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Yggdrasils Träne

von Lilia
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Angela Brooklyn Elisa Maza Goliath
28.08.2014
16.06.2017
22
41.356
3
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28.01.2016 1.688
 
13. Jäger und Gejagte

Der Untergrund war kühl und metallisch. Die Decke kratzig, aber warm. Darunter sammelten sich tausend kleine Steinfitzelchen. Abgefallen wie Fischschuppen.
Brooklyn setzte sich auf und streckte sich ausgiebig. Von seinen Armen und Beinen fielen ein paar Bandagen ab. Verwundert sah er an sich herab. Hier und da waren noch vereinzelte mit Schorf bedeckte Wunden zu sehen.
Sein Gedächtnis arbeite auf Hochtouren. Was war geschehen? Und wie kam er hierher an diesen Ort?
Gerade als er vom Tisch herunterstieg tauchten die zwei Gestalten von Lexington und Broadway vor ihm auf. Seine Lippen verzogen sich zu einem breiten Lächeln. Die Zwei wussten sicher Rat.
„Brooklyn! Du bist zurück!“ Lex freute sich und sprang aufgeregt hin und her.
Broadway schlug dem Zurückgekehrten übereifrig auf die Schulter sodass es schon weh tat. „Du hast uns einen Riesenschrecken eingejagt!“
Brooklyn rieb sich die besagte Schulter in der Hoffnung auf Linderung. „Ich kann mich nicht so recht erinnern was passiert ist.“
„Diese grauenvolle Frau hat dir das angetan.“, sagte Lex wild gestikulierend.
Broadway pflichtete dem kopfschüttelnd bei. „Du hast Matt dabei das Leben gerettet.“
„Wartet! Wartet! Das geht mir etwas zu schnell.“ Ein wenig durcheinander fuhr er sich durchs Haar. Er versuchte seine Gedanken zu ordnen.
Erinnerungen an jene Frau kehrten zurück. Bösartig war sie und heimtückisch! Und dann war da das Feuer. Matt. Die Hitze.
Brooklyn begann zu straucheln und noch gerade rechtzeitig bugsierte Broadway ihn zurück auf den Tisch. Alles fühlte sich so komisch an. Er könnte schwören das Feuer erneut zu spüren. Und diese furchtbaren Schmerzen die ihm am Ende den Verstand geraubt hatten. Das Ganze steckte Brooklyn noch vieler tiefer in den Knochen, als ihm lieb war. Der Schmerz war vorbei, aber der Schreck war noch nicht ganz überwunden.
Lex schien seine Sorge zu bemerken und sprang zu ihm auf den Tisch. „Sie ist fort und kann uns nichts mehr anhaben. Wir sollten nach Hause fliegen. Hudson und Elisa warten auf uns.“
Brooklyn nickte. „Ja nach Hause!“
Weitaus entschlossener sprang er vom Tisch. Seine Blicke schweiften durch den Raum. Hier gabs kein Fenster. „Wo sind wir hier eigentlich?“
„Beim Tierarzt.“, grinste Lex. „Der hat dir das Leben gerettet!“
Tierarzt! Das wurde ja immer besser. Aber als Gargoyle konnte man sich ja schlecht den Arzt seines Vertrauens aussuchen. Und dann konnte das schon mal ein Tierarzt sein. Brooklyn war nicht wählerisch, aber die Umstände unter denen er hierher gekommen ist gaben ihm schon zu denken.
Er ging einmal durch den Raum direkt zu Tür. Sie ließ sich nicht öffnen.
„Die Tür ist verschlossen!“
„Komisch.“ Lex kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Matt hat gesagt bevor er ging wir seien hier sicher. Aber nicht das man uns hier einschließt.“
Broadway dem die Unsicherheit seiner beiden Freunde nicht aufzufallen schien marschierte schnurstracks auf die Tür zu. Er nahm einen kleinen Anlauf und ehe sie etwas sagen konnten, hatte der Grünling die Tür aufgestoßen. Die gleich darauf aus den Angeln fiel. „Jetzt ist sie offen!“
Brooklyn und Lex stöhnten genervt auf. Hoffentlich gabs keinen Ärger.
„Nun der Weg ist frei.“ Damit übernahm Brooklyn die Führung und ging voraus.
Er trat hinaus in den Flur. Auch da war alles Licht erloschen. Ehrlich gesagt hatte er ja nicht erwartet das Tierärzte Tag und Nacht arbeiteten, aber irgendwie ergriff ihn das Gefühl das hier etwas nicht stimmte. Schließlich war es Broadway der seine Aufmerksamkeit erregte.
„Seht mal! Hier muss ein Sturm gewütet haben.“
Die Bilder an den Wänden hingen schief oder waren ganz und gar heruntergefallen. Scherben und lose Seiten aus Papier bedeckten den Boden. Türen zu den angrenzenden Räumlichkeiten waren herausgebrochen. Tapeten hingen lose runter und waren zum Teil beschmiert mit roter Farbe. Brooklyn besah sich die Schmierereien und erkannte eine alte Sprache wieder, die ihn an die Wikingerzeit erinnerte. Dennoch konnte er es nicht lesen. Es musste weitaus älter sein. Bedächtig fuhr er mit den Fingern über die Runen. Er wusste nicht ob er Wehmut empfinden sollte bei den Gedanken an die alte Heimat oder ob er besser Vorsicht walten ließe. Letzteres trat ein.
Die Runen begannen glühend aufzuleuchten, als ob sie brennen würden.
Brooklyn machte einen Satz rückwärts. Seite an Seite starrten die Jungs die Wand an. Aus den glühenden Buchstaben wurden kleine Flammen. Züngelnde Flammen brannten sich in die Wand. Verschlangen die Tapete und verwandelten sich zu einem Bild. Funkelnd offenbarte das Feuer einen Baum.
„Was hat das zu Bedeuten?“ Lex sprach aus was die Anderen dachten.
Zunehmend wurde Brooklyn nervöser. Er verkrampfte sich und seine Augen leuchteten bedrohlich auf. „Wir sind nicht allein!“
„Au!“, schrie plötzlich Broadway und fiel laut krachend zu Boden.
Lex sprang aufgeschreckt hoch an die Decke und klammerte sich im Mauerwerk fest. Brooklyn blieb wo er war, um die Lage auszukundschaften. Er hörte ein Zischen und wurde an den Beinen weggerissen. Was es auch war Lex griff beherzt ein und biss mit seinen kleinen Zähnchen den unbekannten Gegner.
Das Zischen wurde lauter und aufgebrachter, aber vor allem wütender. Brooklyn kam schnell auf die Beine zurück und konnte gerade noch so etwas länglichem welches ihm erneut um die Beine schlug ausweichen.
Broadway kam hinzu und gab ihm Deckung. Während der Kleine wieder Schutz an der Wand suchte.
„Was ist das?“, fragte Broadway nervös.
„Keine Ahnung, aber es versperrt uns den Weg!“ Brooklyn hatte es sofort verstanden und es behagte ihm gar nicht.
Abermals peitschte ihnen etwas, ähnlich einem Schwanz entgegen. Die zwei Gargoyles am Boden sprangen zugleich darüber und versuchten daran vorbeizurennen – mit eher mäßigen Erfolg. Die Kreatur drängte die Zwei zur Seite. Brooklyn ächzte. Er konnte schwören seine noch nicht verheilten Wunden aufplatzen zu spüren. Doch für Wehleidigkeit war keine Zeit! Sie rannten weiter.
An der Decke kraxelte Lex. Wo er nur konnte stieß er Warnungen aus. Denn ihn schien der Angreifer nicht zu bemerken oder das Interesse war eher mäßig und das obwohl ER zugebissen hatte.
Endlich schien das Wesen zu verharren. Zwangsläufig musste das nichts Gutes bedeuten. Es bereitete sich auf eine erneute Attacke vor. Doch es gab den Dreien endlich die Chance ein Auge auf  das Getier zu werfen.
Der lange dicke Körper maß mindestens sechs Meter. Schuppig war die Haut und glänzte matt in dunklen moosgrün.
Ungehalten stieß Lex einen knappen Schrei aus. „Das ist ne Schlange!“
Die Schlange schlug zornig mit den Kopf gegen die Decke und verfehlte Lex nur knapp. Er fiel herunter und wurde geradewegs von Broadway aufgefangen. Die Schlange war für einen Augenblick verwirrt. Da brüllte Brooklyn. „Lauft!“
Sie rannten zum Ende des Flurs direkt durch eine der offenen Türen. Im Treppenhaus blicken sich die Drei kurz einander an  und entschieden sich für den Weg nach unten. Kurzerhand sprang ein Gargoyle nach dem Anderen über das Treppengeländer.
Leichtfüßig kamen sie auf und fanden sich im Heizungskeller wieder. Das große Reptil glitt elegant am Geländer runter und das in einem atemberaubenden Tempo. Laufen war nun Devise und zwar schnell. Nach alter Manier ging das auf allen Vieren am besten. Bis auf den kleinen Lex hatten sie hier keinen Platz zum Gleiten.
Die Schlange zischte und schnappte zu. Um ein Haar wäre Lex' Schwanz zwischen ihre spitzen Zähne geraten.
„Ich hoffe sie ist nicht giftig.“, äußerte Brooklyn atemlos.
Aber konnte sie das? Auch noch giftig sein? War sie denn nicht schon boshaft genug, auch ohne Gift?
„Brooklyn wohin sollen wir entkommen?“ Broadway war verängstigt und würde bald außer Puste geraten.
„Da lang!“, befahl Brooklyn und sie bogen nach rechts.
Früher oder später würden sie in einer Sachgasse landen oder im Maul der Schlange. Das war Brooklyn wohl bewusst, aber ihm war auch klar das sich draußen die Aufmerksamkeit ihrer Verfolgerin auf die Menschen richten könnte. Das konnte er nicht verantworten!
„Lauft weiter!“
Irgendwann gelangten sie nach draußen in einen Innenhof. Außer einem Blumenbeet, zwei Parkbänken, Mülltonnen und einer Laterne war dort nichts von Nutzen.
„Los sucht euch irgendwas womit wir sie erledigen können.“
Die Freunde nickten. Broadway lief zu der Bank. Währenddessen startete Lexington ein Ablenkungsmanöver. Er schwirrte 'ihrer Freundin' wahllos um den Kopf herum. „Na komm schon du hässlicher Wurm!“
Seine Gelegenheit nutzend suchte ihr Anführer den Hof noch einmal ab. Das Resultat blieb ernüchternd – die Bank. Im Notfall vielleicht auch die große massive Laterne, aber nur mit vereinten Kräften.
Brooklyn und Broadway zerrten also an der Bank. Die Leisten brachen sie möglichst spitz zulaufend ab.
Zugleich warf Brooklyn Lex eine Holzleiste zu. „Lex fang auf!“
Dann brach das wilde Gemenge aus. Gargoyles und Schlange umkreisten sich. Jeder musste einmal als Köder herhalten. Der Plan ihre Gegnerin zu verwirren würde kurz aufgehen.
Lex tänzelte vor ihrer Nase. Broadway versuchte ihr in den Rücken zu stechen. Das Holz in seinen Händen splitterte, aber die dicke Lederhaut gab keinen Millimeter nach. Allenfalls hatte Broadway sie damit gekitzelt. „Die Haut ist zu dick!“
Jetzt wurde sie so richtig wütend. Mit dem Schwanz schlug sie so fest zu, das der arme Broadway auf die Parkbank stürzte. Diese brach entzwei. Ihr grüner Freund lag besinnungslos da.
Lex war an der Reihe und hatte große Mühe ihrem Alles verschlingenden Schlund zu entgehen.
„Stich ihr in die Augen Lex!“
„Würde ich ja, wenn sie mich nicht fressen wollte.“
Brooklyn sah sich gezwungen direkt anzugreifen. Er nahm Anlauf und sprang an ihren Hals. So fest er konnte hielt er sich fest. Die Kreatur warf ihren Kopf wild hin und her, sodass auch dieser Versuch als abgehakt gekennzeichnet werden konnte. Der Hals war bestens mit Schuppen bestückt und undurchdringbar, selbst wenn Brooklyn Zeit zur Attacke gehabt hätte. Holz half auch nicht weiter!
Plötzlich jaulte Lex auf. Die Schlange hatte ihm am Arm erwischt und hielt daran fest.
„Hilfe! Hilf mir Brooklyn!“
Brooklyn stieß sich kräftig ab und sprang auf ihren Kopf. Er stach mit dem Holz zu und verfehlte das Auge nur knapp. Lex fiel und Brooklyn der nichts mehr derartig leichtsinniges riskieren wollte, stürzte sich herab um ihn vorm Sturz zu bewahren oder ihren Zähnen. Es gelang ihm auch. Allerdings schien die Misere groß. Lex lag mit einer klaffenden Wunde in seinen Armen und Broadway kam eher lahm als schnell auf die Beine zurück.
Brooklyn rutschte fast das Herz in die Hose, als das überdimensionale Vieh sofort zum erneuten Schlag ausholte.
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