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The Purge - Die Säuberung geht weiter

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Horror / P16 / Gen
27.08.2014
28.08.2014
2
3.115
 
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Dieses Kapitel
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27.08.2014 1.371
 
Wir schreiben das Jahr 2022

Die Arbeitslosigkeit liegt bei unter 5%, Kriminalität ist nahezu nicht mehr existent, da jedes Jahr immer weniger unter der Armutsgrenze leben. Grund dafür sind die „Neuen Gründerväter Amerikas“.  Die neue Regierung führt, diesbezüglich erfolgreich, eine alljährliche „Purge“ – Säuberung –  durch, in der alle Verbrechen, inklusive Mord legal sind. Von 19:00 Uhr abends bis 7:00 Uhr des Folgetages sind die Notrufsysteme von Polizei, Feuerwehr und Krankenhäusern nicht erreichbar.
Die einzigen Regeln sind, dass hohe Regierungsbeamte ab „Stufe 10“ nicht in Mitleidenschaft gezogen und nur Waffen bis „Stufe 4“ eingesetzt werden dürfen.

Wir erleben die Nacht - die Purge Nacht - jedes Jahr auf das Neue. Der erste Teil zeigt uns, was passiert, wenn wir jemanden in unser Haus lassen. Der zweite Teil, was passiert wenn wir es nicht rechtzeitig nach Hause schaffen oder wir von dort weggeholt werden. 12 Stunden, die über Leben und Tod entscheiden, die dich nicht schlafen lassen werden und die dir zeigen, was wirklich in den Menschen steckt.
Was bist du? Purger oder das Opfer?


Zwei Jahre später, Detroit 2024

Beckett Prescott starrte aus dem Fenster und musterte die sich leerende Straße. Leute brachten ihre Habseligkeiten in Sicherheit, schickten ihre Liebsten aus der Stadt, rüsteten ihre Häuser mit Sicherheitssystemen und Überwachungskameras aus, versteckten Abwehrmechanismen, oder sie deckten sich schlichtweg mit Waffen ein. Man konnte differenzieren, wer zu denen gehörte, der sich die Nacht über verschanzte und wer auf die Straßen ging um zu purgen.
Ein bitterer Geschmack breitete sich beim Gedanken an die in der Luft schwebende Mordlust auf ihrer Zunge aus. Jedes Jahr zur selben Zeit, wurde in ganz Amerika die Säuberung durchgeführt. Also etwas, an das man sich eigentlich gewöhnen konnte. Womit man sich einfach abfinden musste.
Die Purge allerdings war etwas, mit dem sich Beckett nicht abfinden wollte. Es war ihr in den beiden Jahren nicht entgangen, dass die Opfer der Säuberung meistens Personen aus den sozial schwachen Umfeld waren. Und das, das wollte sie nicht gut heißen. Dabei war ihr auch herzlich egal, ob die Purge gegen Kriminalität und Arbeitslosigkeit half.
Klar, sie hatte dem einen oder anderen aus Frustration schon hin und wieder den Tod an den Hals gewünscht, das hieß jedoch nicht, dass sie wirklich wollte, dass die betreffenden Personen einen qualvollen Tod durch die Säuberung fanden. So etwas sagte man hin und wieder schlichtweg aus Frust oder aus Wut, doch nur die wenigsten meinten dies ernst, Beckett selbst würde das Töten niemals über das Herz bringen können. Oder vielleicht doch?

Noch 5 Stunden bis zum Beginn der Säuberung

Es war erst Mittag, gerade eine Stunde nach dem Mittagessen und dennoch war die Luft erfüllt von nervösem Summen. Warum sollte man sich jetzt weiter damit befassen, wenn die besagte Nacht doch erst in ein paar Stunden anbrach? Die Nacht der alljährlichen Säuberung. Die Nacht, in der alles erlaubt war.
Becketts Mutter hatte immer gesagt, man sollte sich keine Gedanken über ungelegte Eier machen. Es würde einen nur unglücklich machen und einem unnötige Sorgen bereiten. Außerdem würde man sich noch genug Gedanken machen, sobald die Sirene erklingen würde. Die junge Frau hatte sich das oft versucht zu Herzen zu nehmen, doch in so manchen Situationen - wie dieser -  erwies es sich noch immer als schwierig.  
"Denkst du auch schon an die Säuberung?" Lorraynes Gesicht schwebte nur wenige Zentimeter vor Becketts. Erschrocken über die plötzliche Anwesenheit ihrer Kollegin verdränge die Angesprochene die Gedanken an die bevorstehende Säuberung und blickte zu ihrer Freundin und auch Kollegin auf. "Nicht so wirklich", gab sie ausweichend zur Antwort und zuckte abweisend mit den Schultern. Lorrayne war nicht sonderlich überzeugt - jeder, der nicht purgen wollte, machte sich am Tag davor Gedanken - lächelte dann jedoch und widmete sich wieder ihrer Arbeit.
Das war das Zeichen, dass auch sie selbst wieder an die Arbeit gehen sollte. Lange hatte sie auf die Stelle in der Bibliothek gewartet - und ihn endlich ergattert. Sie hatte sich mit einem Empfehlungsschreiben beworben, doch die bis dato angebotene Stelle konnte nicht vergeben werden und so hatte es gedauert, bis wieder ein Platz frei wurde. Und das wollte sie nicht einbüßen. Nicht einmal durch die Sorgen der anstehenden Nacht.
Beckett wollte am heutigen Tag etwas früher Schluss machen, um noch bei ihrer Mutter vorbei zu schauen, doch irgendwie klappte der gesamte Tagesablauf nicht so, wie er sollte. Immer mehr Lieferungen wurden gebracht und mussten einsortiert werden, Kunden verlangten nach Aufmerksamkeit oder schlichter Beratung. Lorrayne und sie ackerten mitsamt der momentan anwesenden Praktikantin schon seit dem Morgen, doch die Bücherflut wollte irgendwie nicht abnehmen. Und so verstrichen die Stunden immer schneller.

Noch 1 Stunden bis zum Beginn der Säuberung

Gerade eine Stunde vor der offiziellen Sperrstunde schaffte die junge Frau es endlich in die hinteren Büroräume und sortierte rasch ihren Platz, meldete sich wie gewohnt ab und legte die Stempelkarten der anstehenden Bücher in die Box neben dem Hauptschalter. Dann war sie raus. Dummerweise war Beckett heute mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren und nicht wie sonst, mit dem Bus. Der war ihr vor der Nase einfach abgefahren. Leider dauerte die Fahrt dementsprechend lang und sie musste den Umweg zu ihrer Mutter auch mit einrechnen. Gerade heute musste sie krank sein und Beckett ihr Medikamente vorbei bringen. Es war wirklich wie verhext.
Ausgerechnet heute kam alles zusammen.
Doch die Brünette wollte sich nicht unterkriegen lassen, irgendwie würde es schon klappen. Das hatte es bisher jedes Jahr. Und wenn sie doppelt so schnell radelte als sie es sonst tat, dann war das eben so. Besser als nach der Sirene noch auf der Straße zu sein.
Wider zu erwarten klappte alles gut. Ihr Zeitplan verlief endlich wie ursprünglich geplant und so steuerte Beckett das Rad durch die mittlerweile Menschenleeren Straßen, nur ein Ziel vor Augen: ihre kleine Wohnung am Fluss. Dort würde sie sicher sein. Sich abschotten und in einem kleinen Kellerraum mit einem Buch, einer Decke und einer Kanne Tee einschließen und warten, bis alles vorbei war. Das hatte sie jedes Jahr getan. Bisher auch immer mit Erfolg.

Noch 5 Minuten bis zum Beginn der Säuberung

Während sie in die erste Wohngegend einbog, kamen ihr noch einmal Lorraynes Worte in den Kopf, welche sie kurz vor ihrem Weggang von sich gegeben hatte. "Wer wohl dieses Jahr nicht mehr im Club erscheint..."
Diese Worte ließen Beckett nicht mehr los, sie musste an den Buchclub denken und vor lauter Gedanken verpasste sie die richtige Abzweigung und musste eine Schleife fahren. Zeit aufwenden, die sie jetzt nicht mehr hatte. Sirenengeheul setzte ein, laut und dröhnend. Vibrierte durch die leeren Straßen.

"Dies ist kein Test.
Hier spricht das Notfallübertragungssytem.
Wir verkünden den Beginn der diesjährigen Purge - der Säuberung, die offiziell von der US-Regierung zugelassen wurde.
Waffen der Klasse 4 und niedriger sind für den Einsatz während der Säuberung erlaubt. Alle anderen Waffen sind nicht erlaubt.
Regierungsbeamten vom Rang 10 wurde für diese Säuberung Immunität gewährt und sie dürfen nicht verletzt werden.
Sobald die Sirene ertönt sind sämtliche Verbrechen, einschließlich Mord, für 12 Stunden erlaubt.
Polizei, Feuerwehr und medizinische Notfalldienste sind bis morgen früh um 7 Uhr, wenn die Säuberung endet, nicht verfügbar.
Gesegnet seien die neuen Gründerväter und Amerika, eine wiedergeborene Nation.
Möge Gott mit Ihnen sein."


Es durchzuckte sie wie ein Blitz. Brutal und erbarmungslos. Es war zu spät. Sie war zu spät. Beckett hatte keinerlei Möglichkeit mehr, sicher nach Hause zu kommen und sich damit in Sicherheit zu begeben. Früher oder später wurde einer der Purger ihren Weg kreuzen und sie als Opfer betrachten. Sie töten. Diese Nacht würde ihren Tod bedeuten. Wieder musste die junge Frau voller Sarkasmus an die Worte ihrer Kollegin denken und ein bitteres, hartes Lachen schlüpfte über ihre Lippen. Warum war sie nicht einfach im Bett geblieben.
Sie strich sich eine braune Strähne aus dem Gesucht und band sich das lange Haar nervös zu einem Zopf. Da sie zu zittrig war, um weiter zu fahren, stieg sie von dem Fahrrad ab. Setzte sich für ein paar Atemzüge hinab auf den Bordstein. Ein dicker Kloß hatte sich in Becketts Hals gebildet und erschwerte ihr das Luftholen. Verbittert fuhr sie sich mit der Hand über die Stirn.
Dann hatte es also begonnen. Und sie war mitten drin. Mitten in einem schrecklichen Kampf um das Überleben.
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