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Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
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28.08.2014 2.137
 
5. Der hohe Preis

Die Trauer ist ein Martyrium vor der niemand geschützt ist. Jene die dennoch verlernt haben Trauer zu empfinden, haben auch verlernt zu leben. Sie ist allgegenwärtig und Teil des Lebens. Ohne Trauer kein Abschied und ohne Abschied wäre es für die Betroffenen unmöglich den Verlorenen angemessen zu gedenken. Es ist notwendig loszulassen, um Platz im eigenen Herzen für die Person zu schaffen, die so schmerzlich vermisst wird.
Das hatte auch Goliath gewusst und zusammen mit seinen Freunden Abschied von Coldstone genommen – ganz auf ihre eigene Weise. Jeder allein mit seinen ganz eigenen Erinnerungen an den verlorenen Freund blickte über die Weite Manhattans hinaus und gedachte ihm.
Elisa hatte den Gargoyles still schweigend zugesehen. Es war ein bedrückendes Gefühl daneben zu stehen und nichts tun zu können. Im Grunde genommen hatten sie Coldstone ein zweites Mal verloren, nur diesmal war es für immer. Sie konnte sich nur vage vorstellen wie schlimm das für ihre Freunde sein musste. Es war nicht das erste und letzte Mal. Die Welt war den Gargoyles einfach nicht wohl gesinnt. Überhaupt grenzte es an einem Wunder das überall diese beeindruckenden Wesen überleben konnten, umso mehr sorgte sich Elisa das sie immer wieder ausgenutzt und bedroht wurden.
Nach einem langen Moment der Stille löste sich die Gruppe auf. Jeder von ihnen versuchte einen eigenen Weg zu finden, um mit dem Verlust abzuschließen.
Nur Goliath war geblieben und Elisa ahnte bereits warum. Wie sie ihn einschätzte wollte er so schnell wie möglich etwas gegen die drohende Gefahr unternehmen. Doch da der Morgen schon bald graute, blieb ihm nicht allzu viel Zeit dafür.
„Was gedenkst du nun zu tun Goliath?“
„Ich werde zu Xanatos gehen. Wenn jemand darüber Bescheid weiß, dann er.“
Xanatos – es war immer wieder erstaunlich in wie vielen Dingen er seine Finger im Spiel hatte. Würde Goliath Recht behalten und ihnen jener Mann dessen Einfluss erschreckend und beeindruckend zugleich war, die nötigen Hinweise liefern?
Elisa hörte an Goliaths Stimme das er der Idee keinesfalls zugetan war, aber er bereits eine ungute Vorahnung hatte. Xanatos mochte ihnen die Burg zurückgegeben haben, allerdings hatte er die Gargoyles in der Vergangenheit zu oft getäuscht, als das sie mit ihm Freundschaft schließen würden. Dazu musste er sich schon mehr Mühe geben und indem er Goliath vielleicht die entscheidenden Informationen gab, täte er immerhin den Anfang dafür. Irgendwann würden aus der Zweckgemeinschaft vielleicht wichtige Verbündete werden.
Goliath verschwendete keine weiteren Worte und marschierte direkt zum 'Burgherrn'. Elisa hatte große Mühe mit seinem Tempo Schritt zu halten. Die Stufen nach unten ins Burginnere bewältige der Gargoyle mit einem großen Sprung dem seine Begleiterin nichts entgegen setzen konnte. Elisa rannte, ehe sie den Anschluss vollends verlor.
Goliath trat ungefragt in das Büro seines ehemaligen Widersachers ein.
Xanatos saß hinter seinem Schreibtisch und sah so aus, als habe er seine Gäste bereits erwartet. Eine Bemerkung im arroganten Tonfall konnte er sich dennoch nicht klemmen. „Goliath! Das mit dem Anklopfen musst du aber noch üben!“
Goliath trat direkt vor den Mann und Elisa sah es schon kommen, das er Xanatos an die Wäsche ging. Doch Goliath überraschte, indem er die Ruhe in Person blieb. Aber er allein wusste für wie lange. In Krisensituation mochte Goliaths Stimmung wechselhaft wie das Wetter sein.
„Wie kann ich dir helfen mein Freund?“, fragte Xanatos ganz unverblümt.
„Was wissen sie über dies Leute von Yggdrasil?“
Xanatos verschränkte unbeeindruckt die Arme vor der Brust. „Kaum mehr als du Goliath. Aus sicheren Quellen weiß ich jedoch das keine Geringere als Demona den Orden bestohlen hat und nun entlädt sich deren Zorn auf uns Alle – Gargoyles und all denen die ihnen helfen. Das betrifft ebenso mich, wie deine Freundin Elisa.“
„Was hat sie gestohlen?“
Volltreffer, dachte Elisa. Wie so oft zuvor war ihnen der Geldhai einen Schritt voraus und hatte seinen Hausaufgaben gemacht.
Xanatos erhob sich von seinem Stuhl und trat Goliath direkt gegenüber. Er legte eine Hand auf dessen Arm. „Das versuche ich herauszufinden und da du nun auch Bescheid weißt, sollten wir die Sache gemeinsam anpacken.“ Xanatos blickte auf seine Uhr und hinaus zum Fenster. Die Dämmerung war im vollen Gange. „Doch wir werden das auf morgen Abend vertagen müssen.“
Goliath nickte „Ich erwarte Sie morgen hier.“
„Ich werde da sein.“

Die Mitglieder des Clans nahmen ihre Plätze ein. Doch heute machte sich keiner die Mühe ein bedrohliche Haltung einzunehmen. Niemand fletschte die Zähne. Die Freunde senkten den Kopf und blickten betrübt zum Horizont. Der Himmel an dem jeden Augenblick die Sonne auftauchen würde, hatte sich rot gefärbt. Es war eine der Augenblicke in denen sich Goliath in seine alte Heimat zurückwünschte wo Alle zusammen waren und Seite an Seite mit den Menschen lebten. Heute waren sie nur noch ein Bruchteil der einst so starken Gemeinschaft. Auch jetzt mochten sie noch stark sein, aber sie waren von den tiefen Verletzungen ihres Herzens gezeichnet. Alles wofür sie einst gekämpft hatten gab es nicht mehr, alles bis auf die Burg und ihre kleine Familie.
Aber ihre Zukunft war nicht ganz hoffnungslos. Der Beweis dafür war seine Tochter Angela. Sie gehörte einer neuen Generation an und sie hatte den ersten Schritt getan um das Fortbestehen des Wyvern Clans zu erhalten, indem sie ihren Gefährten erwählte – Broadway. Mit diesen fröhlicheren Gedanken bereitete sich der Anführer auf seinen Schlaf vor. Das Licht erhellte den Horizont und die ersten Umrisse der Sonne erschienen. Von überall ertönte das leise Knacken versteinerten Lebens. Einmal war es ihm vergönnt gewesen der Versteinerung seiner Freunde beizuwohnen und sich selbst genießend der Wärme der Sonne hinzugeben. Einmal und das war möglich mithilfe des Auge Odins. Nun blendete ihn erneut das ungewohnte Licht. Goliath war verwirrt und sah an sich herab. Er war nicht versteinert.
Hinter sich hörte Elisa rufen. „Goliath? Du...“
Verwirrt sprang er von der Brüstung und schaute hinab zu denn Anderen. Sie waren versteinert und schlummerten selig.
Goliath drehte sich einmal um die eigene Achse und und betrachtete sich von unten bis oben.
„Ich bin nicht versteinert.“ Goliath war durcheinander. Wie konnte das passieren?
Elisa war ebenso ratlos und inspizierte den Freund an allen erdenklichen Stellen. Nichts gab den Beiden einen Hinweis darauf was geschehen sein mochte.
„Die Sache stinkt gewaltig.“, gab Elisa zum Besten und Goliath ging abrupt in die Knie.
Ein Schwindelgefühl hatte ihn in die auf den Boden gezwungen. Goliath verstand nicht was vor sich ging.
Als Elisa  ihm zurück auf die Beine half schüttelte er völlig benommen den Kopf. Wer oder was hatte ihm das angetan? Ein Gargoyle versteinerte immer! Das war unausweichlich, außer...
„Goliath! Die Leute im Park müssen mit dir was angestellt haben. Warum ist mir das nicht früher in den Sinn gekommen?“ Elisa schien verärgert über sich selbst zu sein. „Jetzt ergibt es auch Sinn warum sie dich nicht mit sich nahmen.“
Goliath knurrte und brachte seine Augen zum Leuchten. „Ohne Versteinerung bin ich allen Gebrechen hilflos ausgeliefert.“ Er faltete seine Flügel um sich und stiefelte los.
„Wo willst du hin?“
„Zu Xanatos.“, sagte er im Laufschritt.
„Wa-was? Wie kommst du darauf das er etwas damit zu schaffen hat? Xanatos mag in vielen Dingen seine Finger im Spiel haben, aber er ist nicht im Stande dir DAS anzutun!“
Doch Goliath war da ganz anderer Meinung. „Du vergisst Elisa, das er einst aus meiner DNS Thailog erschaffen ließ.“
Goliath stürmte wutentbrannt Xanatos Büro. Er hob dabei fast die Doppeltür aus den Angeln. Alles was nicht niet und nagelfest war schmiss Goliath um, sowie auch den Schreibtisch der dabei Xanatos fast unter sich begrub. Xanatos besaß nicht den Hauch einer Chance. Goliath hatte ihn bereits in seinen Fängen und brüllte ihn an. Egal ob es Respekt war oder Angst – dem Ahnungslosen standen Schweißperlen auf der Stirn. Doch wie es so seine Art war fing er sich relativ schnell und reizte Goliath unnötig. „Was soll das?“
Die Stimme des Gargoyles wurde messerscharf. „Ist das Problem nicht offensichtlich, Xanatos?“
Der Gemeinte nickte. „Du bist nicht versteinert. Das sehe ich selbst.“
Das Fass drohte überzulaufen. Mit voller Wucht schmiss der graue Hüne Xanatos gegen die Wand.
Elisa schlug die Hände erschrocken vor den Mund. Doch sie wagte es sich nicht in dieser heiklen Situation einzuschreiten. Goliath war nicht aufzuhalten. Dieser sah dabei zu, wie Xanatos sich mühselig aufrichtete. Der Aufprall gegen die Wand musste zweifelsohne sehr hart und schmerzhaft gewesen sein. Xanatos versuchte Goliath im kleinlauten Tonfall zu beruhigen, aber um das Temperament des Riesen zu zügeln brauchte es weitaus mehr als diesen halbherzigen Versuch.
„Goliath! Wir sollten in aller Ruhe darüber sprechen. Ich bin ebenso überrascht wie du.“ Er sah den Gargoyle entschuldigend an. „Wir haben nicht länger eine Fehde, Goliath. Du hast mein Wort!“
Goliath baute sich zu seiner vollen Größe auf. Mit Leichtigkeit vermochte er auch von seinem Schwanz und den Flügeln als Verteidigung Gebrauch machen, wenn man ihn provozierte. Gut Kirschen essen war mit ihm heute definitiv nicht. So war es nicht verwunderlich das er erneut Hand an David Xanatos anlegte. „Auf Ihr Wort gebe ich nichts Xanatos. Sie haben uns mehr als einmal betrogen.“
„Goliath hör auf!“, rief Elisa leicht verängstigt.
Xanatos wagte nicht etwas zu sagen. Viel mehr schien dieser zu hoffen Elisa würde ihren geflügelten Freund besänftigen.
Tatsächlich ließ Goliath ihn fallen und die Situation nahm eine unerwartete Wendung. Goliath übermannte erneut das Schwindelgefühl von vorhin, seine Knie gaben ein weiteres  Mal nach und er wurde ohnmächtig...

Rücksichtsvoll legte Elisa Goliath einen Verband in der Ellenbeuge an, während im Hintergrund Owen seine Medizintasche packte und mit einer Blutprobe des Gargoyles zur Tür hinausmarschierte. Er hatte nachdem Goliath zusammengebrochen war, auf Xanatos Geheiß das einzige Sinnvolle in diesen Moment getan. Vielleicht würden sie so Klarheit bekommen was mit Goliath nicht stimmte.
Elisa verschnaufte kurz, wenn sie nur daran dachte was in Goliaths Rage alles hätte passieren können. Sie hockte am Boden und erwartete eine Antwort.
„Und hat Goliath Recht? Stecken sie dahinter? Außer Ihnen und Sevarius war keiner im Besitz von Goliaths Zellgewebe.“
Xanatos war indessen in Begriff sein Büro aufzuräumen. Überall lag Papier am Boden und die Wand hatte einen Riss. Das hieße schon wieder renovieren. Burg Wyvern blieb eine Dauerbaustelle.
Xanatos antwortete beiläufig. „Ja und nein Detective.“
Elisa sprang auf. Sauer war kein Ausdruck mehr. Sie kochte vor Wut. „Was haben Sie Goliath angetan?“
„Nun mal Langsam Maza! Es ist wahr. Ich hatte als Einziger Goliaths DNS, aber bis auf Thailogs Erschaffung ist damit nichts geschehen. Thailogs Aufenthaltsort ist mir jedoch nicht bekannt.“
„Sparen Sie sich das oder ich kann für nichts garantieren, wenn mein Freund hier wieder erwacht!“
Xanatos seufzte, als müsse er ein Betriebsgeheimnis selbst Preis geben. „Vor ein paar Wochen wurde ich bestohlen. Sie haben alle Daten die wir über Gargoyles besaßen mitgenommen. Sie sehen, ich habe damit nichts zutun. Es liegt nicht in meinem Interesse Ihren Freunden zu schaden.“
Wie es sich für eine Polizisten gehörte bohrte sie nach. Wäre ja noch schöner Xanatos auf seinen hohen Thron zu lassen und in ihm den Eindruck zu erwecken, das er fein raus wäre aus der Angelegenheit. Der heutige Tag hatte gezeigt, das Xanatos viel tun musste, damit Eskalationen wie diese in Zukunft ausblieben. Goliath für sich zu gewinnen sollte kein Zuckerschlecken werden.
„Wer waren die Diebe?“
„Ein paar zwielichtige Gestalten in Gewändern.“
Im Grunde genommen hatte dies Elisa geahnt, aber sie wollte es aus seinen Mund hören. Es steckten also diese Leute von Yggdrasil dahinter. Aber ein paar Zweifel blieben dennoch zurück.
„Die Leute die uns im Park überfallen haben und dort Goliath etwas angetan haben, sahen aber nicht aus wie die Leute von denen Sie sprechen.“
Xanatos ließ seine altbekannte kühle und dünkelhafte Art durchdringen. „Detective, die Gargoyles sind doch der Beste Beweis was Anpassung bedeutet. Hatten sie angenommen diese Leute laufen mit Schwert und Schild durch die Gegend und ziehen somit unnötig Aufmerksamkeit auf sich? Außerdem kann ich aus Erfahrung sprechen, wenn ich Ihnen sage, das es durchaus einfacher ist Andere für sich arbeiten zu lassen. Wer sagt das Yggdrasil nicht irgendwo Verbündete der Neuzeit hat, um selbst unentdeckt zu bleiben?“
Elisa gefiel das nicht, aber wenn einer Ahnung von sowas hatte, dann Xanatos. Sie kniete sich wieder auf den Boden zu Goliath und hoffte inständig das diese Typen aus dem Central Park ihm nichts ernsthaftes angetan haben. Das er sich nicht mehr versteinern konnte war Problem genug. Bekäme Jemand Wind davon, wäre Goliath ein gefundenes Fressen. Ihr Kopf war über und über mit Fragen voll. Was, wenn diese missliche Lage nicht nur vorübergehend war? Wie sollten sie einen derartigen Eingriff in Goliaths Leben überhaupt umkehren? Was hatten diese Menschen davon? Wollten sie die Gargoyles in die Knie zwingen und damit erreichen das sie das vermeintliche Diebesgut wiederbrächten?
Elisas Gedanken waren verworren und bis Owen mit neuen Erkenntnissen über Goliaths Zustand zurückkehren mochte, würden noch Stunden vergehen.
Elisa war ratlos. Welches Unglück mochte ihnen nun drohen? War Xanatos ein verlässlicher Gehilfe  in diesen Dilemma?
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