächsten. Er trug bei alledem die Verantwortung! Niemand mochte verstehen, wie ihm zumute war.
„Goliath wusste was er tat, als er dich zu seinen Stellvertreter ernannte und du hast es doch bereits bewiesen das du es kannst.“, munterte ihn Broadway auf oder versuchte es zumindest.
Das änderte nichts an seinen Unwohlsein. Er trat auf der Stelle und raufte sich im wahrsten Sinne des Wortes die Haare. „Diesmal ist es anders! Goliath wird sterben, wenn ich versage.“
Angela die sich eben noch in Geduld geübt hatte, musste dieser Satz sehr tief getroffen haben. Sie hatte versucht stark zu bleiben, um ihres Vaters Willen. Doch die Angst aller, gesprochen aus dem Mund des Gargoyles der sie nun leiten sollte, traf sie besonders hart. Angela fauchte Brooklyn an. Ihre Augen blitzen rot auf. „Wie kannst du das nur sagen, ohne etwas versucht zu haben? Niemand weiß das so genau was nun mit Goliath geschieht.“
Gerade zu rechten Zeit hielt Broadway Angela zurück auf ihren neuen Anführer loszugehen.
„Angela! Brooklyn hat es nicht so gemeint. Er hat einfach nur Angst wie wir alle. Ich bin sicher ihm fällt bald etwas ein.“ Mit diesen letzten Worten nahm der gut beleibte Gargoyle seine Gefährtin in die Arme.
Brooklyn atmete einmal tief aus um neue Kraft zu schöpfen. Seine Freunde hatten ja Recht. Dies war nicht das Ende, aber möglicherweise der Anfang eines beschwerlichen Weges. Sehr zu seiner Freude kam ihm ein Lichtblick. Er hatte eine Idee.
„Kommt Freunde! Wir werden Matt besuchen. Vielleicht weiß er inzwischen mehr über Yggdrasil.“

Matt war es der das erste Mal Elisa gegenüber den Namen jener mysteriösen Ordensgemeinschaft ins Spiel gebracht hatte. Er konnte den Gargoyles wahrscheinlich auch weiter helfen. Ihrer Freundin Elisa waren im Moment die Hände gebunden. Sie saß auf Burg Wyvern fest und wenn man bedachte was mit ihr geschehen wäre, hätten diese Leute sie in ihrer Wohnung angetroffen, war das auch gut so. Dafür lag die junge Frau allerdings Xanantos und Owen stets auf der Lauer. Sie vertraute den Beiden nicht wirklich. Der Rest des Clans würde an vorderster Front kämpfen müssen. Es würde bald nicht nur Goliaths Leben auf dem Spiel stehen. Der beste Beweis war der Anschlag auf Elisas Wohnung.
Glücklicherweise war Matts Zuhause in einen der oberen Stockwerke und von daher leicht zu erreichen. Brooklyn stieg als erstes auf den Balkon und trat über die offen stehende Balkontür ins Innere. Drinnen brannte noch Licht. Das war ein gutes Zeichen.
Lange mussten die Vier auch nicht suchen, da kam ihnen Matt mit seinem Mantel in der Hand entgegen. Bei ihren Anblick kräuselte sich seine Stirn. Ihr Erscheinen kam dem Polizisten wohl sehr ungelegen.
„Oh hallo Jungs.“, sagte Matt und bekleidete sich mit seinem Mantel. „Euer Besuch ist denkbar schlecht. Ich muss los.“
Brooklyn hielt ihn jedoch auf. „Es ist aber wichtig das du uns mehr über diesen Orden erzählst. Wir müssen wissen mit wem wir es zutun haben.“
„Später! Meine Angelegenheiten können nicht warten.“
„Viellicht können wir dir ja helfen.“, schlug Broadway vor und erntete dafür Zustimmung von allen Seiten.
Matt dem nicht der Sinn nach Diskussionen stand gab nach, aber nicht ohne ein paar Worte der Warnung auszusprechen. „Ihr wisst das die Stadt nicht gut auf euch zu sprechen ist. Wenn ihr mit mir da hinaus geht kann ich für euren Schutz nicht gewähren und ich möchte nicht mit euch in Verbindung gebracht werden, sonst wird alles hinfällig sein. Dann werde ich nicht mehr viel für euch tun können.“
„Du kannst auf uns zählen!“, versprach Brooklyn.
„Na schön. Wir treffen uns bei der St. Patricks Kathedrale. Dort soll jemand eingebrochen sein.“


Die St. Patricks Kathedrale war eine über zweihundert Jahre alte Kirche an der Fifth Avenue. Sie stand inmitten des Waldes bestehend aus Wolkenkratzer. Früher einmal war sie eine Kirche die ins Augen stechen mochte. Doch in der heutigen Zeit ging die Vergangenheit zunehmend unter. Zahlreiche Straßen, Gebäude die hunderte Meter in den Himmel ragten und viele moderne Architekturen bestimmten das Stadtbild. Da war so eine Kirche nicht viel mehr, als ein verlorener Zwerg unter Riesen. An Tagen wie diesen stieß man nur durch Zufall darauf.
In der Tat war das Bild das sich den Freunden kurz darauf bot ziemlich beeindruckend. An der Frontseite ragen mächtige zwei Türme empor. In dessen Zentrum lag unter einem großen runden Fenster, das in seiner feinen Verarbeitung an eine Blume erinnerte, der Haupteingang. Eine riesige Doppeltür aus massiven Holz führte nach Innen. Zwei weitere Türen befanden sich direkt daneben. Doch alle drei Zugänge lagen auf der Vorderseite und die waren umringt von zahlreichen Polizeiwagen.
Sie landeten zunächst einmal auf den Dach um die Lage zu überprüfen. Von oben herab blickten die Freunde auf das Geschehen unter ihnen. Ein Horde von Polizisten versammelten sich um Matt dem die Leitung des Einsatzes oblag. Es war ein wildes Gemenge aufgebrachter Gesetzeshüter. Sie sprachen allesamt durcheinander. Irgendetwas schien die Männer in Schrecken versetzt zu haben. Matt, den Brooklyn aus der Höhe nicht so gut wie aus nächster Nähe erkennen konnte, sah immerhin das der Rotschopf große Mühe hatte seine Kollegen zu beruhigen.
„Verstehst du was sie sagen?“, fragte Broadway der wohl auch vergebens versucht hatte ein paar Gesprächsfetzen aufzuschnappen.
Brooklyn schüttelte den Kopf und sah gerade noch rechtzeitig in dem wilden Treiben Matt winken. Das war ein Zeichen! Detective Bluestone betrat mit einigen Polizisten im Schlepptau die Kirche.
„Los Jungs! Hier muss es einen Hintereingang geben.“, sagte Brooklyn voller Zuversicht und sprintete über das Dach – dicht hinter ihm sein Gefolge.
Tatsächlich stellte sich schnell ein Erfolg bei ihrer Suche ein. Genau auf der Hinterseite fanden sie eine schmale unauffällige und weniger kunstvoll gefertigte Tür. Das diese verschlossen war beeindruckte Broadway nicht im Geringsten. Er riss die Tür direkt aus den Angeln.
Er grinste breit. „Der Weg ist frei.“
Der Reihe nach traten sie ein – zuerst Brooklyn, dann Brodway, Angela und Lexington. Vor ihnen lag ein langer Gang. Hohe Säulen aus weißen Marmor die sich zu gewaltigen Torbögen verbanden stützten die Decke. Die Säulen säumten rechts und links ihren Weg. Wer hier lief mochte sich selbst als jemand Außergewöhnliches fühlen. Voller Staunen, besonders Angela die in Avalon von der Außenwelt nichts wusste, schritten die Vier durch das alte Bauwerk. Doch man sah der St. Patricks Kathedrale mit ihren anmutenden Torbögen, dem blanken glänzenden Boden, den blauen Fenstern die Abbildungen von Heiligen zeigten und den feinen Mustern in den Wänden und an der gewölbten Decke, ihr Alter nicht an.
Angela war durch und durch fasziniert. „Es ist beeindruckend zu was die Menschen im Stande sind, wenn man bedenkt wie klein sie sind und dann bauen sie diese riesige Kirche.“
Gebannt in ihrer Begeisterung lief die junge Gargoyledame an die Spitze der Truppe. Sie ließ ihre Blicke zu beiden Seiten schweifen. Offenbar wusste Angela nicht wo sie zuerst hinsehen sollte.
Als der Gang direkt an der Haupthalle endete, stoppte Brooklyn schlagartig seine Freunde.
„Vergesst nicht weswegen wir hier sind. Irgendwer hat die Polizei in in Schrecken versetzt. Wir müssen Vorsicht walten lassen und uns erst einmal Alles aus sicheren Abstand ansehen.“
Einvernehmlich nickten die Angesprochenen und bezogen Posten vor der Halle. Sie suchten Deckung hinter den Säulen.
Brooklyn tastete sich zuerst voran und das was er bald drauf sah, ließ ihn inne halten. Vor einen breiten Altar aus hellem Stein, auf beiden Seiten befanden sich vergoldete Kerzenhalter dessen Flammen auffällig flackerten, stand eine Gestalt in weißem Gewand. Das Gesicht verbarg die Person unter einer tief hängenden Kapuze. Nichts gab der Eindringling von sich preis. Er stand einfach nur da und schien zu warten.
Warten musste auch Brooklyn ehe er etwas unternahm was der junge Krieger später vielleicht bereuen würde. Er sah dabei zu wie Matt Bluestone mit Gefolge zwischen den Reihen aus Holzbänken voranmarschierte. Am Fuße der Stufen die zum Altar hinaufführten blieben die Männer stehen. Nur Matt tat einen Schritt auf die erste Stufe. Sein Blick wanderte zum Eindringling und Brooklyn sah genau das Matt seine Hand in Richtung Waffe gleiten ließ. Doch aus Matts Zögern schloss Brooklyn das es der Polizist vorerst mit Diplomatie versuchen wollte.
„Ich weiß nicht was hier vorgefallen ist, aber Sie sind mir ein paar Erklärungen schuldig.“, sprach Matt mit fester Stimme die in der ganzen Halle zu hören war. Die Halle warf ein Echo.
Brooklyn wusste nicht wieso, aber er bekam eine Gänsehaut Die Person in weiß blieb stumm und regungslos.
„Ob das ein Priester ist?“, fragte Broadway dem die Situation genauso wenig zu gefallen schien.
Ihr Anführer zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Die Kirche mag für glanzvolle Auftritte bekannt sein, aber selbst das ist für die eher ungewöhnlich.“
Angela die sich an seine Seite schlich war der gleichen Ansicht. Nur im Flüsterton wagte sie es sich zu sprechen: „Irgendwie ist es unheimlich.“
Weitaus lauter äußerte auch Broadway seine Bedenken. „Hoffentlich geschieht Matt nichts.“
Lexington strafte ihn darauf mit erbosten Blick. „Geht's noch lauter? Die ganze Kirche hat dich noch nicht gehört.“ Aus Angst das der Grünling die Ironie von Lex nicht verstand, legte dieser ihm aus reiner Vorsicht die Hand auf den Mund.
Brooklyn schüttelte genervt den Kopf. Was mochte wohl Goliath in Situationen wie diesen tun?
Plötzlich ertönte das Klicken einer Pistole. Matt hatte seine Waffe entsichert und richtete sie nun auf die Gestalt. „Es ist besser Sie kommen mit ohne mir Ärger zu machen. Auf dem Revier besprechen wir alles Weitere.“
Die gemeinte Person gedachte jedoch nicht dem Polizisten Folge zu leisten. Stattdessen faltete die Gestalt ihre Hände zum Gebet zusammen und verneigte sich vor versammelter Mannschaft. Ein Gesicht nach dem anderen nahm den Ausdruck von großen Entsetzen an. Das weiße Gewand hatte zu flattern begonnen.
Ein kühler Luftzug wehte durch das Gotteshaus und blies die Kerzen aus. Es wurde dunkel. Einzig die Lichter von draußen warfen ihren schwachen Schein hinein. Und genau dieses verbliebene Licht sammelte sich um die Person in in weiß.
Brooklyn und seine Freunde erschauderten. Was war nun diesmal wieder im Gange? Mussten sie sich ernsthafte Sorgen machen?
Alles war still in der Kirche geworden und es schien so, als wagte sich keiner auch nur noch einen Schritt vor den Anderen zutun. Niemand bewegte sich.
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