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Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
3
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Dieses Kapitel
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28.08.2014 2.043
 
3. Schlechte Nachrichten


„Junge, Junge die Größe von New York ist echt nicht zu unterschätzen.“, stöhnte Elisa, die schon ganz fußlahm war.
Goliath und sie hatten viele Umwege genommen, um ungesehen zurückzugelangen – dunkle Gassen, zahlreiche Seitenstraßen, Häuserdächer und Tunnel. Wie sehr hatte sie sich nach diesen zwei anstrengenden Nächten nach einem Taxi gesehnt, aber davon einmal abgesehen hätte sie eins mit offenen Dach gebraucht und Goliath würde sicher die ganze Rückbank in Anspruch nehmen. Es war absurd, aber allein der Gedanken brachte Elisa zum Schmunzeln, ehe sie sich wieder bewusst wurde, das sie am Fuße des hohen Wolkenkratzers standen auf dem hoch oben Burg Wyvern thronte. Entmutigt ließ die junge Polizisten die Schultern hängen. Die Burg lag in mehreren Hundert Meter Höhe und Goliath war bereits im Begriff die Fassade hoch zu kraxeln – natürlich nicht ohne Elisa. Diese wiederum wich vor seiner kräftigen Pranke zurück. „Oh nein, ohne mich Goliath! Ich nehme den Fahrstuhl. Ich hab jetzt erst Mal genug Abenteuer gehabt.“
Goliath guckte leicht skeptisch, aber willigte ein. „Gut, dann sehen wir uns oben.“
Damit gingen sie getrennte Wege und Elisa war froh sich während der Fahrt nach oben ein wenig ausruhen zu können, aber nicht ohne, das ein weiterer Fahrgast zustieg – Owen Burnett.
„Ah Detective Maza. Sie wurden bereits vermisst.“
Elisa nahm es gleichmütig hin. „Nun hier bin ich.“
Monoton hielt Owen seine Rede weiter. „Übrigens war auch ihr Partner hier. Er lässt Ihnen ausrichten sich schnellstmöglich bei ihm zu melden. Die Angelegenheit sei dringend.“ Die Türen des Fahrstuhls öffneten sich wieder und der Blondschopf trat heraus, zurück blieb eine grübelnde Elisa die sich fragte was denn so wichtig sein könnte, dass Matt sie an ihren freien Tagen aufsuchten wollte.
Auf der Burg erwartete sie bereits ihr persönliches 'Empfangskomitee', was sie darauf schließen ließ, dass Goliath noch nicht oben war. Angeführt von Broadway und Lex ließ sie eine Reihe Begrüßungen über sich ergehen. Angela und Hudson hielten sich freundlich nickend im Hintergrund zurück, während Bronx Elisa gleich zu Boden riss und ihr einen 'feuchten Kuss' verpasste.
Es war Brooklyn der sie aus den Fängen des aufgeregten Bronx befreite.
„Wo ist Goliath?“, fragte dieser während er ihr auf die Beine zurückhalf.
Elisa klopfte sich provisorisch den Schmutz von der Kleidung, obwohl das nach den zwei turbulenten Tagen auf den einen Fleck mehr auch nicht drauf ankam. Zu ihrer Verwunderung sah sie sogar Blut auf ihrer Hose was ihr bisher nicht aufgefallen war. Ob es ihr eigens war wusste sie nicht so genau, aber nun gab sie endlich Antwort auf die Frage:. „Er sollte jeden Augenblick hier sein.“
Wie aufs Stichwort stieg gerade zur rechten Zeit das Clanoberhaupt über die Brüstung. Hudson war der Erste beim ihm. Der Blick des alten Gargoyles heftete sich zuerst an Goliaths verletzten Flügel und wanderte dann abwechselnd zwischen ihm und Elisa hin und her.
„Kinder was ist geschehen? Ihr seht so mitgenommen aus?
„Ah wenn wir das so genau wüssten.“, antwortete Elisa betrübt und streckte sich ausgiebig. „Das soll euch lieber Goliath erzählen. Ich muss mit Matt sprechen und außerdem ruft mein Bett nach mir. Ich bin vollkommen erledigt.“
Elisa wünschte den Jungs noch eine angenehme Nacht und verschwand auf direkten Wege. Eigentlich war sie auch nur nach oben gekommen, um sicher zu gehen, das Goliath wohlbehalten nach Hause zurückkehrte und da dies der Fall war trat sie ebenfalls den Weg in ihr Heim an, aber nicht ohne vorher mit Matt gesprochen zu haben.

Erleichtert sah sie auf die Uhr. Besser konnte es nicht kommen. Matt hatte soeben Feierabend.
Ihr Partner erwartete sie auch bereits. Er winkte ihr zu und lotste sie in seinen Wagen. Widerstandslos, aber verwirrt kam sie der Aufforderung nach.
Matt ergriff sofort das Wort. „Dich zu finden ist ja reine Glückssache.“ Seine Augen wurden groß bei Elisas heruntergekommen Anblick. „Und wie siehst du überhaupt aus?“
Müde sank Elisa im Sitz zurück und vergrub ihre Hände in den Jackentaschen. „Irgendwelche Halbstarken hätten gestern im Central Park Goliath fast umgebracht.“ So sehr ihr die Ereignisse noch zu schaffen machten, versuchte sie dennoch ihrem Partner das Geschehnis genaustens zu erläutern. Er hörte ihr dabei aufmerksam zu und unterbrach sie nicht.
Matt setzte eine nachdenkliche Miene auf. „Deine Freunde sollten in nächster Zeit die Burg besser nicht verlassen. Es ist so schon schwer genug die Presse bei der Stange zu halten und ihnen zu versichern, das Xanatos den Gargoyles keinen Schutz bietet, das dies nur ein Missverständnis sei und Xanatos den Gargoyles zwar geholfen hat, aber sie die Absicht haben Manhattan zu verlassen.“
Elisa wurde nun wieder hellwach. „Das hast du den Reportern erzählt?“
Sie wusste nicht ob sie sauer oder erleichtert sein sollte. Natürlich waren ihre Gedanken auch schon darum gekreist, ob es nicht besser wäre, wenn der Clan die Stadt verließe. Als Egoismus mochte sie es nicht bezeichnen, das sie Goliath diesen Vorschlag nie gemacht hatte, viel mehr trieb sie ihr Verantwortungsbewusstsein. Elisa wollte lediglich ihre Freunde schützen. Außerhalb der Stadt schien es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, außer sie würde sich auch gleich noch versetzen lassen.
Matt schüttelte den Kopf. „Du kennst doch diese Reporter. Die drehen einem die eigenen Worte im Munde um. Ich musste das nicht sagen, das haben DIE sich selbst so zurechtgelegt. Aber um die sollten sich deine Freunde nicht sorgen.“
„Sondern?“ Elisa stöhnte entnervt auf. „Sag mir jetzt nicht, dass da wieder irgendwelche selbst ernannten Gargoyle – Jäger aus der Gosse aufgetaucht sind? Es bilden sich mittlerweile immer mehr dieser Gruppen im Kampf gegen die Gargoyles. Da erzählst du mir nichts Neues.“
Matt nickte zustimmend und überreichte ihr einen Stapel Papiere und Fotos. Zuerst besah sie sich die Fotos und war ehrlich gesagt nicht überrascht, das sie Goliath und die Anderen darauf sah. Beim letzten Bild hielt sie jedoch schockiert inne...darauf war sie selbst!
„Genau das gibt mir am meisten zu denken. Du wirst ebenfalls zur Zielscheibe. Captain Chavez gedenkt dich aus dem Dienst zu nehmen und dich unter Schutz zu stellen.“
„Sie will was?“ Die junge Polizistin geriet außer sich. Damit wäre das Problem nicht gelöst, wenn sie sich irgendwo verstecken sollte und nichts tun konnte. „Dem hast du doch nicht zugestimmt oder Matt? Ich meine, das ist doch nicht das erste Mal das mir einer drohen will. Das sind Spinner, nichts weiter! Ich habe keine Angst vor denen!“
„Elisa! In Zeiten wie diesen dürfen wir nicht unvorsichtig sein. Diesmal könnte es eine ernst zu nehmende Gefahr sein. Diese Leute sind anders glaube mir. Bitte sieh dir auch die Unterlagen an!“
Sie wusste zwar nicht was das für einen Sinn haben sollte, aber sie kam der Aufforderung nach.
Auf dem ersten Blatt Papier sah sie die Zeichnung eines beachtlichen Baumes mit einer gewaltigen Krone.
Beiläufig gab ihr Sitznachbar dazu eine Erklärung ab: „Das ist eine Esche, ein Weltenbaum auch unter den Namen Yggdrasil bekannt. Laut der nordischen Mythologie sei er die Verbindung zwischen Ober- und Unterwelt und dem Diesseits. Es heißt wenn der Baum verwelkt sei das Ende nahe. Zudem sei er der Baum aller Bäume – der erste Baum.“
Elisa nahm die Information erst einmal so hin und blickte auf die anderen Fotos auf denen sie lediglich mehrere Personen in Kutten verschiedenster Aufmachung sah. Es waren zum Teil Kostüme und ein jeder trug das Bild eines Tieres auf der Kleidung wie beispielsweise eine Schlange oder ein Hirsch.
„Ich versteh das nicht Matt. Es scheint wohl eine Sekte bestehend aus lauter Verrückten zu sein. Was haben die davon die Gargoyles zu vernichten.“
Matt zuckte mit den Schultern. „Ob sie die Gargoyles töten wollen oder gefangen nehmen möchten ist ja nicht wirklich erwiesen, sondern eher ein Verdacht. Fakt ist, ich weiß nicht ob hinter der Angelegenheit ein ernsthafter Kern steckt oder ob das wieder irgendwelche selbst ernannten Ritter Manhattans sind. Der Ursprung dessen könnte weit in er Vergangenheit liegen.“
„Du meinst sowie die Fehde mit den Canmores die versucht haben über viele Jahrhunderte Demona zu töten im Namen Nimrods?“
„Ja, wenn die Sache mit dem Baum einen Funken Wahrheit besitzt haben wir es hier mit einer sehr alten Organisation zu tun oder gar einer Ordensgemeinschaft. Sie könnten noch aus der Zeit der Gragoyles vor weit tausend Jahren entstammen.“
Elisa wurde nachdenklich. „Aber warum jetzt, wenn es sie angeblich so lange gibt?“
„Das wir bisher nichts von ihnen  gehört haben heißt nicht das es sie nicht schon vorher gab. Die Illuminati existieren schließlich auch schon ewig, aber die Wenigsten wissen davon.“
Seine Zuhörerin gab sich geschlagen. Wenn er etwas anfasste, dann richtig. „Also gut, was weißt du noch?“
„Ihr Anführer nennt sich der namenlose Adler. Sie selbst bezeichnen sich als Yggdrasils Wächter und wie es scheint wurde den Leuten vor kurzem etwas gestohlen.“
„Und was?“
Ihr Partner blickte ratlos drein. „Das weiß ich nicht, aber mir würde auf Anhieb einfallen, wer oder was es gewesen sein kann. Der Dieb könnte entweder Xanatos sein und da wohl der ein oder andere vermutet, das er noch mit den Gargoyles zutun hat, erklärt das auch den Groll auf die Gargoyles oder der Übeltäter war ein Gargoyle selbst.“
Elisa stimmte dem zu. „In dem Falle kommen nur Demona oder Thailog in Frage. Aber sag mir eins Matt, wie sind diese Yggdrasils Wächter auf den Plan getreten und vor allem wann?“
„Das erste Mal vor eine Woche. Ein paar Augenzeugen wollen gesehen haben, wie ein paar Kuttenträger eine Häuserfassade bemalt haben mit den Worten 'Gargoyle-Freunde seid auf der Hut!' Ich habe dich nicht früher informiert, weil ich noch ein paar Nachforschungen angestellt habe, aber das war ein Fehler, wenn ich an deine Geschichte im Central Park denke.“
Sie schüttelte den Kopf. „Dieser Vorfall muss nicht zwingend mit diesen Leuten im Zusammenhang stehen. Meine Freunde haben viele Widersacher.“
Matt schwieg drauf eine Weile und sie fragte sich ernsthaft warum. Aus Sorge? Wut über ihre Uneinsichtigkeit was ihre eigene Sicherheit betraf ? Oder einen Grund den sie nicht kannte?
„Matt?“
Der Gemeinte zog ein weiteres Foto aus seiner Mantelinnentasche und übergab es ihr. „Einen Gargoyle haben sie bereits getötet – willentlich oder nicht, bleibt ungeklärt.“
Elisa nahm das Foto. Sie wusste zwar nicht wer das sein sollte, zumal der Manhattan Clan vollständig war, aber dennoch wurde sie nervös und ihre Hände leicht feucht. Konnte es einen Gargoyle aus Avalon betreffen oder einen den sie auf ihrer Reise kennengelernt hatten? Widerwillig betrachtete sie das Bild. Es zeigte einen grauen Gargoyle mit weißem Haar, wahrscheinlich in Goliaths Alter, oder das von ihm übrig war. Dem Opfer fehlte ein Teil des Gesichtes und um ihn herum lagen Maschinenteile. Elisa stockte der Atem. Sie hatte diesen Gargoyle nicht oft gesehen, aber sie wusste wohl wer es war...Coldstone. Wie sollte sie das nur Goliath erklären? Sie klammerte sich an die winzige Hoffnung das es vielleicht doch nur einer von Xanatos stählernen Clan war.
Matt der zu ahnen schien was sie sagen wollte, kam ihr zuvor. „Wir haben ihn gestern gefunden, nahe des Reviers. Offenbar hatten sie gehofft, das du gleich Zeuge ihrer Drohung wirst. Sie konnten ja nicht wissen, das du nicht im Dienst warst.“
Coldstone war Goliaths Bruthöhlenbruder. Ihm war sehr an diesem Gargoyle gelegen, wenngleich er zur Hälfte Maschine gewesen gewesen sein mochte. Elisa verstand es nicht. Coldstone wollte doch mit seiner Gefährtin die Stadt verlassen um ihren Widersacher Coldsteel zu stellen. Was hatte ihn dazu bewogen zu bleiben?
Der Himmel über der Stadt erhellte sich allmählich. Die Sonne ging bald auf. Die schlechte Nachricht konnte sie also erst heute Abend überbringen.
Matt fuhr Elisa schließlich nach Hause und rief ihr hinterher, während sie wortlos ausstieg, das heute Nacht ein Wagen in Zivil vor ihrer Wohnung stehen würde.
Todmüde und beladen voller Sorgen schritt sie in ihr trautes Heim. Cagney rannte ihr sofort entgegen. Der Kater streifte ihre Beine. Elisa streichelte ihn geistesabwesend und befüllte seinen Napf mit Futter, ehe sie niedergeschlagen in ihr Bett fiel. Sie machte sich nicht einmal die Mühe sich ihrer verschmutzten Kleider zu entledigen. Lediglich die Schuhe fielen zu Boden.
Vor dem Einschlafen kreisten ihre Gedanken um Goliath und seine Freunde und sie stellte sich zum ersten Mal die Frage ob dies wirklich das geeignete Zeitalter für Gargoyles war? Ihr Leben hatte vor tausend Jahren stattgefunden in einer Zeit wo sie sich nicht verstecken mussten. War es der richtige Weg sie in diese neue Welt zu bringen?
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