Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
3
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.06.2016 1.528
 
16. Goliaths Entscheidung

„Nein!“, schrie Goliath.
Apathisch schüttelte er den Kopf. In seinen Armen wog er den beinahe bewegungslosen Körper jener Person die er stets zu beschützen versuchte. Nur ihre Brust hob und senkte sich noch sehr langsam. Es brach Goliath das Herz sie so sehen zu müssen. Doch noch viel mehr beschäftigte ihn die Tatsache wie es dazu kommen konnte. Das dies Unglück seine Schuld war wurde ihm schmerzlichst bewusst. Bruchstück für Bruchstück drängten sich die Erinnerungen dessen was er getan hatte zurück in seinen Verstand.
Goliaths Griff festigte sich um die junge Frau. Was hatte er ihr nur angetan?
Elisas Hals wies bläuliche Druckstellen auf, wo er zuvor seine Pranken hinein gedrückt hatte. Ihr Mund stand offen. Vermutlich war dies ein verzweifelter Versuch gewesen um zu schreien. Auch dies würde Goliath nur allzu gern tun – es Hinausschreien. Aber das brachte Keinen weiter. Am allerwenigsten Elisa. Er würde die Situation noch damit verschlimmern.
Denn plötzlich wurde sich Goliath der gesamten Misere bewusst. Etwa ein dutzend Leute umzingelten ihn und richteten ihre Waffen auf Goliath. Er konnte nichts tun. Was er auch täte, es bedeutete eine zu große Gefahr. Sie könnten ihn töten und der einzige Grund warum sich noch kein Schuss löste, lag in seinen Armen.
„Haltet ein!“ Der alte Gargoyle Hudson bezog Stellung vor ihm und breitete schützend die Flügel aus. „Die Gefahr ist gebannt.“
Doch war dem wirklich so? Goliath brachte sich selbst gegenüber nicht dieses Vertrauen entgegen. Er wusste nicht was richtig war, aber in diesen Moment musste er an Elisa denken.
Der graue Hüne erhob sich aus seiner Hocke und versetzte damit die Herumstehenden in Alarmbereitschaft. Ihre Waffen folgten seinen Bewegungen. Goliath missfiel das. Er wollte nicht das sie ihn fürchteten. Deswegen übergab er Elisa an Hudson und ging auf die Knie. Sein alter Freund musterte ihn verwirrt, das war Goliath wohl bewusst. Aber er wusste auch, das Elisa in Sicherheit gebracht werden musste.
Unterwürfig sprach er deswegen zu den Anwesenden. „Helft Elisa, bitte! Es ist nicht von Bedeutung wie ihr mit mir verfahrt.“
Unsicheres Gemurmel ging durch die Menge. Ein paar paar von Ihnen entsicherten tatsächlich ihre Waffen. Goliath war angespannt. Nein er würde keinen Widerstand leisten, auch wenn es den Anschein hatte, das er eine beachtliche Menge seiner Kraft zurückgewonnen hatte. Was für ein Mittel sie ihm auch verabreicht haben mussten, es ging ihm besser. Nur war ihm das keine Hilfe gewesen. Irgendwie war die Lage hoffnungslos.
„Hört auf damit! Runter mit den Waffen.“ Irgendwer hatte sich zwischen die Männer mit den Waffen gedrängt. Aufstöhnend und nur sehr widerwillig befolgten Jene diesen Befehl.
Goliath sah zögernd auf und blickte hinauf zu Fuchs. Hinter ihr zogen sich deren Leute zurück, wenn auch zaudernd. Hudson war zusammen mit Elisa ebenfalls aus seinem Gesichtsfeld verschwunden.
„Steh auf, Goliath! Ich möchte nicht auf die hinabsehen, während ich mit dir spreche.“
Er tat wie ihm geheißen und bemerkte sofort, das außer ihnen und zwei Wissenschaftlern niemand im Raum zurückblieb.
„Eins ist sicher“, begann Fuchs. „noch ein wenig länger und du hättest sie getötet.“
Goliath wusste das Fuchs damit Elisa meinte. Es bereitete ihm immer noch große Sorge. Elisa hätte nicht zu ihm kommen dürfen. Wäre er doch nur bei Verstand gewesen, dann hätte er ihr Kommen verweigert.
Von all seinem Hadern nahm Xanatos Gattin keinerlei Notiz. „Du warst in keinem einfachen Fieberwahn verfallen.“
Missmutig schüttelte Goliath den Kopf. „Ich habe die Wirklichkeit und Traum nicht mehr auseinander halten können.“
„Was ist passiert?“
Er spürte wie sie ihn erwartungsvoll anschaute, aber es würde einfach zu lange dauern, das Alles mit den richtigen Worten zu erklären. „Ich wurde getäuscht, während ich eingesperrt war, wie ein wildes Tier.“
„Du weißt das es deiner und der Sicherheit aller Anderen diente.“
Goliath ballte seine Pranken zu Fäusten. Egal was passiert war, er durfte und konnte die Fassung nicht verlieren. Er musste sich zusammenreißen. Es gab für ihn nur die Möglichkeit zu Handeln, aber darüber würde er an erster Stelle mit Hudson allein sprechen.
„Ich kann nicht länger hier bleiben und darauf warten, bis mich das Gift in meinen Adern in die Knie zwingt.“
Aber Fuchs besaß ihre eigenen Ansichten. „Niemand kann dir garantieren, wie lange dich unser Medikament auf den Beinen hält. Wir waren uns nicht einmal sicher, ob es überhaupt Wirkung zeigt.“
Vielleicht war dem so. Niemand konnte sagen, wie viel Zeit Goliath bleiben würde. Der Clan war in alle Winde zerstreut und damit deutlich geschwächt. Ihr Anführer musste also eine Entscheidung treffen. Die Lösung dafür war vage, aber seine einzige Möglichkeit, wenn er nicht kampflos untergehen wollte. Seine Freunde durften sich nicht umsonst in Gefahr gebracht haben. Und auch wenn Goliath dagegen ankämpfte, so musste er an Angela denken. Immerhin war sie seine Tochter, gleichwohl er versuchte sie mit allen Anderen gleichzusetzen. Auf eine abstruse Art und Weise musste er von ihrer Entführung erfahren.
Ásdís. Der Blick ihrer trüben Augen drängte sich zurück in Goliaths Verstand und die Bilder die sie ihm gezeigt hatte.
Sagte Jene die Wahrheit über die Zukunft dieser Welt oder war es nur ein Teil ihres Plans, um ihn in die Irre zu führen? Brauchte Ásdís ihn und Angela am Ende nur als Schutzschild?
„Goliath!“ Fuchs holte ihn zurück in die Gegenwart. „Wenn du wirklich die Absicht hegst zu gehen, werde ich dich nicht aufhalten. Allerdings wird dich da draußen niemand schützen können.“
Goliath nickte verstehend. „Ich muss meinen Clan zur Seite stehen, so lange ich dazu noch in der Lage bin.“
Plötzlich trat Fuchs einen Schritt näher zu ihm heran und legte ihre Hände auf Goliaths Arm. Sie zeigte sich von einer ungewohnten weichen Seite die er bis dahin nicht von ihr kannte. „Du magst mir und David nicht allzu sehr vertrauen, doch was euch Gargoyles betrifft habt ihr immer zu eurem Wort gestanden.“ Sie senkte bedächtig, schon fast verlegen den Kopf. „Ich bin in erster Linie Mutter und als solche muss ich handeln. Denn entsprechen die Dinge die wir über Yggdrasil erfahren haben der Wahrheit so steht sehr viel auf dem Spiel. Nur leider habe ich keine Zeit es dir zu erklären.“
Goliath verstand sie sehr gut. Auch er hatte eine Familie zu beschützen.

Einen Teil dieser Familie hatte er großen Schaden zu gefügt.
Elisa lag in einem Bett und war an ihrem Körper mit einigen Geräten verbunden, wovon Goliath nichts verstand – nur das sie ihr halfen wieder gesund zu werden. Um ihren Hals lag etwas, dass vermutlich ihren Kopf stützen sollte.
An Elisas Bett stand Hudson und zu seinen Füßen lag ein wehleidig jaulender Bronx.
„Goliath?“ Sein alter Mentor kam ihm sichtlich verwirrt entgegen.
Goliath klopfte ihm entschuldigend auf die Schulter, denn er wandte sich direkt Elisa zu und setzte sich zu ihr ans Bett. Er ergriff ihre Hand und umschloss sie schützend in seinen Pranken. Sofort vermisste er ihre Wärme die von der jungen Frau immer ausging. Elisas Hand war kalt.
Goliath presste die Zähne fest aufeinander und flüsterte. „Verzeih mir, Elisa!“
„Goliath!“ Hudson stand nun direkt neben ihm. „Quäl dich nicht mein Junge! Elisa ist stark und kommt wieder auf die Beine.“
Doch Goliath war da anderer Meinung. „Elisa hat nun allen Grund mich zu fürchten.“
Hudsons Gesicht umspielte ein argwöhnischer Ausdruck. „Elisa wird es verstehen. Du musst es ihr erklären!“
„Nein!“ Goliath hatte sich von seinem Platz erhoben. „Dafür bleibt keine Zeit. Ich möchte das du und Bronx sie beschützt. Tut das, wozu ich nicht im Stande war!“
Der Gedanke wie Elisa fühlen und denken würde, wenn sie wieder erwachte, quälte Goliath zunehmend. Auch, wenn sein Herz ihm etwas anders sagte, so wollte er auf keinen Fall bei ihr sein, sobald sie erwachte. Er musste Rücksicht nehmen und daran denken was vor ihnen lag. Verlor er sich nun selbst, gäbe es vielleicht keine Möglichkeit mehr die Dinge richtig zu stellen. Keine Worte der Reue. Keine Zukunft. Kein Zuhause. Alles wäre vorbei. Mit dieser Gewissheit konnte er nicht leben.
„Goliath sei nicht zu hart zu dir!“
Hudson, der alte Gargoyle würde auch nie aufgeben Goliath aufzubauen. Er war die Vernunft des Clans. Goliath hatte sich immer auf ihn verlassen können. Und als ein Anführer erwartete man dies auch von ihm.
„Hudson!“, sagte Goliath bestimmend und breitete seine Flügel aus, so als wolle er damit seinen Aufbruch signalisieren. „Beschütze Elisa! Bitte versucht nicht mich zu finden!“
Danach lief Goliath direkt zur Tür. Auf dem letzten Meter stellte sich ihm Hudson allerdings in den Weg. „Was hast du vor?“
Goliath spannte sämtliche Muskeln an. Er knurrte und Zornes funkelnd begannen seine Auge zu leuchten. „Ich werde Demona finden!“
Da umschlang Hudson ihn am Arm um Goliath ganz klar am Gehen zu hindern. „Das könnte deinen  Tot bedeuten.“
Goliath entriss sich seinem Anhängsel und schubste seinen Freund rabiat bei Seite. Er würde hier nicht noch länger verweilen. Schließlich lief er einen Wettlauf gegen die Zeit. Zeit die von jeder Minute an weniger wurde. Elisa mochte überlebt haben, aber wenn seine Widersacherin die gleichen Ziele wie früher verfolgte, so wäre dies nur von kurzer Dauer. Diesmal, so befürchtete Goliath stand weitaus mehr auf dem Spiel.
Noch einmal wandte er sich den Freunden zu und an Jene an die er sein Herz verloren hatte, bevor Goliath schließlich verschwand. Er würde nicht kampflos aufgeben.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast