Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
3
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.07.2016 1.129
 
18. Stinkende Angelegenheit – Teil 2

Der Schlag war hart und die Last des Ungetüms schwer, die ihn zu Grund drückte. Wie Blei sank Brooklyn hinab. Mit aller Kraft versuchte er seinen Atem anzuhalten, aber das bereitete ihm einige Schwierigkeiten. Die Sicht unter Wasser war gleich Null. Egal wie sehr er sich anstrengte, Brooklyn konnte sich gegen den gewaltigen Körper der ihn herunterdrückte nicht wehren.
Er hatte den ersten Schreckensmoment überstanden und strampelte nun, wie wild um sein Leben. Aber es schien keine Möglichkeit zu geben ihr zu entkommen. Vermutlich versuchte die Schlange ihn zu ertränken.
Doch irgendetwas stimmte nicht. Brooklyn drückte sich gegen deren schuppige Haut und erfuhr keinerlei Widerstand. Da begriff er, das sich seine Peinigerin gar nicht mehr bewegte, fast so, als sei sie tot.
Aufgeregt sammelte Brooklyn seine verbliebenen Kräfte und stieß sich kräftig vom Boden ab. Erstaunlich leicht gelang es ihm an dem langen Körper des Wesens vorbei zu tauchen. Ein halber Meter noch und Brooklyn könnte endlich wieder Luft holen, wenn auch von Gestank erfüllt.
Plötzlich legten sich zwei Hände um ihn und zogen den beinahe Ertrunkenen an die Oberfläche zurück.
Sofort begann Brooklyn hastig nach Luft zu schnappen. Er atmete schnell ein und wieder aus. Das tat er solange, bis der Druck in seiner Brust nachließ. Nach dem letzten kräftigen Ausatmen wandte sich Brooklyn seinem Umfeld zu.
Neben ihm stand Broadway der ihn mit beiden Pranken an den Schultern festhielt.
„Ist Alles in Ordnung mit dir?“, war dessen Frage mit einem sorgevollen Gesichtsausdruck.
„Ja schon, aber...“ Brooklyn schaute leicht panisch um sich. Von der Schlange fehlte jede Spur.
Konnte sie einfach zu Grund gesunken sein? Brooklyn war doch sehr verwundert. Selbst tot wäre ihr Kadaver im Wasser nicht zu übersehen.
„Ja, sie ist tot.“, bestätigte Broadway auf seinen fragenden Blick hin.
„A-aber…“, stotterte Brooklyn und starrte ungläubig auf das trübe Wasser was sie umgab. Doch die Schlange kehrte nicht zurück. Sie war fort.
Sein Weggefährte klopfte ihm auf die Schulter und deutete mit den Finger in Richtung Abflussrohre die sie vor kurzem noch als Fluchtweg erspäht hatten.
Brooklyn hob den Kopf und kniff die Augen zusammen. Ein undefinierbarer Gegenstand hatte ihn geblendet. Bei einen der großen Kanaltunnel blitzte etwas auf.
Irgendetwas oder Irgendjemand bewegte sich im Halbdunkel der Kanalisation und trat langsam aus seiner Deckung heraus. Zuerst bot sich ihnen die Ansicht auf eine blutbesudelte Klinge. Nach einem weiteren Schritt des Fremden entpuppte sich die Klinge als ein sehr eindrucksvolles Schwert mit vergoldeten Griff und eingesetzten Rubinen.
Brooklyn trat unruhig im Wasser von einem Bein auf das Nächste. Es gefiel ihm nicht unwissend auf das Kommende zu warten. Eines aber konnte er zumindest ausschließen, das ihnen keine unmittelbare Gefahr drohte.
„Oh!“, stieß Broadway aus und es war schwer zu sagen ob sein Ausruf bloße Verblüffung bedeutete.
Brooklyn steigerte sich währenddessen in Misstrauen hinein. Und er sollte Recht behalten.
Ihr geheimer Retter setzte einen Fuß von zarter Natur dort hin, wo die Freunde es deutlich sehen konnten. Es war ein langsamer und graziler Gang. Ihre Bewegungen unterstrichen hervorragend die Weiblichkeit der Person im Halbdunkel.
Ein weiterer Schritt und sie gab endgültig ihre Deckung auf.  Mit einem Lächeln im Gesicht sah sie hinab zu den durchnässten Jungs. Brooklyn kannte dieses Lächeln nur allzu gut und es hatte rein gar nichts mit Freundlichkeit zutun.
Knurrend machte er seinem Ärger Wind. „Demona!“
Die Enttarnte schmunzelte weiter und steckte das edle Schwert mit einer geschickten Bewegung in einer Halterung auf ihrem Rücken. Neben der Befestigung für das Schwert trug sie zudem eine kleine Ledertasche an der Hüfte.
„Ist das deine Art mir Dank auszusprechen, Brooklyn? Immerhin habe ich dir eben dein Leben
gerettet.“
Brooklyn verkrampfte sich. Ihre Tat bedeutete ihm nichts. Demona war hier, da sie ganz offenbar in irgendeiner Weise von der Rettungsaktion profitierte.
„Wie lange folgst du uns schon?“, keifte Brooklyn sie an.
Demona gab sich unbeeindruckt und reckte selbstsicher das Kinn in die Höhe. „Ich muss schon sagen, das diese Schlange ein sehr imposantes Wesen war. Bedauerlich das sie sich einfach aufgelöst hat.“
Brooklyn verstand nicht ganz. „Was meinst du damit?“
„Na das ist doch ganz offensichtlich.“, antwortete Demona im arroganten Tonfall. „Ich habe sie mit meinen Stoß in den Kopf nicht getötet, sondern lediglich in ihre Welt zurückbefördert.“
Brooklyn dachte eine Weile darüber nach und es beunruhigte ihn, zu wissen, das so etwas wie eben jederzeit wieder geschehen konnte. Und es gab nichts was er dagegen tun konnte. Der Anführer ihrer kleinen Truppe war ratlos. Sie würden den Dingen nicht mehr allzu lange standhalten, wenn es in diesem Tempo weiterginge. Brooklyn fluchte innerlich. Weglaufen war keine Lösung von Dauer.
„Du bist ein Narr, Brooklyn.“, höhnte Demona. „Der Clan ist auseinandergerissen, ohne das du es bemerkt hast.“
„Was willst du denn damit sagen?“, schaltete sich plötzlich Broadway ein. Der grüne Gargoyle stapfte wie ein trotziges Kind mit den Fuß auf den Grund des trüben Wassers.
Demona quittierte es ihm mit einem spöttischen Blick. „Ich will damit sagen, dass ihr schon länger, wie Mäuse in die Ecke getrieben werdet. Genau, wie die Maus ist das euch bloß zu spät bewusst geworden.“
Brooklyn ließ entmutigt den Kopf hängen. War er wirklich so unbedarft gewesen? Er hatte sich und seine Gefährten damit in Gefahr gebracht. Wieder einmal fragte er sich, ob er dem ganzen Ausmaß was um sie herum geschah, gewachsen war. Zu allem Unglück schienen sich seine Zweifel in Demonas Augen widerzuspiegeln, den sie sah ihn auf eine Art und Weise an, die ihm sein Versagen bestätigte. Plötzlich kam ihm die erschreckende Erkenntnis .
„Yggdrasils Wächter“, platzte es aus Brooklyn heraus. „sie sind uns seit dem Vorfall in der Kirche auf den Fersen.“ Zähneknirschend sah er sie kurz darauf wieder an. „Und du warst auch da, als uns Ásdís angegriffen hat?“
„Wie scharfsinnig von dir, Brooklyn.“ Aus ihrem Mund drang nichts, außer Spott.
Broadway drängte sich nun in den Vordergrund. „Sie hat Angela mit sich genommen.“
„Pah, das kümmert mich nicht. Ich habe meine eigenen Pläne.“
Die Zwei erschraken gleichermaßen und für einen Moment verschlug es ihnen sogar die Sprache. Brooklyn verstand sie nicht, sprach sie doch hier über ihr eigen Blut.
„Sie ist deine Tochter!“
Demonas Augen erleuchteten rot. Ihr offener Mund entblößte eine Reihe spitzer Zähne. „Wenn sie nicht meine Verbündete sein will, ist mein liebes Töchterchen ein Feind, wie jeder Andere auch.“
Brooklyn hatte ja nichts Anderes von ihr erwartet, es aber aus Demonas Mund zu hören, war sehr hart. Doch es blieb keine Zeit für Besprechungen dieser Art. Eigentlich hätten sie längst zu den anderen Clanmitgliedern aufschließen müssen. Eines jedoch bedurfte einer Erklärung und das war das plötzliche Erscheinen Demonas.
„Wenn es dir nicht um Angela geht, was willst du dann?“
Demona straffte ihre Haltung und schmunzelte. „Ich habe euch ein Angebot zu machen, welches ihr besser nicht ausschlagen solltet.“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast