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Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
3
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.08.2014 1.869
 
So eigentlich sollte es ja erst später weiter gehn, aber da ich so lieb gefragt wurde gibts hier gleich 2 neue Kapitel, weitere folgen dann aber wirklich erst im Oktober. ;-)

Kleine Anmerkung am Rande: Meine FF spielt kurz nach Folge 65. Auf die 3. Staffel(die ich nicht sonderlich mag) nehme ich KEINEN Bezug.
So dann viel Spaß!!!
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2. Der tiefe Fall – Teil 2



Der Aufprall war hart und schmerzhaft. Ihr Körper fühlte sich an, wie von einem Wagen überrollt. In ihren Ohren lag ein Rauschen und ihr Gesichtsfeld war vollkommen verschwommen. Elisa drückte ihre Hände gegen den schmerzenden Kopf. Ein Kater nach durchzechter Nacht war nichts im Vergleich dazu. Elisa zitterte. Was war nur geschehen?
Sie schmeckte Blut, das Restlaut einer zerbissenen Lippe. Mit dem Ärmel ihrer Jacke wusch sie sich den Mund ab. Torkelnd kam sie zurück auf die Beine. Elisa rang um Fassung. Doch es war schwer für sie sich auf den Beinen zu halten, geschweigeden einen klaren Gedanke zu fassen.
Ein Scheinwerfer blendete plötzlich ihre Sicht. Sie knief die Augen zusammen und legte ihre Hände schützend aufs Gesicht.
Das Licht kam von einem über ihr fliegenden Helikopter und wanderte an eine andere Stelle. Elisa sah dem Scheinwerfer hinterher. Es beleuchtete die Ursache des Geschehens – Goliath.
Der Gargoyle lag auf dem Rücken. Seine Flügel lagen ausgebreitet und schlaff. Der rechte Flügel hatte einen großen Riss und blutete unaufhörlich. Elisa zögerte nicht und eilte ihm zu Hilfe. Zur gleichen Zeit seilten sich zwei Männer vom Heli ab. Sie erreichten unglücklicherweise zuerst Goliath. Einer von ihnen legte seine Hände auf Goliathts Schulter, während der andere sein Funkgerät zückte. Als Elisa hörte was dieser sagte, „Verdammt ihr Idioten. Ich hab euch gesagt, der Widerhaken ist übertrieben. Ihr habt ihn umgebracht.“ .legte sich ein Schalter bei ihr um. Elisa wurde rasend vor Wut.
Den Ersten schubste sie mit vollem Körpereinsatz zu Boden und auf den Zweiten richtete sie ihre Waffe. „Auf den Boden oder ich drück ab!“
Der am Boden liegende Mann grinste. „Vielleicht beim nächsten Mal Püppchen.“
Elisa hatte nicht mehr auf den Anderen geachtet, den sie glaubte k.o. geschlagen zu Boden. Jener warf eine Kugel vor ihre Füße aus der Rauch aufstieg. Hustend ging sie in die Knie. Sie rieb sich die Augen. Es brannte so sehr. Die gemeine List setzte die Polizisten für mehrere Minuten außer Gefecht. Erst als der Dunst sich lichtete konnte sie wieder besser atmen. Die Angreifer mitsamt des Helikopters waren verschwunden. Goliath hatten sie zu ihrer Erleichterung zurückgelassen.
Elisa kroch auf allen Vieren zu ihm. Er rührte sich nicht. Vorsichtig streckte sie ihre Hände nach ihm aus. Ein Gefühl großer Verzweiflung überkam sie und erstickte jedweden vernünftigen Gedanken in ihr. Sie sah nur noch den verletzten Goliath vor sich. Um sie herum existierte nichts mehr. Elisa begann zu weinen und ließ sich auf den regungslosen Goliath fallen. Sie klammerte sich an ihm fest und schluchzte. Ihre Finger gruben sich in seine Brust und verkrampften dort.Wie lange sie dem Weinkrampf verfiel wusste sie selbst nicht. Das Sprechen kostete sie viel Kraft.
„Goliath! Mach die Augen auf! Bitte.“, flehte sie ihn an. „Goliath!“
Sie streichelte sein Gesicht und und bedeckte ihn mit Tränen. Goliaths Gesicht war aschfahl, falls man bei seiner hellen Haut den Unterschied überhaupt bemerkte. Aus seinen halb geöffneten Mund ragten seine kräftigen Zähne hervor. Sie legte ihre Finger auf seinen Mund und schüttelte traurig den Kopf. Wieso musste das geschehen? Er hatte doch noch eben mit ihr gesprochen. Elisa hatte sich doch entschieden. Warum sollte ihr das nun geraubt werden? Weil...
Elisa brach erschöpft über Goliath zusammen. Die Tränen waren versiegt, doch sie fühlte sich ausgelaugt und schlaff. Was geschah eigentlich mit einem Gargoyle wenn er starb, aber nicht versteinert ist? Elisa sträubte sich dagegen. Nein, er war nicht tot. Wie aus dem Nichts schaltete sich ihr Verstand wieder ein. Mit etwas mehr Zuversicht horchte sie an seiner Brust und ihr eigens Herz machte einen freudigen Hüpfer, als das leise Pochen zu ihr drang. Goliath lebte!
Erleichtert fiel sie ihm um den Hals. „Es braucht weitaus mehr, um sich gegen dich zu behaupten.“, sagte sie triumphierend. Es musste der anfängliche Schock vom Sturz gewesen sein, der sie das Schlimmste glauben ließ.
Gleichzeitig machte sich Sorge in ihr breit. Bis Sonnenaufgang waren es noch gut drei Stunden. Sie konnte ihn unmöglich da liegen lassen. Am Tage waren hier zu viele Menschen. Aber auch die Burg, um Hilfe zu holen, würde sie nicht mehr rechtzeitig erreichen. Elisa musste es weiterhin mit gut zureden versuchen.
„Goliath! Du musst aufwachen! Hörst du? Hier bist du nicht sicher.“
Nichts geschah.
Es vergingen weitere zwei Stunden und Elisa war froh das ihnen niemand über den Weg lief. Die Zeit wurde allerdings knapp. Allein konnte sie unmöglich etwas ausrichten, dafür war der Gargoyle zu groß und zu schwer.
„Ich muss es noch einmal versuchen.“ Elisa hockte am Boden und drückte seine Hand. „Goliath! Komm zu dir!“
Schneller als Elisa reagieren konnte, machte Goliath Anstalten sich zu rühren. Das er dabei fast ihre Hand zerquetschte erschreckte sie. Er stöhnte und kniff die Augen fest zusammen. Mühselig befreite sich Elisa aus seinem festen Griff.
„Goliath. Beruhige dich! Du bist verletzt, aber das wird wieder werden.“
Goliath bäumte sich auf und knurrte zwischen zusammengebissenen Zähnen. Seine Auge funkelten bedrohlich. Er schien noch vollkommen überfordert mit der Lage zu sein. Elisa packte ihm am Arm und half dem Gepeinigten sich aufzusetzen. Als er Elisa endlich wahrzunehmen schien, kam er zu Ruhe. Ihm musste der Schädel gewaltig Brummen, denn er legte seine freie Hand auf die Stirn.
„Ich bin gefallen.“, sagte er mehr zu sich selbst und schüttelte den Kopf. Goliath verstand offenbar noch nicht das ganze Ausmaß und hatte sich ihr besorgt zugewandt. „Ein Glück ist dir nichts geschehen. Ich hätte besser aufpassen müssen.“
„Nein dich trifft keine Schuld, wenn überhaupt dann diese Amateure. Goliath wir müssen hier weg! Die Sonne geht bald auf.“
Mit einem ernüchternden Blick sah Goliath an seinen verletzten Flügel herab. Erst jetzt musste er die ganze Misere realisieren. Er zog die Brauen zusammen und schüttelte den Kopf. „So komme ich nicht mehr zur Burg zurück.“
Elisa legte seinen Arm um ihre Schultern und half ihm auf die Beine. Bei den ersten Schritten torkelte Goliath und verlagerte zu viel Gewicht auf sie. Elisa ging fast in die Knie unter der Last, hätte er sich nicht noch rechtzeitig aufgerappelt.
„Entschuldige Elisa!“
„Schon gut. Ist ja nichts passiert. Uns bleibt keine andere Wahl, als hier irgendwo zwischen den Bäumen Schutz zu suchen.“
Goliath nahm es schweigend hin und ließ sich von ihr in das dichte Unterholz bugsieren. Gerade noch rechtzeitig gingen die beiden hinter einen großen Busch in die Knie. Die Sonne würde in wenigen Minuten aufgehen.
Elisa war noch immer besorgt und konnte die Frage die ihr auf der Zunge brannte, nicht unterdrücken. Sanft berührte sie Goliaths Flügel. „Wird dein Flügel wieder verheilen?“
Goliath starrte ins Leere und antwortete monoton: „Hmpf, wahrscheinlich nicht an einen Tag, dafür ist die Wunde zu tief...zu frisch.“
Erschöpft schloss dieser seine Augen und schon setzte die Versteinerung ein. Die ersten Sonnenstrahlen drangen durch das Blattwerk der Bäume. Müde sah Elisa zum Himmel hinauf. Das würde ein langer Tag werden.
Sie legte sich neben den versteinerten Goliath und wurde sich der letzten Ereignisse wieder bewusst. Es gab kaum eine Stelle an ihrem Körper die nicht schmerzte. Elisa fielen die Augen zu, so sehr sie sich dagegen auch wehrte, sie verlor den Kampf. Ein nahezu traumloser Schlaf überfiel sie...

Schlaf konnte so schön sein, besonders dann wenn man seine Lebensgeister von neuem stärken konnte. Altes leid vom Vortag wurde einfach abgeworfen.
Die steinähnliche Haut fiel von ihm herab. Er gähnte ausgiebig, was sich allerdings weitaus bedrohlicher anhörte. Zu strecken wagte er sich jedoch nicht.
Goliath sah mit gemischten Gefühlen an seinem Flügel herab. Dieser war zwar wieder zusammengewachsen, aber geziert von einer frischen Wunde. Diese Nacht war er also an festen Untergrund gebunden. Die Erkenntnis war deprimierend. Einzig die schlafende Elisa zu seinen Füßen konnte ihn milde stimmen. Er war so froh, das ihr nicht geschehen war. Das hätte sich Goliath niemals verziehen.
Der Gargoyle hob die schlummernde Menschenfrau in seine Arme und marschierte zielstrebig zurück nach Hause. Wie er ungesehen nach Burg Wyvern kommen sollte, war eine Frage die er sich lieber für später aufhob. Zuerst galt es den Central Park zu verlassen. Dabei lief er abseits der Wege. Sicher war sicher.
Es verstrich nicht viel Zeit, da rührte sich Elisa in seinen Armen, gerade rechtzeitig – sie hatten die Stadt erreicht. Verschlafen rieb sie sich die Augen. Als sie zu Goliath aufsah verzogen sich ihre Lippen zu einem Lächeln. Sie konnte nichts sagen, denn Goliath kam ihr zuvor.
„Alles in Ordnung?“
Elisa nickte. „Das selbe sollte ich dich fragen!“
Mir nichts dir nichts sprang die Polizisten aus Goliaths Armen. Sie wandte ihm den Rücken zu und vergrub ihre Hände in den Jackentaschen. Ihr Kopf war auf die Brust gesenkt.
Mit erstickender Stimmer sprach sie das aus, was er verdrängte: „Goliath! Du wärst letzte Nacht fast gestorben.“
Goliath sollte sich geschmeichelt fühlen, doch das war es nicht was er empfand. Auf der einen Seite behagte es ihm nicht, das er Elisa nicht richtig beschützt hatte seiner Meinung nach und anderseits rührte ihn diese Sorge um ihn. In der Vergangenheit hatten die Menschen ihn oft enttäuscht. Vor nicht allzu langer Zeit äußerte er Xanatos gegenüber den Menschen nie wieder zu vertrauen. Oh wie hatte er sich doch geirrt. Elisa war stets loyal und aufrichtig zu ihm gewesen. Er würde die Hand für sie ins Feuer legen. Demona mochte ihn als sentimentalen Narren und als unbelehrbar bezeichnen, aber das war Goliath gleichgültig. Sein verlorener 'Engel der Nacht' hatte sich von ihm längst abgewandt. Es gab niemals ein Zurück in die Vergangenheit. Deswegen schritt er voran.
Alles was er wollte, das es 'seiner Elisa' gut ging, ob als gute Freundin oder mehr, spielte keine Rolle. Er hatte geschworen sie bis zum Schluss zu beschützen.
Goliath selbst fühlte sich niedergeschlagen, wenn er Elisa traurig sah.
„Elisa! Du weißt das ich mich nicht verstecken kann. Solange die Menschen uns Gragoyles fürchten wird es immer wieder zu Angriffen kommen.“
Elisa drehte sich abrupt wieder zu ihm um. Er hoffte den Bogen nicht überspannt zu haben, denn das war es sicher nicht was sie hören wollte.
„Denkst du das weiß ich nicht?“, warf sie ihm vor. Betreten starrte sie auf ihre Füße. „Es ist nur, wenn du da draußen gestorben wärst...“
Goliath schüttelte den Kopf. „Du hast selbst einmal gesagt, das wir uns nicht immer beschützen können. Aber es genügt schon, wenn sich einer um den Anderen sorgt.“
Elisa entlockte es ein Lächeln. Das waren ihre Worte gewesen. Sie schien nicht weiter an dem gestrigen Tag festhalten zu wollen. Stattdessen strich sie einmal fürsorglich über seinen noch nicht vollständig verheilten Flügel. „Fast wie neu. Euer Heilungsprozess ist echt beeindruckend.“
Goliath nickte. „Ja, aber ich kann damit noch nicht wieder gleiten. Wir müssen zu Fuß gehen.“
Elisa klopfte ihm versöhnlich auf die Schulter. „Das schaffen wir schon irgendwie. Ich kenne genügend Gassen, die uns Schutz bieten. Aber keine Sorge, ich werde aufpassen, das dich niemand sieht. Ihr Gargoyles haltet mich aber auch ganz schön auf Trab!“
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